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ttt dem die notwendigen Kohlenvorräte lagerten. Da hörte er deutlich ihre Stimme. Sic kam von oben. Da war der Kar- tonnagenmaschlinenraum der Schokoladenfabrik, -LN der Decke war eine Oeffnung. Eine rohe Holzleiter führt von hier aus direkt hinauf Er stieg früher zuweilen hinan, um in der Pause mit dem dort beschäftigten Maschinenmeister zu schwatzen. Ganz deutlich hörte er sie reden und kichern, eine Männerstimme dazwischen. Ihn zwingt es auf die Leiter; er weiß nicht wie. Ist es Eifersucht? Er kann sich keine Rechenschaft darüber geben. Er muß hinauf. Behutsam steckte er den Kopf durch die finstere Oeffnung. Da sieht er die schwarze Jule lachend im Arme des Maschinenmeisters. Es geht wie ein Stich durch seine Brust. Aber er hat gar nicht Zeit, sich lange zu,kränken.
Seine Augen weiten sich, der Mund steht offen, als wollte er schreien; doch kein Ton kommt heraus. Er sieht, »me die schweren, eisernen Walzen dort das Kleid des schäkeriiden Mädchens erfassen. Sie gehen langsam, aber was sie zwischen sich haben, lassen sie nicht mehr los. Sie werden das Mädchen eisern an sich heranziehen, und dann erfaßt sie das lederne Riemenwerk der Transmission und... , ,
Ein zweifacher Schrei ertönt wie aus erneut Munde. Machend bricht eine Sprosse der Leiter. Qnasimodo hat sie gewandt und fliegt, auf sich nicht mehr achtend, die Leiter hinab. Er stürzt zur Erde, aber mit Windeseile ist er wieder auf den Beinen und wirft sich, sinnlos vor Angst um das Mädchen, dessen gellender Hilferuf noch einmal sein Ohr trifft, zwischen Treibriemen und Schwungrad von hinten gegen die Welle. Was er wollte, hat er erreicht; der Riemen gleitet auf die lose Scheibe, und oben steht die Welle mit ihren Rädern und Walzen still. Ihn aber hat das Schwungrad ergriffen und nach mehrmaligem Umherschleudern auf den Boden geworfen, wo er als formlose Masse liegen bleibt.
Ich stand bei ihm, als er auf schnell hergerichtetem Lager für kurze Zeit zum Bewußtsein znrückkehrte.
„Lebt sie?" war seine erste Frage.
Sie war mit dem Schrecken und einigen Hautabschürfungen ■ chavougekommen. Seine Augen in dem verquollenen Gesicht glänzten auf.
„Ich sagte es ja, der liebe Gott weiß schott, warum. Ich war für sie bestimmt", murmelte er. Fünf Minuten später war er tot.
Qnasimodo hat recht gehabt: Er war für sie bestimmt gewesen. Gott wird gewußt haben, warum. In feiner Tasche fand man eine Handvoll vertrockneter Blätter, bie von einer weißen Rose zu stammen schienen. Er hatte, sie bei sich getragen bis zuletzt. ______________
Geschmack und Farbe der Eier.
