Ausgabe 
10.2.1906
 
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Aer Trousseau der Kerzsgin Sophie Kharlotte von Kioenöurg.

Mr wenige Wochen noch und die liebliche vldenburgische Herzogin Sophie Charlotte wird Abschied nehmen von ihrer engeren Heimat, um dem erlauchten Kaisersohne, dem Prinzen Eitel Friedrich von Preußen, die Hand zum Bunde fürs Leben zu reichen. Nicht nur ganz Oldenburg, das ihr voii Herzen zu­getan ist, nimmt innigen Anteil an dem Glück der ältesten Tochter seines Landesherrn, sondern gleichzeitig bringt auch das ganze Deutsche Reich, das in der Herzogin die Braut des sympa­thischen Hohenzollernprinzen verehrt, ihr aufrichtige Zuneigung entgegen. So ist es nur natürlich, daß in allen Teilen des deutschen Vaterlandes dieser Herzensbund, der am 27. Februar am Tage des fünfundzwanzigjährigen Ehejubiläums des deiitschen Kaiserpaares vor Gott und der Welt die Weihe erhalten soll aufrichtiger, patriotischem Herzen entsprungener Freude und leb­haftem Interesse begegnet. Namentlich in den Oldenburger Landen ist der Name der liebreizenden Fürstin, die in seltenem Maße bestrickendeAnmnt und gewinnende Freundlichkeit in sich vereint, in aller Munde; überall sucht man ihr Aufmerksamkeiten zu erweifen und m aller Stille sind die ihrem angestammten Fürften- hause treu ergebenen Oldenburger mit Liebe am Werke, Vov- vereitnngen zu treffen, die den Zweck haben, der scheidenden Her­zogin für ihr Heimatland charakteristische .Hochzeitsgaben zu dauernder Erinnerung an die Stätte, da sie ihre Jugend vev- lebte, zu überreichen. Ncberhaupt ist und nicht nur in Olden- ourg für alles mit der VermählungLotta's", wie man in Oldenburg ihren Vater sie oft rufen hörte, in Znsaminenhang stehende das Interesse rege, besonders natürlich in der Damen­welt, deren gespannte Anfmertsan-keit namentlich auf den Trousseau der jungen Fürstin gerichtet ist. Wo die Toiletten ge- aroettet werden, wem die Ehre ihrer Anfertigung zu teil ge- wordeir sei das sind Fragen, die häufig wiederkehren und Mit Genugtuung sich zunächst dahin beantworten lassen, daß fluchtattung der Herzogin deutschem Können und deut­schem Flctße ihre Entstehung verdanken wird. Das sei hier ^tt?pÄ,nststi^r'nder Presse aufgetauchten anderslautenden Mitteilungen ausdrücklich konstatiert. Oldenburg hat natürlich an der Herstellung der Gesamtaussteuer einen entsprechenden Anteil, aber an die Ausstattung einer fürstlichen Braut find im einzelnen doch Anforderungen zn stellen, denen nicht jede Stadt und nicht jede Hnrma gewachsen ist. In erster Linie gilt das natüv- lich von den Toiletten, jjeren Herstellung der Bremer Kvnfektions- flrina Lindemann und Ruhling vormals H. Leßmann übertragen 4 WlvCll l|I,

».Das Brautkleid, eine herrliche Toilette aus Brüsseler Tüll mit Silber-Handstickerei, ist auf ein Crepe de Chine-Meteor- KErkleid gearbeitet Der Rock, Brüsseler Tüll mit kleinen Bosen reich gestickt, dessen Saum eine reiche Bordüre aus Silber-, Rosen- und Myrten-Kränzchen im Empire- stii brldet. Ausschnitt und Aermel erhalten durch leichte Silber- Stickerel einen äußerst gefälligen Schmuck. Vom Crepe de Chine- Eurtel der Taille aus läuft die Stickerei zu einer vier Meter 1QIL8<m ^bpe de Chine-Schleppe hinab, unten in reichen Rosen- und Myrten-Kranzchen endigend. Tie ganze Toilette wirkt über- S kf. Bon hervorragend aparter Wirkung

