Ausgabe 
11.4.1906
 
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Suse hatte Lei feinem jähen Abbrechen erstaunt auf« geblickt. Aber das allmählich verglimmende Osenfener gab nicht mehr Licht genug, bog sie die Züge seines Gesichts noch hätte dentlich erkennen können. Ein prickelndes, ge­fährliches Verlangen, zn wissen, was er noch hatte feigen wollen, ließ ihre Pulse höher klopfen. Um die schwüle Pause, die in ihre Unterhaltung getreten war, auszu- süllen, bückte sie sich, nahm aus dem hohen Spaukorbe neben sich ein paar Holzscheite und schob sie in die rote Köhlen glut.

(Fortsetzung folgt.)

Heimaipflegc- und VoMtrachteufest in Butzbach.

Das Komitee uud der AusstellmigsanSschnß versenden fol­gende Einladung zur Beschickung derAusstellung für ländliche Kuustbestr ebuugeu" zu Butzbach:

Am 17. Juni 1906 soll zu Butzbach ein .Heimatpflege- und Volkstrachten fest stattfinden. Es ist zu diesem Zwecke ein Komitee unter dem Ehrenvorsitze Er. Durchlaucht des Fürsten zu Solms- HohensolmS-Lich znsammengctreten.

Das Fest wird mehrere Abteilungen umsaffeu: einen Festzug mit historischen und Trachtengruppen, ein Festspiel, Darstellung von Volksgebräuchcu, und aus der Voltsgcsckichte, sowie eine Aus­stellung mit dem unten bemerkten Programm.

Diese Veranstaltung soll dem Heimatschutze dienen, sie soll die Freude au der Volkskunst und au der geschichtlichen Ueberlieser- nng mehren, sowie zum Festhalten an alten Bolkssitten und Ge- bräucheli aneifern.

P r o g r a m nt der A u s st e l l u n g.

Die Ausstellung bezweckt, in der bäuerlichen Bevölkerung den Sinn für ländliche Bauten in überlieferten und verbesserten, ge­eigneten Formen mehr zu mcdeit und zu fördern uud auf größere Wertschätzung uud Erhaltung der vorhandenen Bauernhäuser hiuzuivirken. Sic soll Pläne und Modelle von Bauernhäusern und Bauernhöfen, sowie von ländlichen Schul- und Rathäusern, den Bildschmuck des Bauernhauses, sowie sonstigen Wandschmuck umfassen) Gerade der Wandschmuck des Bauernhauses und der Gebäude in Landorten ist von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die Volkskunst; es handelt sich darum, die aus früheren Zeiten noch vorhandenen Reste, die fortwährender Beschädigung und Zerstörung ausgesetzt sind, in Aufnahmen zu sammeln und zur Anschauung zu bringen.

Dabei erscheint es von Interesse, daß anck die als Inschriften an oder in Häusern angebrachten Sprüche gesammelt zur Aus­stellung kommen.

Leider ist schon eine Fülle alter Muster und Formen durch Uebertünchen der Außenwände und Neuherstellung von Innen­wänden verloren gegangen. Manches ist indes noch vorhanden, doch droht die. Gefahr, daß auch dieses binnen Kurzem ver­loren geht.

Tie Ausstellung soll umfassen:

