Ausgabe 
7.7.1906
 
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400 Jahre seit dein Tode von Kolumbus verflossen. Die Nanheimer Hotelbesitzer hätten alle Ursache, ihm ein Denkmal zn setzen. Nicht etiva, >veil er bei dein historischen Gastrnahl des Kardinals Mendoza, als ein Gang gelegte Eier serviert wurde, einS dieser beliebten Fortpflanzungsprodukte aut den Kopf stellte, sondern iveil ei' Amerika entdeckt und so den Ainerikanern den Seeweg nach der Gesundheit und nach Nauheim gezeigt hat. AuS allen Staaten kommen sie: die blauäugigen Töchter Bruder Jonathans aus dem Norden und die gebräunten Republikaner aus dem Süden der Union, um jenseits von Soll und Haben und vom Allantischen Ozean Rheumatismils und Herzleiden zu heilen. Viele nehmen auch eine Kur aufVorschuß", um so über die gesellschaftlichen Strapazen des Winters besser fortzukommen. Einzelne koiiiinen schon seit langen Jahre», so daß sie eigcnllich längst aus den Nan­heimer Zivilversorguugsschein Anrecht hätten. Sehr beliebt unter ihnen sind besonders dieProminents", jene erstklassigen Familien, bei denen erst von der 50. Million aufwärts daß Dasein erträglich zu werden beginnt. Einer der prominentesten Kurgäste war im vorigen Jahre der Milliardär Vanderbilt mit Familie. Zahlreiche Berufs- und Amateurphotographen versuchten mit allen Kunst- schlichen sein Bild zu erhaschen, aber vergebens, denn er entwich sofort im Auto. Offenbar legte er keinen besonderen Wert darauf, durch Veröffentlichung seines Bildes auf Schlitt und Tritt sofort erkannt zu werden:Siehste wohl, da kommt er I" Ein erfreuliches Zeichen ehelicher Harmonie in der Uebereinstimmung der An» schauungen bewies auch Frau Vanderbilt in dieser Frage. Sie beobachtete ein ähnliches Verfahren wie der Strauß; nicht der Walzerkönig, sondern der Vogel. Sobald sie die Linse des Apparates erblickte, griff sie nach ihrem spitzendesetztcn Fächer und schlug ein Rad, mit dein Fächer natürlich, wodurch die obere schöne Hälfte ihrer amerikanisch-schlanken Figur den, Auge des Beobachters voll­ständig entrückt war. Da eine solche Ausnahme aus Porträt» Aehnlichkeit nur wenig Anspruch erheben kann, so ist es zn be­greifen, daß s:" Familie Vanderbilt in den illnstrierten Journalen immer noch >..cht ihren Platz aussüllt.

Ich komme zum Schluß.Was nutzt mich der Mantel, wenn er nicht gerollt ist", sagte einst ein Unteroffizier der Biedermeier­zeit ; und so möchte ich fragen, ivas tue ich mit den Quellen, wenn ich sie nicht benutzen kann? In dieser Hinsicht nun ist Nauheim in der Wahl seines Vaterlandes sehr vorsichtig gewesen und hat eine glückliche Nummer gezogen. Den großen'wirtschaftlichen Auf- schwnng des Bades, die Anlage der sechs neuen Badehäuser mit 300 Zellen, die eleganten großartigen Neubauten, wie ich sie alle auszählte, und die noch für die Zukunft projektierten Anlagen, welche Nauheims Platz unter den Weltbädern für alle Zukunft festlegen, verdankt der Kurort nicht allein den Quelleutalenten, sondern auch seiner zielbewußten Regierung, welche die Mittel schaffte, um durch den Ausbau des Bades' den Quellen, diesen Perlen, die wundervolle Fassung und den glänzenden äußeren Schliff zu geben. Sind doch kaum zwei Jahre her, daß die Regierung allein für die Ansgestaltung des Bades die Kleinigkeit von etwa neun Millionen forderte. Während man aber sonst in Parlamenten lieber den Mund austut als den Beutel, bis der Antrag in die Kommission oder in die Brüche geht, bewilligten prompt die hessischen Volksboten, von der Notwendigkeit des An­trages fest durchdrungen, in erhebender Parteien-Einmütigkeit den Betrag.

Das ist es, was ich meinem Nachbar in der Vogelperspektive zeigen und erzählen würde I

Zartrot versinkt die Sonne allmählich hinter dem Hausberg; ein frischer Hauch weht vom Taunus her und nötigt zum Abstieg aus luftiger Höhe: mit seinem Tau senkt sich ein milder Abend aus Park und Auen; leise verhallen von der Musik der Terrasse b: Akkorde und vermischen sich mit dem Rauschen der nimmer- u.,.&ett emporzischenden Sprudel, an welche sich die Hoffnungen Tausender knüpfen.

Reifen.

