— 836 —
weiter nach links zu rücken, und König Alfons steckte den Kopf aus dein linken Fenster uni) winkte, sich weit vor» lehnend, den Damen auf der Tribüne zu. Der Wagen rückte um einen Schritt vor, als man dicht vor dem rechten Vorderrade ein Geräusch hörte, das mit dem Schlage eines Schmiedehammers auf das Pflaster verglichen werden kann. Dann kam ein furchtbarer Knall, laut und scharf, wie der Knall eines grossen Geschützes. Der Wagen schwankte wie ein Schiff in den Wellen. Ein scharfer Geruch machte sich bemerkbar, und man sah einen Hellen, weißen Lichtstrahl, wie einen Blitz. Unter dem Wogen hörten die Insassen ein Geräusch, wie das Kratzen von Hunderten von Feilen, und der Wagen war so in Rauch eingehüllt, daß der König nicht die Straße sehen und die Königin kaum unterscheiden konnte. Der König, der an sich selbst nicht das geringste Gefühl von Schmerz oder von einer Verletzung spürte, war tief erschüttert durch ben. Gedanken, was der Königin zugestoßen sein könnte. Er nahm ihren Kopf zwischen seine Hände, küßte sie und fragte ängstlich: „Bist Du verwundet?" Die Königin sah ihm fest ins Auge und sagte: „Nein, nein, ich bin nicht verletzt. Ich schwöre es!" „Es ist eine Bombe geworfen worden", fuhr der König fort, und Königin Viktoria antwortete, indem sie den Rauch mit der Hand wegwehte: „Ich dachte so; oberes tut nichts. Ich will Dir zeigen, daß ich mich ols Königin zu verhalten weiß." Als sich der Rauch verzog, wurde der Wagen durch die aufbäumenden Pferde mit einem Ruck um fünf oder sechs Meter vorgerissen und stand dann wieder still. König Alfons sah aus dem Fenster und bemerkte, daß Soldaten bemüht waren, die aufgeregten Pferde zu halten. Der König, der den Erfolg der Bombe für unbedeutend hielt, sagte: „Senorcs, das ist nichts. Wir wollen weiterfahren." Es wurde ihm darauf mitgeteilt, daß der Wagen nicht weiterkönne, da ein Pferd getötet sei und mehrere der anderen Pferde schwer verletzt wären. „Oeffnen Sie die Türe, beordern Sie einen anderen Wogen und teilen Sie der Königin- Mutter und der Prinzessin Heinrich mit, daß wir unverletzt sind", antwortete König Alfons. Die Königin befleckte beim Llussteigen ihre Schleppe und ihre Schuhe mit dem Blut des getöteten Pferdes. Mit einem schnellen Blick auf die Opfer der Bombe hatte der König die Bedeutung des Ereignisses erkannt: „Wie furchtbar! Wie infam! Welche Schlechtigkeit gehört dazu, so viel unschuldiges Blut zu vergießen!" ivaren seine Worte. Der König bot darauf der Königin den Arm und drehte sich so, daß ihr der Anblick der verstümmelten Leichen erspart bliebe. Dies Ivar freilich unmöglich, denn die Toten und Verwundeten lagen überall. Die Fahrt wurde in dem herbeigeholten Wagen langsam fortgesetzt, da der König immer noch glaubte, die Königin sei verwundet und wolle dies nicht erkennen lassen. „Ich bin nicht verwundet," wiederholte die Königin auf nochmaliges Befragen, „ich dachte nur an Dich." (Ob dem Korrespondenten die zwischeii dem König iind der Königin gewechselten Worte wirklich so erzählt wurden, oder ob seine eigene Phantasie dabei etwas nachgeholfen bat, mag dahingestellt bleiben).
Vermischtes.
* Schloß Cron b erg. Wir lesen in der „Deutschen Tagesztg.":
„Ein berühmtes altes Schloß, die in den Vorbergen des Tamms malerisch gelegene Burg des Adelsgeschlechts v. Cronberg ist jetzt neu erstanden. Prinz Friedrich Karl von Hessen hak das alte Schloß (das als Ruine so überaus malerisch sich repräsentierte. D. Red. d. Gieß. Anz.) renovieren lassen. Der Rittersaal würbe im Stil des 16. Jahrhunderts wiederhergestellt und mit dem Wappen der Burgherren von Cronberg geschmückt. Auch der Turm des Schlosses wurde vollständig wiederhergestellt. Alis der Geschichte des Schlosses sei erwähnt, daß die Kronberger zu den mächtigsten Adelssamilien Mitteldeutschlands gehörten lind schon im 13. Jahrhundert als weitverbreitetes und hochangesehenes Geschlecht erscheinen. Eberwein voll Cronberg ivar 1299 Bischoi von Worms. Sie warei: so mächtig. daß sie selbst den Kamps mit der Reichsstadt Frankilirt a. M. nicht scheuten und die Truppen dieser Stadt im Geiecht bei Eschborn blutig auis Halipt schlugeil. Der Berühmteste aus diesenr Adelsgeschlecht war Hartmuth von Cronberg, der in Schriit rmd
Tat für die Reformation eintrat und als Anhänger Franz von Sickingens auch dafür stritt rmd litt. Er verlor seine Güter und lebte lange lanbflüchtig. Er verlor seine Güter und lebte, wo er 1549 gestorben ist. Seine Schriften sind noch heute wertvoll lind ihres tiefreligiösen Siniles halber lesenswert."
