Ausgabe 
8.10.1906
 
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die heftige Magenbeschwerden bekommen, wenn sie sich beim Essen ausregem Es gibt aber anch Leute, dievor Zorn" einen förm­lichen Heißhunger bekomincn, und sott sogar solche geben, dm vor Liebe" satt sind; leider hält diese Sättigung m der Regel nicht

^Dieser merkwürdige Einfluß von Affekten auf Appetit und Verdauung ist neuerdings an Tieren genauer studiert worden. Versetzte man einen angebundenen Hund durch Vorhalten cmer Kade in Arrger und Wut und gab rhm hierauf feilt vuttcr, dann wurde so wenig Mageiisaft abgesondert, daß eine ganz unvollständige Verdauung stattfand. Durch die emgetretene schlechte Stimmung" wurden also auu) die -Nagennerven so nachdrücklichverstimmt", daß sie zur normalen Saftbildung nn- tangttch waren. sondern auch nach dem Essen und während desselben wirken Aerger, Zorn nnd dergl. verdaunngswidrig, lvie Professor Pawlow experimentell bewiese» hat. Daher.

Zur Essenszeit

Scheuch Sorg und Leid!

Die genossene Speise allein regt nur eine mangelhafte Saft- bildunq an, beivirkt nur geringe Berdauungsarbeit. Dagegen besitzt der durch psychische Reize hervorgebrachte Magensaft eme überaus große Verdauungskraft.

Das ist natürlich für die Verdauung von höchster Bcdeurung. Früher bereiteten Spaßmacher und Hofnarren den Tafelnden allerband Kurzweil, nm dieTafelfrendcn" zu vermehren. Eo war dies eine instinktive Maßregel zur Erhöhung der Bekömm­lichkeit des Mahles; denn:Einem fröhlichen Herzen schmeckt alles wohl, was es issest'. (Sirach 30, Vers 27.) Deshalb soll jeder im gesundheitlichen Interesse seiner Tafelgenossen und seiner selbst vom gemeinsamen Mahle allen Zank nnd Streit, alle unangenehmen Auseinandersetznngen über häusliche oder beruf­liche Angelegenheiten verbannen nnd eines anregenden Plauderns sich befleißigen. Auch von des Magens Verdauungsarbett gilt das Schillerwort:Wo gute Reden fie begleiten, da fließt die Arbeit munter fort."

Vermischtes.

* Von id er hessischen Denkmalpflege. Vor kurzem ist eine von dem Denkmalpsleger auf Grund des Denkmalschutzgesetzes veranlaßte W i e d e r h e r st e l l u n g s- arbeit fertiggestellt worden, die auch weiteren Kreisen bekannt gegeben zu werden verdient. Es handelt sich um die schöne Barockkirche in dem kleinen Orte Heusen­stamm bei Offenbach. Diese Kirche soll zum Baumeister keinen Geringeren haben als Balthasar Neumann, den genialen Erbauer des Schlosses zu Würzburg. Im Inneren enthielt sie drei Deckengemälde, deren Maler, der Augs­burger Scheffler, sonst, unseres Wissens, wenig bekannt ist, die aber in ihrer lebensvollen und bewegten, dabei jedoch VÄt die Grenzen des guten Geschmacks überschreitenden Komposition als knnstgeschichtlich sehr wertvolle Denkmäler gelten müssen. Vor vier Jahren nun hat der Blitz die Kirche eingeäschert, und das Wasser der löschenden Feuer­wehrleute hat, wie meistens, das Zerstörungswerk nach Kräften vollenden helfen. Freilich waren die Bilder, lute überhaupt das Kircheninnere im Laufe der Jahre arg ver­nachlässigt worden. Früher hatten die Grafen von Schön­born, die das prächtige Gotteshaus als Gruftkirche um 1740 hatten erbauen lassen, auf die Pflege der Kirche Acht gehabt. Im Laufe der Jahre, nachdem sie in dem kleinen Orte nicht mehr ihren Sitz hatten, mußte aber die Kirche der Pflege entbehren. Nun also kam das Feuer und drohte die Kirche zur Ruine zu machen. Da hat dann die Behörde eingegriffen, und nach manchem hin und her wurde die Wiederherstellung der Kirche und ihrer inneren Ausstattung in der alten Weise beschlossen. Vor drei Jahren hat sich der Frankfurter Maler Heinz Wetzel, dem von der Denk- malpflegebehörde das Werk übertragen war und die Kirche seit langem kannte und studiert hatte, an die Arbeit ge­macht, und jetzt ist das Werk vollendet. Auf 'Grund jvrgc- fältiger Studien über das ursprüngliche Aussehen der Decken­gemälde und 'mit liebevoller Versenkung in Formen- und Farbensprache des alten Meisters, der im Jahre 1741 die drei allegorischen Gemälde (Apokalypse",Christi Sieg über die Hölle",Auferweckung des Lazarus") gemalt. hat, ist es dem Frankfurter Künstler gelungen, seine Aufgabe so zu lösen, daß man nicht anders denkt, als seien tue ursprünglichen Fresken nur ein wenig gesäubert und auf- tzefrischt. Wiederhergestellte Denkmäler haben leicht etwas Pietätloses an sich; hier in Heusenstamm aber ist diese Gefahr mit ebenso viel Takt wie Können vermieden worden,

