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aufzuweisen hat, so fließt trotzdem wirklich in beider Adern ein Tropfen gleichen Blutes. Um dessen Ursprung zü entdecken, muß man allerdings um eine ganze Reihe vergangener Generationen heraufsteigen. Und dann kommt man zu dem überraschenden Resultat, daß es das Hohenzollern- haus ist, das diese Verwandtschaft zwischen SUfons „XIII. und Ena von Battenberg vermittelt. Die Mutter des Königs Alfons, die Königin Marie Christine, ist eine Tochter des Erzherzogs Karl Ferdinand von Oesterreich und der Erzherzogin Elisabeth von Oesterreich. Die Eltern der letzteren waren der Erherzog Josef, Palatin von Ungarn, und dre Prinzessin Maria Dorothea von Württemberg. Und diese württembergische Prinzessin hatte zu Großeltern den Herzog Friedrich «Eugen von Württemberg und die Prinzessin Friederike von Brandenburg-Schwedt. Hier finden wir also eine Abstammung des Königs Alfons an§ dem Hause Brandenburg-Preußen, — die erloschenen Markgrafen von Brandenburg-Schwedt waren bekanntlich Abkömmlinge eines Sohnes zweiter Ehe des Großen Kurfürsten. — Um nun auch bei der Prinzessin Ena einen hohenzollernschen Ahn- herrn sestz,ustellen, müssen wir weiter zurückgreifen. Ihr Großvater, Prinz Alexander von Hessen, der durch seine morganatische Heirat mit der Gräfin Julie Hauke die Familie Battenberg begründete,, war ein Sohn des Großherzogs Ludwig II. von Hessen. Dessen Vorfahren waren: Großherzog Ludwig I. (Vater), Landgraf Ludwig IX. (Großvater) und Landgraf Ludwig VIII. (Urgroßvater). Die Eltern des Letztgenannten aber waren: der La ndgrafErnstLudwrgvvnHessen - Darmstadt, der von 1661—1705 lebte, und die Prinzessin Dorothee Charlotte von Brandenburg-Ansbach. Hier haben wir den Tropfen Zollernblutes bei der Prinzessin Ena. Es fragt sich nun, wer der gemeinsame Stammvater dieser beiden Fürstenkinder gewesen ist. Und die Antwort lautet: Kurfürst Johann Georg, der von 1571—1598 in Brandenburg regierte, und dessen Standbild in der Siegesallee jeder Berliner kennt.
* Redeblüten aus belgischen Gerichtssälen hat ein Brüsseler Blatt gesanimelt. Einige der hübschesten dieser Proben forensischer Beredsamkeit seien hier wiedergegeben : „Mein Gegner reitet immer noch auf seiner Wiese, ich aber stelle mich nach wie vor aus den Boden meines Kontraktes und bleibe ruhig darauf sitzen." — „Es ist nicht immer gesagt, daß ein Gentleman sich seiner Eltern schämen muß; man kann sich ja schließlich seine Väter nicht aussuchen." — „Ein Onkel kann immerhin ein sehr- nützliches Familienglied sein, aber der Onkel, den wir hier haben, ist, wenn ich auch noch so vorsichtig urteile, aus Gemeinem gemacht." — „Die Tochter war allein zu Hause mit ihrem Vater, der immer abwesend war." — Jetzt, wo der Rosentopf endlich entdeckt, will jeder, auch der Herr Staatsanwalt, die Finger hineinstecken und daran lecken." — „Der Brief, den ich hier habe, hat fast die Bedeutung von etwas Schriftlichem." — „Es verdient hoch hervorgehoben zu werden, daß die Witwe schon einige Tage vor dem Tode ihres Gatten gestorben war."— „Ein Mensch, der einen Rechtsanwalt aufsucht, muß nicht unter- allen Umständen ein Verbrecher sein; es gibt Nechtscm- wälte, die and) mit anständigen Menschen verkehren." — „Beim Abschied drückte er ihm noch die Hand und sagte: „Auf Wiedersehen, lieber Freund; mir sehen uns niemals wieder." — „Im Augenblicke seines Todes hatte der Verstorbene, wie die Äerzte konstatierten, nur noch einige Tage zu leben." — „Man bezichtigt mich hier gewissermaßen, daß ich eine Bombe fabriziert habe, um den Sachverständigen Pulver in die Augen zu streuen." — „Der Gerichtsarzt wurde plötzlich zum Untersuchungsrichter gerufen, um bei ihm einen Fall von Verrücktheit git konstatieren." — „Sie wissen ganz gut, daß auf unseren Kirchhöfen kein Toter beerdigt wird, wenn er nicht den Totenschein vorzeigen kann. Lebende werden überhaupt nick)t beerdigt; damit fällt der Staatsanwalt und alles, was er hier vorgebracht hat, in sich zusammen."