Zu dem eisernen Bestand des Volksaderglaubens gehört die Ansicht daß braunschalige Eier besser schmecken als weißschalige. Dieser Irrtum ist ganz allgemein verbreitet, nicht etwa nur bei einfachen Leuten, und sollte aus mehr als einem Grund endlich nackdrücklich bekämpft werden. Einmal würde dadurch die dumme, aber von Geschäftsklugheit eingegebcne Gewohnheit der Händler aufhören, die Eier mit Kaffeeaufguß bräunlich zu färben, und, was noch wichtiger ist, würde man auch nicht länger den russischen Eiern, die sich häufig durch braune Schale auszeichnen, vor dem inländischen Erzeugnis den Vorzug geben, obgleich sie keineswegs besser, sondern eher schlechter schmecken, lieber Farbe und Geschmack der Hühnereier wird eine weitere Belehrung durch einen Aussatz von Schiller-Tietz in den Blättern für Gesundheitspflege gegeben. Es wird darin zunächst an die alte Ueberlieserüng erinnert, daß die Bewohner der Insel Delos schon vor zwei Jahrtausenden eine großartige Hühnerzucht betrieben und nach dem Bericht von Cicero bei jedem Ei genau angeben konnten, von welcher Henne es gelegt war. Diese Geschichte ist durchaus nicht unglaublich, Weil die alte Redensart von der Aehnlichkcit der Eier eigentlich garnicht berechtigt ist. Rur für die Eier einnndderselben Henne trifft sie zuweilen zu, nicht aber für die Eier verschiedener Hcunen oder gar die von verschiedenen Hühnerrassen. Sogar bei derselben Henne ist Größe, Gewicht, Form und Farbe der Eier nach dem Alter des Tieres, nach der Legezeit, nach Haltung und Fütterung sehr verschieden. Um einige Rassen zu nennen, so legt die Urahne aller Hühner, das indische Bantivahuhn, ebenso wie alle anderen asiatischen Rassen, Eier von dunkler Schale, die mitunter sogar noch Punkte ausweisen. Die Eier des Cochinchinahuhnes sind hell- bis dunkelgelb mit feinen rotbraunen Punkten nsw. Die europäischen Hühner- rassen dagegen legen sämtlich ganz Helle oder weiße Eier. Eigentlich müßte den weißen Eiern der Vorzug gegeben werden, denn sie sind ebenso nahrhaft und wohlfchmeckend wie die farbigen, dabei aber im Durchschnitt größer, was gewiß von Wichtigkeit ist, so lange die Eier noch nieist nach der Zahl und nicht nach dem Gewicht verkauft werden. Was den Geschmack der Hühnereier betrifft, so ist er beim Eiweiß immer derselbe, vorausgesetzt, daß die Legehühner gesund und wohlgenährt sind. Die eigentliche Verschiedenheit des Geschmacks wird durch den Eidotter bedingt, und hier hat allerdings die Schätzung nach der Farbe eine Berechtigung. Die Farbe des DotterS ist sehr verschieden, von einem ganz blassen Gelb bis zum rötlichen Orange. Es wird allgemeill anerkauut, daß die Eier mit dunkel gefärbtem Dotter erheblich besser schmecken. Die Entstehnng der Unterschiede beruht lediglich auf der Haltung und Fütterung der Hühner. Wenn diese sich ganz unbeschränkt bewegen können, so wird der Dotter ihrer Geier die
Rsmeurätsel.
Nachdruck verboten.
Nmanda - Elsride - Engeuie — Elisabeth - Helene - Paula.
Man ordne die vorstehenden Mädchennamen derart, daß der erste Buchstabe des ersten Namens, der ^itebes zweiten, dritte des dritten u. s. w. wiederum einen Mädchennamen e g
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Versteck-Rätsels in voriger Nummer;
Spare in der Zeit, so hast du in der Not.
gewünschte tiefere Farbe haben, wie sie sich auch bei den Eiern allen wild- lebenden Vögel findet. Der Grund liegt darin, daß die freilebenden Hühner zu ihrer pflanzlichen Ernährung einen genügenden Znsatz von tierischen Stossen in Gestalt von Würmern und Insekten zn sich zu nehmen; Hühner dagegen, die in engen Höfen oder gar in Häusern eingesperrt und auf daS ihnen zugewvrfene Futter angewiesen sind, werden Eier mit hellem Dotter lenen das mit einem zutreffenden Ausdruck als Kennzeichen einer „Bleich« sucht'der Hühnereier" benannt worden ist. Diese Bezeichnung trifft um so mehr zu als der Farbstoff der Hühnereier eine eisenhaltige Verbindung ist, wie sie mich unferm Blut die Farbe gibt. Uebrigens erklärt sich daraus auch die Zuträglichkeit des Eiergenuffes für bleichsüchtige Personen, und für diese wird es um so mehr darauf ankommen, Eier nut dunklem Dotter zu erhalten. Der Geflügelzüchter sollte also feine Aufmerksamkeit, statt sie auf die Farbe der Eierschalen zu richten, lieber der Färbung der Eidotter zuwenden, weil sie ihm Aufklärung darüber gibt, ob feine Hühner zuträglich gefüttert und gehalten werden.
