Ausgabe 
10.9.1906
 
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bis nach Essen eigens zu dem Zwecke zurückzulegen, um Fräulein Berta Krupp, die er, sehr schwungvoll, die- nigin des Eisens" (La Reine du Fer") nennt, einem Inter­view aus Anlaß ihrer bald bevorstehenden Verheiratung mit dem Legationsrate von Bohlen und Halbach zu unter­werfen. Was ihm Fräulein Krupp eigentlich für welt­bewegende Geheimnisse euthiillen sollte, verrät uns Monsieur Landau freilich nicht. Wer der Bericht, den sein Blatt von seiner Expedition bringt, ist doch in mancher Hinsicht unter­haltend genug besonders an seinen ernstesten Stellen, nm ein wenig davon hier wiederzugeben. Manche ameri­kanische Erbin mag reicher sein, als die älteste Tochter Friedrich Krupps, des Kanonenkönigs/ so meint der Pariser Journalist, keine einzige auf der ganzen Welt aber verfügt lute sie über ein wirkliches Reich, über ein Heer von Unter­tanen. Es ist, wenn man in Essen anlangt, als befinde man sich in einem eignen deutschen Bundesstaate. Fräulein Berta Krupp herrscht darin als ungekrönte Fürstin, imb Herr v. Bohlen und Halbach ist ausersehen, ihrPrinz­gemahl" zu werden. Sie hat eine Leibgarde: die 3000 Mann, die mit der 'Aufrechterhaltung der Ordnung in ihren ungeheuren Besitzungen betraut sind, und sie hat ihr Ministerium: das Direktorium der Kruppschen Werke. Ja, sie hat sogar ein eigenes- Feuerwehrkorps, dessen Uni­formen Kaiser Wilhelm II. selbst gezeichnet hat so ver­sichert der Pariser Kollege wenigstens. In Essen fällt ihm im Gegensätze zu dem alten, pietätvoll wie einst das Roth­schild-Haus in Frankfurt a. M. in Stand gehaltenen, höchst bescheidene Heim (eineHütte", schreibt Jacques Landau) das mächtige bronzene Denkmal Alfred Krupps auf, und die Inschrift des Sockels:Edel sei der Mensch, hilfreich! Und gut", entzieht ihm den pathetischen Ausruf:O, welche Ironie, der Kanonenkönig, der seine Reichtümer dem Kriege, dem Gemetzel, dem blutigen Wahnsinn verdankte, als Prediger der Menschenliebe und Güte." Fräulein Berta Krupp ist übrigens schwerer zu interviewen als der Zar oder gar der Deutsche Kaiser. Auf Station Hügel, zu der von dem bescheidentlichVilla" genannten Schlosse direkt eilte mächtige, schmiedeeiserne Tür führt, durch die die Kruppsche Familie unmittelbar an ihren Sonderzug treten kann, wendet sich der Pariser zunächst an den Bahnhofs­vorsteher und fragt ihn, wie er wohl am besten zu Fräulein Krupp kommen könne. Der aber ist über! die Kühnheit solchen Unterfangens derart verblüfft, daß er ihm nur den Rat zu geben vermag, schleunigst nach Paris zurückzukehven. Trotzdem gelingt es ihm, und fünf Minuten später steht er im Garten der Villa Hügel vor der jungen Erbin und ihrerHofdame", Madame Brandt. Fräulein Krupp hat ihm wohl eineAudienz" bewilligt, doch ein Inter­view schlägt sie ihm zunächst ab. Schließlich erzählt sie ihm dennoch allerlei. Daß sie wie ihr Vater es liebe, fern von der großen, lauten Welt zu leben, und daß amerikanische Blätter ihr ganz erdichtete Aeußerungen in den Mund gelegt hätten. Daß sie nur die Eigentümerin der Werke sei nach bent Willen ihres Vaters, der sie nicht nach seinen! Tode zersplittert wissen wollte, baß bie Leitung aber auch nach ihrer Heirat dem Direktorium verbleiben unb sie selbst sich zusammen mit ihrem Manne nur bett gemeinnützigen Einrichtungen, besonders in Friedrichshos, Alfredhof, Alten­hof und dem KrankenheimeKaiserin Auguste Viktoria" widmen werde. Das betrachte sie als die Aufgabe ihres Lebens. Damit ist, so schließt der Franzose seinen Be­richt, meine Audienz zu Ende. Und der Zug bringt mich nach Essen zurück, mich und eilte Schar Kruppscher Arbeiter, die von ihremKasino" kommen und nach einem angenehm verbrachten Ruhetage neu gestärkt zur Arbeit zurückkehren.

Touristik.

