Ausgabe 
10.8.1906
 
Einzelbild herunterladen

464

zur Verteidigung unseres Rechts. Auch das ist historische Ent­wickelung nach ewigen Gesehen. Denn das Leben ber, Volker schreitet wie über Höhen, so auch durch Täler. Alls einem Talweg scheinen wir uns jetzt zu befinden. Doch, sollen wir deshalb mutlos zur Seite stehen und verdrossen die Hande in den Schoß legen? Nimmermehr! Unsere Kräfte sollen wir starken zu neuem Ausstieg. Nicht bloß die körperlichen, auch dre geistigen, dass wir snrchtlos und treu eintreten überall da, wo des Vaterlandes Wohl es verlangt. Hier kann und mutz die Turnerschast wieder cinsetzen mit ihrem Erzrehungswerk. U n d wenn sie d a s t u t i n d e m a l t c n f r e i h e i t l l ch e n Sinne, dann wird im deutschen Volke niemals ein Mangel sein an Männern, die mit treuem Herzen und fröhlichem Mut allzeit bereit sind zn freiem Wort und frischer Tat. .

In der Gewißheit, daß die deutsche Turnerichaft enigedeuk ihres Wahlspruchesfrisch fromm fröhlich frei" immer und ewig diese ihre nationalen Pflichten unerschütterlich erfüllen luirb, stimmen Sie mit mir ein in den Ruf:

Die Deutsche Turnsache Gut Heil!

Ein Christus-Drama.

Jesus." Eine dramatische Tichtung in vier Teilen (Herodes der Grosse, Tragödie in fünf Auszügen; Der Täufer, Tragödie in fünf Auszügen; Ter Heiland, dramatisches Gedicht in fünf Aus­zügen ; Jesu Leid, Tragödie in fünf Aufzügen) von Karl Weiser. (Leipzig, Verlag von Philipp Neclam jr.)

Als Ganzes ist dieses umfangreiche vierflüglige Werk nicht übel aufgebaut. Manches ist auch mit frischer Kraft und gesundem Sehe» in Daseinsnähe gerückt. Ein genialer Dichter mit Tiefen hat diesen Jesus allerdings nicht geschrieben. Dazu fehlt Weiser, dem Regisseur und Charakter-Darsteller am Weimarer Hoftheater, die Fülle der Sprache, das dichterisch Traumhafte, das intinlive Er­fassen ohne Zuhilfenahme des banalisierenden Verstandes.

lind doch hat dieses Werk etwas Liebes, Gutes, Mackeres in sich. Manchmal mutets an wie die schlichte Schönheit eines Volks­buches; dieser Eindruck könnte länger vorhalten, wenn nicht genug ost halbe und ganze Szenen dazwischen kämen, in denen phrnsenhmt gesprochen wirb.

Zu welchem Zwecke Weiser den Dramen-Zyklns geschrieben hat, das erzählt er selbst in einem Nachwort. Um dem Werke mit seiner redlichen Absicht gerecht $n werben, sei das Nachwort zum Teil hierhergesetzt:

Selbstverständlich iväre bie Ausführung meines Werkes für mich bas erstrebenswerteste Ziel imb zugleich der höchste Lohn für mein Schaffen, wenn so Tausende aus der lebendigen Darstellung des Wirkens und Leidens unseres Erlösers dieselbe Stärkung und denselben Trost empfangen würden, welche ich mir aus diesem heiligsten Stosse geschöpft habe. Aber es scheint mir sehr möglich, das; die Zensur die Ausführung im Repertoire der Berulsbühne verbieten wird. Und doch ist es mmmgänglich, daß ein so hohe Ansprüche an die Ausführung stellendes Werk nur von ersten Berufs- künstlern verkörpert wirb. Ja, ich gestehe hier offen ein, baß ich absichtlich bas Ganze in solchen Dimensionen gezeichnet habe, um einer Wiedergabe durch Dilettanten ober mittelmäßige Bühnen vorznbeugen. Wie weite nun aber trotz all dieser Schwierigkeiten eine Ausführung zu ermöglichen?

Es hat sich zu diesem Zweck hier und an anderen Orten eine Anzahl von Männern zusammengefunden, welche sich zur Aufgabe machen, Festaufiühruugen der Jesus-Dichtung durch das Zusammen- wirfen edelster Künstlerkräfte zu stände zu bringen. Sie wolleil sich Richard Wagners Vorgehen zum Muster nehmen. Sie ivollen Ortsvereine gründen, die dann wieder einen Ausschuß wählen, wel­cher die Angelegenheit betreiben soll. Durch Patronatsscheine sollen die Soften gedeckt werben. Ei» Bühnenhaus im Herzen Deutsch­lands wäre zu suchen, in welchem während der Sommerferien diese Feslausführnngen slaltsänben. In erster Linie käme hier Thüringen als Wiege der Reformation und Literatur und Weimar mit seinem neue» Theater in Betracht. Gegen solche Festspiele könnte auch die Zensur nichts eiuzuivenben haben; beim, wenn bas kathol. Bayern seine Oberammergauer Passionsspiele hat, warum sollte bas pro­testantische Weimar nicht seine Jesus Darstellung haben bürsen?"

