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Ein leises Erschrecken lag in ihrem Ausruf.

Habe ich dich erschreckt?" fragte er und drückte einen Kutz auf die ihm dargereichte Hand.

Ich mar in Gedanken!"

Fröhlichen, hoffentlich! Du singst heute abend. Vor einem Parkett von Königen . . ." scherzte er.Es sind viele fremde Fürstlichkeiten da!"

Sie blickte ihn zerstreut an, als hätte sie seine Worte nicht gehört.

Was hast du, Della?" Ec sah sie prüfend an.

Im Zimmer herrschte ein silbernes Licht, das voin Park her sich durch die mit Spihenvorhängen verschleierten Fenster eindrängke. Eine Beleuchtung, wie sie dem Frühlingstage eigen, der durch lichtes, spärliches Laub schüchtern hindurch­lugt, weil es ihm noch an intensiver, sonnendurchglühter Kraft gebricht . . . weich und sanft!

Du darfst dich deinen Stimmungen nicht so willen­los hingeben." Die Strenge des Arztes klang aus seinen Worten.

Ihre Augen füllten sich mit Tränen.

Della!"

Er hatte sie emporgeriffen und an sich gezogen.

Und sie flüchtete sich in seine Arme, als müßte sie dort Schuh finden vor der Bedrängnis ihrer Seele.

Und dann küßte er die Tränen von ihren Wangen.

Immer leidenschaftlicher und heißer wurden seine Küsse, feine Liebkosungen, und sie duldete es mit seligein Entzücken.

Das war die Antwort auf ihre Frage nach dem Glück! Er hatte es gebracht.

Wie lange schon hatte diese Sehnsucht in ihr gelebt?

Wie lange war das Begehren in ihm erwacht?

Sie hätten es beide nicht zu sagen gewußt.

Er hatte geglaubt, sie nicht dem Glanz und Reiz ihrer Künstlerlaufbahn entreißen zu dürfen und ihrer großen Kunst, und sie? . .

Nun, sie glaubte, daß dem stolzen, gelehrten Mann eine Bühnenkünstlerin nicht anstünde! Darüber käme wohl die Aristokratie hinaus, nicht die Wissenschaft.

Und so gingen sie nebeneinander her, sahen sich oft, sprachen von allem Möglichen und schwiegen von dem, was in ihrer Seele brannte. Aber stärker als kluges Wägen und 'lleberlegen ist der Augenblick. Der rechte Augenblick!

Sie sahen sich jetzt in die Augen und lachten.

Della!"

Hansl"

Aber warum warum sprachst du nicht?"

Die Sterne, die begehrt man nicht, man freut sich ihrer Pracht," neckte er. x

Sie hielt ihm den Mund zu.

Und du hättest mich immer dort oben gelassen? Nur in geborgtem Lichte leben, voll kalten Glanzes und Schim­mers?" sagte sie mit zärtlichem Vorwurf.Hans, Hans! Bis ich in meiner eigenen Herrlichkeit erfroren wäre, so ohne inneres Feuer und lebenspendende Wärme!"

Er schloß ihren Mund mit einem langen, glühenden Kusse.

Sie atmete schwer und lehnte wie betäubt in seinen Armen.

Als sie aus ihrem Liebesrausch sich wieder zur Wirk­lichkeit zurückfand, sagte sie errötend:

Und Hans Hübner, mein gestrenger Herr, btt ... . du liebst mich wirklich?"

Wirklich!" jubelte er.

Er hatte sich auf den Fauteuil niedergelassen, den sie vorher eingenommen hatte, und sie kauerte auf dem Teppich zu seinen Füßen.

Aber du, mein Herz? Della! du?!"

Sie schmiegte sich an ihn und flüsterte mit zaghafter Stimme:

Und meine Kunst?"

Ich fürchte sie nicht! Jetzt nicht! Wer dürfte sich vermessen, dich ihr zu entziehen? Bleibe für alle ein Stern, kür mich bist du die Sonne!"

Es hatte leise an die Tür gepocht. Sie erhob sich, nachdem sie wie in stummer Dankbarkeit seine Hand mit ihren Lippen berührt hatte.

Das Mädchen trat ein und meldete:

Gnädiges Fräulein, es wird Zeit, in die Oper zu fahren."

Bereiten Sie alles vor, Anna. Ich komme sogleich."

Als die Tür sich hinter der Dienerin geschloflen, eilte sie hastig zum Fenster, riß es weit auf und sang mit jauchzender Stimme:Winterstürme wichen dem Wonne­mond .. .

Seine hohe Gestalt überragte sie um Haupteslänge. Sie lehnte den Kopf an seine Schulter und er deutete mit der Hand nach dem Himmel. In seiner abendlichen Bläue strahlte ein erster Stern auf!

Etwas von den Mkzm.