Biedenkopf, das reizend zwischen üppig bewaldeten 'Bergen gelegenen und von den malerischen Ruinen eines alten Schlosses gekrönten Städtchen an der Lahn, scheint uns als Sommerfrische vor manchem Weit bekannten Orte des Taunus, Harzes, Thüringens oder des Schwarzwaldes den Vorzug zu verdienen. Durch die reichen Tannen- und Laub­waldungen dort führen gut gepflegte, bequeme Prome- nadenwege, und der würzige Duft, der ihnen entströmt, erfüllt das Lahntai mit köstlicher Kühle selbst an heißen Tagen. Vor wenigen Tagen erst übrigens ist dort dicht am Walde ein hübsches neues Hotel eröffnet worden, das den NamenHotel Tannhäuser" führt mit artiger Ver­einigung des umgebenden Taunusgeheges uud des Namens des Besitzers, Heuser. Es wird wohl manchen unserer Leser interessieren, daß dessen wirklich außerordentlich hübsche, ge­schmackvolle, wenn auch schlichte, im Stil aber durchaus ein­heitlich gehaltene und darum besonders gefällige Möbel­

einrichtung von der Gießener Möbelfabrik Th'. Brück stammt.

Die Deutsche Alpenzeitung (Natur und Kunst Verkehr und Sport) bildet anerkanntermaßen eine Unerschöpfliche Fundgrube für jeden Reisenden, Tou­risten, Alpinisten usw., ebensosehr auch für alle Verkehrs­vereine, Verkehrsanstalten und zahllose private und staat­liche Unternehmungen. Deshalb weisen wir gerade jetzt, zn Beginn der Hauptreisezeit, auf dieses Blatt hin und nennen aus den letzten Heften u. a. folgende bemerkens­werte Beiträge: Heft 5 (Anfang Juni):Dem neuen Mrn- berg!" von Dr. E. W. Bredt;Die Kieler Woche" von A. Halbe; Heft 6 (Mitte Juni):Frühlingstage in der Hannoverschen Kletterschule" vou Dr. I. Simon;Rechts­fragen des Reiseverkehrs";Aus dem Postrecht" von Amts­gerichtsrat W. Coermann; Heft 7 (Anfang Juli):Wan­derungen in den Vogesen" (der 1. Teil dieses Aufsatzes erschien in Heft 6) von Dr. L. Munzinger;Ein hoch- alpiner Spaziergang im Dachsteingebiet" von H. Prey; Eine alpin-wissenschaftliche Entdeckung" von Dr. C. Täuber;Das Alpeugasthaus" (1. Teil) von O. Sehrig. Die hier genannten Aufsätze bilden nur einen kleinen Teil der äußerst umfangreichen Einzelhefte. Jedes dieser stets auf das reichhaltigste illustrierten Hefte lohnt ein ein­gehendes Studium. Der praktische Nutzen, den wir daraus ziehen können, steht in gar keinem Verhältnis zn dem' geringen A'bonnementspreis von Mk. 3,50, Kr. 4,20 für das 6 Hefte umfassende Vierteljahr.

Gesundheitspflege.

Lebens regeln für Neurastheniker. Von Dr. med. Ralf Wichmann, Nervenarzt in Bad-Harzberg. 5. verbessert« Auflage. Preis 1 Mark. Verlag von Otto Salle in Berlin W. 30.. Die Schrift gibt den über ihre Nerven Klagenden Aufklärungen über die verschiedenen Erscheinungsformen ihrer Krankheit. Es gelangen die Kopfbeschwerden, die Rückenschmerzen, das Gefühl allgemeiner Körperschwäche und großer Mattigkeit, das Herzklopfen, die Klagen über Magenbeschwerden und Ver­dauungsstörungen, die sexuelle Neurasthenie, die Klagen über Zwangs'gedanken und über Angstgefühle zur Besprechung. Bei den einzelnen Fällen werden Verhaltungsmaßregeln angeführt.

Musik.

55 Tänze und Märsche beliebter Komponisten für eilte Violine (1.3. Sage) enthält das 27. Bändchen der im Verlag von P. I. Tanger in Köln erscheinenden Taschenalbums in Quer­format (Preis karton. 1 Mk.). Dieses kleine Bändchen weist die bekanntesten Namen auf wie Strauß, Lanner, Sousa, Faust, Behr, Eilenberg usw. usw. und bringt Tänze jeder Art bis zu den neuesten, am Kaiserlichen Hofe in Berlin in Aufnahme ge­kommenen Nummern, und von Märscheu bietet es gleicherweise eine große Ausbeute, darunter die beliebtesten der deutschen und östreichischen Armee.

Magisches Dreieck.

Nachdruck verboten.

In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben aaddeeeeiimrsss derart eiiizntragen, daß die einander entspre­chenden wagerechten und senkrechten Rethen gleichlautend Folgendes bedeuten:

1. Figur ans einem Grillparzer'schen Drama.

2. Griechische Göttin.

3. Musikalische Bezeichnung.

4. Teil von Hessen.

5. Einen Buchstaben.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung der Köntgspromenade in voriger Nummer:

Wenn ein Liedes dir der Tod Aus den Augen fortgerückt, Such' es nicht int Morgenrot, Nicht im Stern, der Abends blickt.

Such' es nirgends früh und spät, Als int Herzen immerfort;

Was man so gesiedet, geht Nimmermehr aus diesem Ort.

Juflinus Körner.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lanae. Gieße»