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Archäologe der Welt angesehen werden. Leider kann ich meine Frau, die nie einschläft, ehe sie nicht 200 Verse in der Jliade gelesen hat (nämlich im Original) nicht mitnehmen, denn wir erwarten einen kleinen Agamemnon: voriges Jahr kriegten wir eine Tochter, die Aübromackc getauft ist." Besonders beunruhigten Schliemann die Zweifel, die Curtius gegen den Ort seiner Ausgrabungen erhob. Er will gern 24 000 Rtlr. ausgeben, wenn cs ihm nur gelingt, die bestimmtesten Beweise aufzu- sinden, daß hier Pergamon lag. Boll Jubel datiert er sein Schreiben vom 23. Juli 1872 von „Pergamon des Priamus". Er ist endlich ans die kolossale trojanische Mauer gestoßen, die er aus seinem Homer kennt, ja er findet auch noch den ungeheuren Turm, dessen der Sänger der „Ilias" erwähnt. Seine Kosten betragen täglich über 400 Fr. „Hinsichtlich der bis jetzt gefundenen Gegenstände darf ich sagen, daß ich für die Archäologie eine neue Welt aufgefunden habe, denn, nur um ein Beispiel zu zitieren, finde ich Tausende und Abertausende von Stücken Terrakotta in Form des Vulkans und des Carousels, die.mit den verschiedenartigsten religiösen Symbolen bedeckt sind; auch alle andere Töpferarbeit ist hier so phantastisch und mannigfaltig wie nur möglich." Freilich hat sich Schliemann in der Ausdeutung dieser „Gesichtsnrnen" phantastischen Vorstellungen hingegeben und z. B. in einem Krug die älteste Darstellung der „Eulenäugigen" Athene zu finden geglaubt. Eine schwere Erkrankung hinderte ihit daran, die Ausgrabungen fortzusetzen und er inußte nach Athen znrückkehren. „Da alle meine drei Aufseher, und mein Bedienter, der mir als Kassierer dient, am giftigen Fieber erkrankten und ich selbst sehr leidend war, so habe ich die Ausgrabungen nur bis zum 14. August fortsetzen können, habe aber in den letzten Tagen icoch viel gefunden." Schliemann berichtet dann noch aus denr Jahre 1873 vou dem Funde des trojanischen Goldschatzes und erzählt den« Kolberger Freunde auch von seinen Forschungen in Mykenä und seinen großen Erfolgen. _______________
Reisen.
— Ave Italia. Reisestimmungen und Studien. Von Alexander von Gleichcn-Rußwurm. Mit 22 Vollbildern. Berlin 1906, Alfred Schall. 335 Seiten. — Ein klassisches Buch über Italien! Der Verfasser hat Italien besucht mit jener innigen Anteilnahme, die das Gemüt zur Produktion anregt. Man sieht, er hat das Land mit der Seele gesucht in der Ueberzeugung, daß cs ihm etwas bieten werde, lind es hat ihm seine Reize und Kultur gcoffenbart. Die Schönheiten des Gardasees, von Venedig, Rom, Latium und Monte Cassino tverden mit der ori- giuellen Art und Scharfsicht des Künstlers erfaßt und iit vorbildlicher glänzender Sprache dem Leser mitgeteilt. Gleichen- Rußwurm, Schillers Enkel, will die Fäden suchen, die uns mit den großen Kulturepochen Italiens geistig verbinden, die Fäden, an denen wir das Gewebe der modernen Kultur gleichwertig weiterführen können". Wir sollen Italien sehen, „tote seine poetische, stimmungsvolle Schönheit mit dem Vergaugeueu zusammenhängt. Die Seele, das Unsterbliche der italieitischen Landschaft, der Bauten und Trümmer, liegt in der Erinnerung, die der Gebildete an sie knüpft." Kulturhistorische Studien wechseln mit den landschaftlichen Schilderungen, die ebenfalls von anmutigen, interessanten kultnrhistorischen Vermerken jederlei Art durchzogen sind. Der Verfasser führt uns in die Antike und untersucht den Zusammenhang unserer Zeit mit dem Altertum; er führt uns in die Zeit Michelangelos und Leos X.; er schildert die Sitten zu Zeiteu der Tullia d'Aragona und stellt Betrachtungen^ au über de» Kunstgebanke» in Ront. Von besottderem Reiz ist das Kapitel über die Venezianer Liebespaare. Das Buch gehört, wie Dr. G. Falter in der „Franks. Ztg." sagt, zum Besten, was über Italien geschrieben ivorden ist.