und man darf sich des Werkes freuen, durch das eine sehr wertvolle deutsche Barockkirche vor der sonst unvermeidlichen Zerstörung gerettet worden ist.

* Amerikanische Universitätsschreie.Rahl Rah I Rah! Rah! Rah! Rah! Rah! Rah! Rah! Harvard l" Dieser mit langanhaltender und tiefer Stimme ausgestoßene Uni- versitätsrns genießt bekanntlich Weltberühmtheit. Er ist aber nur einer der zahllosen Universitätsschreie, die in Amerika üblich sind, und die glaube» machen, sie stammten noch aus der indianische» Zeit her. DieM. A. Zig." weiß noch ein paar andere hübsche Kennrufe mitzuteilen. So lautet z. B. der Schrei der Ohio State University:

Wahu! Wahn! Rip! Zip^Bazu!

Ich schrei, ich schrei für O. S. II. I

Die Alabainese» schreien:

Rackely, Nack de Nack de Nack l Rackety, Nack de Hack de Nack l Hullabalu! Hullabalu!

Wie geht es, du? Wie geht es du?

Varsity!

Und die Arkansasleule gar:

Boomalacka! Boomalacka!

Wah! Whoo! Ra!

Razzle dazzle! Gobble gobble l

11. o! A.! , r m r

Ein hübsches Naturkonzert muß entstehen, wenn sich diese Rufe vereinen. _______

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Das Blaubuch, Wochenschrift für öffenttcches Lcben, Literatur und Kunst, begründet von Albert Kalthoff, heraus­gegeben von S. Jlgenstein u. H. Kcenzl. Einzelpreis 30 W,- vierteljährlich 3.50 Mark. Inhalt der Nummer 36:Was will das werden?" von Eduard Gvldbeck.Im Nebenamt M i n i st e r" von Günther von Vielrogge.Napoleon von Kart Fr. Nowak.Mannes ewige Liebe" von Mite Kremnch. ,,Thea- " von Hermann Kienzl.Freie Musterung .Neue Bücher *

Der stille Garten.

Es ist ein verschlossener Garten: Obstbäume, fruchtbar und schwer Meschatte» de» grünende» Rasen; Ei» Bächlein läuft luftig daher.

Der Garten ift wohlverzäunct

Mit Brombeer- und Rosengezweig;

Ein einziges schmales Psörllei» Führt heimlich zu feinem Bereich.

Im nieder» Gesträuche nisten Rotkehlchen, Meisen und Fink. Mich freuen die einfachen Lieder, Mich freut ihr Treiben, so flink.

Mei» Garten ist mein Tempel:

Sei» allerheiligster Ort

Der ist jene sprudelnde Ouelle;

Mein Urleben quillt mir dort.

Mo blüht der verschlossene Garte»?

-- 3» meiner Seele Grund, Da grünt er so weltenferne, Mir nah dort zu jeder Stund 1

Traisa bei Darmstadt. D. G r e i n e r.

Bilderrätsel.

Nachdruck verboten.

li.ÜI

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummerr Geel Egge Igel Dell Elbe Libelle;

Geibel.

Redaktion: Ernst S e st. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch, und Steindruckerei, R. Lange, Gießen-