Ausgabe 
10.10.1906
 
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M. 149

1866

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Am Amme des Gel-emmisses.

Roman von H. v. Raesfeld.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.')

12. Kapitel.

Geschenke von unbekannter Hand.

Das Wochenbläitchen von Fcrryhill enthielt in seiner nächsten Nummer eine kurze Notiz über die Prüfung für daS Stipendium, teilte mit, daß Werner Jefferies den Preis be­kommen, sprach in warmen Ausdrücken von seinen Talenten und beglückwünschte den Stifter des Stipendiums zu der guten Verwendung, die dasselbe aller Wahrscheinlichkeit nach in diesem Falle finden werde.

An einem hcllklaren Sommertage war Werner früh auf- gestanden; in zwei Tagen bereits sollte er nach dem Dorado seiner Wünsche, zur Universität nach Cambridge aufbrechen. Er war über alle Beschreibung glücklich und wunderte sich beim Anbruch dieses neuen, glücklichen Lebensabschnittes für ihn, luie die Welt nur so schön sein könne. Nie wor ihm die Sonne so strahlend erschienen; der Gesang der Vögel war voller Musik, die ganze Natur war in ihrer schönsten Stimmung, lind doch kam ihm an diesem Hellen Sommcr- inorgcn eine Art von halber Ungewißheit, wie er denn auf der Hochschule wohl fortkommen würde.

Während er dies erwog, rollte ein schwerer Frachtwagen durch die Wallhcckcn, hielt vor dem Gartentürchen, und der Fuhrmann stieg ab. Er nahm mehrere schwere Kisten von dem Wagen, und Werner, dem nichts davon bewrißt, daß seine Mutter irgend welche Frachtgüter zu erwarten haben sollte, glaubte schon, daß irgend ein Mißverständnis vorliege.

Isis hier recht bei Mrs. Jefferies? fragte der Fuhr­mann, und Werner erwiderte bejahend.

Dann sind diese Kisten hier alle für sic", sagte er,und schwer genug ist der Kram."

Ein flüchtiges ©tonnen, was wohl die Mutter gekauft haben könne, wovon er nichts wußte; aber dann eilte Werner mit der natürlichen Höflichkeit, die ihn stets auszeichnete, her­bei, um dem keuchenden Manne zu helfen. Sein eigener Name stand auf den Kisten; sie waren gar nicht für seine Mutter, sondern sämtlich für ihn.

Seine Wangen röteten sich, sein Herz schlug schneller. Was war darin?

Mutter?" rief er, hineinstürzend,was bedeutet dies? SiehMaster Werner Jefferies"; wer hat mir dies ge­schickt?"

Der Fuhrmann wurde bezahlt und fuhr davon: dann

standen Mrs. Jefferies, Jack und Werner in stummem Er­staunen vor den drei großen schweren Kisten.

Offen damit", rief Jack;vom Ansehen kriegen wir nicht heraus, was drin ist!"

Er lief, holte Hammer und Zange und gmg ans Werl; noch einige Minuten, und der Deckel der ersten lag auf dem Flur. Sic war von Burns u. Nowland, London, und ent­hielt einen sehr hübschen Toiletten-Kasten, äußerst geschmack- voll mit jedem möglichen Gebrauchsgegenstand ausgestattet; ein ausgezeichnetes Schreibpult, ebenfalls elegant und reich ausgestattet, und weitere kleinere Gegenstände zum Gebrauch eines jungen Studierenden. Werner sah ernst und blaß aus.

Mein Gott, Mutter", fragte er;wer hat mir dies geschickt?"

Wir werden es schon herausbekommen", versetzte sie und folgte gespannt Jacks Anstrengungen, die zweite Kiste zu öffnen.

Diese Kiste, noch größer, als die erste, war von oben bis unten mit Büchern gefüllt. Sämtliche alten und neueren Klassiker, dabei jedes Hülfsbuch, das möglicherweise beim Studium derselben von Nutzen sein konnte, alles war vor­handen. Sie schienen bnehstäblieh fein Ende nehmen zu wollen; der Flur, die Tische, die Stühle, alles bedeckte sich int Nu mit Haufen von Büchern.

Das ist der schönste Anblick, den ich je gesehen", rief Werner begeistert; doch Jack ließ mir ein verächtliches Lachen hören. . .

Die dritte Kiste war mit feiner Leincnwa;che und sonstigen Gebrauchsartikeln gefüllt; cs fchlte nichts, abcr auch gar nichts, was nur eine sorgsame Mutter einem auf Jahre von Hause Scheidenden mitgibt.

Tas sicht doch wenigstens nach was aus!" rief Jack. Sich, hicr ist eine kleine silberne Uhr und ein Dutzend seidene Taschentücher; wenn ich mir schon was wünschen sollte, so möchte ich das lieber haben, als alle verrückten Bücher, die jemals gedruckt ivordcn sind."

Auf dem Boden dieser, der letzten Kiste, lag eine schöne grünseidene Börse. Jack griff gierig danach und hielt st- empor; sie enthielt zehn Goldstücke und eine weiße Karte.

Ha, endlich!" rief Werner;jetzt werden wir ja er- fahren, von wem cs kommt!"

Laut las er folgende, in schöner, kühngeschwungener Handschrift gehaltenen Zeilen:

Ein Geschenk für Werner Jefferies von jemand, dem der" Erfolg seiner Prüfung recht wohl gefallen; von je- monb, der wenn seine Hochschul-Laufbahn ebenso er- folgreieh sein sollte weitere Sendungen machen wirb.