Ausgabe 
9.11.1906
 
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vermachtes.

* Dirigieren. Jnr Oktoberheft.. desK u n st war t" ver­öffentlicht Leo Blech einen AufsatzVom Dirigieren", dem wir folgendes entnehmen:Das Publikum beurteilt den Dirigenten zumeist nach dem ästhetischen Eindruck seiner Zeichensprache., Es sieht mit Interesse, wie mit dem hocherhobenen Arm ein Fortissimo- schlag des Tutti niedersaust oder auf deu glättenden Wink der Hand der ©turnt der Instrumente sich im Nu beschwichtigt. Nur- wenige Kenner aber nehmen eS wahr, wenn die heftige Gebärde des Kapellmeisters im Spiel des Orchesters gar keine Veränderung bewirkt. Sie schließen dann, daü die, Musiker sich überhaupt nicht um ihren Leiter kümmern, dast dessen Pantomime eben bloß ein Geflunker und leeres Schauspiel ist. Denn der sachliche Diri­gent dirigiert nicht für das Publikum, sondern für das Orchester. Wie Frage, ob die starken Bewegungen beim Dirigieren nötig, ob sie erlaubt sind, ist schvn häufig erörtert worden. Ich halte sie auf den Proben, wo es gilt, deu Ausdruck einzuüben oder sein Finden zu unterstützen, für durchaus angebracht. Bet der Auf­führung hingegen sollte alles Einzelwerk des Vortrags so gut schon eingeübt sein, daß es von feiten des Kapellmeisters wirklich nur mehr einer kleinen Erinnerung an das auf den Proben Vereinbarte bedarf. . . Und wie das viele Gestikulieren beim Reden in guter Gesellschaft nicht als ein, Vorzug gilt, so wird auch der Kapellmeister sich Bestreben müssen, seilten impulsiven Drang zu mimischen Verdeutlichungen zu zügeln. Die meisten namhaften Dirigenten wie Mottl, Mahler, Weingartner, Strauß haben als Draufgänger begottnen und erst mit der zunehmenden Reife das Ueberflüssige der Gebärdensprache abgestreift. In der richtigen Erkenntnis, daß die Unruhe des Dirigenten auch das Orchester nervös und unruhig macht. Die auffallende Panto­mimik, wie sie in der Aera des Pultvirtuosentnms zu einem wahren Dirigiertanz ausgebildet ivurde, indem man dem Publi­kum die Schattierungen und Wandlungen des musikalischen Aus­drucks gewissermaßen optisch vorgankelte, geht ihrem Ende ent­gegen, weil nkan allgemach einsehen lernt, daß die Einwirkung dieser Zeichen auf die Zuhörer viel größer zu sein pflegt, als die auf das spielende Orchester. Das letzte Ideal lötirc doch: eilt Orchester ohne Dirigenten spielen zu lassen leider eine technische. Utopie...

* Wer hat mehr Ordnungssinn, Mann oder Frau? Diese Frage wird in der Nummev 1257 der Wochen­schriftFürs Haus" erörtert. Der Verfasser oder ist es einesie"?- führt eine ganze Reihe kleiner charakteristischer Züge an, die von scharfer Beobachtungsgabe zeugen, und kommt schließlich zu einem Ergebnis, womit auch die vielfach alsun­ordentlich" verschrieenenen Männer wohl zufrieden sein können. Der illustrierte AufsatzToilettekünste in Afrika" zeigt, daß, wenigstens die Frauen der Wildnis keine besseren Menschen sind als die Damen der Kulturvölker und der Mode nicht weniger huldigen wie diese.. Das im 25. Jahirgang stehende Hansi-i frauenblattFürs Haus", das so viel Belehrung und Unterhalt­ung bietet, erscheint wöchentlich und ist zum Preise von 1.50 Mk. vierteljährlich (Salon-Ausgabe" 1.75 Mk. vierteljährlich) durch alle Buchhandlungen und Postanstalten zu beziehen.

