Ausgabe 
11.4.1906
 
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hatte er gewiß schlaflose Nächte, alS tut August 1832 Direktor tniirgelhardt das Leipziger Stadttheater übernahm und mit Goethe'SEgmont" zu eröffnen gedachte. In diesem Drama erschien dem Herrn Negierungsrat der Ruf der BürgerEs lebe die Freiheit!" ganz besonders bedenklich. Klang das nicht wie frevelhafter Aufruhr, tvie offenkundige Widersetzlichkeit? Ex­zellenz Von Goethe hatte diesen Ansrnf sicher nicht illoyal gemeint, aber im Munde der Komödianten durfte der Herr Regiernngsrat ihn doch nicht dulden. So mußten sich denn die unterjochten Bürger, die. Vorn Tyrannen Alba geknechtet, nach Erlösung schreien, zu dem zahmen Rufe bequemen:Es lebe ein ruhiges Gewissen!" So ging cs viele Jahre lang. Herr Dr. Dcniuth malträtierte und verstümmelte die gesamten Klassiker, daß Ringelhardt und seine Künstler oft fast in Ber- zweiflung gerieten und, stumm die Blicke himmelwärts gerichtet, nur mit dem Kopfe schüttelten, lvie es auch heute noch bei dem spottsüchtigen Theatervölkchen in solchen Fällen Brauch ist.

LiLerQL'ikcbes. *

M o d e st e. Roman von I. R. z u r M e g c d e. Geh. 4 Mark. (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt.) In der Titel­heldin des Romans hat der Dichter eine überaus anziehende und eigenartige Frauengestalt geschaffen. Diese Modeste, die einzige innerlich Adlige einer Parvenüfamilie, sehen 'wir in schweren inneren Kämpfen und äußeren Konflikten sich frei machen von den Fesseln eines unechten Standesbewußtseins und herrischer Selbstsucht. Sie ringt sich durch zu der Erkenntnis, das; die Ehre und der Adel des Weibes dort liegen, wohin eine wahr- haft Harte Neigung sie zieht: und mit dieser Erkenntnis gewinnt sie den Sieg über sich selbst und ihre Umgebung: sie folgt dem geliebten Manne, einem einfachen, durch und durch tüchtigen Menschen, einem echten Gentleman der Gesinnung, in die Fremde und in eine sorgenvolle Existenz, statt durch eineVernunft- Heirat" dem neugebackenen Adel ihres Elternhauses erhöhten Glanz zu verleihen. Und als dann eine Erbschaft, die ein väterlicier Freund ihr hinterlassen, sie wieder in die Heimat zurücksührt, erobert sie sich dort einen festen Boden für ihr ruhiges, inniges Familienglück, dem der Groll ihres niedrig denkenden Vaters keinen Fluch bringen kann. Wenn wir hier im voraus verraten,wie die Geschichte schliefst", so können wir das tun, ohne das; dadurch das Interesse nnb die Spannung bei irgend einem Leser verringert würde. Denn die innere Ent­wicklung Modestens, die Figuren ihrer Umgebung, das Milieu des litauischen Gutslebens das alles ist mit so viel Anschau­lichkeit und fast dramatischer Kraft geschildert/ das; wir uns von Szene zu Szene unwiderstehlich fortgezvgen fühlen. In Modeste" ist mit großer Kunst das Unerfreuliche, Trübe durch das Gute, menschlich Echte anfgewogen, das zuletzt den Sieg behält.

