Ausgabe 
9.2.1906
 
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Schlaf und Gesundheit. Häufige Vergnügungen bis tu die Nacht hinein morden den glicderstärkcnden Schlaf, zumal wenn man morgens wieder pünktlich bei der Arbeit sein muß. Auch Politik zehrt an der Gesundheit. Dr. Auerbach machte in derBerliner Klinik" darauf aufmerksam, daß nach ärztlicher Beobachtung Kaufleute in der Regel erst dann anfingen, über nervöse Beschwer­den zit klagen, als sie sich neben ihrer Berufsarbeit allzusehr der Politik znwandten, an Versammlungen itnd Diskussionen teil­nahmen, zuweilen auch J-lugschriftcn verfaßten nsw. Diese oft mit Verkürzung des Schlafes, vermehrtem Alkohvlgenuß, Aerger und Aufregungen verbundene Tätigkeit nehme in hohem, Maße die Nervenkräfte in Anspruch. Also widme man sich nicht zu sehr der £ olle ein s vermeintlichen Volksbeglückers.

Ruhe i.nv Schlaf bedarf der geistige Arbeiter noch mehr als der körperliche. Auch muß der Schlaf tief und fest sein; nur dann schafft er vollständigen Kräfteersatz, so daß man am nächsten Morgen erwacht mit Wohlbehagen und neuem Kraft­vorrat für die Arbeit des TageS. Auch nächtliches Schaffen ist gesundheitsschädlich. Einen besonderen Uebelstand bildet dabei das leicht zu stände kommende Fortarbeiten von Tranmgedankcn an den in später Stunde fertig gestellten Aufgaben. Diese halb- bewußte.Traumarbeit ist sehr angreifend, wie Jeder am Morgen nach einer derart verbrachten Nacht fühlt.

Richtige Abwechslung und Abmessung von Schlafen, nnd Wachen, von Erholung und Arbeit, Körperruhe und Körper­bewegung: darin besteht im allgemeinen die eigentliche Gesund­heitspflege. Weil aber die Berufe mit sitzender Lebensweise noch ganz speziellen Schädigungen ausgesetzt sind, so müssen ihre Inhaber, wie Beamte, Lehrer, Schriftsteller, Buchhalter, noch die besonderen, in dieser Abhandlung geschilderten Maßnahmen ergreifen. Dann werden sie ihren Körper und Geist lange arbeits­kräftig erhalten, werden verschont bleiben von vielen Leiden und Krankheiten, werden sich bewahren vor frühzeitiger Alters­schwäche und endlichem Siechtum. Wenn ein solcher Preis zu erringen ist. wer wollte da nicht gern dem hygienischen Schlendrian entsagen und auch einige liebgewordene, aber schädliche Gewohn­heiten auf dem Mare der Göttin Hygiea opfern?!

Heimats- und Volkskunde.