tft die wundervolle Einzugstoilette, welche die Herzogin bei ihrem ut Berlin anlegen wird. Es ist eine zart-rosa Chisson- Toilette auf rosa Satnv-Musselm mit langer Schleppe. Als orna­mentaler Schmuck sind hier ausschließlich Mimosen verwandt, deren zierlich gefiederte Blätter, mit den bekannten gelben kugeligen Blntenziveigen (Chenilles in kunstvoller Stickerei vereinigt, sich wirkungsvoll abheben. Die Taille und der Rock sind mit leichten Lnwcr-Entredeux, die unten in einer bogigcn breiten Silberspitze endigen, der Lange nach durchsetzt. Ueber diese Silberspitze hinweg Wlingen sich leichte Mimoftnranken, die namentlich über den Siloer-Eiitredenx und Lpitzen wundervoll hervortteten. Mimosen, zu reichen Buketts vereinigt, schmücken auch den Ausschnitt und den La um o er Toilette. . Zu ihr gehört der EinzugA-Mantel von Creme-Tuch nut byzantinischen Goldstickereien, reicher Zobelver- bramung und Hermelinfutter.

'st ferner eine hellgrüne Messaline-Toilette mit Suberstickerei in,Prinzeßform. Reiche Silberstickerei zieht sich dem weichen ttaussallenden Rock hinauf zum Taillen- mi Schnitt, dem wie gleicherweise den Aermeln, leichte Brüsseler herlgrüne Chiffon-Garnitur einen wirksamen Schmuck »erieiijen. Dre Aermel sind mit hellgrünem Panne abgebunden.

Eine schwarze Pailletteii-Tüll-Toilette mit dicht , Eistckten Pauletten-Bahnen und reliefartig aufliegenden Jetrosen L 'Blatterii auf einem duftigen Tüllnnterkleid, welches zwischen ^" .Es"ö.elnen Zahnen nut vollen Tüll-Melassine-Bandrüschen l|t- r?1 e ^ijem Melasfine-Bandgürtel schließt

oben tn einer Paillette-Garnitur ab, die über die Korsage weg Nacy dem Aiwlchnitt hm m reichen Jet-Paillette-Gariiituren endigt. Tüllbandruschen bilden die 'kurzen offenen Aermel.

Eine , ivvire Crepe de Chine-Toilette besteht aus halbhoher ^?ule nut inkrustierten Broderien auf einer Chiffon-Unterbluse «Ust Melassine-Schleifen und Gürtel, der vorne und hinten offen Mir ueinen Schnallen und Schleifen zusammengehalten wird. Zu dieser Toilette gehört ferner. Me hohe ZgM mit BroheK-,

Jäckchen auf Chiffon und Crepe bt Chine. Der Broderie-Crepe de Chine-Rock ist auf einem Taffet-Chiffon-Unterkleid gearbeitet.

Sehr anmutig ist ferner eine halbhohe weißblaue Chines-Toilette mit Weistern Taffet-Fond mit feinen schwarzen Streifen, den hell­blaue Rosenbuketts mit kleinen grün-goldenen Effekts wirkungsvoll beleben. Die Taille und der krause Rock sind prinzeßartig durch einen grünen Tafset-Mousseline-Gürtel verbunden. Erstere öffnet sich vorne über eine Creme-Chiffln-Körfage mit Brüsseler Spitzen- Bolants, die sich im Rock vorne als Spitzen-Chifson-Devant sortsetzen. Hellgrüne Taffet-Mousselme-Schleisen halten die ein­zelnen Spitzen-Volants zusammen.

Von wahrhaft fürstlicher Pracht ist eine halbhohe hellblaue Taffet-Mousseline-Empire-Toilette. Ueber einer Chiffonbluse ist ein Silber-Broderie-Äolero mit schweren Silberrosen-Ranken- Applikationen. Hellgrüne Panne-passepoilierte Silberschleisen halten das Bolero-Zäckchen zusammen. Am Ausschnitt tritt ein schmaler helllila Panne-Revers hervor, unter dem Bolero ober­halb der Taille abgebunden durc. einen hellblau-creme-farbigen Baudgürtel. In den Rock ist am unteren Rande eine Empire­kranzbordüre aus grüner Chenille und Silber eiugestickt, die sich oberhalb des hellblauen Sammet-Miroir-Randes wirkungsvoll abhebt.

Eine halbhohe Panne-Toilette ist im Biedermeier-Genre ge­halten. Der Fond ist lavendestarbig mit lilacreme Blüten. Die Taille ist aus creme Chiffon gearbeitet und mit Spitzen mit lila Panne-Blenden und Straßschnallen besetzt. Ein hoher Panne- Gürtel verbindet die Taille und den mit Pamle-Rüschen garnierten Faltenrock.