* Zweckdienliche Ratschläge für sinnige und geschmackvolle Weihnachtsartikel erteilt die Zeitschrrst Kunstgewerbe fürsHaus" H al en s ee, die in vornehmer Ausstattung in den 7. Jahrgang trat. Das dankenswerte Unter­nehmen bietet monatlich ein Heft nebst zwei großen, Beilagen, die die originalgroßen Pausen der im Hguptteil veröffentlichten Muster und Entwürfe bringen. Die eingehende Beschreibung bekannter und aller neuen kunstgewerblichen Techniken ermöglichen es im Verein mit eingehendsten Angaben, die der Ausführung der einzeliren Stücke gelten, wvh. jedem Dilettanten eine künst­lerisch vollwertige Arbeit zu liefern. Bemerkt sei noch, daß der Zeitschrift die bewährtesten Kräfte zur Seite stehen, die das Unter­nehmen im Laufe der Jahre zu einem Hausschatz der ange­wandten Künste ausgebaut haben einem Hausschatz, der wohl einzig in seinem Wert als Ersatz für kunstgewerblichen Unterricht dasteht. ______________

Gprachecke des AKgemeirrett DeittschM Svrachvsrems. Zweigverein Gießen.

Hier liegt der Hund begrabe».

In verschiedenen Zeitungen fand sich kürzlich folgender Ver­such einer Erklärung dieser Redensart:In dem kleinen Orte Winterstein im Thüringer Walde steht mitten im Dorfe, unweit der Burgruine, ein altes steinernes Grabdenkmal. Es ist das Denkmal des treuen HundesStützet": eine einen Meter hohe Steinplatte mit dem Bilde des Hundes und origineller (warum nichteigenartiger"?) Versüuterscktrift aus dem Jahre 1630, sowie der Aufschrift:Hier liegt der Hund begraben!" Im Orte Winterstein und seiner Umgebung erzählt man sich, der Hund Stutzet" habe den Postillon d'amour (klingt natürlich feiner als Liebesbote!) zwischen einem Edelfräulein auf der Burg Winter- stem und einem Junker in dem Schlosse Friedenstein in Gotha gespielt. Das treue Tier habe die Ueberbringung der Briefe so

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prompt (!) und zuverlässig besorgt, daß matt ihm dieses Grab­denkmal gesetzt habe. Tatsache ist, daß die obige Redensart von Thüringen aus in die Welt gegangen ist." Die Leitung manches SBIatteS' hatte diese Mitteilung am Schlüsse mit einem Fragezeichen versehen. Und wahrlich, die Redensart ist auch anderswo heimisch, z. B. zu St. Beit in Oberösterreich. Tatsächlich ist also die aus­gestellte Erklärung nicht aufrecht zu halten, und zwar auch aus dem Grunde nicht, weil die Redensart weit älter ist als das angeführte Geschichtcheit. Sie erscheint schon um 1550 bei Hans Sachs, in einer Steile, die freilich auch dem Grimmschen Wörter­buche nicht bekannt ist. In dem Schwanke des Nürnberger DichtersDes Schmiedes Sohn mit seinem Traum" wird erzählt, wie der Schmied feinen Sohn von Freiburg im Breisgau nach Basel schickt, um dort ein Pferd zu verkaufen. In Basel gerät der junge Mann in lustige Gesellschaft, trinkt über den Durst und träumt in dem tiefen Schlafe, in den seine Bezechtheit ihn ver­senkt, daß er das Pferd verkauft und das Geld dafür erhalten habe. Er kehrt daraus nach Freiburg zurück, und in dem Wahne, das Geld in der Tasche zu haben, schlägt er mit der Hand darauf und spricht zmn Vater:Da tigt der Hunt!" Das tft natürlich dasselbe wie die durchbegraben" erweiterte Redensart und liefert den Beweis, daß der Ausdruck weit älter ist, als der Ein­sender obiger Zeilen denkt. Ferner heißt es in einem int Schmal- kaldischen Kriege (1546/7) gegen Karl V. gerichteten Gedicht: (Lilieneron, Hist. Volkslieder):

Ein Mouarchy wilt richten an; Plus ultra" soll nock> weiter gan: Da ligt der Hund begraben!