** Ein B im s st ein regen in der Urzeit. Arif der ganzen Strecke von der Eifel guer über den Westerwald hinüber bis zum^hohen Vogelsberg findet man in der Erde an geschützten Stellen Sande, die in ihrer Zujammensctzung ganz dem Bimsstein gleichen und zweifellos vulkanischen Ursprungs sind. Schon Dechen hatte darauf hingcwicjen, batz sie einem Ausbruch in der Nähe des Laacher Sees entstammen müßten; in neuerer Zeit suchte Augolbis die Ausbruchsstelle auf dem Westerwald. Nun hat ein tüchtiger Geologe, Oberförster Behlen in Haiger, gestützt auf eigene Forschungen, die Frage noch einmal ges-rüft nnd über­zeugend nnchgewiesen, daß die sämtlichen Bims^-Sande einem Ausbruch desKrufter Ofens" entstammen, eines alten Kraters zwischen Laacher See und Rhein. Die cmporqeworfeuen Bimsstein- ncassen wurden von einem orkanartigen Weststurm nach Osten geführt und fielen teils hinter den Bergen nieder, wo der Wind scme Gewalt verlor, teils aber auch da, wo der Sturm die Aschenwolken gegen steile Bergwände trieb. Auf dem Westerwald relen große Massen in niedriges Nadelholz, bedeckten und ver- ohlten dasselbe vollständig; die verkühlten Bäumchen lassen rch in den Sandlagern noch deutlich erkennen. Es ist Behlen auch gelungen, die Zeit sicher zu bestimmen, in welcher dieser gewaltige Ausbruch erfolgte. Unter dem Bimssteinsand und auf dem sogenannten Löß-Lehm liegen namentlich hier und da Knochenreste, und es sind Ueberrcste von Tieren, tvelche heute den hohen Norden bewohnen, R.n.i.r, Halsbandlemming, Schnee- huhn. Das beweist unwiderleglich, daß der Ausbruch auf dem Höhepunkt der Eiszeit erfolgte, wo diese nordischen Tiere auf uusern Mittelgebirgen lebten. Daß um diese Zeit schon der Mensch m Deutschland lebte, es wenigstens von Süden her auf Jagdzügen be, uni teerst durch die Funde am Schwcizerbilb und anderen Stellen m der süMeiz außer Zweifel gestellt. Es kamt also der Mensch recht wohl Zeuge der vulkanischen Ausbrüche am Laacher See gewesen sem. Behlen schätzt die seitdem verflossene Zeit auf etwa 8000 Jahre. Dr. K o bell.

Annft LVisserrfchafL.

, T ^>.,ivier und die Kunst. Bis vor kürzer Zeit

haben unsere Künstler den Farben und den Formen des Winters kaum Beachtung geschenkt. Durch den um sich greifenden Winter- y??rLul den Bergländern ist nunmehr auch das Verhältnis der Künstler zu den Herrlichkeiten des Winters ein anderes und zum ersti. schon recht enges geworden. Wir haben auf den letzt- zahrrgen großen Kunstausstellungen manches Gemälde entdeckt, eindrucksvollen, gewaltigen Begriff von der nnbe- SEbuchen Pracht der Natur im Winterkleide gibt. Auch unsere Kumlphotographen haben sich, manchmal mit großem Erfolge, an die Losung der neuen, durch den Winter gestellten Aufgaben heran- was auf diesem Gebiete geleistet ist, ist seit Zähren durcy die vorbtldlich illustrierte Deutsche Akpenzeituitg

fortlaufend eitlem sehr großen Leserkreise gezeigt wordett. Die vier letzten uns vorliegenden Hefte dieses Blattes reden mit ihren ausgezeichneten Text- und Bilderbeiträgen wiederum eine io eindringliche Sprache für den Winter und die Winterfreuden, daß sie füglich als die weitaus wirkungsvollste Propaganda auf diesem Gebiete bezeichnet werden müssen. Beispielsweise nennen wir: Winterbilder aus dem Riesengebirge von Dr F Kuhfahl, Dresden (Heft 18,15. Dez. 1905, und Heft 21, 1 Febr

Rodelsport im Halltal von Alice Czelechowsky, Hall i Tb' (Heft 19, 1. Jan.); Ein neues Skigebiet in den bayerischen Bor- bergen von Dr E. P Meinecke, München (Heft 19, 1. Januar); Aus deut südlichen Schwarzwalde voit Henry Hoek, Freiburg i. B. (Heft 20, 15 Jan ); Eine Skitour nach dem Pas de Cheoille von Paul König (Heft 20, 15. Jan.); Eine Wintertour auf den Hochfelln tron Hansi Andry (Heft 21, 1. Febr.). Folgende Kunst­blätter verdienen ebenfalls hervorgehoben zu werden:Winter- nwrgen" von Dr. Kuhfahl (Heft 18);Die Große Schneegrube (Riesengebirge) bet Abendbeleuchtung" (Heft 18), von Dr. Kuhsahl: «Bergwald ttn Winter" nach einem Gemälde voit Arthur Thiele, Hohenschäftlarn (Heft 19);Sonnentag im Winter nach einem Cemalde von Eugene Stolitza, Ananieff, (Heft 19);Wintev- tche Fohtinacht" von Jos. Kaiser (Heft 20);Herzvgenhorn (Schwarzwald) von Norden" von Henry Hoek, l.Heft 20); Am Kleinen Teiche" und Der westliche Riesengebirgskamm" von ~e. Kuhfahl, (Heft 21). Auch die BeilageVerkehr und Sport"' dolumenttert, baß die Deutsche Alpettzeitutiq sämtlichen Erschein­ungen des Wintersports gerecht wird und damit auf dem Gebiete der Wintersports-Publizistik die führende Stellung bewahrt. Für reden Wtntersportler, ebenso wie für jeden Wintersrischler ist die Deutscye Alpenzeitung ein zuverlässiger Ratgeber und uneutbehr- ltcyer Freund.