a Gin deutschesLiederbuchin ii n d s ür Am e r i kn. .An den uordamerikanjschen Universitäten stehen die sogenannten deutschen Abteilungen in hoher Blüte, ganz besonders aber in den (Staaten, die der Herkunft ihrer Bevölkerung entsprechend einen groyeir Prozentsatz deutscher Studenten zu ihren Staatsuniversi- taten entsenden. Das ist auch im Staate Wisconsin der Fall, Von dessen Universität in Madison, speziell von derGerma- nistychen Gesellschaft" daselbst, einDeutsches Liederbuch für amertkamsche Studenten, Texte und Melodien nebst erklärenden und biographischen Anmerkungen" (Boston, Heath ii. Co.; 1906) ansgegebcn worden ist. Wir stehen nicht an, dieses ebenso in- haltsrerche wie reinlich gearbeitete Liederbuch für eine deutsche Tat von großer Tragweite für amerikanische Verhältnisse zu erklären. -D-e.Idee des Liederbuches ist, die guten geselligen Züge des deutschen Stndentenlebeus auf die amerikanische Studentenschaft zu übertragen, die Liebe zur Natur und die Freude am Liede

Trotz vielfach vorhandener deutscher Liederbücher stellte nch tut' dieGermanistische Gesellschaft" bei ihren geselli- Zusammenkünften das dringende Bedürfnis nach einer für ihre Verhaltnyse brauchbaren Sammlung heraus, die die Milte zwischen einem Volksliederbuche und einem Kommersbuche hielte, U"d frisch und ersvlgreich ging es an die Arbeit. Dabei mußte berück,ichtigt werden, daß nur in einem kleinen Teil der ameri- ianl,chen höheren und mittleren Lehranstalten ausschließlich innge Manner m Frage kommen, baß vielmehr manche bieser Anstalten nur von Ltudentlnnen besucht werden, während die weitaus größte Anzalst sich aus Vertretern beider Geschlechter zusammensetzt. Daraus erklärt sich für, das Liederbuch manches, das aufgenom- inen, oder auch ausgeschlossen wurde, sowie ferner die vier­stimmige Einrichtung von dreivierlel der rund ßuubert aufge­nommenen Lieber. Die Ausführung kam auf ebenso einsichtsvolle tote. faktische Weise zustande. Der Arbeitsausschuß, bestehend L^den Mitgliedern der Germanistischen Gesellschaft: Hohlfeld, ^""?.-.Melsnest, Govdnight, Härtel, Lehmann, wandte ^^saltlger Arbeit an eine größere Anzahl der Ber- ?E.ut,cheii Faches an den Universitäten, sowie an andere m-nett Verständnis für den Plan vorausgesetzt lver- dcn konnte, wie allermeisten stellten ihre Erfahrungen dem

Ausschuß bereitwilligst zur Verfügung unv Übten dadurch auf die cndgiltige Gestaltung des Liederbuches einen nicht unbe- Einfluß, «M Die aufgenommenen Lieder weisen ab- Owtlich, den verschiedenartigsten Charakter auf. Vom schwer­mütig sehnsuchtsvollen Volksliebe bis zum lustigsten Stndenten- liede begegnen alle Zwischenstufen, abwechselnb mit patriotischen, Frühlings-, Wander- und anberen Liebern; auch emiae geistliche Lieber von echt menschlichem Gehalt jinb hinzugenommeii. GoethesHeidenröslein" beginnt, dieWacht mit Rhein", Deutschland über alles",Ein feste Burg ist unser Gott" schließt ,lch an. Wir blättern erfreut das Liederbuch durch und finden, daß kems unserer guten alten und neuen, uns ans Herz ae- wacheneu Lieder fehlt. Dieses Buck ist aus Liebe und mit Liebe gearbeitet, und darum wird es in allen Kreisen, die es benutzen, /.iepe znnl deutschen Volks- und Stiidentengesange erwecken.

Kunst.

