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rischen Nöten wird er wohl auch da nicht immer auf Rosen gewandelt sein."
„Du glaubst doch nicht etwa, daß der Barnewitz Geld'— du, das wäre schauderhaft! Sag mal, Leuchen, du mußt das doch wissen, da unten passierte ja das Malheur!"
„Pfui, Alfons! Sei nicht boshaft. Hoffentlich werden sie sehr glücklich werden. Kein Mensch hat ihm zugeredet oder die Heirat in einem falschen, lockenden Lichte gezeigt. Guy ist ein Mensch, der weiß, was er will, und tut, was er will. Luise war danials den ganzen Winter mit Rovettas zusammen. Erst in Neapel und Nom, im Frühjahr in Stresa. Sie hatte sie einige Jahre vorher in Sankt Moritz kennen gelernt und sich ihnen herzlicher angeschlossen, als es sonst ihre Art ist. Vielleicht weil die Rovettas Ausländer waren. Auch sind beide scharmant, voll Güte und Freundlichkeit und, da sie ganz allein sind, ein kinderloses, älteres Ehepaar, leicht geneigt, jemand entgegenzukommen. Das wird auf Luise gewirkt haben. Sie mag lange nicht mehr erlebt haben, daß man sich um sie bemühte. Und so nahm sie die Einladung au, mit ihnen einen Winter in Italien zu verbringen. Sie war ja unabhängig und konnte tun, was ihr beliebte. Als sie daun nach Stresa kamen, war es natürlich, daß wir sie bei uns sahen, denn mit Rovettas sind wir seit Jahren um diese Zeit immer zusammen. Unsere Villen sind kaum eine Stunde von einander entfernt. So kam es, daß sie sich begegneten, als Guy bei uns war. Er war etwas nervös damals und wollte ein bißchen ausspanuen. Als er von Mailand herüberkam, sah er schlecht aus und war sehr verstimmt. Es war gerade, als Della Brandt in der Scala ihr Debüt feierte."
„Della?"
„Adele Brandt?"
Fast gleichzeitig riefen es beide Brüder aus.
„Ja! Delta hatte mir versprochen, auch nach Paltanza zu kommen, sie mußte aber dann plötzlich abreisen. Weil man nach dem unerhörten Erfolge sie nach Nizza einlud, um dort vor der Königin von England zu fingen. Guy batte sie vor seiner Abreise noch gesprochen. Er war zwei Tage länger in Mailand geblieben als ich."
„So?"
„Ja, und was sagte er denn?"
„Wenig! Eigentlich nichts. Ihr wißt wohl, viel Reden ist nicht seine Gewohnheit. In Pallanza und Stresa sprach man aber viel von Dellas Triumphen, und besonders der Vicomte bedauerte, daß sie nicht zu uns gekommen war. Er hätte die „Diva", wie er immer sagte, zu gern persönlich kennen gelernt."
„Und Luise?"
„Sie verriet wenig Interesse. Ich bitte euch, für die gehört eine Sängerin doch nur einer untergeordneten Gesellschaftsklasse an. Menschen zweiter oder dritter Ordnung."
„Das aber kann sie mit Guido doch nicht zusauuuen- geführt haben?"
„Chi lo sa?"
„Sehr erbaut schien er auch nicht von diesen Künstlerkreisen. Er sprach ziemlich wegwerfend von jener Welt, der sie nun angehören würde. Im ganzen aber war er schweigsam, und dann nach vierzehn Tagen ungefähr überraschten sie uns mit der Verlobung."
„Merkwürdig I"
„Und wie waren sie miteinander?"
„Ungefähr so, wie ihr sie heute gesehen habt. Feierlich, in vollendetster Lebensform. Aber kühl ..."
„Kühl bis ans Herz hinan . . . puh, mir schaudert," tief Alfons aus
(Fortsetzung folgt.)
Wie der Kaiser spricht.
Läßt man die Gestalten aller Herrscher der Weltgeschichte an seinem Auge vorüberziehen, so wäre bis auf den heutigen Tag keiner unter ihnen zu finden, der so häufig wie Kaiser Wilhelm II. die Macht des Wortes bei jedem ihm aehörig erscheinenden Anlasse dazu benutzt hätte, den Ge
danken Ausdruck zu geben, die ihn bewegen, und seine Stellung klarzulegen zu den Fragen, die unsere Zeit er- füUen. Und man weiß, daß es kaum irgend ein Gebiet der Betätigung menschlicher Kräfte gibt, das nicht des Kaisers' Interesse erregte, und zu dem er nicht Stellung genommen hätte.