Literarisches.
— Maxi ui G orki, „Spleen". Erzählung. Deutsch von Korsiz Holm. Umschlagzeichmmg von F. Endell, Kleine Bibliothek Baud 88. Preis drosch. 1 Mk. Verlag vou Alb. Langen in München. In dieser Erzählung eröffnet Gorki vielleicht einen tiefen Einblick in. die russische Volksseele. Ter Spleeu, an deut sein Held leidet, ist eilte weitverbreitete russische Volkskrankheit, und daß er das ist, wirft vielleicht ein helleres Licht aus mancherlei Sonderbarkeiten, die uns an der gcgcnivärtigeu russischen Revolntimt wundern, als viele gelehrte Aufsätze darüber. Daß der Dichter das Volksmilieu, in dein die Erzählung spielt, die Landschaft, die den Hintergrund bildet, die Lust, die die Alenschen umgibt, zmu Greisen deutlich vor das Auge des Lesers zu zaubern weiß, braucht nicht erst gesagt zu werden. Was dieses Buch von vielen andern deutschen Gorki-Ausgaben vorteilhast tmterscheidet, ist die Güte der Ilebersetzung.
— Von P e t e r Roseggers Schriften, Volksausgabe Hl. Seriein 80 Lieferungen a 35 Psg. (L. Staackmanu, Leipzig) gingen uns die Liesermigen 31—37 zu. Diese enthalten den Schluß der neuen Geschichten aus Berg und Tal, die unter dem Titel „Der Waldvogel' zusammeugefatzt sind, sowie den großen Teil des
zu ist
— Shakespeares dramatische Werke. Uebersciit von A. W. von Schlegel und Ludwig Tieck. Im Auftrag der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft herauSgegebeu und mit Ein- leituugen versehen von Wilhelm O e ch e l h ä u s e r revidiert von Hermann Conrad. Lcx.-Oktav. Elegant in Leimvaud nebiinben Mit Holzschnitt-Porträt als Titelbild Preis 4 Mark. Stuttgart' Deutsche Verlags-Airstalt. — Es ist mit Freuden zu begrüßen, daß die deutsche Shakespeare-Gesellschaft ihren Präsidenten, Wilhelm Oechelhäuser beauftragt hat, eine billige, deutsche Shakespeare-Ausgabe zu veranstalten, die mit einer Lebensbeschreibung Shakespeares als Vorwort und einer besonderen Einleitung zu jedem Drama ' dem Preise von nur 4 Mk. gebunden, erschienen ist. TaS Papier scst, der Druck klar, der Einband solide.
