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lassen.
(Fortsetzung folgt.)
4.
Wrotch
be3 Vierten deutschen Bbstinententazes gegen die deutschen akademischen Trinksitten.
Elberfeld-Barmen, 6. Okt.
Gegenüber den deutschen akademischen Trmksitten bekennt sich der Vierte deutsche Abstinententag mrt rücksichtsloser Entschiedenheit zu derselben Auffassung, dre sm Februar 190» iit dem Aufrufe des „Berems abstmenter Juristen des deutschen Sprachgebietes" zum Ausdruck gekommen ist. Der „Vierte deutsche Abstrnententag macht sich die Gedanke,r jenes Ausrufs zu eigen, erweitert s,e und erklärt darnach dies:
Wer der Wahrheit die Ehre geben will, der muß bekennen: Die akademisch gebildeten Männer tragen an dem Alkoholelend in Deutschland die schwerste Schuld. Was m den höheren Kreisen der Gesellschaft nicht nur geduldet sondern mit pietätvoller Zärtlichkeit gehegt und gepflegt wird beeilen sich die unteren Klassen nachzuahmen und zu übertreffen. Die schwersten Formen der Alkoholverderbin^ in Deutschland wurzeln in der Verblendung und in, der Furchtsamkeit der höheren sozialen Schichten; diese besitzen nicht die Erkenntnis und nicht den Mu!, die Dmge beim rechten Namen zu neunen und unwürdige Zustande ut ihrer eigenen Mitte auszurotten. ,. „ „ „ ,
Daß die höheren Gesellschaftskreise diese Erleuntnis und diesen Mut bisher nicht gefunden haben, dafür trifft wiederum die Verantwortung eine besondere Gruppe unter ihnen, eben die akademisch Gebildeten. Denn die auf dem Trinkzwanae beruhenden. Trinksitten oes Universttats- lebens, dwien die Männer dieses Staiides wahrend ihrer Studienzeit fast ausnahmslos gehuldigt und die sie vielfach in ihr Päteres Leben mit hinübergenommen haben, erzeugen durch bas berechtigte soziale Ansehen ihrer Frager eine verderbliche Suggestion aus andere Kreise und verhindern viele, das Wesen der Alkoholgefahr richtig zu
Dw" akademischen Trinksitten vergiften einen großen Teil derer, aus denen sich unsere geistige Elite bildensoft, und wirken durch das böse Beispiel auf dw anderen Sta verderbenbringend ein, zunächst auf die Stmcheft).- Felchen sozialen Schicht und sodann auch auf die andere Vevolkeruug.
Wer studiert hat, der sollte fähig sein, aus den Hoh,n deutschen Geistes zu leben, der sollte seinen oeulschen e>oil!-- qenossen ein Führer sein zum Ideal. Wie viele aber vegetieren nicht nach vollbrachtem Studium dahin in trog- loser Mittelmäßigkeit! Der Bierkultus, aus dem die oeuftchv liocbsÄule heute noch ein Evangelium macyt, ha-, nnzatzlig wiele in'^der empfänglichsten,Zett des Lebens demetmgen Stumpfsinn geweiht, hat sw sur alle Zeiten z,l od ^^We^studie?t^hat, der sollte voranleuchten an körperlicher Kraft und Schönheit, an Frische und an Lebens-,
und Opfergaben eines von Reue und Vorwürfen gepenngtcn Gewissens waren — daß die Iran, die ihn als vernnnftloses Kind ans den Armen seiner Mutter genommen, jetzt ihr Möglichstes tat, die Stelle seiner Mutter auszufüllen — wie ganz anders würde er sie dann betrachtet haben!
Merkivürdig genug, aber ein solcher Gedanke oder Zweifel war ihm nieiuals aufgcstiegen. Er hatte sich selbst sehr oft Vorwürfe gemacht, indem er glaubte, seine Liebe zu Kate Jefferies fei' nicht so zärtlich und anhänglich, wie es die Liebe eines Sohnes zu einer Mutter sein sollte; aber kein Zweifel, kein Argivohn, ob sie auch wirklich seine Mutter sei, kam ihm je in den Sinn. .
So flössen die Jahre ruhig und gleichmagig dahm, und ivenn der Vorhang das nächste Mal wieder über unserer Erzählung aufgeht, finden wir Werner in seinen, zwanzigsten Lebensjahre und gerade im Begriff, die Hochschule zu vcr-
oerzichtete er gern.
„Das wird nur als Taschengeld dienen", sagte er, uns dann lachte er wieder, sein behagliches, ruhiges Lachen in dem Gedanken, wie viel mehr ihm, wenn seine Plane glückten, diese selbe Quelle liefern sollte. —
Die folgende Woche reiste Werner Jefferies nach Eam- bridge ab. ' .
