Ausgabe 
7.11.1906
 
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Redaktion: Ernst LeK. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Giebel

manchmal allzu deutlich, wie an folgender Stelle:,Und es war mir, da ich nun zum zweitenmal so unterwegs war, als wenn ich dies Land nun schon lange, lange kannte, als wenn ich schon vor langer, langer Zeit, die weit vor wem er Geburt lag, so neben einem Wagen durch solch wildes Land gezogen war und int Wagenschutz geruht und geschlafen hatte. Das sind ja wohl die Erlebnisse der Vorväter, m den Ge­

schlechtern einen langen Schlaf tun, und in dem Kinde, das wieder alte Wege und Stege geführt wird, auftraumend das graue Haupt erheben." . <

Die Vorgeschichte nimmt nur wenige «eiten m Anspruch. Gegenüber der unerschöpflich frischen Beobachtungssulle inden Kinderspielen derDrei Getreuen" und der UlKn und Kreihni und Pe Ontjes und Kai Jaus steht die Kindheit des ^Hlosser- sohites ans Itzehoe kahl da - eme Cmttauschung sur den Leser der früheren Romane, aber eine notwendige Oekonomre, die das ganze Interesse auf das Hauptthema konzentriert

Auch der Schilderung der Seefahrt ist die lebendige An­schaulichkeit der Szeiten an Bord der Godefrvo tnHilllgenlei vore-nthalten. Nur die kurze Landung m Madeira ist mit satten Karben ausgeführt wie neugierige Ktuder tit das Bilderbuch, so blicken die Soldaten in die Wunderwelt hinein. Und tn ihrem Uebcrmut kaufen sie jetzt schoii in den Basaren zusammen, was sie findeii, um es den Lieben in der Heimat mitzubringen, denn wer weiß vielleicht ist der Aufstand, bis sie an das Ziel kommen, längst beendet, und sie betreten das Land ntemals, von dessen Urwäldern, Affenherden und Palmenhainen sie so gern zu Hache erzählen möchten. Von allen diesen Herrlichkeiten träumen sie, bis eines Mittags vor ihnen ein endloser «streifen «anddune aus dem Meere herausragt, mit Häusern und Baracken und Leuchtturm.Da standen alle und staunten und sprachen ihre Meinung aus. Viele sahen still und ernst nach dem ungastlichen, öden Lande: andere spotteten und sagten: Emes solchen Landes wegen so weit sahren!"

Und nun beginnt der Leidensweg ins Innere des Landes, in Sandwüsten und Buschwildnis, in Entbehrung nitd Krankheit und Tod. Frenssen hielt sich von romailmätztgen Zutaten-sern. Die ersten Toten bei dem nächtlichen Vorpostengefecht an der schwar­zen Klippe, das Mistgeschick der stolzen Reiterpatrouille bet Owt- kokorcro, den Ueberfall der Nachspitze bei Okaharm am Oster­sonntag (3. April), den ganzen Kreismarsch der^vom Unglück verfolgten Kolonne Glasenapp finden wir bis zur ^.yphusquaran- täne bei der Missionskirche in Otjihaenena erzählt. Dm Namen freilich fehlen, und darin liegt etwas Unrealistpches, denn gerade mit solchen Dingen wirkt der Soldat in seinen Erzählungen gern

Aber bei aller Simplizität des Erzählungsstiles sind natura­listische Mätzchen vermieden. Und Peter Moor tst überhaupt kern renommistischer Miles Gloriosas, sondern verfugt, was semen eigenen Anteil an den Ereignissen betrifft, über eine unsoldattsche Bescheidenheit. Sein Vorzug vor den Kameraden ist die zähe Gesundheit, die ihn über den Typhus Herr werden lasst. so entrinnt er dem Lazarett und kommt als Reitersmann wahrend des Stillstandes der Kämpfe nach Windhuk, zu der freundlichen Oase, wo ihn wieder alle Segnungen der Kultur umgeben

Diese idyllische Atempause wirkt wie eine wohlberechnete Ein- schaltung zwischen den Leiden und Kümpfen, die nun tn ihrer Fortsetzung zum Waterberg hinführen. Wer sich der pracytvollen Gravelotteszenen imJörn Uhl" erinnert, durste sicher sein, datz die Geseckstsschilderungen in diesem Bnche erst recht die Höhepunkte der Darstellung bilden würden. Wieder ist die einzige Gabe zu bewundern, mit der in verblüffender Lebendigkeit die Begebenheiten gepackt und vor uns hingestellt werden. (SS, t)t ein schlichtes Volksbuch, ein Heldenlied, das an altepische Zeiten aemahnt und dem das homerische Motto nicht schlecht steht:

Grolle dem Sänger doch nicht, dast er singt von dem Leid der Achäer!

Solchem Liede ja geben den Preis vor andern die Menschen, Welches, die Hörer umschwebend, das jüngst Gcscheh'ne verkündet.

Auch neben authentischen Berichten wirkt das Buch an keiner Stelle unecht, und cs behält sogar einen unbestreitbaren Quellen­wert, weil es ebenfalls aus den Erzählungen eines Mitkämpfers oder vielleicht auch mehrerer geschöpft ist. Gerade weil es der Anschauung des einfachen Soldaten entsprungen ist, klingt hier das hohe Lied von der Kameradschaft besonders hell. , Der Gene­ral, der mitten unter feinen Kriegern liegend, wie ein alter Soldat die Büchse abfeuert und seinem Nachbar einRuhiger schieben!" zuruft der Major, der jedem einzelnen so scharf ins Auge sieht, um zu erkennen, ob er irgend eilte Not hätte, derGebannte", der auf dem Schlachtfelde die Wiederherstellung seiner Ehre sucht, sie alle ein einzig Heer von Brüdern. , Es ist vielleicht die einzige Szene, die etwas romanhaft wirkt, und doch nicht unwahr, als derGebannte", der frühere Ober­leutnant, der wegen einer Strastenprügelei beit Dienst hatte quit­tieren müssen, seine Dekorierung erfahrt.Er weinte sehr: wir aber umdrängten ihn und schüttelten ihm die Hand, die Meisten mit seuchten Augen. Dann schrieb er eine Postkarte an

Weihnachts-Literatur.