LiterarSscheS.
— Ein seltener Reichtum an Gedanken ist in dem v. Lipperheideschen „Spruchwörterbuch", zusammengetragen worden. Einige der am meisten bet» tretnen Themen wählen wir hier aus und setzen dazu die Anzahl der gebotenen Sprüche der hervorragendsten Dichter und Denker aus aller Zeit und- Welt; Alt — Alter 148; Arbeit — Arbeitskraft 135; Deutsch — Deutschland 219; Dichten — Dichtwerk 188; Ehe — Ehescheidung 146; Frau — Frauenzunge 381; Frei — freisinnig 231; Freude — freuen 139; Freund — Freundschaft 312; Geld — Geldheirat 136. Bei einer so außerordentlichen Reichhaltigkeit wird das Werk mit einer seltenen Gründlichkeit und Wissenschaftlichkeit durchgeführt.
— Das Juniheft der Neuen Rundschau (Berlin, S. Fischer, Verlag) wird durch einen Essai des Begründers modernen kunstgewerblichen Aufschwungs, Prof. Henry vande Velde cingeleiret, der die Prinzipien des „Neuen Stils" ausführlich und geistvoll darlegt. Dem verstorbenen Dichter und Gelehrten Eduard Grisebach widmet Max Liebermann einige Seiten der Erinnerung. Der Sohn von Georg He rw-egh publiziert die Briefe, die sein Vater und seine Mntter üt der Brautzeit gewechselt haben, eine vormärzliche schöne Romantik. Aus dem Nachlaß des Japankenners Lafcadio Hearn wird eine amüsante Skizze gebracht, die allerhand japanische Gespenstersagen in halbnovellistischer Form verarbeitet. Professor Max Ber- worn in Göttingen gibt eine Studie über die Mechanik des Geistes, die den Organismus des arbeitenden Gehirns klarlegt. Alfred Kerr schreibt über das neue Stück von Bernard Shaw „Cäsar und Cleopatra". Zwei größere Novellen, die eine von Jensen, die andere von Michel, behandeln exotische Liebesabenteuer: jener in Spanien, dieser im Balkan. Sechs kleinere Essais über aktuelle Ereignisse schließen das Heft.
— Die bei der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart erscheinende Illustrierte Volksausgabe von Schillers Werken darf man als ein wertvolles Hilfsmittel zur tieferen Erfassung der Poesie unseres edelsten und nationalsten Dichters dem deutschen Hause warm empfehlen. Die Lieferungen 41—46, mit denen der 3. Band vollständig vorliegt, enthalten den Schluß des Lustspiels „Der Neffe als Onkel", Raeines „Phädra", den Nachlaß, umfassend die Entwürfe zu „Warbeck", „Die Maltheser", „Die Kinder des Hauses" und „Demetrius"; daran reihen sich die novellistischen Prosaschriften „Der Verbrecher aus verlorener Ehre", „Spiel des Schicksals" und „Der Geisterseher". Unter den Künstlern, deren Schöpfungen diese Werke begleiten, sind I. Matter, C. Hammer, Fr. Pocht, C. Gehrts, E. Piloty und E. Roeber zu neunen.
— Dreßlers Kun stjahrbuch 1906. Ein Nachschlagebuch. Leipzig, E. Haberland. Der vorliegende, geschmackvoll ausgestattete Band bereichert die Knnstliteratur um ein wertvolles Nachschlagebuch. Außer den Biographien von Künstlern enthält das Buch alle sonstigen Nachrichten über Künstlergemeinschaften, Lehrstätteu und Museen; ferner die den Künstler angehenden Gesetze, ein Verzeichnis der Ausstellungen und Knustfalons, der Zeitschriften und Verleger, der graphischen Anstalten und Knnstwerkstätten, sowie endlich als Anhang die Ku n stau ktimrshäuser und Spediteure.
Bilderrätsel.
Nachdruck verboten.
Auflösung in nächster Nummer.
Auslosung des Logogriphs in voriger Nummer; Bild, Wild.
Redaktion: Ernst Hetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'Ichen Universtläts-Buch- und Steiudruckerei, R. Lange, Gieße«.