Die Reden des Kaisers lassen sich schon zu stattlichen Bänden vereinigen, und viele sind darunter, die, sobald sie ins Land drangen, die lebhaftesten Kommentare hervor- riefen und den Widerstreit der Meinungen, die Gegensätze der Parteien schärfer als sonst zutage treten ließen. Eine kritische Würdigung der Persönlichkeit Kaiser Wilhelms II. zu bieten, tote sie sich in seinen Reden gekennzeichnet, und znmal der Wandlungen, die seine Anschauungen, wie die eines jeden mit der Zeit fortschreitenden Mannes, erfahren haben, — das ist nicht der Zweck dieser Zeilen. Hier soll vielmehr nur einnial in Umrissen zu schildern versucht werden, wie die rednerischen Manifestationen des Kaisers sozusagen rein technisch zustande kommen und in die Welt -Hinaustreten.
Der Kaiser spricht gut, — das weiß jeder, der ihn hörte. Er besitzt die Fähigkeiten des geborenen Redners: ein ohne Aufwand der Stimme weithin vernehmbares Organ, die Gabe, Ton und Akzent dem Anlasse und der Hörerschaft anzupassen, und das Talent, mühelos zu improvisieren. Der Kaiser spricht auch bei laugen Reden jeden Satz fließend durch. Danu macht er meist eine Pause, uicht etwa um den' Faden wieder zu gewinnen, der ihm nie entfällt, sondern um das Gesprochene wirken zu lassen. Er verbessert sich fast nie, findet mit Sicherheit das treffende Wort, und die Beispiele sind selten, daß er selbst bei wichtigen politischen Anlässen ein geschriebenes Konzept benutzt. Der Schwung feiner bisweilen bis zum Pathos gesteigerten Redeweise hat oft gerade diejenigen seiner Ansprachen als Eingeburtgen des Augenblicks erscheinen lassen, wie z. B. die bedeutungsvolle Aachener Rede, die das Produkt langer Vorberatungen und immer wiederholten Gedankenaustausches zwischen dem Monarchen und seinen Staatsmännern gewesen waren. In vielen Fällen, wo der oberste verantwortliche Beamte des Reiches nachher im Parlamente erklärte, daß er die verfassungsmäßige Verantwortung für Aenßernngen des Kaisers übernehme, und wo mau meinte, diese Erklärung käme ein wenig post festum, waren die Ratgeber der Krone an der Feststellung des Wortlautes der Kaiserrede vorher aktiv beteiligt gewesen.
Es ist ja ein allbeliebtes Schlagwort, das bald das Jubiläum 20jährigen Bestehens feiern könnte, von der „impulsiven Natur" des Kaisers zu sprechen. Die Wenigsten wissen eben, wie sehr dem Kaiser die Gabe zu eigen ist, feine ganze Denkkraft jeweilig auf den Gegenstand ein» zuschränken, der ihn beschäftigt. Man hat den Kaiser Napoleon einen „Stnndensparer" genannt, — man könnte den gleichen Ausdruck auf Wilhelm II. anwenden, der bei den Grenzen, die den Kräften des Menschen gezogen sind, gewiß außer stände wäre, ein so ungeheuer weites Feld der Tätigkeit zu bewältigen, ohne ein genau festgesetztes und innegehaltenes Tagesprogramm und die Konzentration auf jede einzelne Nummer dieses Programms. So erfüllt der Kaiser, wenn er öffentlich spricht, den Gegenstand seiner Rede so ausschließlich, daß deren wohlvorbereiteter Text lebendig genug aus feinem Munde dringt, um ebensosehr den Eindruck einer Eingebung des Augenblicks zu erwecken, wie wenn der Kaiser in Wirklichkeit spontan und ohne Präparation zum Worte greift.
Ganz verschieden klingt die Tonart des Kaisers, je nachdem er zu seinen Offizieren bei der Kritik ober im geselligen Zusammensein spricht, ob er einen fremden Souverän an der Galatafel im königlichen Schloß willkommen heißt, ob' er in der Thronrede den gesetzgebenden Körperschaften die Richtschnur seiner Politik darlegt — oder ob er an Bord eines Schiffes dessen Besatzung nach seemännischem Brauche das Wort Gottes mitteilt. Der Stimmklang des Kaisers hat, seiner Erziehung gemäß, etwas vom militärischen Kommandoton an sich. Jede einzelne Silbe kommt klar und scharf artikuliert heraus, und es ist natürlich, daß da, wo der Kaiser als oberster Kriegsherr spricht, diese Färb- uug feiner Sprechart am meisten hervortritt.
, Bei den Begegnungen mit fremden Fürsten kommt der Kaiser oft in die Lage, sich einer ausländischen Sprache zu bedienen. Daß er die englische wie ein Engländer handhabt, ist kein Wunder, da seine Mutter, die Kaiserin