a) Ansichten, Ausnahmen (auch Photographien, Pläne und Modelte von alten B a u e r n h ä u fern u u d Bauer n Höfen, sowie von alten Rat- und Schul Häusern und sonstigen öffentlichen Gebäuden in Landorten unter besonderer Berücksichtig­ung hessischer Bauwerke, b) Entwürfe und Ansichten von R e u - bauten der unter a) bemerkten Art in Landorten, ins­besondere in hessischen Landorten, c) Alter Bit der schmuck des Bauernhauses, d) Zeichnung und photographische Aufnahmen st ilvv l l c r a l t e r Wand m uster (die zur Innen- oder Außendekoration der unter a) bezeichneten Gebäude dienten), insbesondere auch von Fläckemustern und Schnitzereien an Türen, Läden, Pfosten, Gesimsen, Wandbrettern usw. Auszeichnungen alter Haussprüche. Abzüge von alten Schablonen zur Wand- bemalung. e) Neuer Waudschm u ck des Bauernhauses, ins­besondere neue Bilder, welche dem ländlichen Geschmacke Rechnung tragen und zur Anregung und Fortbildung des künstlerischen Ver­ständnisses und künstlerischer Bestrebungen in Landorten dienen können (Darstellung von Trachten, Trachtcngruppen, ländlichen Gebräuchen, Bilder hervorragender Männer und Ereignisse aus der vaterländischen und Bolksgeschichte usw.) f) Alte und neue gemusterte Gewebe aus s e > b g s P o u n e n e m G a r n. g) Alte Zeugdrucke, h) Trachten und Trachtenstücke (auch Modelle), i) Alter, besondere Kunstformen aufweiseuder, länd­licher Hausrat. Anmeldungen unter Bezeichnung der Gegen­stände und des ungefähren Wertes derselben werden bis 15. Mai laufenden Jahres zu Händen des Herrn Medizinalrat Dr. Bogt in Butzbach erbeten.

Eröffnung der Ausstellung: am 9. Juni laufenden Jahres. Dauer 6 bis 8 Wochen. Ausstellungslokal: Städtische Turn­halle und Nebenräume derselben in Butzbach. Um Zusendung der angemeldeten Gegenstände wird bis zu 2. Juni laufenden Jahres unter der AdresseAnsstelluugsansschuß, zu Händen des Herrn Medizinalrat Dr. Vogt in Butzbach" gebeten. Jeden Gegenstand bittet man mit dem Namen und Wohnort des Eigentümers zu versehen, ebenso bittet man, die zur Verpackung dienenden Kisten, Körbe usw. in gleicher Weise zu kennzeichnen. Die Ausstellung wird gegen Feuersgefahr und Diebstahl versichert und es wird

für deren Bewachung Sorge getragen werden. Gegenstände, die acht Tage nach Schluß der Ausstellung nicht abgehvlt sind, werden zu Lasten der Aussteller mit der Post oder Eisenbahn znrück- gesendet. ______

Die schnellsten Tiere.

ImKosmos", diesem trefflichen Handweiser für Natnr- srennde, den die gleichnamige Gesellschaft in Stuttgart unter bewährter Redaktion herauSgibt und den sie heute an mehr als 15 000 Mitglieder zur Versendung bringt, lesen wir: Wenn alle Vierfüßler der Erde zn einem Wettlauf zusammenträten, so würde die Gazelle den ersten Preis davoutragen, die in der Sekunde 27 Meter (allerdings nur während kurzer Zeit) zu durch­eilen vermag. Dann das Rennpferd mit etwa 25,3 Meter (Maximalleistung), während der schnellste Hund der Welt, der russische Wolfshund, 25 Meter in der Sekunde läuft. Für den Rennsport gezogene englische Windhunde machten in der Sekunde 18 bis 23 Meter. Ein Fuchshund durchlief 4 englische Meilen (ä 1609 Meter) in 360,5 Sekunden, legte also in der Sekunde 18 Meter zurück; englische Hühnerhunde sollen 25 bis 30 Kilo­meter in der Stunde machen, in der Sekunde mithin 7 bis 8 Meter, diese Schnelligkeit aber 2 biA 3 Stunden lang anshalten können. Nach Hayes vermögen die halbwilden Eskimohunde stünd­lich 15 Kilometer hinter sich zu bringen, und dieser berühmte Polarfahrer legte selbst int Hundeschlitten 11 Kilometer in 28 Minuten zurück. Nach dem Windhunde folgt das Durcbfchntits- rennpferd mit etwa 1200 bis 1300 Meter in der Minute; der Hase soll es unter Umständen bis zn 1080 Meter bringen, wäh­rend ihm für gewöhnlich bloß 400 Meter zngebilligt werden. Daun kommen die Giraffe mit 900, der Tiger mit 860, das Rentier mit 850 und der Wolf mit 570 Meter. Dieser «tamm- öater des Hundes ist ein vortrefflicher und ausdauernder Läufer; verfolgt oder von Hunger getrieben durchläuft er 80, Ins ICO Kilometer in einer Nacht, und es gilt als unmöglich einen ans- gewachsenen Wolf ans der Flucht einzuholen. Wölfe verfolgen einen englischen Radfahrer, dem sie auf ebener Landstraße 5 Bier- telstunden ans den Fersen blieben, dabei 28 Merlen (engl.) zurücklegeud: das sind 36,05 Kilometer für die Stunde und 10,01 Meter für die Sekunde. Von den Vögeln hält den Rekord unsere Turmschwalbe (Mauersegler) mit rund 4.94 Kilo­meter in der Stnnde (137,5 Meter in der Sekunde). Ihr ~t_ nächsten kommt der virginische Regenpfeifer mit 415 Kilom ter (115 Meters; dann folgt der Wander- und Lerchenfalke mit 269 Kilometer (74 Meter). .Zunr Ueberbringen von Nachrichten abgerichtete Schwalben sollen eine Geschwindigkeit von 240 bis 245 Kilometer (6768 Meter) erreichen, während der schnellste Briestaubenflng, den Gätke aus Helgoland beobachtete, 185,5 Kilometer in der Stunde (51 Meter in der Sekunde) betrug. Der Strauß legt, indem er mit den Flügeln nachhilft, in der «e- knnde 33 Meter zurück. Unter den Fischen ist der schnellste der Delphin, der in der Stunde 37 Kilometer (10,29 Meter in der Sekunde) durchschwimmen kann: in ziemlichem Abstand folgen bann der Lachs mit 24 Kilometer (6888 Meter) und der Hering mit 22 Kilometer (6172 Meter).

