Ausgabe 
11.5.1906
 
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Kölner Blnmenspiele.

Wie seit acht Jahren, sand am ersten Sonntag im Mai das Fest der Kölner Blnmenspiele im festlich geschmückten großen Saale des Gürzenich statt. Ein prächtiges Bild bot dem Auge der von festlich gekleidete«! Pnbliknm gestillte «aal, dessen Orchesterraum in einen Blumengarten umgewandelt war, in dem später die Ehrenjungfrauen der Blumenkönigru die nn- mutiasten Blüten bildeten. . r

Machtvolle Orgelklänge leiteten die Feier kurz nach 12 Uhr ei« Dann ergriff der Stifter der Veranstaltung, vosrat Dr. Fastenrath, das Wort zu einer schwungvollen Ansprache, in der er betonte, daß die Blumenspielc die ewigen Ideale, Liebe, Glaube und Vaterland verherrlichen wollen. Zum Schlüsse begrüßte der Redner die rheinische Malertochter Frau Leonore Rießen-Deijers, die schon zweimal Preise bei den Blumenspielen davongetragcn hat, als die Königin des diesjährigen Festes.

Nachdem sich der Beifall gelegt hatte, klang eine Hymne für Harfe durch den Saal. Dann vollzog sich der Einzug der Blumenkönigin Frau Leonore Teiters-Nießen mit ihrer Ehrengarde. Unter feierlichen Orgeltönen hatten die Vertreter mehrerer studentischen Korporationen der Handelshochschule mit ihren Fahnen den Zug eröffnet, die sich rechts und links wii dem Bluinenbaldachin der Königin nusstellien. Diese erörterte sodann in' gewandten Versen, was sie ermutigt und bestimmt habe, die ihr angetragene Ehre anzunehmen: Wem der Rhein seine Weisen gesungen habe, wem von ihm der adelnde Frohsinn und das freiheitliche Empfinden zu eigen geworden, auf dessen Haupt habe auch ein Krönlein Plan. Dem freien Rhein entbiete sic ihren Gruß.

Karl Frhr. v. Verfall machte nun die Preisgekrönten bekannt, deren Erzeugnisse teilweise, soweit es die Zeit erlaubte, vorgetragen wurden. Für das Liebesgedicht standen sechs Preise zur Verfügung. Mit dem Ehrenpreis der Kronprinzessin (silberne Jardiniöre) wurde Else Becker (Wien), bedacht. Das fernere Ergebnis war: Außerordentlicher Preis des Königs von Spanien (silbervergoldete Lilie): M. Herbert (Therese Keiter) Regensburg, Preis von Herrn und Frau Georg Bouressi (Köln), (silbervergoldeter Pokal): Frau Alberta v. P n t t k a m e r (Baden- Baden). Preis der Königin Elisabeth von Rumänien (goldenes Edelweiß): Frau Marie Stona (Schloß Strzebowib). Bücber- prcisc von Irene von Schellander (Triest) und Marie Freifrau von Matapert-Neusville (Dresden): Paula Hey (Lugan in Sachsen). Preis von M. Herbert (Therese Keiter) (silberner Pokal): Georg K>icsau (Köln). Lobende Erwähnungen fanden Heinrich Tiadcn (Düsseldorf) und Frau Klara Bl ü t h gen (Berlin).

Für das beste religiöse Gedicht erhielt den Stiftungs- Preis (goldenes Veilchen) Iran Regierungsrat Marie Krause- Kinkel (Betzdorf), einen außerordentlichen Preis der Frau Prin­zessin Ludwig Ferdinand von Myern (silberner Pokal) Frau Gräfin Sophie W a l d b u r g-Syrgenstein (Schloß Syrgenstein im Bayer. Algän). Lobende Erwähnungen wurden zu teil Elisabeth v. Weitra (Kassel), Ella v. Krause (Berlin) und Frau Dr: Erika Dorn-Re in sch (Frankfurt n. M.). Das beste Vatcr- laudsgedicht, das mit dem Stiftungspreis (goldene Kvrn- blume) bedacht wurde, stammt von Karl Friedrich Wiegand (Zürich). Einen außerordentlichen von Natalh Freiin v. Cotz- hansen, Wiesbaden, gestifteten Preis (silbernen Bleistist) erhielt Pastor Johannes Richter (Leipzig).

