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wattige MonumentalprachtLauten geschaffen, die geeignet schienen, Jahrhunderten zu trotzen, m Wahrheit aber ans Gips und Stuck errichtet waren, unb: nicht einmal wahrend der AussteNnngsmonate den Witterungseinflussen stand zu halten vermochten. Es war altes sehr schön, aber rm Grunde auch alles Lug und Trug. Schon kamen ewige Avcyitekten Mit der Behauptung, auch ein Ausstellungsgebaude müsse seinen wahren Charakter offenbaren; ist es sur kurze Zeit geschaffen, so müsse es architektonisch diesen provisorischen Charakter zum Ausdruck bringen. Oberbaurat v. Kramer, der Schöpfer des Gesamtplanes und der Hauptgebäude der Nürnberger Ausstellung, wie Landbauamtsassessor Ludwrg Mlmauu, nach dessen preisgekrönten Entwürfen das Gebäude der Staatsausstellung zur Ausfuhruug kam, hatten den Mut, diesen Plan unbedenklich zu verwirklichen, ^hre Architektur ist ganz auf landschaftlichen Reiz berechnet, und sie fanden im Luitpoldhaiu mit den malerischen, dicht um- laubten Dutzendteich ein überaus günstiges Terrain für die Verwirklichung ihrer Ideen. Da sieht man keine Hallen mit derben Säulen, keine imposanten Portale mit meterdicken Pfeilern und Pilastern, sondern einfach schlichte Gebäude mit weißverputzten Fronten, die allein durch geschickte Gliederung der Massen wirken. Mer das schlichte Weiß ist von lebhaften Friesen und Bändern in Rot und Blau belebt, die mit dem Grün der anmutigen Landschaft angenehm harmonieren.
Die Hauptgebäude gruppieren sich alle um einen weiten Schmuckplatz, dessen Mitte eine große Leuchtsontäne einnimmt. Zu diesem Hauptplatz gelaugt man durch eine Ulmenallee, die ein Hain von jungen Birken durchschneidet. Zur Linken des großen - Schmuckplatzes sehen wir das Haupt- industriegebäude, das zugleich die Ausstellung des Handwerks umschließt, und den Palast des bayerischen Staates, der in architektonischer Hinsicht am bedeutendsten ist — denn mit ganz einfachen Mitteln, namentlich auäy durch die verschiedenen Höhenlagen der einzelnen Säle, sind hier höchst interessante Raumwirkungen und Durchblicke geschaffen. Auf der rechten Seite des mit reichen! Laubwerk und Blumenrabatten geschmückten Platzes liegt die staatliche Forstausstellung, das große Hauptrestaurant mit seinen anmutigen Terrassen, die Maschinenhalle und das Ännst- gebäude. Die kurze Schmalseite dieses Platzes, den beiden Torgebäuden gegenüber, bildet das Gebäude der Stadt Nürnberg, die namentlich alle Künstschätze und Arbeiten der Stadtverwaltung ausgestellt hat. Zu beiden Seiten dieses Gebäudes zweigen zwei Straßen ab, die von allerlei hübschen Pavillons eingesäumt werden, darunter äußerst reizvolle Kauernhäuschen, die durch die Echtheit ihrer äußeren und inneren Durchbildung ganz bestechMd auf die Besucher wirken. Da ist unter anderem ein Spessarthäus, in dem Apfelwein kredenzt wird, das Jüntalerhaus mit der Sammel- ausstellung des Rosenheimer Gewerbevereins, das Werden- felserhaus mit der Sammelausstellung des Gewerbevereins Garmisch-Partenkirchen und das Allgäuerhaus mit einer Ausstellung des milchwissenschaftlichen Vereins im Mlgän. Selbstverständlich fehlt es auch nicht an Vergnügungsstätten und Restanrationsgebäuden, die ja auf 'jeder Ausstellung die Hälfte des Terrains in Anspruch "nehmen.
Die Kunstausstellung ist nicht gerade hervorragend; über die angrenzende Kunstgewerbeausstellung läßt sich vorläufig noeh gar kein Urteil abgeben, da das Gebäude noch nicht einmal im Rohbau beendet ist. Ich glaube, man hätte am besten getan, von einer KunstanSstellung abzuseheny denn wenn man soeben die Werke eines Albrecht Dürer, Veit, Stoß oder Peter Vischer betrachtet hat, so wird man durch die Werke der jungen und allerjüngsten Secession, die sich ans der Nürnberger Ausstellung breit macht, nicht nur zum Spott herausgefordert, sondern mehr in Trauer versetzt. Auch eine weit bessere Ausstellung würde bei diesem unvermeidlichen Vergleich mit der alten, in Nürnberg wie auf der Ausstellung selbst vertretenen Meistern kläglich abfallen.
