327
Hinübergewvrfen, der mich dazu verführt, jetzt das Wort zu ergreifen, obgleich ich gar nicht dazu gefaßt bin.
Seit ich die große Ehre habe, Mitglied dieses hohen Hauses zu sein, habe ich manchmal darüber nachgedacht, was wohl die Kunst im Staatshaushalt für eine Aufgabe haben könne, und Wie sie hier auch ihr Scherflein beitragen könne zum guten Gedeihen des Allgemeinen. Es ist gar nicht leicht, dies Zu finden, und ich weiß ja, wie es sich im Staatshaushalt um sachliche, nüchterne Erwägungen handelt, und so ist es schwer, für die Kunst, die sich doch ganz auf einer Gefühlswelt, auf einer Borstellungswelt aufbaut, hier eine Verbindungsbrücke zu finden. Man könnte mir auch leicht den Vorwurf machen: Kunst ist Privatsache. Dankbar bin ich daher dem Herrn Berichterstatter für seinen freundlichen Wink, wo vielleicht auch die Kunst in Wirksamkeit treten könnte, um mit einiger Berechtigung am Staatsleben teilzunehmen.
Die Kunst dürfte im Staate berufen sein zum Schutze für die vorhandenen Schönheiten unseres Landes wie auch zur Mehrung derselben, indem sie Natur- und Kunstdenkmäler in ihrem Bestände zu erhalten sucht — daß sie auf das Schöne hinweist und es nicht geschädigt wissen will, Ido dies nicht durch eine Notwendigkeit bedingt ist; in solchen Dingen darf anch die Kunst mitreden.
Da jetzt von dem Walde die Rede ist Und dabei auch seiner Schönheit gedacht worden ist, so will ich gern feststellen, daß zwischen Forstbeamten und Künstlern von jeher das beste Einvernehmen herrscht. Der Künstler wird als das konservativere Element über das, was am Walde schön ist, wohl manchmal in Meinungsverschiedenheit mit dem Forstmann geraten — aber das schadet nichts — beide sind große Naturfreunde, und die Verständigung ist auf diesem großen Boden dann wieder leicht.
Der Wald war für uns Deutsche von jeher auch ein ideales Gut, und wieviel geheimnisvoll schöne Poesie entströmt ihm! Unsere Voreltern haben einst in den Urwäldern gewohnt — dadurch sitzt uns Deutschen die Liebe zum Walde tief in der Seel«. Daß er einträglich ist, eine melkende Kuh, das- ist ja umso besser — aber es soll nicht der einzige Standpunkt sein, den wir diesem Nationalgut gegenüber einnehmen, er sei eine Stätte des Genusses, der Erholung für jung und alt.
Sodann möchte ich noch etwas vorbringen; ich fühle mich sozusagen anch üls Anwalt unserer Waldeskünstler, der Singvögel, die nicht nur poetisch schwärmen und musizieren, sondern auch gegen das schädliche Gewürm in Wald und Feld und eine gute Schutztruppe sind. Die Singvögel haben sich in einer Petition an mich gewandt — tote sie erfahren haben, daß ich Mitglied der ersten Kammer bin, weiß ich nicht —, auch einige Raubvögel haben mit- unterschricben, und weil sie so schön sind, möchte ich auch für sie ein gutes Wort einlegen, daß man sie nicht so unbedingt ausrotten möchte; ich denke, der Haushalt der Natur ist doch wohl noch komplizierter als der Haushalt des Staates, und wer will so genau wissen, ob nicht an: Ende auch diese Räuber eine Aufgabe zu erfüllen haben?
So wäre es wohl möglich, auch ein wenig an die gewohnten Niststätten der Vögel zu denken. Da dürften die Forstverwaltungen und auch Gemeindebehörden sich daran erinnern, daß bie Sänger gern an den Wasserbächen wohnen, und daß das unbarmherzige Weghauen des Buschwerkes an den Bächen her, wie es besonders im Schwarzwald durch Jahre hindurch b er übt wurde, vielen Vögeln ihre Brutstätten zerstört.
In diesen kleineren Gebüschen auf Feld und Heide habe ich in meiner Jugend viele Vogelnester entdeckt — ich habe aber keine ausgenommen — ich weiß, daß die Vögel dort gebrütet haben, und wenn sie singen konnten, sind sie erst in den Hochwald gezogen.
Der Uebergang, der von dem Weidefeld durch dies Vorholz gebildet war, war auch landschaftlich recht schön; jetzt steht der Wald oft da fast feindlich und trotzig, so wie ein Regiment Soldaten. Aber auch das kann schön sein, wenn das Auge sich einmal daran gewöhnt hat — der Wald hat, wie so viele Dinge der Natur, die Macht in sich, unter allen Bedingungen schön zu bleiben — und so will ich schließen, sonst möchte man von mir sagen: Wie kommt der unter die Kritiker?"