Daß der Herr „lebte, wo er gestorben ist", diese Merkwürdigkeit hält das Berliner Agrarierblatt ivohl für ein besonders wichtiges Ergebnis seiner historischen Forschungen.
Litsrc»Vi?ehes.
— Der Mensch und die Erde. Die Entstehung, Gewinnung und Verwertung der Schätze der Erde als Grundlagen der Kultur, herausgegeben von Hans Kraemer ist Verbindung mit ersten Fachmännern (Deutsches Verlags- Haus Bong & Co., Berlin W. 57). Das Werk stellt sich zur Aufgabe, in umfassender Weise die tausendfachen Beziehungen des Menschen zu den organischen und anorganischen Produkten der Erde, also zur Tierwelt, den Pflanzen und Mineralien, zu Feuer und Wasser, von den primitivest Anfängen bis zum heutigen stolzen Kulturstande nachzugehen. Ein Ziel, das umso höher anzuschlagen ist, als es, den Bedürfnissen unserer Zeit entsprechend, den weitesten Kreisen die Ergebnisse der modernen Forschung aus allen Gebieten der praktischen Arbeit des Menschen zugängig macht und somit eine Lücke ausfüllt, die infolge der gewaltigen Neuerungen tn dem Wissen des Einzelnen notgedrungen entstehen mußte. Was der Erdball trägt und in seinem Innern birgt, was die Wälder und Fluren, die Fluten und Lüfte bevölkert, was zu Stein oder Erz erstarrt, an den Boden gebannt, der lösenden Menschenhand harrt, wird Gegenstand der Schilderung sein, sofern des Menschen Geist sich je damit beschäftigte; ein umfassendes, möglichst lückenloses Bild der Erde und ihrer Schätze im Dienste der Menschheit soll erstehen. Daß sich in der Darstellung wissenschaftliche Gründlichkeit mit allgemein verständlicher Sprache verbindet, dafür bürgen die Namen der Mitarbeiter, die nicht nur als erste Autoritäten auf ihren Forschungsgebieten bekannt, fonbern auch als Meister volkstümlicher Sprache hochgeschätzt sind. Zu der mustergiltigen Darstellung durch das Wort tritt die außerordentlich reiche und einzigartige bildliche Ausstattung des Werkes. Wir nennen aus der vorliegenden ersten Lieferung die farbige Reproduktion eines Frieses „Triumph der Arbeit", durch den Prof. E. Doepler d. I. den Inhalt von „Mensch nnd Erde" in allegorischer Form darstellt. Welch wichtige Dienste ferner die farbige Wiedergabe auch der technischen Belehrung zu leisten vermag, dafür bietet die Klappen-Beilage von A. Dressel ein glänzendes Beispiel, die in übersichtlicher Darstellung die komplizierten Einrichtungen einer modernen Bierbrauerei zeigt und so zu dem begleitenden Text von Geh.-Rat Prof. Dr. Delbrück eine wertvolle Ergänzung bietet. Die erste Lieferung von „Der Mensch und die Erde" gewährt schon einen Maßstab für die Art und Reichhaltigkeit des Gesamtwerkes, welches nach seinem Programm weit über 4000 Illustrationen, farbige und schwarze Beilagen, Karten und Pläne und zahlreiche Extra-Beigaben in dem bewährten neuen Darstellungssystem des Verlages das Werk schmücken sollen. Der billige Preis von nur 60 Pfg. für jede Lieferung ermöglicht aud) den weniger Bemittelten die Anschaffung des Werkes.
Arithmogriph.
Nachdruck verboten.
13 113 6 Name mehrerer fränkischer Herrscher.
2 7 3 6 7 lyrischer Dichter.
3 4 4 7 Fluß in Frankreich.
4 3 6 3 7 geometrisches Gebilde.
3 6 6 Nebenfluß der Donau.
5 2 3 4 3 5 5 männlicher Borname.
5 3 4 4 7 6 Arzneimittel.
3 4 3 Land in Juuerasiem
6 3 4 Strom in Afrika.
7 4 4 7 früheres Maß.
6 3 7 4 französischer Feldherr.
Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter sollen den Namen einer Inselgruppe ergeben.
Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Citatenrätsels in voriger Nummer:
Ein Jeder lernt nur, was er lernen kann.
Redaktion: Ernst Hetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gieße«.