Vermischtes.

Ein neues Gcncüse. Die i&peijct'atic der Gourmets ist in letzter Zeit durch ein neues Gericht bereichert worden, das in England viel Au- ilang findet. Es ist ein Gemüse, dasLava" heißt und als Zuspeise zn Hammelbraten ganz vorzüglich mundet. In seinem Aussehen ist cs dem Spinat nicht unähnlich, aber cs hat nicht die hellgrüne Farbe dieses Gemüses, sondern mehr einen dunklen grüngoldigcn Ton, der cs auf dcr Schüssel, schön mit dem Fleische garniert, auch äußerlich zu cntem reizend delorativcn Stillleben macht. Der Geschmack ist angenehm kräftig und von einer sauren Würze, wie ihn tltoa Limonen haben, Lava ist ein Seegemüse und findet sich zwischen Klippen und Geröll an dcr felsigen Küste Schottlands. Am Strande breitet es sich in langen welligcn Büscheln aus und flutet int Wasser dahin, aus dem dunklen Grund in seiner leuchtenden Bernsteinsiirbung hervorschillerud. Das Wohlschmeckende nnd Erquickende dieses fattren Gemüses hat man erst jetzt erkannt; die Fischhändler, bei denen umit cs kaufen muß, lassen cS vorher in einer schwachen Salzlösung wässern. Die Zubereitung von Lava erfolgt am besten mit etwas Zitronensaft. Das neue Nahrimgsmittcl, das nia t nur schmackhaft und erfrischend, sondern auch sehr naprhast und leicht ver­daulich ist, wird sich wohl bald zu einem beliebten Gast auf jeder besseren Speisetafel ansbildcn.

* Die Klugheit d e r Am eise ir offenbart sich auch in der Ausbewahrungsweise ihrer Getreidevorräte. Ganze Berge von Körnern haben sie zur Einwinterung für sich und die konttnende Generation eingetragen. Man sollte nun vermuten, daß diese Feldsrüchte im seuchten Erdreich keimen und auswachsen. Das aber wissen die fürsorglichen Tierchen zn verhüten, indem sie von jedem Samenkorn das Keimblättchen abnagen.

* Ein Theaterze >: s n r st n ckchen ans der Biedermeier­zeit. Die streng durchgeführte Ueberwachung des gesprocheueu Wortes beklagen die modernen Bühnenleiter oft bitter. Aber auch die vielgerühmtegute alte Zeit" förderte bisweilen recht merkwürdige Zensurblüten zutage. In Leipzig war es der Rs- gierungsvat Dr. Temnth, welcher die Zungen der Akteurs tut® Aktrizen im Zaume hielt. Aeugstlich vom Scheitel bis zur Sohle,