Da erscheint die Wendung also schon völlig eingebürgert mit dem allgemeinen Sinne:Das ist der eigentliche Zweck deines Feldzuges". Ihre Entstehung dankt sie, wie fast alle derartigen Redensarten, sicherlich einem wirklichen Hergänge, aber dieser Hergang selbst und die Zeit, in der er vor sich ging, sind in Dunkel gehüllt. Soviel steht aber fest: die Redensart als solche war langst bekannt und int Volke geläufig, als man sie natürlich in scherzhafter Weise auf dem Denksteine des ebenso klugen wie gefühlvollenStutzet" anbrachte. Borchardt-Wust- mann deutet noch auf das französische voilü le chien! hin und darauf, daß nach dem Bolksalauben auf verborgenen Schätzen Hunde lagern, wobei denn oft bet Schatz geradezu selbst Hund genannt wird:In dem Haus steckt noch ein alter Hund." Auf diese und noch einige andere Deutungen weist auch Schrader in seinemBilderschmuck der deutschen Sprache" hin, besonders auch auf die, daß man oft in den Grundmauern des Hauses einen Hund als Sinnbild bet Wachsamkeit begrabe, auf den dann vom Bauherrn hmgedeutet werde mit den Worten: Und Da liegt der Hund begraben. Söhns.

Weihnachts-Literatur.

= Kulturgeschichte. Werden und Vergehen int Völker- leben Bon A. v. Schweiger-Letchenfeld. Mit 614 Ab­bildungen. und 41 Tafeln. In 40 Lieferungen zum Preise von 50 Pfg. Lfgn. 130. (A. Hartleben's Verlag in Wien.) In den Abschnitten, welche dem Untergänge der antiken Kultur und den ersten I a h r h u it d e 11 e n des Christentums gewid­met find, hat der Verfasset den Votttag auf einen Ton geftimmt, welcher diesem bedeutsamen Zeitabschnitte der Menschengeschtaste angepaßt ist. UebersichtliH, exakt und mit Wärme werden die weltgeschichtliche Bedeutung, welche in Jesu Christi ruht, dte Persönlichkeit des Apostels Paulus, die Kirchenväter und dte Begründung einer neuen Weltanschauung bargelegt. Daun setzt die Völkerwanderung ein, welche dem Verfasser Gelegen­heit gibt, mit einem gewissen epischen Schwung dieser gewaltigen Bewegung zu gedenken. Außergewöhnlich ausführlich ist der Abschnitt über den Islam, her. nach einem kurzen historischen Uebetblick, die Leistungen der Araber, Perser und ntohamntedani- schett Inder auf den Gebieten der geistigen und materiellen Kultur vorführt. Als Kvuner des Orients konnte der Verfasser fyier sein Wissen in glänzender Weise betätigen. Das Werk wird vor Weihnachten komplett und es ist zu erwarten, daß es manchen Gabentisch schmücken wird.

Magisches Quadrat.

Machdruck verboten.

r--- In die Felder nebenstehenden Quadrats sind

die Buchstaben AAAAAEELLMMNN RSS derart einzutragen, daß die wagerechten

__ und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes bedeuten: 1. Weiblichen Vorname».

-- 2. See in Irland.

3. Römische Gottheit.

----------- 4. Französische Stadt.

(Auflösung in nächster Nummer.'

Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: - Ein Narr kann mehr fragen, als zehn Weise antroorten.

Redaktion: Ernst Hetz. Rotationsdruck und Verlag der Brübl'Ichen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gieße«,