Was soll man im Sommer trinken?" ist eine in ber gegenwärtigen Jahreszeit viel ventilierte Frage, die im 26. Heile der FamilienzeitschristZ u r G u t e n S t u n d e" (Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin W. 57. Preis des Heftes 40 Pf.), ein Aufsatz Tr. meb. Lewinskis, behandelt. Hochwillkommen erscheinen bie Fortsetzungen von Horst Bodemers Thüringer Lebens­bilderB a u e r n b l n t" und von Johanna Westphals Eheroman Die Liebe höret nimmer auf." Zahlreiche Abbildungen beleben Fritz Skowronneks Betrachtung über bie letzte große Länbwi r t- schästliche Ausstellung in Berlin, bereu Wirksamkeit weit über beit Schluß dieser Veranstaltung hinausreicht. Der Dichter Rußlands, schilderte ein mit Porträts ausgestatteter Aufsatz von Dr. Hubert de Talberg. Dcn illustrativen Schmuck eröffnet

bas Porträt Rembrandts van Rijn, dessen 300. Geburlsiag der Kunstverlag Rich. Bong bekanntlich mit einem volkstümlichen Liesernngswerk von höchster tt'mstlerischer Vollendung beging. Aus dem übrigen Jlluslrationsmaterial sei baS humorvolle BildKönig Sisowath von Kambodscha in Marseille" hervorgehoben.

R. W. Enzio, Der Krüppel, Roman einer Jugend. Mit Illustrationen von H. Binde. Kürschners Bücherschatz Nr. 513. Berlin, Hermann Hillger, Verlag. 20 Ps. Es ist die Geschichte eines armen verkrüppelten Jungen, nicht eben reich an äußerem Erleben, aber umsomehr erfüllt von all den kleinen und kleinsten Wünschen und Sehnsüchten einer solchen Knabenseele. Wir gehen mehr durch graue Regentage als durch hellen, warmen Sonnen­schein : der junge Dichter erzählt mehr von Leid und Tränen als von Freude und klingendem Lachen. Es muß viel aus feiner eigenen Kindheit darin nachzittern. Und doch klingt das wehe Lied mit einem verheißenden Tone aus: ein arbeitsrohes Leben winkt, durchsonnt vom Glück der Liebe. Und diesem Leben wird die reine (Erinnerung an das Leid der Jugend ein unverlierbares, teures Gut sein. Was Enzio erzählt,. ist schlicht und warm er­zählt. Den seelischen Regungen des Kindes und Jünglings wird mit feinem Verständnis und liebevoller Sorgfalt nachgegangen. Man wird das Büchlein mit einem Gefühl der Innigkeit ans der Hand legen.

Mode.

Jeder Dame, die durch Wort und Bild über den Stand der Mode unterrichtet feilt möchte, die gute Handarbeiten aus­führen will und der daran liegt, über alles orientiert zu fein,- was die gebildete Frau interessiert, sei die bewährte Moden­zeitungDie Modenwelt" aus dem Verlage von Franz Lipperheide, Berlin W. 35, empfohlen. Die Nummer 21 voin 1. August zeigt die Vielseitigkeit dieses Blattes. Sommer-, Reise- uud Sport-Toiletten sind zahlreich vertreten; auch Trauer­kleidung ist berücksichtigt. Die Kindermoden und Handarbeiten füllen je zwei Seiten, und für gute Lektüre sorgen ein Roman und dem praktischen Leben dienende Artikel mit Illustrationen. Der vierteljährliche Bezugspreis beträgt 1.25 Mk.

Glorreiche Epitaphien

ans gottselig e n t s ch l a f e n e Pantofselritter. Von Kassian K l u i b e n f dj ä b e I, Tuiselemaler.

Allba in der kühlen Erde Ruhestatt drin Liegt Joseph Wimmerle ohne seine Gattin. Soihane Wohltat, die ihm nie beschieben war tu seiner irdischen Pilgerzeit,

Scheutet für ihn allein schon bie halbe himmlische Seligkeit.

Wenn ber Herr bereinstens hält sein Weltgericht

Hub ER babei auch mich, beit hier begrabenen Cyprian Schlappschuh siecht,

Daun wirb ER gnädig winken mir und zn mir sprechen: Da herüber, Cyprian! Die Schafe gehören zu meiner Rechten l" -k-

Frommer Wanderer, bet für den Aktuarius Müller ein bissel, Der an ber Seite seiner liebenden Gemahlin ohne Hausschlüssel Durch dieses Jammertal mit vielen Seufzern ist gekraucht Zum dunkeln Tor ber Ewigkeit hat er einen Schlüssel ohnebies nicht mehr gebraucht.

Hub der Tob mit seinem Knüppel Erschlug auch bieseu Ehekrüppel Damit erhielt er glücklicher Weise seinen letzten Schlag, Aus beit 16. Juli 1883 siel bet Sterbetag.

(Aus derJugenb".)

Bilderrätsel.

Nachdruck verboten.

Auflösung in nächster Nummer.

ttünchen

Paasaa

Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Arbeitsamkeit ist die beste Lotterie.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der V rübl'Icken Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, ©ießttt»