Die Ansstellung des bayerischen Staats dagegen ist sehr bedeutend und interessant. Es werden sehr eingehend durch Modelle, Pläne, Wandmalereien re. die Hochbauten des Staatsministeriums, der Justiz, des Ministeriums für Kirchen und Schulangelegenheiten und der Finanzen, die staatliche Arbeiterwohlfahrt, das Post-, Telegraphen- und Telefonwesen, das bayerische Hanptmünzamt in München, die Salinenverwaltung, das Katasterbureau, das technische Institut der Heeres
verwaltung,. die Moorkulturanstalt, die agrikulturbotanischs Anstalt, die Wasserversorgung, das Schulwesen, kurzum alle staatlichen Institute und Einrichtungen des bayerischen Staates auf das sorgfältigste veranschaulicht.
Nicht minder bedeutend ist die Industrie- und Gewerbe- Ausstellung. Die meisten Aussteller waren sichtlich bemüht, die ausgetretenen Pfade der Ausstellungsdekoration zu verlassen und durch originelle Ideen zu frappieren. Ein großer Loreleibrunnen aus Seife, das durch elektrische und mechanische Vorrichtungen belebte Niesenmodell einer Nähfadenfabiik, von kleinen Puppen betriebene Nähmaschinen-Modelle, recht wirkungsvolle Manöverbilder aus Zinnsoldaten nebst Zubehör, ein bis an das hohe Hallendach reichender, höchst kostbarer Marmoraltar seien als Beispiele höchst wirkungsvoller Objekte angeführt. . . ,
Auch einige Gruppen der Maschinenhalle, die gewöhnlich auf den Ausstellungen das große Publikum kalt zu lassen pflegt, fesseln in hohem Maße. Namentlich sind es die großen, im Betrieb befindlichen Rotationsmaschinen, Kouvert- und Kartonagenfabrikation, wie die höchst ~ vollkommenen Sägeschleifmaschinen, die beständig eine große Schaar von Zuschauern herbeilocken. Die gewaltigen Kraftmaschinen erregen niemals das gleiche Interesse, wie die Arbeitsmaschinen, weil sie keine sichtbaren Arbeitsprodukte liefern, also so recht nur von technisch gebildeten Fachleuten gewürdigt werden können.
Schon jetzt ist übrigens der Besuch der Ausstellung an schönen Tagen sehr ansehnlich; er dürfte indessen zur Reisezeit noch außerordentlich anwachsen, denn das alte Nürnberg vermag an sich eine große Anziehungskraft auszuüben. Es ist in so hohem Grade ergötzlich, durch die Straßen der Altstadt zu wandern, sich in all den alten Häusern, und ganz besonders in den verräucherten Wirtschaften, von denen einige seit 200—300 Jahren bestehen, umzusehen, es bereitet namentlich dem modernen Großstädter so außergewöhnliche Freude, die herrlichen alten Bäume zu betrachten und um die malerischen Stadtmauern herum bis zur sagenreichen Kaiser- bürg emporzuwandern, daß man bisweilen die Ausstellung und" ihren Trubel völlig vergißt. Die alte, so vortrefflich erhaltene Stadt, deren reiche Geschichte nnS unwillkürlich auf Schritt und Tritt beschäftigt, entzückt und fesselt das Auge so sehr, daß tatsächlich der Zweck dieses Ausfluges nach Nürnberg oft ein wenig in den Hintergrund gedrängt wird. Ob wir nun in der Schallus-Klanse im Posthörnlein, im Nassauer Keller, im Bratwurstglöcklein oder sonst in einem uralten trauten Winkel sitzen, überall erzählen uns die alten geschwärzten, aber von kunstreicher Hand geschmückten Wände von den alten unsterblichen Meistern Nürnbergs, die hier bei köstlichem Bier oder Wein sich Begeisternng zu ihren großen Werken getrunken haben. Ueberhaupt dieses köstliche Bier! Mau mag sagen, was man will — das ist doch der Clou der ganzen Ausstellung.
Wie König Alfons den Bombenanschlag schildert, will ein Korrespondent des „Daily Telegraph" durch einen Hosbeamten erfahren haben. Die Königin verdankt nach dieser Schilderung ihr Leben, oder doch ihre gesunden Gliedmaßen, dem Umstande, daß sie sich von ihrer Seite in dem Augenblick der Explosion nach links gebeugt hatte, um die Regierungsgebäude zu sehen, auf die sie der König aufmerksam machte. Hätte sie diese Bewegung nicht gemacht, so würde sie vermutlich wenigstens ihre rechte Hand eingebüßt haben, da die rechte Wagenseite stark beschädigt wurde. Die Schilderung lautet wie folgt: Der Wagen bewegte sich sehr langsam, und der König begann seiner Gemahlin die Geschichte der Kirche der Santa Maria zu erzählen, als der Zug ganz zum Stehen kam. Königin Viktoria fragte, was die Ursache sei und der König antwortete, der Zug habe zweifellos den Palast erreicht und mache Halt, weil die Leute in dem vordersten Wagen ausstiegen. Der königliche Wagen befand sich unmittelbar vor der großen Tribüne vor der Kirche, und von dort wurde dem Herrscherpaar eine gewaltige Demonstration dargebracht. Dies veranlaßte Königin Viktoria, noch


