Ausgabe 
11.8.1906
 
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kranken bewahren, uuti ut

erkannt wurde, kann cs schon ..... uutiC|ltul

Mben, und um gesunde Kinder vor der Berührung mit keuch- hustenkranken zu bewahren, müßte man sie von jedem überhaupt hustenden Kinde entfernt halten, ohne schließlich auch hierdurch die absolute Sicherheit vor der Ansteckung zu haben, denn vielleicht kann auch angetrockneter Schleim, der von einem keuchhusten- iranken Kinde ausgehustet wurde, an irgend einem Gerät, welches nnem gesunden Kind in die Hände fällt, dieses infizieren. ^rr^Sand der Spielplätze, wenn er nicht intensiver Sonne aus­gesetzt ist, dürste als Ansteckungsmöglichkeit eine größere Rolle !?«» als man bis jetzt ihni zutraut. Dazu kommt noch, daß frische Luft das beste Mittel ist, die Keuchhustenanfällc au Ljahl, zu vermindern, also sind die lleiuen Patienten nach Möglich­keit m die freie Statur zu bringen, eben dorthin, wo sich auch Gesunde ergehen.

t . kann doch durch strengste Vermeidung einer

^Znfertlonsmoglichkeit eine Erkrankung vermieden werden, und dringend ist jede Berührung mit keuchhustenkranken Kindern anzuraten, wenn es sich um Säuglinge und Kinder unter drei Jahren, sowie um mit Tuberkulose behaftete Kiuder handelt. Weit die Ueoertraguug nicht ans heitere Entfernung erfolgt, aua) nicht durch gesunde Personen, die sich vor Berührung und Beschmutzung durch keuchhustenkranke frei hielten, so kann auch «t1 Jc?en ^ause durch strenge Abschließung der Gesunden eine Ansteckung derselben verhindert werden.

Zer Keuchhusten.

Wie bei allen Infektionskrankheiten wechseln auch beim Keuchhusten Jahre mit wenigen Krankheitsfällen und Jahre mit gehäuftem Auftreten, auf mehrere Jahre der Riihe folgt ein Epidemiejahr. Wie die Mafern verhält sich auch der Keuch­husten: ist eine erhebliche Zahl von Kindern durchseucht, so er­lischt scheinbar die Krankheit, um nach gewisser Pause sehr er­heblich wieder aufzutreten.

Keuchhusten ist ausnehmend ansteckend und, da die meisten Menscheil für das Keuchhustengift empfänglich sind, gehört er zu den häufigsten Kinderkrankheiten, aber auch Erwachsene und selbst alte Leute können an Keuchhusten erkranken, wenn sie die Krankheit noch nicht überstanden haben. Weil die meisten Men­schen eben schon als Kinder den Keuchhusten durchgemacht habe», erkranken so wenige Erwachsene daran, denn ein einmaliges Ueberstehen schützt vor erneuter Ansteckung.

Wohl über keine Erkrankung bestehen so viele irrtümliche Ansichten wie über den Keuchhusten und wirken sehr häufig schäd­lich. Erne Reihe von Umständen wirken zusammen, die Ansteckung zu erleichtern, andererseits einen Schutz vor der Ansteckung zu­weilen illusorisch zu machen. Der Kenchhusteii ist wahrschein­lich schon ansteckend in dem Stadiuni der Erkrankung, wo er noch gar nicht erkannt werden kann. Ein Kind, das mit ans- gesprochenen Keuchhustenanfällen behaftet ist, kann man von andern fernhalten, und gesunde Kinder von der Berührung mit diesen *i- aber bis dieses Kind als kcuchhustenkrank cs schon eine Menge Spielgefährten angesteckt

Bei Schulkindern erfolgt meistens die Ansteckung bevor der Keuchhusten als solcher erkannt ist, selbstverständlich darf ein öN^itenkrankes Kind nicht in die Schule, aber in den meisten galten wird es vorher schon einige seiner Kameraden infiziert haben.

