Ausgabe 
11.5.1906
 
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Das geht so den ganzen Sommer über. Im Herbst, bevor die Mütter abfallen, wird das Zelt unbrauchbar, denn die Sckutz- haarc biegen sich zurück. Das ist das Signal zum Aufbruch. Die Milben verlassen ihre Domatien und gehen auf dre ÄUche nach einem geeigneten Winteraufenthalt. Früchte, Zweige mit Borkeurissen, die warm hüllenden Schuppen der fürs nächste drrülp fahr sich schon fachte vorbereitenden Knospen, )te geben gute Schlupfwinkel ab, und wenn der heulende Herbstwind die letzten Blätter entführt, dann ist auch die Schar ihrer Sommergäste zer-

An dieser anmutigen Geschichte erscheint manches unwahr­scheinlich. Besorrders die Behauptung, daß der Baum srerwrllrg. die Haarnes' .in bereitstelle. Man vermutet, daß den Beobachtern ein Irrtum unterlaufen sei, und daß es sich eigentlich nur Pflanzengallen handle. Doch auch die sorgfältige Kontrolle be­stätigt jene Behauptung. Stur in einem Punkt taucht allmapltck eine andere Meinung aus. Der Hauptnutzen dieser Symbiose scheint für die Pflanze nickt so sehr darui zu. bestehen, daß Jte beständig von den Milben gereinigt wird, als vielmehr dartn, daß sie von diesen auch beschmutzt tvird. Denn dieserSchmutz. ist eine stickstoffhaltige Nahrung und kommt einer Pflanze stets Alt .

Dieselben Milben cs handelt sich dabei hauptsächlich um die Gattungen Gamasus und Dydeus finden auch noch bet manchem anderen Strauch und Baum Gastfreundschaft. Besonder» Linden, Krappgewächse, Oel- und Lorbeerbäume, sowie Bccher- früchtler sind es, die Milbcnhänscken bauen, auch dann wenn sich keine Milben einfinden. Lundstrom machte darüber Ver­suche, die keinen Zweifel bestehen lassen. Er säte wohlgereinigten Samen von Linden, Lorbeerbäumen, Kaffeebäumen und anderen ntilbeuliebenden Pflanzen in sterilisierte Erde und erhielt doch wieder, auch wenn er ein Hinzukommen von Milben noch so sehr verhinderte, stets Pflanzen mit Domatien. Man kann sich dies gar nicht anders erklären, als daß diese Eigenschaft einstmals durch Milbenbefall entstand, der die Mütter zu diesen haarartigen Wucher­ungen reizte, und die später erblich wurde. Diese Vermutung findet eine gewisse Bestätigung in der Tatsache, daß bei andern Pflanzen sich die MilbenhäuRhen erst dann einstellen, wenn die Milben ein Matt besucht haben, manchmal aber auch wieder verschwinden, wenn ihre Bewohner ausgestorben sind.

Auch sind eS nickt immer Haargespinste, was die Pflanze ihnen zuliebe vorbereitet, obgleich diese gerade bei unseren Au- und ^-ildbäumen vorzugsweise auftreteli. Die Buche und die Boe Arsche machen es so, auch die Bergulme, der Spitzahorn und die Erlen; aber schon beim Haselstrauch, verwenden die Bau­meister anderes Material, indem hier die Ränder der Haupt- und Ncvennerv'en znnt Zeltdache beitragen. Unsere Steineiche hat die Sache wieder anders angeordnet. Jedes Blatt trägt nur zwei Häuslein, die dadurch erbaut wurden, daß die Blatt- rändcc sich zurückkrümmen; bei anderen (namentlich exotischen) Gewächsen sind es flache Schalen, bei der Alpenlonizera wieder kleine Täschchen, ebenso bei dem Alpenribes, wahrend bei der Johannis- und Stachelbeere dte Milben fast immer unter dem vertrockneten Kelch, an der Frucht ohne besondere Wohnung sitzen. Es fehlt also nicht an Mannigfaltigkeit.

Dagegen ist diese Erscheinung bei sehr vielen Pflanzen völlig unbekannt, so z. B. bei den Weidenarten, bei allen nur ctn Keimblatt führenden Gewächsen und ebenso bei allen Nadelhölzern und Kräutern.

Gesundheitspflege.

