143
von Hinterpommern und
1
■ sah allerliebst aus; das bestach zunächst. Die Stinnite klang dünn, aber das störte anfänglich nicht. Erst gegen Ende des Aktes, als die Handlung dramatisch wurde und Nina ernstere Töne anschlagen sollte, siel bei ihr der Mangel an geschultem Material aus. Sie entgleiste verschiedentlich, wurde unruhig, fand den Takt nicht mehr. Aus der Tiefe des Orchesters leuchtete ihr das weiße, schweißüberströmte Gesicht Rafaölis wütend entgegen, und seine Augen glühten sic zornig an. Da packte sie eine wahnsinnige Verzweiflung. Jir einem Solo-Rezitativ vergriff sie sich vollends, rind ihre Stimme schrillte. Im Parkett wurde mau unruhig; ein unterdrücktes Lachen erscholl. Tie meisten Kritiker schüttelten die Köpfe.
Doch auch dieser Aufzug fand starken Applaus. Jn- mitten der Sängerinnen und Sänger mußte Rafaöli sich zeigen; dann wurde wieder nach Hammer gerufen. Tie Ovationen für ihn erneuerten sich, Prinzessin Luise ließ ihn in ihre Loge befehlen.
Pausen sollten nur nach dein ersten Akt und vor dem Beginn des Balletts erfolgen. Zwischen dem zweiten und dritten Akt kam der neue Bühnenmechanismus in Anwendung: während die Musik weiterspielte, verdunkelte sich die Szene, die Dekoration versank, und die des dritten Aufzugs stieg aus der Höhe der Soffiten herab. Diese Neuerung — man kannte die zweistöckige Bersentüngsbühne iit Berlin noch nicht — interessierte das Publikum so lebhaft, daß auch jetzt wieder der Beifall ausbrach. Aber er wurde durch mahnendes Zischen, das nur der Ruhe galt, unterdrückt, und die Oper nahm ihren Fortgang. ......
L; (Fortsetzung folgt.) Ei
dem Heere Torstenssons in Böhmen befand, Abschied, nachdem er 1646. zum Generalmajor befördert worden war.
Der Anlaß zu seiner Zurruhesetzung war seine kurz zuvor stattgehabte Vermählung mit einer brandenburgischen Adeligen, einem Fräulein Von Schaplow, aus deren Gut Gusow bei Wriezen in Brandenburg er sich einige Jahre niederließ, bis der Kurfürst voir Brandenburg ihn im Jahre 1654 ausfordern ließ, als Generalmajor der Kavallerie in seinem Heere Dienste zu nehmen. Jin Jahre 1655 erhielt er das Patent und ging sogleich barmt, ein Stadtregiment nnznwerbcn und nach schwedischem Master zu schulen. Und in der dreitägigen Schlacht bei Warschau, im Jahre 1656, in welcher er das befestigte Kloster Priment im Sturm eroberte, führte er seine erste Wasfcntat mit den Bran- denburgcrn aus und ward dafür zum Generalleutnant, am 20. Juni 1657 aber zum Wirklichen Geheimen Kriegsrat und zum Generalfeldzeugmeister ernannt.
Auch während des schwedisch-dänischen Krieges in den Jahren 1658—59 war er in der Begleitung des Kurfürsten, der dann auch in den. daraus folgenden Friedens'zeitcn seinem Feldmarschall stets freundschaftlich gesinnt blieb nnd ihm im Jahre 1670 die Würde eines Generalfeldmarschalls verlieh und ihm die Oberleitung über Reiterei nnd Artillerie übertrug.
Dann sreilich wär eine Zeitlang dies gute Einvernehmen zwischen dein Großen Kurfürsten und seinem Feldherrn getrübt. Dersslinger hatte es schon übelgenommen, daß der Fürst Johann Georg von Anhalt-Dessau vor ihm den höchsten Militärrang erhalten Hatte, und als eben wieder, im Jähre 1672, der Kurfürst zu einem Kriege rüstete, erklärte Dersslinger kategorisch zu des Kurfürsten großer Bestürzung, er ziehe nicht mit, wenn der Anhalter Fürst nicht .zurückbleibe. Diese Bedingung konnte sich natürlich der Knrsürsk nicht vorschreiben lassen. So nahm Tersf- linger an dem freilich ziemlich belanglosen Kriege nicht teil.