Bon dep neuen Zeitschrift des Deutschen Vereins für Knnst- 6s.>°erbeDte Werkkunst" (Jährl. Bezugspreis für 24 Hefte 10 Wj sind wtzt ,m Verlag von Otto Salle in Berlin W. ot J erschienen, die an größeren Beiträgen wertvolle

Artikel über gestickte Landschaften (Hösel), neue Dampfer (von dem Berg), das kunstgewerbliche Erzeugnis als Gegenstand des Urheberschutzes (A, Osterrieth), Knitnr und Bauordnung (Ang. Endell), Boni praktischen, Möbel (I. A. Lux), der Friedhof, Unsere Münzen, Aus München. Eine Fülle von interessantem' Material breten die ständigen Rubriken: Kunst im Hause, Aus' der Werkstatt, Kunst auf der Straße, Ausstellungen, Wettbewerbe, Kunst ans, der Bühne, Vom Markte, Bildungswesen, Gartcn- tliMt, Kunst im Leben, Aus dem Vereine, Berliner Kunstsalons, Denkmalspflege nsw. An. gediegenen Bildcrbeilagen findeii sich vor: Fächergriff von Elfenbein und Gold (Morawe), Nadel- maleret (Hösel), Grabsteine lMöhring und Stichling', sitzender Jüngling (Heyne).. Die reichhaltige Zeitschrift sei der Beachtung aller Kmistsrennde, Künstler und Kunsthandwerker bestens cm'- psohlen.

Gefrtttdheitspflege.

Die Blutstauung als Heilmittel. Die grnndlegcn- den neuen Gesichtspunkte, ivelckte die Forschungen des Bonner Chirurgen Professor Bier über die Behandlung eitriger Entzünd­ungen mit der Stauungsblutüberfüllnng der Chirurgenwelt eröffnet haben, beschäftigten den C hir u r g en ko n g r e ß. Der innere Kern^des Verfahrens liegt darin, daß die natürlichen Hilfskräfte des Organismus zur Bekämpfung des eiitgebiungenen Eitergiftes an der Stelle des Entzündungsherdes künstlich aufgehäuft und den Keimgiften eutgeaengesührl werden, und daß durch mechanische Vorkchrungcn ihre Ausscheidung nach außen erleichtert wird. Die Mittel dazu sind Anstauung des entgiftend wirkenden Mutes in der Umgebung des Herdes durch B i n d e u a b s ch n ü r n n g und ziveckentsprecheud umgeformte Scüröpfapparate. Es besteht kein Zweifel, baß die Möglichkeit ber Behandlung eitriger Ent- znnbungen unter wesentlicher Schmerzverringerung ober Aufhebung mit schonenden kleineren Einschnitten oder Stichen nnb vor allen Dingen mit der Erhaltung wichtiger Funktionen, die durch die bisherige Behandlungsart fast unausbleiblich zerstört worden wären, durch das neue Verfahren gegeben ist vorläufig aller­dings nur in besonders dazu ausgesuchten Fällen.

Leibe s ü b u n g e u f ii r K ranke und L e i b e n b c. Heransgegeben von einem deutschen Arzte. Leipzig, Verlag von Krüger u. Ev. 1906. Preis 1.50 Mk. Professor H. Oppen­heim, der Berliner Ncnrolog, schreibt:Im verflossenen Jahre habe ich eine Reihe von Personen zu beraten Gelegenheit gehabt, deren Hanptbeschwerdeit ich au den Müller-Sport zurücksührcn musste, b. h. auf eilten Abhärtungs- nnb Gymnastikunfug, bet tu Anlehnung an bas System I. P. Müllers von sehr vielen Menschen getrieben wird." Hier tritt nun das vorliegende Buch ersatzgebend ein, indem es Aufklärung gibt über das Wesen und die Arten des Sportes, über instinktive Eingebungen als warnende Stimme vor Uebertreibungen und bestimmte Gebrauchsregeln lehrt für die Vornahme von Körperübungen und Sport.

Logogriph.

Nachdruck verboten.

MitE" ein unsichtbares Wesen.

MitA" zum Tierfang auserlesen.

Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Diamanträtsels in voriger Nummer:

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Sebtthion: Ernst s - k. - Rotationsdruck und Verlag der Brübl'icbeu Universtläts-Buch. und Steindruckeret. R. Lange, Gieße«.