* Fleischkost, fleischlose und vegetarifche Diät. Jeder Mensch braucht geivisse Mengen Eiweiß, wobei es gleich­gültig ist, woher et diese bezieht. Die strengen Vegetarier ver- wenden bekanntlich nur da§ Eiweiß, das ans Pflanzen kommt, während die gemäßigteren zivar die Fleischkost verwerfen, Milch und Eier aber jur auSgiebigcn Verwendung kommen lassen, Nach einem Vortrag von Dr. Bornstein in der Medizinischen, Gesellschaft zu Leipzig dreht sich die ganze Frage: Fleischkost, fleischlose oder vegetarische Kost, nur darum, ob man da? NahrungSeiweiß auS allen sich darbietenden Quellen nehmen, oder ob man ans irgend welchen Gründen das Fleisch, vielleicht auch Milch und Ei, aus- scheideu soll. Es ist dabei, wie atich schon von anderen hervor­gehoben wurde, die Diät in gesunden Tagen von der in kranken wohl zu unterfcheiden. In ersterem Fall wird man im wesent- lichen für eine gemischte Kost mit mäßigen Fleischmengen eintreten, die trotz aller Einwendungen absolut unschädlich ist. Indes glaubt Bornstein, daß derjenige, welcher das Fleisch oder den gleich­wertigen, durch seine Billigkeit und Wohlgeschmack hervorragenden Eiweißträger Fisch ausfcheiden will, solches ruhig tun kann. Auch der, welcher Milcheiweiß und Ei verwirft, tvird ebenfalls gestmd bleiben, wenn er genügend Pstanzeneiweiß nimmt, das vom Körper ansgenützt werden kann, waS jedoch schwerer ist als bei einer nur fleischlosen Diät. Ganz anders liegen die Verhältnisse in kranken Tagen, denn dann wird eine fleischlose oder vielmehr fleischarme Diät, bei der aber Milch, reip. Milcheiweiß nicht fehlen darf, oft angezeigt sein, wo aus gewissen Gründen die im Fleische vorhan­denen Reizstoffe und Harnsäurebilder fortgelassen oder vermindert

werden müssen, und wo die Darmfätilnis und die Selbstvergiftungs- gesahr vom Darme auS herabgesetzt werden soll. Zu den Krank­heiten, die hierher gehören, zählt Bornstein die ReizzustÜnde ver­schiedenster Art und Ursache, Hysterie, Neurasthenie, Neuralgien, Basedowsche Krankheit, Gicht und Zuckerkrankheit. Ebenso ver­langen nach ihm Rheumatismus, Nervenentzündungen, verschiedene Hautkrankheiten und Blutarmut in den meisten Fällen fleischarme> resp. fleischlose Kost, je nach der Gewöhnung und Möglichkeit. Schließlich aber wendet er sich (Münch. Med. Wochenschr.) gegen die großen Fleischmengen, wie sie an der Table ä'ickts in Gebrauch sind und die Nervösen zu Fleischfressern machen. Das Volk ist ärztlicherseits darüber müzuklären, daß im Fleische wemger der Nährwert als der Wohlgeschmack und die Abwechselungsmögltchkeit bezahlt tvird, und daß man ohne Fleisch sehr gut leben kann.

* Frühzeitige Furcht vor Bakterien. Nichts ist verderblicher, als weint manche Eltern während des Essens m Gegenwart des Kindes mit der Umgebung oder gar mit dem Kinde selbst eine langnoierig-gründliche Beratung darüber abhalten, ob die ausgetischten Speisen ihrer Zusammensetzung oder Zubereitung nach auch wirklich den Älnforderungen der Gesundheit entsprechen oder ob sie nicht zu schwer verdaulich oder schädlich sind. Ein solches Vorgehen ist sehr geeignet, das Kind kritisch und wählerisch ztt niachen, und sein Mißtrauen gegen alle und jede Speise zu nähren. Von einem Beispiel dieser Art erzählt Dr. Szegö in derWiener Medizinischen Wochenschrift". Ein Patient seiner Anstalt, ein Itzjähriger Knabe, zeigte nämlich diese Aenasilichkeit in entern be­sonderen Grade. Den kleinsten Bissen seines Essens zerstückelte er bis zur Widerwärtigkeit, und hatte er ihn schon in den Mund gesteckt, so walzte er ihn zwischen den Backen lange hin und her, bis er ihn mit merkwürdiger Aengstlichkeit und mit verzweueltem Gesichtsausdrucke verschluckte. Wie er später gestand, geschah das aus Furcht vor Bakterien, wie sie in so frühem Alter wohl selten vorkommen tvird.

Humoristisches.

* Sie hatten anfang Dezember geheiratet und der 24. nahte heran.Weißt Du, liebes Weibchen", sagte er eines Abends,wie müssen keine Geheimnisse vor einander haben, nicht wahr, Liebchen ? -Nein, Schatz", flüsterte sie. -Deshalb", stchr er fortmochte ich Dich bitten, mir zu sagen, wieviel Du für Weihnachtsgeschenke für mich auSzugebeu beabsichtigst, damit ich berechnen kann, wte- viel Geld mir übrig bleiben wird, nm Dir etwa? zu kaufen.

* Tochter:Lade nur nicht Deinen Vetter vom Lande wieder ein!" - Mutter:Hat er sich einen Schnitzer vor der Gesellschaft zu Schulden kommen lassen, Kuck?Tochter. Das sollt' ich meinem Als ich ihm einen Stuhl Louis XIV. zeigte, fragte er, ob Louis ein guter Möbeltischler sei."

' U u b i! lig es V e rla n g e n. Die Pollzewerwaltung einer kleinen Stadt Posens erließ unlängst folgende Vecsugung:Vie tägliche Reinigung und Fortschaffung der Straßen und Rmusteme wird hiermit in Erinnerung gebracht."

Bexirbild.

Nachdruck verboteu.

Um Gokleswillen, das gibt ein Unglück, wo ist der Chauffeur? Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Katabu I(to Anbeinach Vdyttieo Vacitu«; Kiao - Tschou.

Redaktion: Ernst beb. Rotationsdruck und Verlaa der BrübPicfien Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lana«,