„Der Traum meines Lebens geht in Erfüllung; komm, sei nicht traurig, Mutter", sagte er fröhlich, als Kate Jefferies ihm Lebeivohl sagte. „Ich glaube, niemand war je so glücklich; niemand hatte je so glänzende Aussichten, wie dem 533cvnct»n
Tränen verdunkelten Kale Jefferies die Augen; aber er ivuhte nichts von den Gedanken, die sie bewegten, er verließ die Heimat, die nie wieder seine Hemmt sein sollte, mit vor Hoffnung uiid Freude strahlenden Zügen, leichtem Herzen und dankerfüllter Seele. —
Wir wollen seine Universitäts-Laufbahn nicht schritt vor Schritt verfolgen — cs genügt zu sagen, daß er die höchsten Ehren» die zu erringen, auch gewann. Er war sehr beliebt, einfach seiner ivunderbaren Talente ivegen. Die Professoren waren erstaunt und entzückt; namentlich seine Verse riefen uneingeschränktes Lob hervor. Die Berichte, die an Doktor Cloth gelangten, waren ganz ausgezeichnet. Kurz und gut, Werner Jefferies' Hochschul-Laufbahn ivar ein vollständiger Erfolg. r
Er blieb fünf Jahre in Cambridge, und zedes ^ahr wiederholten sich die anonymen Geschenke; die Bücher änderten sich in ihrem Charakter, je nachdem und je weiter er in seinen Studien vorrüekte. So kam eS, daß er auf der llniversität ebenso gut über alles verfügte als seine Kollegen, deren Angehörige reiche Mittel besäßen. _
Er wunderte sich sehr, iver ivohl dieser ungenaiinte^Wohltäter sei, kam aber schließlich zu dem Schlüsse, es müsse doch Sir Collingbourne sein. Sir Collingbourne hatte sich bei seiner Prüfung so sehr für ihn interessiert und ihm gesagt, daß er stets an ihn denken werde; und doch schien es eigentlich merkwürdig, daß er nie schrieb, ihn nie besuchte, sondern jmß das einzige Zeichen eines andauernden Interesses die Kisten mit ihrem wertvollen Inhalt waren.
Ach, hätte er nur gewußt, daß es nur die Friedens-
Artt der zweiten öffentlichen Hauptversammlung des deutschen Abstmententages führte eine Demonstration der akademischen Abstinenten (Aerzte, Juristen, Pastoren und Philologen) nach Ansprachen von Vertretern demvwr Fakultäten zu folgender Protestre;o1urwn des Avstinenttu- tages, die in einer gut besuchten Versammlung Annahme
„Ich muß eine gute Fee zur Patin gehabt haben",
„Unsinn", rief Jack; „Sw Collingbourne istsl Ich horst, vie er dich prahlte, gerade als ob sonst niemand vorher auf ine Frage geantwortet hätte." .....
„Daran habe ich nicht gedacht. Natürlich, e-> i|t etv Collingbourne. Ob ich ihm nicht schreiben und danken muß, Mutter?" r ,r f r.
Nein", erwiderte sie langsam; „ich glaube nicht. Cr vill es offenbar nicht haben, sonst hätte er diese Sachen mch »hne Namen geschickt. Es wäre i» diesem Fall also mcht angebracht, cS ihm gegenüber zu erwähnen."
Und plötzlich blickte Jack Jefferies seine Mutter an, und -benso plötzlich sah sic ihn an und las Argivohn und Zweifel m seinen Äugen, lind eine tiefe, sichere Ueberzeugung kam Jack daß Sir Collingbourne ganz und gar nichts bannt zu um habe, daß vielmehr seine Mutter ivisse, wer die Kisten
Hm", sagte er dann ruhig; „ich glaiibe doch nicht, daß rs Sir Collingbourne ist; hat aber keine Not — wir werden schon dahinter kommen."
Werner drängte seinem Bruder die Halste be» Wihalm jeder Kiste auf. „Es ist nicht recht, Jack, daß ich dies alles haben soll und du nichts; nimm die Hälfte, und ich bin zu- ivicbcn.
„Es ist vieles in dieser Welt nicht recht", sagte Jack philosophisch. „Ich werde nichts anrühren, Werner; mir gehört davon nichts."
Nachher jedoch, als seine Mutter hmausgegangen und sie beide nochmals alles genau durchmusterten, nahm Jack doch fünf von den zehn in der Börse enthaltenen Goldstücken an, desgleichen ein paar seidene Taschentücher. Auf Bücher