Nach einem Vortrage, gehalten im Frauenvereine vom roten Kreuz in Ludwigshafen am Rhein von Dr. Karl Briegleb in Worms.

Sonderabdruck ausWerde Gesund" Nr. 7 u. 8, 1906.

Wenn wir an einem schönen Sommertage einen Spazier­gang durch die grünenden Fluren machen, so fällt unser Blick vor allem auf die in wechselnden Gestalten vor unsere Augen tretenden Gebilde des Pflanzenreiches; die Blumen mit ihren lebhaften Farben und ihrem ost köstlichen, würzigen Dufte fesseln uns, und gerne sammeln wir einen Strauß, um uns auch später zu Hause noch an dem schönen Anblicke zu erfreuen.

Wenden wir unsere Schritte weiter in den nahen Wald, so werden wir, wenn wir dem mit üppigem Moose überkleideten oder mit altem Blattwerke oder Nadeln überdeckten Boden unsere Aufmerksamkeit zuwenden, auch gewahr, wie es dort in allen Farben leuchtet, bald gelb, bald feurig rot, bald in blenden­dem Weiß, hier wieder grün, dort blau ober bräunlich. Sind das auch Blumen für einen Strauß? Nein. Sind es Pflanzen?, Ja. Pflanzliche Gebilde sind es, die Pilze oder Schwämme, die uns, besonders wenn der Boden genügend Feuchtigkeit hat, ost in ungeheuerer Anzahl in den mannigfachsten Formen und Färbungen entgegentreten.

Gestatten Sie nun, daß ich Sie in den folgenden Ausführ­ungen, soweit Sie sich nicht selbst schon mit diesen wunder­baren Naturformen bekannt gemacht haben, etwas genauer ein­führe in die Kenntnis der Schwämme oder Pilze, wie sie bei uns in unseren Wäldern und geringer an Zahl auch auf Wiesen, in ©arten und Feldern Vorkommen.

Wenn wir zunächst die Frage aufwerfen, wohin im Pflanzen­reiche die Pilze einzureihen sind, so erscheint es wohl angebracht, erst noch einen Blick auf die Blumen zu werfen, die wir im Strauße mit nach Hause nahmen. An einer solchen Pflanze unterscheiden wir die Wurzel, den aufstrebenden Stengel, der an seinen Verzweigungen die daran sich Entwickelnden grünen Blät­ter und die schließlich auftretenden farbigen Blüten trägt. Die Blüten, die unser Atige am meisten erfreuen, tragen in sich Staubfäden und Stempel, Organe, deren Aufgabe es ist, für die Erhaltung der Art zu sorgen, den Samen Heranzubilden, aus dem wieder eine neue Pflanze derselben Art hervorgehen kann. Die neue Pflanze ist schon in jedem Samenkorne im Keime angelegt, wie Sie das leicht an einer Bohlte sehen können. Wenn Sie diese nach Abzug der Schale etwas drücken, zerfällt sie in zwei Hälften, zwischen denen der kleine Keim sitzt. Alle diese Pflanzen, Bei denen in dieser Meise der Samen ausgebildet er­scheint, bilden eine sehr grobe Gruppe, die in der Botanik als Phanerogamen bezeichnet wird. Ihnen gegenüber steht die andere große Gruppe der Kryptogamen, und zu diesen gehören unsere Pilze. Ihre Samen, die nicht so offen gebildet werden, wie wir dies z. B. bei der soeben betrachtenden Bohne verfolgen können, werden Sporen genannt. Die Sporen müssen Sie sich als winzig kleine Kügelchen vorstellen, die man einzeln nur mit dem Vergrößerungsglase zu erlernten imstande ist, die man . aber in ihrer Gesamtheit bei manchen Pilzen als einen feinen, diesen entfliegenden Statch deutlich wahrnehmen kann. Der Hauptunterschied bei den Sporen gegenüber den ©amen der Phanerogamen ist der, daß sie nicht wie wir es bei diesen ge­sehen haben, einen vorgebildeten Keim in sich tragen. Jener vorgebildete Keim ist weiter nichts, als die spätere Pflanze int Kleinen. Ziehen wir eine solche durch weitere Entwickelung des Keimes entstandene Pflanze aus dem Boden, so sehen wir daran die faserige Wurzel. Ziehen wir einen Pilz vorsichtig aus der Erde, so sehen wir Häufig am unteren Ende des Stiles ebenfalls wurzelartige Fasern hängen, aber nur ein Unkundiger kann behaupten, er habe den Pilz mit. seiner Wurzel ans der Erde genommen. Wir dürfen eben die Schwämme durchaus nicht in dieser Weise mit den andern uns genau bekannten und uns alltäglich vor Augen kommenden Pflanzen vergleichen. Dre Entwickelnngs- Md Gestaltenlehre zeigt uns vielmehr, daß hier