Den Stistungspreis für die Novellette (goldene Hecken­rose) empfing Frau dlnna B e hu is ch-Kappst e in (Berlin). Lobende Erwähnungen fanden Frau Leonore N i e ß c n - D e i t e r s (Köln), Paul Q u e n s c l (Mainz) und Karl Herold (Alexandrien).

Für das beste Marienlicd hatte die Gregoriusbuchhand- lung in Köln einen außerordentlichen Preis (Geschichte der katholi­schen Kirche) gestiftet, den Paul Sandhage (Berlin) errang. Eine lobende Erwähnung tvurde Rektor Heinrich Engel (Pings­dorf) zuteil.

Als bestes. Lied im Volkston erhielt Direktor Dr. Lorenz N i e ß e n (Rheinbach bei Bonn) den dafür gestifteten Hcn- rici-Becher. Ein außerordentlicher Preis des spanischen Vize- konsuls Moritz Rauen (Mannheim) tvurde Dr. Phil. Wilhelm Henzen (Leipzig) zuteil. Lobende Erwähnungen fanden Hero M crx (Eva Hermine Peters) Freiburg i. Br. und Dr. Berthold A. Baer (Philadelphia).

Für das Märchen erhielt den außerordentlichen Preis von Frau Ludwig Mond, London (goldene Nadel): Georg Syl­vester Viereck (Newyork): eine lobende Erwähnung Fran Lili Du Bois-Reymond (Potsdam).

Als das beste Lied z u m P r e i s e der M u s i k wurde mit dem außerordentlichen Preise der Frau Wirkt. Geheime Rat Ba­ronin I u n ck e r v. O b e r - C o n r e u t, geb. Gräfin Schlippenbach, Küsset (gotische Prunkkanne) eine Ode von Frau Dr. Erika D o r n - R e i n s ch (Franksurt a. M.) bedacht und ein außerordentlicher Preis der Frau Sosy Fuchs-Stoermose, Burg Friesack (silberne Blumenvase) kam an Alfred Weiße (Berlin). Eine lobende Er­wähnung fand Lev Tepe van H e e m st c d e (Oberlahnstein a. Rh.).

Für die rheinische Ballade erhielt den außerordent­lichen Preis' des Oberpräsidenten (silberne Rebenranke) Dr. med. Artur P v l l a ck (Dresden), beit außerordentlichen Preis der Blumenkönigin Frau Leonore Riessen-Deiters (Aquarell): Das Kreuz zu Stammheim von Hans Eschelbach (Bonn). Eine

lobende Erwähnung wurde Heinrich Cordes (Grünewald-Berlin) zuteil.

Den Preis von Frau Else Glas, Köln (silberner Prunkbcchcr) für die HumoreSke erhielt Wolf Graf v. Bandissin (Dres­den). Den Preis der Stadt Köln (filbervergoldeter Prnnkbccher) für die Kölnische Ballade wurde Dr. phil. Karl Busse (Friedrichshagen bei Berlin) zuerkanut. Der Preis des spani­schen Vizekonsuls Moritz Rauen für ein Gedicht aus Baden konnte nicht vergeben werden- er wurde dafür dem Lied im Volkston von Dr. phil. Wilhelm H e n z e n zuerkannt. Für Gedichte in Kölnischer Mundart erhielten den Stiftungs- Preis (goldene Nelke) Johannes Stader (Köln) und den Preis von Josef Schregel, Düren (Prunkbecher) Emil Jülich (Köln); eine lobende Erwähnung sand Silvester Hecker (Arnheim).

Am Schlüsse richtete Frhr. v. Verfall noch einige Worte an die Versammelten, worin er ausführte, daß man in den acht Jahren, seit die Blnmenspiele bestehen, nicht geglaubt habe, mit ihnen eine reformatorische Tat zu vollziehen;, wohl aber habe man sich nach besten Kräften und mit einigem Geschmack be­müht, zu dem geistigen Leben Kölns einen Beitrag zu liefern. Bald nach 2 Uhr fand die würdig verlaufene Frier ihr Ende.

Um 5 llhr vereinigten sich viele Teilnehmer wiederum int großen Gürzenichsaale zu dem Bankett zu Ehren der Blumen- königin. _____________

Milöinyäuschen.*)

Von R. H. France.

Die mächtige Dorflinde, die schon ungezählten Generationen Schatten und Erquickung gespendet, dieser harmonisch schöne Baum, für den wir Deutschen aus einer noch unerklärlichen Ur­sache seit altersher so viel Vorliebe gehabt haben, daß er ebenso­gut Natioualbanm sein könnte wie die Eiche, ist der Schauplatz des kleinen Nachtidylls, daS ich hier schildern will.