Z tir E r r i ch t u n g e i n es D en km a lS i ti r H e i n rich v. Kletst in seiner Vaterstadt Frankfurt a. d. O. fordert ein Komitee namhafter detitfcher Männer auf. Im November 1911 w>rd ein Jahrhundert vergangen sein, seit der große Dichterpatrtot sich miS Berziveifltnig über die Schmach des Vatertandes und seine bittere Lebensnot am Wannsee den Tod gab. Bis dahin tvtrd hoffentlich der Nationalstnn der Deutschen es ermöglicht haben daß em würdiges Tcnlmat sich in der alten Oberstadt erhebt, in der auch em anderer Dichter desselben Namens, Ewald v. Kleist, sein Grab gestmden hat. Es ist ja nicht zu verwunderu, wenn sich viel­fach heule in Deiitschland eine Tenkmalsmüdigkeit gellend tnacht, tvo selbst Größen zweiten tmd drillen Ranges oder Männer der Vorzeit, deren Erinnerung in unserer Zeit gänzlich verblaßt war, in ihren Valerstädlen ober Wirtnngvsläucn durch Teukmäler geehrt ivordeu sind. Aber in solcher Zeit muß es tim so mehr ausialleit, daß ein so kerndeutfcher, den, Vewußlfein der Gegenwart so nahe­stehender Dichter wie Heinrich v. Kleist, der größte nachklassische deutsche Dramatiker uud jedenfalls der nationalste von ihnen allen, noch nirgends iin deutschen Baterlande ein Denkmal besitzt, von dem weltverlorenen Stein auf seinem Grabhügel, der Stätte seines unglücklichen Todes, am Wannsee, abgeseben. Nun, der Stuf ist ergangen, möge er Widerhall finden in deutschen Herzen. Beiträge iverden erbeten an das Bankhaus L. Aiende, Frankfurt a. d. O. Kommt einmal die Stunde, wo der Teutjche sein Vaterland mit dein Schwcrle verteidigen muß, dann wird er sich in der Erinner­ung an Heinrich v. Kleist zum heiligen Stampfe stärken und der sthn ungvoilen Verse gedenken, nut denen Gustav Schüler Kleist crnrust:

Sprenge deiner Grabstatt Wände, Brich hervor, frei, ivild und kühn, Wie ein Adler durchs Gelände, Dein der Sonne Flanunenvrände Sieghaft aus den Augen sprüh'n!

Stärk' tm§, wenn wir niedersinken. Mächtig mit der Hermannsschlacht, Laß die allen Schwerter blinken, Laß die allen Feuer winken Zuckend durch die schwerste Nacht!

Steig' hernieder, Geist der Breite, Kleist, du Bruder, frei uud stark, Alter Braudenburger Leite, Deutschlands Eckart, starr in Treue, Großer Sohn der sandige« Mark,

Logogrrph.

Nachdruck verboten.

Mit3 bin ich aus Eisen oder Bein,., 9)iitL" dürst' ich als Fluß bekannt sein. m.

Auflösung in nächster Numnter.

Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummert' Ebeitopf Hllersdort 6al!» Klisenglimmenfchiefei? « ^ahrtinA Zimmct 5d)heumon;

Eugen Zintgrasf.

eüa.uon. Ernst Heß, Rotationsdruck uud Verlag der Brühl'schen UntverstlätS-Bitch- und Stetndruckeret. N. Lanae, Gießen«