Vermr-etzSss-
* Die Ehescheidung in China. Den Söhnen deS himmlischen Reiches wird die Ehescheidung im allgemeinen sehr leicht gemacht. Der Franzose Paul d'Enjoy hat sich der Mühe unterzogen, die ziemlich ver- wickelte Ehegesetzgebmig in China zu studieren, und er teilt nim die welmt- lichsten Bestimmungen über die Scheidung nach chinesischem Rechte mit. Der Mann kann seine rechtmäßige Frau verstoßen, ^nn sie ke,ne Äinder hat, sich schlecht beträgt, es an AckiMng gegen die Ellern ihres Mannes fehlen läßt, wegen übler Nachrede, Diebstahl oder Effermcht. Eine geschiedene Fran darf wieder heiraten, sie darf auch bet dem
gegen die Scheidung Berufung einlegen wenn seitens des Mannes e n Mißbrauch der Autorität oder eine Verletzung des Gesetze» vorliegt, u id er kann mit achtzig Hieben bestraft und gezwungen werden, f-me Fran urück unehmen. Eine Scheidung kann auch eintreten wenn der Mann oder die rechtmäßige Frau das Heim verläßt Die r°cht>naß,ge Fran die das eheliche Heim verläßt, begeht em Verbrechen, das mit hundert Hieben bestraft mirtJ In diesem Falle hat der Mann das Recht, sie surückz>mehmen oder sich von ihr scheiden zu lassen, er kann sie auch nach feinem Belieben an einen anderen verheiraten. Die Frau, die aus ihrem ^^n Antriebe nach ihrer Flucht, aber vor ihrer Scheidung heiratet, wird zum Lode durch den Strang verurteilt; dieselbe Strafe trifft auch die Ehebrecherin. Verläßt der Mann das eheliche Heim, fo muß die Frau drei Jahre ohne Nachricht von ihm geblieben fein, ehe sie sich scheiden lassen kann, un z dieser Scheidung muß der Mandarm seine Zustimmung geben. , Dann darf sie wieder heiraten. Verläßt die Frau vor Ablau der drei Jah auch das eheliche Heim, fo erhält sie achtzig H'ebe. und bei einer Wieder Verheiratung hundert Hiebe. Die Scheidung ist obligatonfd) bet Ehebruch fettens der Fran, wenn die Fran ihren Alaun oder der Di mm seine Frau schlägt und schwere Wunden -der ständige Verletzungen w,e Brüche, der Verlust eines Auges oder eines Gliedes die Folgen des Sckflag - f • Es gibt auch Ammte Hindernisse für bie Wibimg J
nicht gelöst werden, wenn die Frau mit dem Manne drei Jahre um ihren oder um ibie Schwiegermutter getrauert ha,
Mann und Fran arm geheiratet haben und Sufa'mnmreichgeworden sm , oder wenn die Fran keine Familie hat, tn bte sie znruckkehren rann.
Humoristisches.
n berRaae. H e r r, zu einem Kaufmann: '-Als" Ihnen ist der Kassierer samt einer Tochter bnrchgebraimt? — Kaus- m a irni' Der Elende I Und dazu auch noch nut ber längsten
Kindlich. Frihl, als ihn Papa J
nimmt! „Papa, haben wir beim auch den Hausschlüssel ^Umschrieben. Sonntagsreiter, als er das Pferd garnicht aus der Stadt brachte, zum Pferbeverleiher: "Geben feie mir niir ein anderes Pferd, der Gaul ist niir zu o alpa r oti ch
Trost Onkel, der seinen studierenden Neffen vesneyr, m dessen Büchern herumkramend: „Na, was ihr^da alles lerneni »u $ da würde ich nichts davon verstehen! — Neffe. „Lrojie > Onkel, ich verstehs ja auch nicht !" , _... @ebic£,te
Boshaft. Kritiker, als ihm em junger Dichter oeomne vorliest, die einschläfernd ivirken: „Sie foüten als Hypnotiseur ^Modern. A.: „Wie, sieben Töchter haben Sie?" -B.: „Ja! Ich sage Ihnen, man koinmt aiis den Verlobungen gar n ch heraus 1"
Redaktion: Ernst Heb. — Rotationsdruck und Verlas der Brßhl'schen Universitäts-Buch- und Skelndruckeret. R. Lana«. Gtebeu.


