Ausgabe 
9.5.1906
 
Einzelbild herunterladen

268

,s<1«er bewegten Komödie@iit Volksfeind" dis Gemüter kräftig erregen, amVolksfeind" freilich muß ein Regietalent Mitarbeiten, sonst geht die große Volksversammlung im dritten Akt in die Brüche. Bon Björnson verlangt dasFallissement" zwei gute Darsteller, sonst ist es nicht schwer. Brauchbare Einakter neueren Schlages, freilich dichterisch ohne tieferen Belang, findet man bei Lienhard (Der Fremde"), bei Fulda nnt> bei Dreyer, bei diesem unter seinen älteren Sachen.

So, das itmrc doch eigentlich Stoff genug für nufereMel- pomenc". Aufs Versuchen konimts natürlich auch hier an wie überall. Geliugts auch einmal nicht, so ists kein großes Unglück. Hingebende gemeinsame Beschäftigung mit guter Kunst, wo das die Hauptsache ist, und es ist freilich eine Hauptsache, da kommt die innere Befriedigung, die Freude am Werk ganz voic selbst. Die Lorbeeren derThalia" sind so billig tote die Brombeeren, der Kranz aber, den die Kunst verleiht, läßt sich nicht im Zeitvertreib anl Straßenrand zusammenpflücken, er muß herzhaft erstiegen werden.

Neber Erziehung.*)

Tas Erziehungsweseu gehört zn den wichtigsten Problemen des öffentlichen und privaten Lebens. Nicht bloß der enge Kreis der Fainilie, auch die größte Gemeinschaft eines Volkes der Staat ist an diesenr Probleme stark interessiert. Tausende von Ab­handlungen und Hunderte von Schriften, die alljährlich in allen Kulturländern über Erziehungsfragen erscheinen, sind der beste Beweis für die Bedeutung dieser Frage. Dieses Anschwellen der pädagogischen Literatur macht es sogar dem Fachmanne unmöglich, alles zn lesen, was über dieseil Gegenstand geschrieben wird, lind doch darf man nit diesen Erscheinungen nicht gleichgiltig vor- nbergehen, denn sie enthalten einen Gedankenschatz, der es ver­dient, gelesen, geprüft und beherzigt zu werden.

Bon den berufsmäßigen Lehrern und Erziehern unserer Kinder wird zwar eine mehr oder weniger genaue Kenntnis der pädagogischen Grundprobleme verlangt. Von den Eltern dagegen, I die doch die allererste und wichtigste Erziehung ihrer Kinder zu leiten haben, wird überhaupt kein Nachweis gefordert, das; I sie sich die Kenntnisse angeeignet haben, die als 'Voraussetzung einer vernünftigen Erziehung angesehen werden müssen.

, Und das wäre doch teilte unberechtigte Forderung, die man an jeden stellen müßte, sobald er im Begriffe steht, eine Ehe zu schließen.

Jeder Beruf will erlernt werde)!. Für viele wird sogar mit Recht ein Befähigungsnachweis verlangt, bevor man zur Aus­übung desselben zugelässen wird. Für den Beruf, den die Eltern als Erzieher ihrer Kinder auszuüben haben, wird aber von keiner Seite ein Befähigungsnachweis erwartet, lind doch ist das Erziehen der Kinder weder eilt leichter noch gleichgiltiger Beruf! I Man hat sich zn sehr daran gewöhnt, nur in den Beschäftigungen I eine berufliche Tätigkeit zu sehen, wo ein Entgelt für diese Tätig- I keit verlangt wird. Was umsonst, ohne Lohn getan wird, das I wird nicht mehr als Berufstätigkeit betrachtet. Daher mag es I auch kommeu, daß die Eltern von einem Befähigungsnachweise in I Erziehungsfragen befreit sind.

Aber sehr mit Unrecht und nicht bloß zum Schaden der eigenen Kinder, sondern auch der Gesamtheit.

Das wichtigste Moment int Leben der Familie ist die Erziehung der Kinder, es ist der heiligste, verantwortungsvollste und schwierigste Beruf, den die Eltern zu erfüllen haben. Welche Vor- vereitungen treffen nun die Eltern, um diesem Berufe gerecht zu werden?

Fast gar keine.

Alle anderen Fragen werden beim Eingehen einer Ehe sehr gettau in Erwägung gezogen. Für die materielle Erhaltung der Familie wird Sorge getragen, der Mann hat einen Erwerb, die Iran lernt die häusliche Wirtschaft führen, die Eltern schicken sogar ihre Töchter in eine Kochschule, damit sie diese Kunst er­lernen. Mit welcher Wichtigkeit werden nicht da die Kochrezepte behandelt! Aber niemanden fällt es ein, die jungen Leute zn befragen, wie sie sich für ihren Beruf als Erzieher ihrer Kinder vorbereitet haben.

Wir glauben, daß diese Frage von keiner unlergeordneten I Bedeutung ist-, und daß sie zumindestens mit demselben Eifer behandelt zu werden verdient, tuic z. B. die Toilettenfrage ber Braut oder die Einrichtung der neuen Wohnung. Mit welchem Ernst werden nicht da die Schneider, Tapezierer und Dekorateure konsultiert, aber tote, man sein Kind erziehen wird und soll, darüber wird auch kein Wort verloren. Sobald sich die Kleinen einstellen, werden sie eben erzogen. Einer langen Vorbereitung bedarf es da nicht, höchstens daß eine sehr erfahrene Hebeamme und ein tüchtiger Arzt rechtzeitig zugezogen werden. Für die Erstlingswäsche sorgen ja bekanntlich die guten Großmütter. Aber Wie ein Kind geleitet werden soll, damit es dereinst ein ganzer Mensch und ein nützliches Glied der Gemeinschaft wird, darüber I

* ) Aus dem Vorwort des bei Otto Tobies, Hannover er- I schiene neu Bucheslieber Erziehung, Leitsätze für Eltern und I Lehrer, ausgewählt und herausgegeben von Dr. Julius Reiner." «

denken nur die Allerwenigsten rechtzeitig nach. Man verläßt sich größtenteils aus seine eigenen Erfahrungen, die man als Kind gemacht hat. Man erzieht seine Kinder nach demselben Rezept, tote man selbst erzogen wurde.