Bald aber unternahm der Kursürst Schritte, den alten Kriegs- Helden von seiner Verstimmung wieder zu kurieren. Er beantragte beuit Kaiser die Erhebung Dersslingers in den Reichsfreihcrrn- stand, die am Geburtstage des Feldherr» im Jahre 1674 erfolgte, und Dersslinger zog denn auch im selben Jahre mit dem Kursürsten nach dem Elsaß in den Feldzug, während der Fürst von Anhalt als märkischer Statthalter zurückblieb. Kaum waren die Kriegsscharen im Elsaß, so mußte sich der Kurfürst gegen die in die Mark eingebrochencn Schweden wenden, und nun verrichtete der greise Feldmarfchall seine größten Ruhmestaten/ Aue 25. Juni 1675 eroberte er mit außerordentlicher Kühnheit die von den Schweden besetzte Stadt Rathenow. In wenigen Stunden war die Stadt in seinen Händen, wobei die Brandenburger nur 50 Mann einbüßten, während von den Schweden der Oberst Wangolin, fünf Offiziere und 186 Dragoner gefangen wurden, die anderen aber sämtlich ihr Leben einbüßten. Höchstens zehn Mann etwa konnten sich retten, mußten aber den Brandenburgern reiche Siegesbcutc hinterlassen.
Indessen noch bedeutsamer wär es, daß Dersslinger durch diese kühne Waffentat das glückliche Gelingen der Entscheidungsschlacht bei Fehrbellin, drei Tage später, am 28. Juni 1675, vorbereitet hatte, in welcher der Kurfürst die Schweden twll- kommcn besiegte, wobei Dersslinger auch in wirksamer Weise half.
Als dann Dersslinger im Jahre 1677 die Belagerung der von den Schweden besetzten Stadt Stettin leitete und sie schließlich
eroberte, ward er zum Statthalter
dem Fürstentum Kämmin und zum Obergouverneur aller pommer- fchen Festungen ernannt.
Dersslinger, der bei der Belagerung von Stettin verwundet worden war, auch sonst, bei seinem hohen Alter, sich sehr nach Ruhe sehnte, hatte sein Winterquartier in Berlin bezogen und wollte sich von dort aus sein Gut Gusow begeben, aber der Kurfürst wußte ihre doch noch einmal dazu zu überreden, einen letzten Waffcntanz mit den Schweden zu machen, die es galt, cnd- giltig aus dem Lande zu vertreiben. Und so begleitete Dersslinger den Kurfürsten in den neuen Feldzug und war einer der'ersten, der bei dem Angriff aus Rügen mit 23. September 1678 die Insel betrat. Dann mußte sich Stralsund am 15. Oktober ergeben, und nachdem so die Schweden vom deutschen Boden vertrieben wären, unternahm Dersslinger jene berühmte Schlittenfahrt, die eine kriegsgeschichtliche Bedeutung erlangte: int strengsten Winter setzte er den Schweden nämlich mit 9000 Mann und 30 Kanonen aus Schlitten über das Frische und Knrische Hass nach und schlug sie im Jahre 1679 bei Tilsit so, daß sic sich unter großen Verlusten endgiltig zurückziehen mußten.
Damit hatte die kriegerische Tätigkeit Dersslingers ihr Ende erreicht. Er hatte genug geleistet, um sich zur Ruhe setzen zN können. Freilich blieb er noch weiter in brandenburgischen Diensten, als Truppeninspekteur, Festungsobergouvermeur usw., doch blieb er zumeist in Gusow. Der Große Kurfürst und nach dessen Tode auch dessen Nachfolger, Kürsürst Friedrich III., blieben dem alten Kiiegs'heldcn gewogen, dem es noch bcschieden war, auf seinem Landgute eine schöne Altersruhe zu pflege» und die Ehrendotativnen, die ihm der Große Kurfürst nach den siegreichen Kriegen gewidmet hatte, in Frieden zu verzehren. Er hat ein hohes Älter erreicht, gepflegt von seinen Kindern, die den Hcldeugreis verehrten.