,,kr Keuchhusten tritt bei verschiedenen Epidemien verschieden stark auf, bei der>elben Epidemie gibt es gleichfalls leichte und schwere Salle. Im allgememcn wird der Keuchhusten meh- als CI*tG I?n9toicnge imi) unangenehme Krankheit denn als eine gefährliche anzesch.n aber, die Erf. Yrung betätigt diese Ansicht «'Zt, den jüngsten Lebensjahren ist der Kcuchhusten am meisten s» d@ ,dLenyti° Kmdern mit. schwerer Rachitis. Gefährlich ist der Keuchhusten auch durch Hmzutreten anderer Krankheiten spe- » f db^^rigen- Eine sorgfältige Ucberwachung keuchhusten- kran.kcr Kinder ist durchaus notwendig, Fieber verlangt stets Zuziehung , des Arztes, denn es zeigt an, daß der Verlauf ein

®obc!lb ^er charakteristische Husten da ist, und damit auch der Laie die Diagnose Keuchhusten mit Sicherheit M1,6" kann, wird huusig der Keuchhusten ohne Befragen eines Arztes auf eigene Hand kuriert, eine Menge unfehlbarer Mittel S"6» ra m den Zeitungen angepriesen und alle guten Be­kannten beeilen sich mit ihren Erfahrungen und Mittelchen zu Solange es sich um einfache Hausmittel handelt läß! mUte? «ftpbf^..man um schweres Geld die Reklarne- befraaeil '^Etn E "ch deren Wert beim Arzte

auk^ hm wm eine wirklich heilende Einwirkung

,^!^,den.Keuchhusten hat, gibt es Nicht, sondern nur solche Mittel be??abkü»en"' Sna'r06' Astn Falle die Dauer der Krank- in ^n' ??c1 verschiedene sein und im gegebenen

Falle ist einmal dieses, das andere Mal jenes zn verordnen re nach den begleitenden Umständen. Auch die DiätetU die Lebensweise, Lustgcnich, Spazieren gehen und dergl. läßt' sich Mnsr*1 Bogen ein für allemal festlegcn, da sprechen

Stände^s^^»"""^e',WittWung, Jahreszeit und andere Um- stande. oft em gewichtiges Wort mit. Aber eines ist doch m

Luftwechsel soll den Keuchhusten heilen ^und SdiW k \ Fehler begangen. Der Luft-

wechsel ist durch bloßen Ortswechsel meist nicht erreicht. Auch mt cm Keuchhusten doch zum Ausbruch, wenn auch sofort

^?^^^llen der Diagnose ein Luftwechsel vorgenommen wurde. Ein Ortswechsel aus entern rauhen Klima in ein mildes gleichmäßiges, wird stets wohltuende Folgen haben, aber nur wenn eben die Kinder stunden- und tagelang im Freien zubringen können und die Wohnungsverhältnisse derart sind, daß auch hier jede Erkältungsgefahr vermieden wird. Ein mildes südliches Klima wird nichts nützen, wenn mit demselben der Aufenthalt in I kalten, lange unbewohnt gewesenen, nicht heizbaren Hotelzimmern I verbunden, ist. . Niemals aber soll man reisen, ohne vorher genaue Sicherheit über die Unterkunst eingcholt zu haben, dazu gehört, daß man dem Wirt mitteilt: es kommen Keuchhusten- I neL sonst kann es sich ereignen, daß nach der Ankunft beim ersten Hnsteuanfall der weitere Aufenthalt versagt wird. Unsere I « ^erfrischen und Bäder betonen in ihren Prospekten, daß I ^ubukrankc Kinder nicht aufgenommen toerben und ihre Ruckreye höflich aber bestimmt verlangt wird; und man kann ihnen nicht Unrecht geben Es ist also stets das Beste, zunächst I den Verlauf des Keuchhustens zu Hause in den geordneten Ver­hältnissen abzuwarten und erst später zur Erholung des Kranken ! le ", der Jahreszeit und den Verhältnissen einen entsprechen- den Aufenthalt im Süden oder an der See folgen zu lassen I Man kann m Bezug auf die Schonung der Kinder nach Keuch­husten lieber etwas ängstlicher sein, als nach dem Aufhörcn der charakteristischen Hustcnanfälle die Kinder schon als gesund zu betrachten. Die Eigenart dcr Keuchhnstcncrkraukuiig bringt cs nut sich, daß die widersprechendsten Ansichten bestehen. Beim gewöhnlichen. Keuchhusten ist das Kind nur während der An­falle krank, rn der Zwischenzeit ist es gesund; diese Beobachtung I wag zu der Auffassung geführt haben, daß der Keuchhusten eine I ijnjirtigc Augewohiihcit fei, die durch die Rute kuriert wird.