Am späten Sommerabcnd, wenn nur noch Dämmerlicht ver­glimmt und alles ruhig und ruhiger wird, beginnt auf unsrem Lindenbaum ein seltsam Leben und Treiben. Nur muß man genau Hinschauen, denn es sind Zwerge, die da ihr Unwesen be­ginnen. Die herzförmigen Blätter sind ihr Tummelplatz. An bereit Unterseite gibt es in den Winkeln, die die Mattnerven mit dem Hauptnerv bilden, merkwürdige kleine Haarschopfe, kleine Flöckchen, die wohl schop jeder einmal gesehen, die aber keiner von selbst beachtet hat. Ans ihnen strömt des Nachts eine «chär flinker, kleiner Wesen. Wie die Arbeiter aus einer Fabrik, kommen sie scharenweise in Reihen zu zweien und dreien. Hurtig laufen sic nun die Nerven entlang, dann wagen sie sich auf die freien Zwischenräume; hier bleibt, eines stehen, dort das andere und scheint emsig zu knabbern. So geht es die ganze Nach- hin­durch; mit beginnendem Frührot gehen sic langsam zur Ruhe, eines nach dem andern schlüpft in das Hänschen, und morgens ist der -Spuk vorbei. Ist das ein Traum? Nein, es ist Wirklich- feit, und wenn wir am nächsten Tag bewaffnet mit dem Hand­werkszeug eines Naturforschers nachsehen, so finden wir leicht die zierlichen Haarschöpfe, wie ein unsäglich zartes, wolliges Nestlein, das gegen die Mattspitze zu seine Oeffnung hat. Schneiden wir ein Stückchen ab, damit wir ins Innere sehen können, so sitzen richtig winzige Blattmilben darin, aneinanoergedrängt wie Schafe im Stall, beunruhigt wegen des ungewohnten Lichts.

Das ist ein Acarodomatiuut diefes kleine Wortungehener bedeutet in der Gelehrtcufprachc ein Häuschen, das der Lindeu- baunr freiwillig und ans eigenem Antrieb den Milben erbaut, weil er mit ihnen in gemeinschaftlichem Haushalt lebt.

Ein solches Domatium besteht hauptsächlich aus Haaren, die aus den Blattnerven hervorsprießen, sich üvereinanderbengen und so ein wohlgebautes, für ein milbcngrohcs Wesen wohl sehr be­hagliches Zelt bilden. Diese Zelte und hier beginnt das Auf­regende an der Sache entstehen jedoch schon, bevor die Milben da sind; cs ist dies ebenso, wie wenn ein ordentlicher Haus­vater zuerst die Einrichtung fertigstellen läßt, bevor er einzieht. Sie entstehen gleich, nachdem die jungen Lindenblüttlein ans der Knospe gekrochen sind, und harren ihrer Bewohner. Diese rücken auch alsbald an. Aus ihren engen nnd dumpfen Winterquar­tieren kommen die Milben herausgezogen und besetzen die Sommer­wohnungen. Tie besorglichen Milbcnmainas legen nach etwas unanständiger, aber allgemeiner Insekten- und Spinnensitte als erstes gleich ihre Eier ins neue Quartier. Aus diesen schlüpft daun die junge Herde aus, die des Nachts oder au wolkeuverhü-l- ten Tagen so lustige Tänze aufführt. Es koinmt ihnen dabet dar­auf au, allen Staub, Unrat, Pilzkeime, was nur auf das Matt gelangt ist, abzufrcsscn. Das ist ihre Nahrung, denn sie gehören zu der unter den Gliedertieren weit verbreiteten Gilde der Gesiind- heitK- nnd Reinlichkeitspolizisten, dazu berufen, die AbsaWoffe zu vertilgen, d. h. sie wieder dem Kreislauf des Lehens zurück­zugeben.

*) Wir entnehmen diese anziehende Schilderung Francos großangelegtemLeben der Pflanze", welches z. 8t. in Liefer­freunde", Stuttgart, erscheint. Jedermann, der dte Natur liebt, ung' ä 1 Mark im Verlag desKvsnros, Gesellschaft der Natur- wird durch "dieses, nebeubei gesagt, glänzend ansgestattetc Werk viele gennßreiM Stunden haben.