Theodor Fontane, der liebenswürdige märkische Dichter, hat heil „SMeider-FcldMarschall" Dersslinger zum Gegenstand eines
AerMnger.
r Zunt dreihundertjährigen Gedenktage seiner Geburt.
"Ti Voir Albert % r i cf.
(Nachdruck verboten.)
Es ist wähl Teilt Zu soll, daß die brandenburgische und später preußische Monarchie sich im Laufe der Jahrhunderte die Hegemonie über die anderen deutschen Staatengebilde erwarb, darunter über Staaten, die früher die Lande der Hoheuzollcrn weit an Größe nnd Macht überragten. Man wird nicht so sehr eine die anderen Fürstenhäuser überragende Tüchtigkeit und Größe darin erblicken können, — denn in jedem der deutschen Fürstengeschlechter beinahe hat cs Persönlichkeiten von hervorragenden Eigenschaften gegeben, — vielmehr ist diese wachsende Größe des brandenburgischen nnd späteren preußischen Staates dem' Umstande zu- zuschreiben, daß die Hohenzollernsürsten das große Glück be- saßen, kriegerische Talente von hervorragender Bedeutung zu gewinnen, die ihnen ihre Dienste widmeten.
Von diesen, die zu Preußens hentigcr Größe den Grundstein legen halsen, gehört auch Georg Dersslinger, des „Großen Kurfürsten" langjähriger Helfer nnd Kriegsgenossc, nnd wie viele andere noch, die an Preußens Größe Mitarbeiten halfen, war er kein Preuße, nicht einmal ein Deutscher nach heutigem Staats- begriss. In dem Öberösterreichischen Dorfe Neuhofen wurde Georg Dersslinger mit 10. März 1606 von evangelischen Eltern bäuerlichen Standes geboren, die ein paar Jahre nach des Knaben Geburt wegen' ihres protestantischen Glaubens nach Böhmen flohen, wo Kaiser Rudolf den Protestanten durch seinen Freibrief tont Jahre 1609 freie Ausübung ihrer Religion gewährt hatte.
Eine bekannte Sage erzählt nun, Wie Georg Dersslinger schneidern lernte, und dann aber, als er sah, wie die Svt-- baten so sehr viel mehr geachtet wurden, als die HandwerkS- bnrschen, die Nadel und Schere mit dem Kreigshaudwerk vertauschte. In der böhmischen Stadt Leitmeritz soll dieser Täusch vor sich gegangen sein, da soll er heimlich über die Elbe gesetzt haben, um sich den Soldaten auzuschließen. Wohl haben die Schneider, die von anderen Handwerkern nicht immer besonderer Tapferkeit gerühmt werden, ans dieses leuchtende Beispiel ihres einstigen Zunstgenossen gern stets hingewiesen, aber leider hat die neuere historische Forschung diese Geschichte von der einstigen Schneidertätigkeit Dersslingers in das Gebiet der Sage verwiesen, und man hat sestflellen können, daß Dersslinger sich bereits in jungen Jahren dem Waffenhandwerk gewidmet hatte.
Als mit 8. November 1620 die böhmischen Protestanten am Weißen Berge bei Prag gegen kaiserliche und bayerische Truppen kämpften, befand sich der vierzehnjährige „Görg" in der Gefolgschaft des tapferen Grafen Thure, der am heldenmütigsten kämpfte. Tann trat er in ein Reiterregiment des Herzogs Johann Ernst von Weimar und ging bald daraus in die Dienste des Schwedenkönigs Gustav Adolß dessen Kriegsruhm damals viele Kriegshelden anzog. f
Und daß Dersslinger sich tüchtig bei den Schweden erwies, belveist die Tatsache, daß er bereits mit neunnndzwanzig Jahren Oberstleutnant war. Als Reitersührer zeichnete er sich unter $ miet’ und Torstensson aus, ward von dem letzteren auch zu diploma- tischen Missionen .benutzt, nahm dann ober, als er sich nut


