Ausgabe 
10.1.1906
 
Einzelbild herunterladen

1906-

Mittwoch den 10. Januar/^

Aw

M«

I

-

E

M i R

L"j I

I

Jem Waßren, Edlen, Schönen.

Ein Großstabtroman von F e d o r to. Zobektitz.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Merci!. . . So, lieber Imhoff", und der Baumeister trat mit seinenl Begleiter auf die Straße zurück,nun sind wir so weit, daß das Fundament gelegt werden kann. Tie Sterne sind uns günstig. Berndal ist ein Theaternarr; den wickle ich ein er muß uns sein Grundstück billig lassen. Tann haben wir eine herrliche Front, und dann dann sollen Sie einmal sehen! . . Nun. setzen ©je sich bitte energisch hinter den kleinen Priestap, damit wir rasch über die Vorbereitungen hinauskommen! . . ." Plötzlich schien wieder ein gewisses Mißtrauen in ihm aufzusteigen. Sagen Sie, Imhoff", fuhr er hastig fort,das ist doch mit dem Priestap alles in Ordnung? Ich meine, cs steckt kein Schwindel dahinter? Es ist alles so sonderbar. . . wie kommt er, sapperlot, zu seinem Baronstitel?"

Herr Jöses", antwortele Imhoff,beit hat er sich gekauft. Oder vielmehr die Peretti wird ihm das hübsche Titelchen gekauft haben. In San Marino oder ivo man das sonst kriegt. Hier natürlich nicht bestätigt aber man nennt ihn trotzdem Herr Baron. Herr von Priestap hört er noch lieber. Das einfache Von ist immer das vor­nehmste. Tas hat etwas Uradliges."

Tie Peretti", wiederholte Hammer.Sie kaufte alles. Ter Priestap hat viel, was mich sympathisch berührt; seine Weichheit, sein versonnenes Wesen, auch seine hübsche Larve so das Ephebenhafte keiner Erscheinung . . . Bloß das Verhältnis dieses Jünglings zu der Peretti ein eigen­tümliches Verhältnis das, ich kann mir nicht helfen, hat etwas Peinliches. Sie ist tot; es ist alles gewesen. Aber trotzdem. Er noch ein Kind und sie war doch eine reife Frau, eine Vierzigerin, sagen Sie selbst nein, lieber Freund, das ist eklig..."

Imhoff ging jetzt dicht an der Seite Hammers.Aber, bester aber, bester und liebster Baumeister", wisperte er eifrig,nehmen Sie doch Vernunft an! Eklig ich bitte Sie! Was ist eklig? . . . Haben Sie denn keine Augen im Kopfe?! Heult man so nm ein gestorbenes Alltags­liebchen? Testiert eine kluge Kokette schon zu Lebzeiten für ihren Schatz von heute? . . . Der Priestap ist der Sohn der Peretti s o ist es! . .

Hammer fuhr mit der Hand nach der Stirn. War er denn wirklich blind gewesen?! Priestap der Sohn der Pe­retti! Tas freilich erklärte alles.

Imhoff", sagte er,wir wollen bei Bauer eine Tasse Kaffee trinken. Ta müssen Sie mir einmal Genaueres er­zählen . .

3.

Ein Roman für sich. Wer fabuliert so, lute das Leben -U gestalten toeifel

In den vierziger Jahren wanderte der Kaufmann Siegfried Keller aus Lemberg! nach Kalifornien aus. Er war noch ein junger Mann, und es ging ihm nicht schlecht. Aber eilt Freund, Thomas Lund, lockte ihn hinüber. Dieser Lund war ein gut zu leidender Mensch, doch ein leicht­sinniger Strick. Er hatte allerhand Dummheiten gemacht und war schließlich von seinem Vater über die See ge­schickt worden. Damals brach in Kalifornien das Goldfieber aus. Lund schrieb an Siegfried Keller: er habe sich den Mormonen angeschlossen, die am Americanos große Gold- wäschereien angelegt hätten, und die sandige Erde speie förmlich ihre Schätze aus; Siegfried möge Handel und Wandel daheim feinen Gang gehen lassen und an den Ameri­canos kommen, wo man bequemer reich werden könne als hinter dem Ladentisch. So schiffte Keller sich denn nach Kalifornien ein. Er fand Lund nicht mehr vor; man ivußte auch nicht, wo er geblieben war; er war in der ungeheuren Welle von Glückssuchern und Abenteurern, die das Land überströmte, imtergegangeii. Für Keller kamen schwere Zeiten. Tie Goldlager waren in festen Händen; zur Er­schließung neuer aber gehörten große Mittel. Der junge Mann versuchte alles, sich durch das Leben zu schlagen, und nahm die Arbeit, wo er sie fand. Eines Tages würde er in der Minenstadt bei Suttersfort in einen Wirtshaus­streit verwickelt und, halbtot geprügelt, auf die Straße geworfen.

Ein Pflanzer aus dem Süden, den Geschäfte au den Sakramento führten, fand beit Unglücklichen und nahm sich seiner an. Tas offene Wesen des jungen Menschen gefiel ihm so, daß er Siegfried vorschlug, eine Sekretärsstelle bei ihm anzunehmen und ihm auf feilte Farm zu folgen. Ter Pflanzer stammte von französischen Kolonisten ab ünd hieß Gerard Casteau; seine Besitzung lag in einem Tal zwischen den Höhenzügen der südlichen Ostküste und war eine der schönsten dieses Landstrichs. Keller fühlte sich im Hause Casteaus außerordentlich wohl und glücklich; er wurde wie ein Verwandter gehalten, und da er selber sich auch als ein gewissenhafter und' zuverlässiger Beamter seines Herrn erwies, so schien für seine Zukunft gesorgt zu sein. Ein glückliches Ungefähr schloß ihn noch enger an die Familie Casteau. Keller vermutete auch in diesem Teil des Landes Goldadern, und da er mit der Technik der Unter­suchung vertraut war, so wurde es ihm leicht, auch Casteau für das Unternehmen zu interessieren. Gold fand man nun freilich nicht, dafür aber ergiebige Silberminen, die den wohlhabenden Farmer mit einem Schlage zu einem schwer reichen Manne machten.

Von da ab wurde auch Kellers Stellung eine andere. Casteau beteiligte ihn an dem Gewinn der Minen und gab ihm später seine herangewachsene einzige Tochter Canneu- cita zur Frau. Als Casteau starb, wurde fein Schwieger­sohn zugleich Besitzer der Farm.

So häufte das Glück sich auf dem Haupte dessen, der als armer Bursche nach Kalifornien gekommen war. Irr