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begütigen mit dem Versprechen, „daß der König von Preußen noch heute Brot und Branntwein senden werde". Die Sendung blieb aber aus. Daraus ließ Hohenlohe am Morgen vor der Schlacht auf seine Kosten sieben Fässer Branntwein beschaffen und an die sächsischen Truppen verteilen. (Bericht des Majors von der Marwitz, S. 163.) Der Fürst lies; bei dieser Sendung den Truppen sagen, „er wünsche aufrichtig, daß sie an diesem Tage sich in etwas wenigstens erholen und stärken sollten". (Klopfleisch, Die Schlacht bei Jena, S. 68.)
2. Am Tage vor der Schlacht reitet Fiirst Hohenlohe die Aufstellung der Preußen ab und fragt die einzelnen Truppen, ob sie Brot, Fleisch und Branntwein in genügender Menge erhalten hätten, (v. d. Marwitz, ebenda, .S. '162.)
3. In einem Briefe über die Schlacht bei Jena (abgedruckt in „Neue Feuerbrände", Amsterdam u. Cölln 1807, .V, 5) wird als besonders tadelnswert an der preußischen Heeresverpflegung hervorgehoben: „Im Hauptquartier des Königs hatten die Bürger kein Brot, die Soldaten keinen Branntwein". Es ist überaus charakteristisch, daß gerade dieser Umstand den „Neuen Feuerbränden" — einem im übrigen gehässigen und mit Vorsicht zu verwertenden Journal — als tadelnswert erscheint. Die Wahrheit dieser Angabe wird übrigens durch zahlreiche andere Angaben aus jener Zeit bestätigt.
4. Ebenda heißt es: Nach der Nachricht von der Niederlage bei Saatfeld „erwartete man den Branntwein, den der König hatte verschreiben lassen, mit Aengstlichkeit und Begierde. Vielleicht hätte er doch noch Mut gegeben".
5. In demselben Journal (X, 143, vom Jahre 1808) wird getadelt, daß das Kommissariat der Hauptarmee mit der Firma Krelinger u. Co. im Jahre 1806 eiueu Lieferungsvertrag abgeschlossen habe, bei welchem der Branntwein viel zu hoch bezahlt tvorden sei. Der Vertrag betraf „30 000 Quart Branntwein, gleichviel ob Franz oder Korn, ohne besondere Bestimmung der Stärke". Nicht darum handelt es sich hier für uns, ob der Vorwurf der zu hohen Bezahlung begründet ist, sondern um die Tatsache eines so ungeheuren Verbrauchs von Branntwein in der Armee von 1806.
Es scheint, daß der Branntwein damals zu den unbedingt erforderlichen Teilen der Heeresverpflegung gerechnet wurde. Gewiß werden Kenner des damaligen Ber- pflegungswesens diese gelegentlichen Funde mit reicherem Materiale bestätigen und ergänzen können.
Uebrigens scheint es im französischen Heere damals nicht anders gehalten worden zu sein. Zwar sind die Truppen in erster Linie auf Wein erpicht — bei der Herkunft der Soldaten aus dem weinreichen Frankreich eine ganz natürliche Erscheinung — und die Weinkeller der Jenaer Bürger sind in den Oktobertagen 1806 von den plündernden Franzosen gründlich ausgeräumt worden. Auch die französischen Offiziere haben — darin stimmen alle Berichte von Jenaer Augenzeugen aus jenen Tagen überein — ganz ungeheure Quantitäteu Wein gefordert und verbraucht. Aber daneben spielt auch der Schnaps eine große Rolle. Dafür ein charakteristisches Beispiel:
Am Tage vor der großen Schlacht zog ein Haufe plündernder irregulärer französischer Truppen, die sogenannte „Löffelgarde", in Jena ein. Jener Befehlshaber forderte von dem Magistrat sofort: 50 000 Rationen Brot, 50 000 Rationen Fleisch, 10 000 Rationen Fourage und 400 Eimer Branntwein. (Bericht der Steuerkommission zu Jena an die Weimarische Regierung vom 12. 9. 1807.)
Endlich sei noch aus dem mehrfach genannten Bericht des Adjitanten v. d. Marwitz über die Schlacht bei Jena die Stelle angezogen (S. 93), wonach die französische Reiterei zum Teil betrunken in die Reihen der Preußen hineingesprengt sei.
Oktober!
Von Richard Staben.
Nachdruck verboten..
Tas Oktobcrfest.
„ Der 12. Oktober ist für die Bewohner der bayerischen Hanpt- Itadt eine Art nationaler Festtag, durch welchen die Erinnerung an die am 12. Oktober 1810 erfolgte Vermählung Ludwigs I. mit der Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen im Volke lebendig erhalten wird. Wer an jenem Tage nicht zum Wett
rennen und zur Tierschau nach der Theresienwicse pilgert, der wird von dem echten Münchener nicht für voll angesehen.
Auch Andreas Pollinger, ein biederer Metzgermeister, hatte sich mit seinem Freunde Leopold Auracher, einem ebenso biederen Wagnermeister, nach der Theresienwicse auf die Beine gemacht.