Ein Vertreter der badischen Regierung sprach seine vollste Zustimmung zu den Ausführungen Thomas aus und schloß seine Ausführungen mit folgenden Worten: „Wir
betrachten den Wald als ein Kleinod, das wir in sein« Schönheit tunlichst erhalten wollen."
Dis spanische Hochzeit.
Das scheußliche Bombenattentat ließ die Nachrichten über die Hochzeitsfeierlichkeiten selbst so sehr in den Hintergrund treten, daß wir uns zu einem kleinen Nachtrag veranlaßt sehen. Die Kirche Geronimo, ein unscheinbares Gebäude, war zu der Trauung des königlichen Paares ausgesucht worden. Sie hatte eine vollständige Veränderung durchmachen müssen. Der enge Eingang war durch eine breite Treppe erweitert worden. Die Außenseite zeigte herrliche Blumendekoratiouem das Innere prangte int schönsten Schmuck duftender Blüten und frischer Blumen. Gold und Purpur deckte das kleine bescheidene Gebäude, um es der hohen Gesellschaft würdig zu machen, die dort von allen Ländern der Welt erscheinen sollte, um die Ehe des jungen Spanierkönigs zu feiern. Spanien ist ja reich an historischen Trophäen, und diese hatten den Schmuck für die Wände der Kirche geliehen. Ein Lichtnteer von elektrischen Lampen erhellte das Gebäude. Der päpstliche Nuntius und die Kardinale waren ztterst zur Stelle. Sie nahmen in Stühlen Platz, die rechts von dem blumengeschmückten Altäre standen. Langsam füllte sich die Kirche. Tie Eintretenden beugten ehrfurchtsvoll das Knie. Den merkwürdigsten Eindruck bot die Stelle, die den fremden Deputationen znge- wieseu worden war. Da fah man Chinesen und Mauren friedlich neben einander sitzen, als sei Spanien heute noch das Reich, in dem die Sonne niemals untergeht. Der Maure trug wallende weiße Gewänder; der Chinese siel durch eine rote Kappe auf und durch sein reich mit Gold gesticktes Gewand, über das sich ein weiß und blaues Ordensband zog. Alle Gäste strotzten in ordenbedeckten Uniformen und bunten Gewändern. Nur einer der Fremden fiel durch seinen einfachen schwarzen Anzug auf. Es war der Vertreter der Vereinigten Staaten, der Vertreter der Republik, die dem Traume Spaniens voll alter Größe ein so schnelles Ende gemacht hat. In den Sitzen, die den Dauten des Hofes zugewiesen worden waren, blitzte es von Diamanten u n d G o l fr. Wer ahnte, daß es an diesem Tage noch von Pulver und D y n a m i t blitzen sollte. Feierlich zog um 10 Uhr 30 Minuten die Geistlichkeit, unter Vorantragung eines Kreuzes, aus der Kirche, um die königlichen Damen All empfangen. Tie Damen nahmen auf den Stühlen unmittelbar vor den ausländischen Deputationen Platz. Ihnen folgte das englische Kronprinzen- paar. Neben diesem nahm, unmittelbar neben dem Altar, der Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich Platz, der bei dem Zuge zur Kirche von dem Volke eine ganz besonders freudige Begrüßung erfahren hatte. Um 10 Uhr 45 Minuten kündigte die Nationalhymne die Ankunft des jungen Königs an. Er betrat die Kirche unter einem von sechs Priestern getragenen Baldachin. Seine Brust schmückte das gelbe Ordensband der Isabelle der Katholischen. Er trug einen dunkelblauen Uniformrock und weiße Beinkleider. Unmittelbar hinter dem Könige schritt Don Carlos mit dem augenblicklichen Thronerben, einem kleinen Knaben. Der König verbeugte sich vor den königlichen Gästen, beugte sodann sein Knie und bekreuzte sich und nahnt den Staatsstuhl, unmittelbar vor deut Altar, ein. Nach einer halben Stunde kam die Prinzessin au. Sie wurde durch die Klänge der englischen Nationalhymne begrüßt. Auch sie betrat die Kirche unter einem Baldachin, in Begleitung der Mutter des Königs, die ihre Hand fest umschlossen hielt, und gefolgt von ihrer Mutter, der Prinzessin Beatrice. „Ihr (der Braut) Aussehen war mehr süß, als ernst", sagte der Reutersche Korrespondent.
VermrsehtsS.
V o m s p a n i s ch e n K ö n i g s h a n s. Es wäre seltsam,, wenn König Alfons und die 'Prinzessin Ena eine Ausnahme davon bilden sollten, daß alle Mitglieder regierender europäischer Familien (denn die Battenberg sind bekanntlich eine Linie des G r o ß y e r z o g l i ch h e s s i f ch e n Hauses) miteinander verwandt sind. Und wenn Alfons XIII. zu seinen Ahnen die lauge Reihe der mächtigen spanischen Könige zählt, in deren Reiche die Sonne nicht uuterging, und seine Gattin unter ihren Vorfahren einfache deutsche Bürger, Pfarrherren, Schreiber, Kammerdiener u. dergl.


