Ausgabe 
10.11.1906
 
Einzelbild herunterladen

- 664 -

Redaktton: Ern st Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersttäts-Buch- und Sletndruckeret, R, Lange, Gietzea.

Bilderrätsel.

Nachdruck verboten.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des magischen Quadrats in voriger Nummer

Martinstag.

Don Richard Staben. ,

Nachdruck verboten.

so, Sabina, das; Sie an den MartiuStag gedacht haben", schmunzelte Rentier Mühlbach beim Anblick des duften­den Gänsebratens, den ihm seine Wirtscyafterien auf den Tisch gesetzt hatte,so 'ne jut jebratene Martinsjans ist eine jute Jabe S°tte,StU für einen MartinArunk habe ich gesorgt, geehrter Herr Müllbach und zum Kaffee gibt's Martinshornchen, mem lieber Herr Mühlbach", dienerte Fran Sabma cm Abgehen

Der Rentier tranchierte den Braten kunstgerecht nnd liest sich ihn wohlschmecken. Aber als er sich die Keuleemverleibte, mußte er unwillkürlich an das imnierhin ausfällige Benehmen Sabma s denk^ Geehrter Herr Mühlbach", hatte sie zuerst gesagt und einen merklichen Akzent auf dasgeehrter" gelegt. Und als er sich das Bruststück vorlegte, fiel ihm em, daß sw, schon zwischen Tür und Angel ihn sogar mitmein lieber Herr Muhlbach apostrophiert und dasLein lieber" so sonderbar, betont hatte Hm, bei der ehrwürdigen Dame schien heute eine schraube locker 8U Der Schmausende nahm sich vor, sich in seinem kulinarischen Genust nicht stören zu lassen, aber je fester er diesen Vorsatz faßte, desto öfter mußte er an Frau Sabina denken Was sie nur mit ihrer merkwürdigen Rederei eigentlich bezwecken woll.e. -"Ceor Wirtschaftsgeld? Sollte sie haben. Höheren Lohn? Sollte sie auch haben. Oder waren das etwa die Vorläufer eines Attentats auf seine Unabhängigkeit? Alle Wetter, diese Geluste woilte er der Dame schon gründlich austreiben, er wurde ihr das Köpfchen gründlich zurechtrücken. _

Mit einer sehr energischen Geberde schwenkte er, die Ser­viette, wischte sich den Mund, brannte sich.eme Zigarre an und zog sich in's Nebenzimmer zurück, um im Lehnstuhl dem Geschäft der Verdauung obzuliegen. Im Laufe dieser anstrengen­den Tätigkeit vergast er seine Zigarre in Brand zu erhalten, die Augeiilider wurden ihm schwer und schließlich . . .

Da schien es ihm, als ob er Stimmen tm Speisezimmer hörte, dazwischen TellergeNapper und Gläsergeklirr: Sabma schien den Tisch abzuränmen.

Doch halt, jetzt vernahm er ihre Stimme ganz deutlich: Das geht denn doch nicht so, Musiöh Fritz, dazu hab' ich meinen alten Herrn doch zu lieb." .

Aus den alten Krauter brauchen Sie keine Rücksicht zu nehmen", das klang ihm bekannt und nach einigem Nach­denken wurde ihm' klar, daß das der Fritz io ar, der Diener vom Major, der die erste Etage bewohnte.

Aber gestatten Sie mal,alter Krauter", das ist doch keine passende Bezeichnung für Herrn Rentier Muhlbach.

Rentier hin, Rentier her, ein Geizhammel der ärgsten Sorte ist er, ein ganz unverschämter Kerl, ein Barbar, der, meiner Liebe im Wege steht. Mit einem solchen Kasfer mache ich nicht viel Federlesens, Messer her, dem schneide ich die Kehle durch wie einen Martinsgänserich." .

Zurück, Sie Mörder, nur über meine Leiche geht der Weg.

Ein Getöse, ein klirrender Fall ertönte ans dem Speisezimmer, i sie waren handgemein geworden.

Schreckensbleich ivar Herr Mühlbach ans dem Lehnstuhl em- porgembren Schweißtropfen perlten ans seiner ©tim, seine Haare sträubten sich, mit schlotternden Knien schlich er zum Speiiezimmer und öffnete die Tür. ,

.... Sabina war dabei, das Tafeltuch zusammen zu, legen. Ach entschuldigen Sie nur, Herr Mühlbach, dast ich Sie im Mittagsschläfchen gestört habe. Es ist mir eins der schweren Messer herunter gefallen und das hat solchen Spektakel gemacht. Ich werde sofort den Kaffee servieren"

Herr Mühlbach rieb sich die Augen: int Mittagsschläfchen war er gestört worden, aber er hatte doch alles so deutlich gehört!

War denn Fritz nicht eben hier?" fragte er, als er sich einigermaßen wieder erholt hatte.