Eine Festgabe zur Generalversammlung des D. u. Oe. Alpen Vereins in Leipzig (7. bis 8. September) legt uns die Deutsche Alpenzeitung mit ihrem 1. Septemberheft (Preis Mk. 1., Kr. 1.20) auf bett Tisch. Dieses Heft ist wiederum an Reichhaltigkeit und Vielseitig­keit im Text sowohl wie im Jllustrationsteil eine Muster­leistung ersten Ranges. Das alpine Arbeitsgebiet der Alpen- veremssektion Leipzig wird in den AufsätzenDie Lenk- jöchlhutte und ihr Gebiet" von Ingenieur K. Jaksche, Leip­zig, undAuf südlichen Grenzpfaden" von Th. Girm-Hoch- berg geschildert. Zahlreiche Textbilder und zwei farbige

Kunstblätter (Die Lenkjöchlhütte" von Otto Barth,Die Mandronhütte" von E. T. Compton) sind besonders wert­volle Beigaben dazu. Der diesjährige Festort, die Stadt Leipzig, ist von Volkmar Müller, Leipzig, behandelt. Eineit sehr bevorzugten Platz nimmt dann die Sächsische Schweiz in diesem Sonderheft ein. Der vorzügliche Kenner dieses Gebietes, Dr. G. Kühfahl, 'Dresden, liefert prächtige Text- und Bilderbeiträge. Dr. W. Fischer beschreibtEine Ueber- schreitung des Bloßstockes", Joj.Ostermaier, Dresden, macht uns vertraut mit derFlora der Sächsischen Schweiz". Eine kunsthistorische Betrachtung überAlpine Landschaften aus verschiedener Zeit" bietet uns Dr. E. W. Bredt, München. Dieser Aufsatz hat hochaktuellen Wert deswegen, weil jetzt, zum erstenmal überhaupt, eine eigene AusstellungTas Hochgebirge und seine künstlerische Darstellung" in Leipzig veranstaltet ist und von dort aus eine Wanderung durch die größten Städte Deutschlands machen wird. Ebenso an­regend ist die DarstellungGliederung und Formenschön- yeit der Alpen" von H. Habeuicht, Gotha. 'Auch die poetischen Beiträge, von Künstlern feinsinnig umrahmt, sind nicht zu vergessen. Endlich kommen wir ans die BeilageVerkehr und Sport". Sie bietet so Vieles, Neues, Interessantes, daß man ihr auch allein eine eigene Besprechung widmen könnte. Wir müssen uns jedoch beschränken auf die Nenn­ung der Aufsätze:Die Wocheinerbahu" von Hauns Barth; Die Ausstellung des Tiroler Künstlerbuudes in Innsbruck" von I. M. Eglofs;Der Skisport auf dem Feldberg tut Schwarzwald";Kultur und Alpen". Die Rubriken:Alpine Wege und Hütten",Alpine und Touristenvereine",Winter­sport",Verkehr, Unterkunft und Verpflegung",Kur- und Badeorte, Sommerfrischen usw.",Besprechungen",Ver­schiedenes" geben Zeugnis von einer vorzüglichen Redaktion.

Gesundheitspflege.

Chronisch kalte Füße, Wesen, Wirkung, Verhütung und Heilung. Von Dr. Orlob (30 Pfg.). Verlag von Edmund Demme, Leipzig. Bei der für die Gesundheit höchst wichtigen Blutverteilimg im Körper kommt den Füßen eine große Bedeutung zu. Die Ursache der unter den Kulturmenschen leider so sehr verbreiteten chro­nisch und ebenso uitangenehmen kalten Füße ist keines­wegs bloß die Folge ungenügender Fußpflege, sondern kommt von innen. Zur Heilung, beziehungsweise Ver­hütung des immer eine mehr oder minder allgemeine Ge- sunbheitsstöritng aitzeigeitden Uebels genügt deshalb in der Regel durchaus nicht die Anwendung bloßer äußerer Mittel, es treten vielmehr, wie uns das Büchlein lehrt, eine größere Anzahl verschiedener Faktoren in die Erscheinung, welche feinten zu lernen jedermann bestrebt sein muß, der mit diesem folgenschweren Leiden zu kämpfen hat, um es in zweckentsprechender Weise beseitigen zu können.

Druckfehler-Berichtigungen.

In dem AriikelSedantag und Schulfeier" sind zwei sinn­entstellende Druckkehler enthalten:

Es must heißen aus S. 522, Zeile 17 von unten:So ist geistiger Bann die psychische Erscheinung" u. s. w., ferner aus S. 524, Zeile 5 von unten:daß sie einem flüchtigen Auge als i d e a l l o 8 erscheinen".

Arithmogriph.

1 10 5 11 Stadt in Steiermark.

2 11 lyrischer Dichter.

8 9 8 7 9 Fluß in Frankreich.

4 8 7 4 9 viel gebrauchte Flüssigkeit.

5 2 3 4 9 10 schmackhaftes Tier.

6 9 10 7 9 4 französischer Maler.

7 8 9 10 9 wichtiges Organ.

8 10 8 3 griechische Gottheit.

9 10 7 5 weiblicher Vorname.

10 5 4 4 9 schädliches Tier.

8 7 7 ein Fluß.

4 10 5 4 4 9 kaufmännische Bezeichnung.

11 9 8 3 8 1 muntrer Vogel.

Die Anfangsbuchstaben der gesundenen Wörter sollen den Namen eines Jugendschriftstellers ergeben.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Königspromenade in voriger Nummert Trag' ein Herz, den Freuden offen, Doch zum Leioenskampf bereit;

Lern' tut Mißgeschicke hoffen, Denk' des Sturms bei heitrer Zeit. SaliS.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Dietz««-