JU diesem System liegt eben das liebel. Die Eltern begehen daun an ihren Kindern dieselben Fehler, die einst an ihnen be­gangen wurden. Das Nebel pflanzt sich auf diese Weise im ver­stärkten Maße, von Generation zu Generation fort.

Eine genaue Kenntnis der grundlegenden Erziehungsfragen müßte zur Voraussetzung einer jeden Eheschließung gemacht werden. Wie viel Sorgen würden die Eltern sich und den Kindern ersparen, wie viel Zank und Streit würde ans dem Eheleben verbannt werden, wenn man über die Erziehung der Kinder besser unter­richtet wäre, als es in den meisten Fällen noch immer zn sein pflegt. Es gehört ja nicht zu den Seltenheiten, daß die Eltern in ihrem Erztehungssystem sich gegenseitig bekämpfen, daß der Vater erlaubt, was die Mutter verbietet, und worüber der eine eilt nachsichtiges Auge hat, der andere in Zorn und Zank gerät. Nicht nur die Eltern, auch die Kinder leiden unter einem solchen Erziehungssystem.

Die Erziehung ist eine Kunst, sie will und muß gelernt werden. Keinem Vater und keiner Mutter, keinem Lehrer und keinem Erzieher dürfen die Erziehimgsprobleme fremd bleiben.

Hausmusik.

A n t o n Rn bin st ein nimmt in Nr. 13 und 14 der Neue n Musik-Zeitung das Wort. Tagebuchblätter sind's, von einer Schülerin liebevoll ausgezeichnet und bewahrt, die uns den großen Klaviermeister in greifbarer Gestalt vor Angen bringen. Nicht nur für die Persönlichkeit Rubiusteius und für seine Art, Unterricht zu geben, sind die Aenßerungen interessant und wichtig, auch seine Ansichten über die großen deutschen Kom­ponisten enthalten ungemein Fesselndes und Belehrendes. Einzig ist es z. B.» iuie Rubinstein sich über Schubert ausspricht. Beet­hoven nimmt natürlich auch bei ihm den ersten Platz ein. Aus dem übrigen reichhaltigen und gediegenen Inhalte heben wir hervor: Anastasius Grün und die Musik, Richard Batkas Mo­natsplauderer, die Fortsetzung der so gemeinverständlich ge- ichriebenen Tonsatzlehre und die biographischen Skizzen von Künst­lern und Künstlerimteu mit Porträts. Neben Berichten über Ur- aufführungett und einer Menge feuilletonistischer und aktueller Beiträge sei noch ein sehr beachtenswerter Aussatz des bekannten Musikschriftstellers Paul Marsop erwähnt, der gegen das Agenten­wesen die Gründung einerGenossenschaft ausübender deutscher Musiker" empfiehlt. Marsop hat sich bekanntlich in neuerer Zeit um die Förderung der sozialen Musikerfrage sehr verdient gemacht. In der Musikbeilage finden wir ein Lied im Volkston, den zweiten Satz einer Violinsonate von Tartini, die Klavier­bearbeitung eines Menuetts von Gluck und ein Lied des früheren Kantors an der Dresdener Kreuzkirche, Oskar Wermann Für all das, was die in so gediegen populärer Weise geleitete Neue Musik-Zeitung in Wort, Ton und Bild bietet, ist der Preis von 1.50 Mark fürs Vierteljahr (6 Nummern) in der Tat sehr gering zu nennen. Probenummern versendet kostenlos der Ver­lag von Carl Grüninger in Stuttgart.

* Herr Meanly:Wie ich sehe, trügt inan die Kleider in diesem Jahre länger." Frau Meanly (entrüstet):Nun, wer sie noch länger als ich trägt,. muß sie sich schon aus Eisen­blech machen lassen!"

* Iohnnie:Was sieht da aus der Warnungstafel, Mutter?" Mutter:Hunden ist der Zutritt verboten." I o h n n i e: Aber die Hunde können doch nicht lesen. Wie können sie es beim da wissen?" _____________

Silbenrätsel.

Nachdruck verboten.

au, cf, der, du, dy, ec, 11, kn, ka, Io, nach, ni, o, ta, tns.

Aus vorstehenden Silben, und Buchstaben sollen fünf Wörter gebildet und derart unter einander gesetzt werden, daß die Anfangs­buchstaben von oben nach unten, und die Endbuchstaben von unten »ach oben gelesen, den Namen eines außereuropäischen Hasenplatzes ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter der Reihe nach Folgendes:

1. Ausländischen Ziervogel.

2. Figur aus Sch ller'sWallenstein".

3. Stadt in der Rheinprovinz.

4. Slavischen Dichter.

5. Römischen Geschichtsschreiber.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Magischen Dreiecks in voriger Nummer:

NELKE

E S A U

LAR

K U

E

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlaa der Brülil'ichen Univerkitäts-Biick- und Stelndruckerei. R. Vanne. Gießen.