Eisenbahn-Bilderbuch. Bearbeitet von Ludwig Nüdling und M. Altheimer. Mit 29 Vollbildern und 41 Text­illustrationen nach Entwürfen von M. Altheimer. (Donauwörth, Ludwig Auer.) Das Buch trägt tu ausgiebiger Weise dem,leb­haften Interesse Rechnung, das die meisten Kinder snr die Eifen- bahn hegen, vermittelt in Bild und Wort nicht nur alles Wich­tige, was zum Eisenbahnbetrieb und zum ganzen Verkehrswest.. gehört, sondern auch Kenntnisse aus der Länder- und Bolkci- künde, wie aus der Kulturgeschichte. Die Schilderung landschaf. kicher Schönheiten und heiterer Szenen aus eisenbahnspielenden Kinderkreisen ergänzen das treffliche Buch, das vorzüglich ge­eignet ist, die Kinder nicht nur auf angenehme, sondern aucy aus nützliche Weise zu unterhalten.

Versteck-Rätsel.

Nachdruck verboten.

Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbean" inWanderer . Weinstube Schnarrwerk Gießkanne Mehrzahl Frauenbewegung Noggemuehl Schwanenhals ^ei)u- ender Schweizerei Hasenbraten Cantor Worms

Spielkarten.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Citatenrätsels in voriger Nummer:

Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt.

seine Frau und Kinder, und wir alle mußten unterschreiben: ein Leineweber aus Oberschlesien, ein Schornsteinfeger ,mtS, Berlin, ein Knecht ans Oldenburg, ein Graf aus Bayern, em Schlosser- gesell aus Holstein und andere."

Zu allen diesen Erinnerungen, die thm zugetragen tourben, hat nun Frenssen noch ein Eigenes hinzugetan: bie ernste Auf­fassung vom sittlichen Recht dieses Krieges, die zum Schlüße machtvoll zum Ausdruck kommt. Die Patrouille, die aus dem Leutnant, einem alten Schutztruppler und dem Erzähler zu­sammengesetzt ist, steht an der Leiche des letzten Herero, der ihnen in den Weg gelaufen ist. Wahrend der erschöpfte Schutz­truppler sich zur Ruhe gelegt hat, steht der Leutnant mit der Uhr tn der Hand neben seinem Pferd und hebt die Uhr im Takt, um sich wach zu halten.So stauben wir betbe eine gute Weile. Darauf sagte er:Diese Schwarzen haben vor Gott unb Men­schen ben Tob verdient, nicht weil sie zweihundert Farmer er­mordet haben und gegen uns aufgestanden smd, sondern weit sie keine Häuser gebaut und keine Brunnen gegraben haben Daun kam er auf bie Heimat zu sprechen und sagte dies und das und meinte:Was wir vorgestern vorm Gottesdienst ge­sungen haben: ,Wir treten zum Beten vor, Gott den Gerechten, das verstehe ich so: Gott hat uns hier siegen lassen, weil wir die Edleren und Vorwärtsstrebenden sind. Das will aber Nicht viel sagen gegenüber diesem schwarzen Volk; sondern wir müßen sorgen, daß wir vor allen Völkern der Erde die Besseren und Wacheren werden. Den Edleren, den Frischeren, gehört die Welt. Das ist GotteS Gerechtigkeit." , r, ,.

Der Schutztruppler war eingeschlafen: der Oberleutnant stand aufrecht, zuweilen ein wenig schwankend, bie Uhr tn der Hand. Ich stand neben meinem Pferd: halb wachend, halb schlafend Der Mond ging auf ; bie Nacht wurde kalt und windig. Nach einer Weile sagte der Oberleutnant:Aber der Missionar hat doch recht, daß er sagt, daß alle Menschen Müder sind

. Ich sagte:Dann haben wir also unfern Müder getötet ; und sah nach dem dunkeln Körper, der lang im Grase lag.

Er sah auf und sagte mit einer heiseren schmerzenden Stimme:Wir müssen noch lange hart fein und töten; aber wir müssen uns dabei, als einzelne Menschen und als Volk, nm hohe Gedanken und edle Taten bemühen, damit wir zu der zukünftigen, brüderlichen Menschheit unser Teil beitragen Er stand und sah in Gedanken über die weite, mondbeschienene Steppe und wieder auf den stillen, toten Körper

Ich hatte während des Feldzuges oft gedacht:Was für ein Jammer! All die armen Kranken iind all die Gefallenen! Die Sache ist bas gute Blut nicht wert!" Aber nun hörte ich ein großes Lieb, bas klang über ganz Südafrika und über bie ganze Welt, unb gab mir einen Verstanb von ber Sache." I. P.

VsemSschtes.

* Aus denLust. BL". Fräulein Sind. Med. Erb­tante: Also durcygesallen bist du durchs medizinische Examen, unb du behauptetest doch, dich ungeheuer fleißig vorbereitet zu haben. - Nichte: Gewiß, Tantchen, aber die Professoren fragen mich nach lauter Krankheiten mit un­anständigen Namen und da hab ich mich halt geniert zu antworten!