„Was meinst, Andres", meinte der letztere unterwegs. „Machst du dir denn viel aus dem Wettrennen?"
„Aber na", protestierte Pollinger mit einer wegwerfenden' Geberde, „daß ein Pferd schneller laufen kann wie des andere, hab t eh schon g'wußt. A paar Maß sein mer lieber. Bist du denn narrisch ans die Tierschau?"
„Feit si nix", lachte Auracher und schütteie eine Prise Schmalz- ler ans der Glasflasche ans seinen Handrücken._ „Ein Ochs ist halt dicker wie der andere, das hab ich schon in der Schul' derfahren. Bei einer Maß in Ruh' sitzen, döh is auch mein G'schmack."
„Na alsdann", entschied Pollinger, „also rein in die Löwcu- bräu-Gezelten, in denen gibts immer 's meiste G'spaß."
Und wirklich — es gab gar mannigfaches „G'spaß" int Löwenbräuzelt. Der Stoff war von unheinüicher Güte und die Weißwürste schmeckten tadellos. Es dauerte nur kurze Zeit, da war auch schon Stimmung unter den Gästen. Um sie noch zu erhöhen, wurde an einem Tisch das schöne Liedchen angestimmt:
Mir san net von Pasing,
Mir san net von Somit, Mir san ja in Münka Am Platzl dahoam.
Die bierfeuchten Kehlen am Nebentisch antworteien prompt: So lang der alte Peter
Am Petersplatz noch steht nsw.
So lang stirbt die Gemütlichkeit In Münka nimm« aus.
So ging der Singsang herüber nnd hinüber und dabei wurde ein Maßkrug um den andern „geschwenkt". Das Meisterpaar war im Anfeuchten der edleren inneren Organe auch nicht faul, sodaß der Nachhauseweg in etwas schwankender Haltung angetreten wurde.
„'s ist doch was Schönes um unser Oktoberfest", erklärte Pollinger, als sie die innere Stadt wieder erreicht hatten, „'s hebt dem Volke seine Ideale und was es der Landwirtschaft für Nutzen bringt, — das is gar nit auszudenken."
„Die Menschheit sollt' wirklich zufrieden fein", pflichtete ihm Auracher bei, „von der Thercsienwies' wird kein Mensch unbefriedigt nach Hause gehen. Und dann die Verpflegung . . für sein Geld kriegt ma reinzu alles. Nur eins, was i noch wissen möcht!" , .
„Na, heraus damit", ermutigte ihn Pollinger und blinzelte ihm verständnisinnig zn. ,
„Wissen möcht i also, ob heute 's Hosbräu auch die KwalitcH haben wird, wie's Löwenbräu", erklärte Auracher.
„Den Wissensdurst 'hält' ich gleichfalls", stimmte Pollinger freudig bei, faßte seinen Frennd unter und beide verschwanden in der Richtung nach dem „Platzl" . . .
Der Hamsterbau.
Die Ernte war sehr reichlich gewesen. Schon in den ersten Tagen des Monats hatte sich ein schwarzer Hamster, wohl der Aelteste der Gegend, seine Winierresidenz eingerichtet: eine große Wohnkammer und daneben die Vorratskammer. Die war reichlich gefüllt mit Getreide, Leinsamen, Bohnen, Erbsen, — es ivar Alles da! Noch einmal strich der Hamster über das Feld unb füllte noch einmal seine Backentaschen. Ein. scharfer Wind strich aus bent Norden, es lag schon wie Schnee in der Lust.
„Brr, 's riecht schon nach Winter," fmtrtte der Hamster, „’S wird Zeit, daß ich mich in meine Residenz zurückziehe. Die dummen Menschen können ja zusehen, wie sie sich durch diese heillose Winterkälte schlagen, ich bin klug und krauche jetzt schon in die warme Stube," — damit fuhr er in seinen Ban, verstopfte die Röhren unb streckte sich gemächlich hin zum Winterschlafe. Glücklicher Hamster 1 _________
Schlechte „Stimmung" — „verstimmter" Magen.
Von Dr. Otto Gotthilf.
Immer klarer erkennt und beweist die Wissenschaft die schon längst gefühlte Abhängigkeit des körperlichen Befindens vom getsti- gen Wohl und Wehe. Besonders der Nervenapparat des Magens, also der ganze Verdanungsvorgang, unterliegt in hohem Maße! der Einwirkung von Gemütsbewegnngen, von Affekten jeher Art.
Wer trocken Brot mit Lnst genießt, Dem wird es gut bekommen;
Wer Sorgen hat und Braten ißt, Dem luirb das Mahl nicht frommen.
Ost wird ganz plötzlich die Lust zum Essen, der Appetit, durch psychische Einflüsse geändert. Es gibt Menschen, die sich mit gutem Appetit zu Tisch setzen, aloc denselben sofort verlieren, wenn sie sich über irgend etwas ärgern und daun auch wirklich nichts mehr essen können. Es gibt Menschen, die „vor Aerger odev Wut „Teilten Bissen hinunterbringen" können, und es gibt solche,