Fritz? Was für'n Fritz?" fragte Sabina erstaunt, zurück. Na, der Diener von Majors", klarte sie der Rentier auf. Hahaha", lachte Sabina,der käme mir gerade recht, dem wollte ich schon den Weg weisen. Also soll ich den Kaffee bringen und die Martinshörnchen dazu?" ,

Also Fritz war nicht da gewesen, der Rentier hatte somit die Mordsgeschichte geträumt.Ja, ja, den Kaffee", stotterte er noch ganz erregt,und w!as ich sagen wollte, geehrte Frau Sabina. . . was ich sagen wollte, meine liebe Frau Sabina", er betontegeehrte" undliebe" ganz besonders,wenn Sie vielleicht in meiner Gesellschaft ein Täßchen mittrinken und ein Martinshörnchen mitverspeisen wollten. . ."

Und wenige Minuten später saßen die beiden in sehr ange- tegtem Gespräch am Kaffeetisch.

Weihnachts-Literatur.

Im Suevia-Verlag in Jugenheim a. d. B. erschien: Wer aber nicht hat. Von Helene Christ aller. Brosch.

2 40 Mk. = Helene Christallers neuestes Werk bewegt sich in Mission», und Pfarrerskreisen. Es ist em ernstes Thema, das sie diesmal Gehandelt, eine Illustration zu dem Worte Jesu: .Wer aber nicht hat, dem soll auch das genommen werden, was er hat." Helene Christaller hält sich frei von irgend welcher, selbst verhüllter Tendenz. Es sind nur die Menschen, die sie mter- essieren, und wo sie dasWarum" ihres Schrchals nicht deuten kann, läßt sie ehrlich ein Fragezeichen stehen, das den Leser lockt, selber weiter nachzndenken. Im vorliegenden Buch sind eine ganze Reihe religiöser Menschen gezeichnet: Veralte Missio­nar mit seinem engen Gesichtskreis itnb der religiösen .me.se ; sein jüngerer Kollege, der streitbare Mann der Tat;, der kluge, menschenfreundliche liberale Dekan: der zerfahrene, innge Theo­loge mit seinem Sinn für Hohes und semer Kraftlosigkeit es zu erreichen; das kindliche, schwärmeriscg-fronime Mädchen, fte alle zeugen von der feinen Menschenkenntnis der BerfasserlN auf diesem Gebiet. Eine fast leidenschaftliche Liebe zur Natur bricht überall hindurch, versöhnt und verklärt Menschenleid und Men- 'chenschicksal und gibt der Handlung festen Heimatboden unter die Füße. Das Buch ist interessant für alle nachdenklichen Leute, einerlei welcher Richtung sie angehören.

Kortüm, Die Jobsiade, Ein komisches Helden­gedicht in drei Teilen. Neue Ausgabe, mit den Holzschnitten der Originalausgabeii, Zierstücken von Walter Tiemaiin und einer Einleitung in Versen von Otto Julius B i e r b a u m. Leipzig, Insel-Verlag, in Pappband Mk. 6. Es hieße offene Tnren em- rennen, wollte man zum Lobe der Jobsiade nocy etwas sagen. Seit hundert Jahren führt sie ein unverwüstlicges Leben; sie ist für hoch und niedrig zum Volksbuch im eigentlichsten Sinne des Wortes geworden und hat mit ihrem burlesken Humor das Zwerchfell ungezählter Tausender erschüttert. Es war em. glücklicher Gedanke des Insel-Verlages, dem nnsterblicyen Gedichte vom Kandidaten und Nachtwächter Jobs wieder em,angemessenes Gewand zu geben. Er hat cs in dem Format der Originalausgabe mit schönen Frakturlettern auf graneS Fließpapier neu drucken lassen und die alten Holzschnitte in ihrer ursprünglichen Große getreu wiedergegeben. Bierbaiim aber, der wohl der berufenste zazu war, hat der neuen Ausgabe eine gereimte Einleitung mit auf den Weg gegeben, die wie ihr Gegenstand von köstlichem. Humor durchtränkt ist. Das Buch 'wird ohne Zweifel titele Freunde finden.

Bei Schmarl und von seefeld Nachf. tit Hannover er­schienen Die Oden des Q. Horatius Flaccus in freier Nachdichtung von Alfred Hesse. Preis: brosch. 3.75 Mk Diem Nendichtung ist vortrefflich. Wir freuen uns, m der Ueberiulle der Hesseschen Gedanken die allvertraute Lebensanschauung des römischen Dichters wiederzusinden, wir freuen uns der Form, in die Altes und Neues gegossen ist, eine markige Form tu schöner Sprache mit herrlichen Bildern und glühender Farbenpracht. Wer die herrlichsten Blüten der Gefühlsdichtung der Alten ge­nießen will, ohne sich mit Gelehrsamkeit zu beschweren, der greife zu Hesses Nachdichtung. Daß alle Schulbibliotheken sie an,chatten, halten wir für ebenso selbstverständlich, wie daß die Vertreter des Fachs sie ihrer Handbibliothek emverleiben. Und die große Mas,: der Gebildeten, deren Latein ja doch vielfach für den ursprünglichen Horaz nicht ausreicht, und die sich dennoch erquicken wollen an dem unerschöpflichen Born antiker Lebensweisheit,, fie mögen nur getrost zu Hesses Uebersetzung greifen.

A

L

M

A

L

E,

A

N

M

A

B

8

A

N

8

E