Aeußerst originell ist eine etwas an das SBiebermeiergenre erinnernde Chine-Toilette ans marine-lila changierender Leide mit rot-rosa Rosen- und zartblauen Vergißmeinnicht-Stteublumen. Der Traufe nach unten weit fallende Rock ist mit Kordelrüschen garniert, ebenso die hohe Valencienne-Spitzen-Taille mit hohem Chinegürtel, der oben durch breite rote, vorne in eine Schleife gebundene Pannestreifen ihren Abschluß findet. Zn dieser. Toilette gehört eine weitere halbhohe Taille aus Creme-Chiffon mit Brüsseler Spitzen, die über die Achsel von roten Pannestreifen gehalten wird. Hoher roter Pannegürtel mit Rosen- und Vergiß- meinnicht-Blumentuff.

Zart und duftig, Wie Rosenwölkchen, wirkt die Zusammen­stellung der Farben einer silbergrauen. Voile-Ninon-Toilette auf rosa Tasset-Futter. Eine silbergraue leichte Medaillon-Tüllspitze in Aermel, Korsage und Nockkante inkrustiert die hohe Taille mit Kragen und kleiner Passe aus creme Brüsseler Spitzen ist ober» halb des Gürtels mit sich ireiuenbem silbergrauen Samnietband garniert. Der Gürtel aus Voile ninon ist in feine Kordeln ge­zogen, die im Rücken nach oben spitz zusaminenlausen. Der Rock, von da kraus nach unten fallend, wirkt empireartig. Eine fÜßergraue Sammetbaitdschlcifen-Bordüre läuft über die graue Spitzenkante und gibt dem unteren Teile des Rocks einen geschmack- nach unten einen verhältnismüßig schweren Abschluß.

Sehr duftig ist auch eine pastell-rosa Eolienne-Prinzeß- Toilctte mit hoher Taille, die mit Goldbroderie und Älenyon- fpißen reich garniert ist. Die Taillen-Spitzen-Garnitur setzt sich unter dem Gürtel im Rock als Spitzen-Chifson-Devant fori. Zu beiden Seiten wird sie durch eine in Stoss eingestickte rosa Tüll- broberie abgegrenzt, die über den rosa Mcssaline-Gürtel und die Korsage hinweg nach dev Achsel und von da, im Rücken sich kreuzend, bis herunter zur Rockkaute geht, um ihr in der rund um den Rock gestickten Tüllbordüre zu endigen. Die halblangen Aermel sind mit Alen^on-Spitzen und helllila Bandschleifen besetzt.

Beim Kirchgang am Sonntag vor der Trauung (am 25. Febr.) wird die hohe Brant eine creme Eolienne-Toilette anlegen. Korsage und Aermel sind aus Tüll mit kleinen Wolltupfen be­stickt ; darüber befindet sich, vom Nockmieder ausgehend, eine Wollbordürcngarnitur auf Eolienne gestickt, welche die hohe Taille und den nach nuten weich fallenden, um die Taille eng an­liegenden Mieder-Prinzeßrock mit wollgestickter Bordüre am un­teren Rande verbindet. Zu dieser besonders vornehm und schick imrl'enben Toilette gehört eine kurze Jacke aus echt irischen Spitzen mit Zobelverbrärnung.

Außerordentlich geschmackvoll wirkt ferner eine schwarz-weiße Tüll-Toilette. Passe und Aermel der hohen Taille besteheni aus leichten creme Tüllspitzen. Die creme Chisson-Bluse deckt teilweise ein kleines Pailletten-Jet-Bolero mit großem buntel- rotem Rosentufs. Ein hoher Pannegürtel umschließt die Taille und leitet zu bem sehr aparten Rock, Hessen Fond ans schwarzem Tüll, Point d'esprtt, über creme Chiffon-Tasset gearbeitet ist, über. Ein breiter schwarzer Panne-Rand, mit dem Tüll durch Paillette-Jetbordüren verbunden, gibt der an sich leichten Toilette nach unten einen verhältniniäßig schweren Abchlnß.

Bei der Ankunft in Potsdam (Schloß Bellevue) wird die Her­zogin eine Suade-Tuch-Toilette tragen. Die Taille besteht anS Suöde-Tuch mit breiter durchbrochener Chenille-Garnitur, biejtbejö der leichten creme Spitzenbluse auf der Achsel durch schmale Stoff­bänder und Schnallen gehalten wird. Die Spitzen-Halbärinel zeigen eine geschmackvolle Chenille-Garnitur und Tuchblenden. Der oben schlanke Rock mit niebergcsteppten Falten fallt unten weich und weit aus mit Tuchblenbenstepperei, Zur Toilette gehört eine