Bandes „Mein Wellleben", oder Wie es dem Waldbaues buben bei den Stadtleuten erging. — Das Buck, ! ä keine Dichtung, sondern ein Bekenntnis sein. Und leicht mnn s° Verfasser diese Beichte nicht getvorden sein, da niemanden ihm alle eitle Selbstbespiegeluug zuwider ist. Indessen eine io ,,?,, Dichternatur, wie die seine, der es ein Bedürsuis ist, ihr »rein» Seelenleben andern mitzuteilen, iveiß auch den autobiograpliiüh Stoff mit so vielem Humor und so vieler GcmütStiefe und ff mit so seiner Selbstkritik zu gestalten, daß einem die Lektüre bie »a Buches zu einem hohen geistigen Genuß wird und man am G, d- dem Verfasser für seine anmutige Darstellung dankbar die sw drückt. Es ist erstaunlich, wie Rosegger auch scheinbar umvichm, Dinge wie die Einrichtung seines Hcims„ seine Arbeiten und L» gleichen für ferner Stehende interessant zu machen versteht m,s andererseits wieder die intimsten Dinge vor aller Welt bespreche» kann, ohne gegen das Zartgefühl zu verstoßen. Manche Kapitel fnb lief ergreifend, von besonderer Schönheit und Tiese das sei, »», Vater und seiner ersten Frau geividmete Denkmal; von sein»,, psychologischer Beobachtungsgabe zeugt das Kapitel, in dem m>? der Dichter einiges von seinen Kindern, der „lieben, kleinen Am« erzählt; bezeichnend für seine religiöse und kirchliche Stellnna das Kapitel „Zwei Kameraden"; tiese Lebensweisheit, sonne nvofte Welt- und Menschenkenntnis sprechen aus den beiden lektm Kapiteln „Im Glanze der Kronen" und „Bekenntnisse und Geständnisse". Daß aus dem schönen Buche überall der aus beut Volke herausgewachsene Gott begnadete Dichter und warmlierzia- Volksfreund spricht, der Prophet und Prediger des Evangelitime der ein tiefes Verständnis hat für das, tvas dem Volke not hu wenn es nicht Schaden nehmen soll an seiner Seele, versteht sich bei Rosegger von selbst.
Für Mütter.
— Lischnewska , M aria. Die geschlechtlich- Belehruug der Kinder. Zur Geschichte und Methodik des Gedankens. 2. Ausl. 8 ° 36 Seiten. Preis 50 Pfg. Frankfurt a. M. I. D. Sauerländcrs Verlag. — Die bekannte Frauenrechtlerin Maria Lischnewska, welche durch ihre Aeußerungen aus dem Bundestage zu Wiesbaden (1902) und durch ihre Thesen in der „Frauenbewegung" (1903) heftigen Widerspruch erregte, bringt mut hier eine ausführliche Begründung und nähere Darlegung ihrer seit Jahren vertretenen Forderungen. Sie zeigt, noie die geschlechtliche Belehrung in die deutsche Schule ohne irgendwelche erhebliche Schwierigkeiten eingegliedert tverden könnte. Zugleich bringt die Schrift für alle an der Frattenbeivegung Beteiligten den Nach- weis, daß es sich hier um eine der wichtigsten Ausgaben der Frauen handelt, denn die Frau, tvelche alle Folgen der [jentigeu Entartung des Geschlechtslebens in erster Linie trägt, ist auch in erster Linie daran interessiert, daß der Jugend dies Gebiet wieder rein und ehrwürdig gemacht wirb. „Nur ein reines Wissen wird sittliche Taten zeitigen." Ties Wort ist der leitende Gedanke der interessanten Schrift. Jede Mutter ivird wichtige Anregungen iui3 derselben schöpfen.
Humoristisches.
Von der Artillerie, kl n teroffizier: „Sie ptifn* gonisches Heupferd, wie ost habe ick Jhuetr tttt schon gesagt, daß das Innere eines Geschützrohres „Seele" heißt; ein Ding, was ooch in »em Häring, in »eilt Mensche» vorkommt. Ick würbe mir schon bis in die Seele ringeschämt habe», wenn ick c» solcher Oel- gotze wäre, wie Sie! Also, wenn ick nun von hier hinten durch das Rohr brülle: „Sie sind ein Ochse I" aus was spreche ick dann zu Ihnen?" — Rekrut: „Aus der Seele!"
Ergäuzttttgsrätsel.
Nachdruck verboten.
W . . . e. B. . t .n [..».. . e. t g . » . g • ,
G . t . u, . . r . a . g . . e . t . ü . a . l . . c. t
Auflösung i» nächster Nummer.
Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummer: Reh — A6ba — Daune — Fante — Arab — Harfe — Aad — Erbe — Nabe.
Radfahren.
Redaktion: E rn tt Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Stemdruckeret. R. Lange, Sieben.