Allerdings gelingt es nicht selten, Keuchhustenanfälle durch Droh- | imgen, durch Slbleukung der Aufmerksamkeit dcr Kinder nicht zum Ausbruch kommen zu lassen, und manche Kinder verfallen von selbst auf . allerlei Mittel, durch welche sic einen drohenden Anfall unterdrücken. Andererseits kann die Umgebung durch ihr I verhalten dazu beitragen, die Anfälle hervorzurufen ober zu vermehren, wenn sie die Kinder darauf aufmerksam macht: jetzt kommt ein Anfall! ängstlich den Kopf hält ober sonst Avwehr- maßrcgcln irgend welcher Art ergreift. Daraus ergibt sich die schwere Aufgabe für die Pfleger keuchhustenkranker Kinder: auf der ernen Seite sorgfältige Ausschaltung aller Schädlichkeiten, also eine gewisse Aeugstlichkeit, andererseits dem Kranken gegen­über cme gewisse Sorglosigkeit und zuversichtliche Ruhe: also ä; B. Sorge für reichlich frische Luft und Bewegung im Freien emerfeit8 und andererseits Vermeidung jeder Erkältungsgefahr; reichliche kräftige Kost, aber keine llcberfiitternng; Spielen im tyreicn, aber ilicht Tollen; Abhärtung, aber keine übertriebene. Schonen aber kein Verzärteln. Den rechten Mittelweg zu siiidcn, I darin liegt häufig die Kunst; und in vielen Fällen gelingt dres eben doch nur durch die ärztliche lkeberwachung, durch welche rechtzeitig nach der einen oder anderen Richtung eingreifende Verhaltungsmaßregeln gegeben werden.

Die deutsche Pompadour.

Unter dem etwas protzigen TitelA German Pompa- dour' hat die englische Schriftstellerin Marie Hay ein Buch erscheinen lassen. Diedeutsche Pompadour", die Frau Hat, uns vorstellt, ist Wilhelmine v. Graevenitz, Lnnd- hofmeisterm von Württemberg. Diese Frau, deren Lebens­geschichte bis jetzt wenig bekannt war, war die Geliebte des Herzogs Eberhard Ludwig von Württemberg (um 1720), und hatte aus das Leben des Herzogs wie auf die Ge- schichte des Herzogtums einen bedeutenden Einfluß. Die junge Wilhelmine war eine sehr hübsche, sehr romantische und sehr abenteuerliche kleine Mecklenburgerin. Als ganz junges Mädchen entfloh sie mit Herrn Gabriel, ihrem Musiklehrer, aus dem väterlichen Schlosse. Ihr Weg führte sie nach Stuttgart, und sie hatte die Ehre, vor dem Hofe in La Fontaines KomödieLa Coupe cnchantee" zu spielen. Herzog Eberhard verliebte sich sofort in die Kleine und beschloß, ihr noch am selben Abend seine Liebe zu erklären. Er forderte das junge Mädchen auf, mit ihmbeim Schein des Mondes zu promenieren". Sie nahm die Einladung an und spielte als gewitzte Abenteuerin, die sie war, dem verliebten Fürsten gegenüber die Kokotte. Eberhard Ludwig war so verliebt, daß er nichts Vernünftiges sprechen konnte, was immer ein Zeichen übergroßer Liebe ist. Als er die Geliebte verließ, sagte er nur:Auf Wiedersehen, Philo- mele!" Und Wilhelmine wurde kühner und antwortete:Aus Wiedersehen, mein Dichter!" . . . Tas zweite Zusammen- treffen der beiden jungen Leute ist noch viel romantischer. Eines Tages hatte sich Wilhelmine mit kluger Absicht im Walde verirrt und sang in ihrer Slot eine damals sehr be­liebte Arie von Lulli, in welcher ein Verliebter sein Lieb­chen also anschmachtet:

Dichter Wald, wehr ab der Sonne Schein, Für mich kannst niemals du zu dunkel sein.