Ausgabe 
7.5.1906
 
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Es fehlt aber neuerdings weder an Anregung noch au Belehrung, und viele Fachlehrbücher, die bischer ein Hohn auf gutes und reines Deutsch waren, jeder Klarheit, Durchsichtigkeit und All- gemcinverstandlichkeit entbehrten, sind der notwendigen Reinig- uitg und Besserung unterzogen worden. Herr Mettin behandelte weiter die Uebersetzung fremder Ausdrücke ins^ Deutsche, die Schäden des Einflusses der Fremdwörter, (die die Sprache farblos machen, die Gedankenlosigkeit fördern und zu lächerlichen Ver- binüuugeu führen wieneu renovieren, erzeugte Produkte, Giro- Ueberweisung) und die Verfehlung gegen die Richtigkeit und den Wohllaut der Sprache, besonders auf dem Gebiete der Waren­bezeichnung. Er ertvühnte den Kampf gegen die Sprachverderbuis von Amts wegen, die Tätigkeit der Schule und der Sprach­vereine. Zum Schlüsse führte er dann noch aus: Es lvird nur zur Hebung des Standesbewuhtseins beitragen, ivcmt_ eine Besser­ung des Sprachgefühls und eine Reinigung der Sprache vor- aeuommen und das tverilose Gut aus der Fremde beseitigt wird. Die Achtung des Allstäuders kann nur gesteigert werden, lveiln üt Briefen das Bewußtsein nationaler Würde zum Ausdruck kommt. Die geschäftlichen Beziehungen werden nicht leiden, wenn wir, sobald wir Deutsch reden, es ganz tun. Die Jugend aber ist dazu berufen, gutzumachen, was die älteren lind die früheren Zeiten gesündigt haben. Durch die höheren Ziele, die durch die Welt­wirtschaft gestellt lverdeir, lvird der Kaufmann desto mehr ge­zwungen lverden, sich vaterländisch z>l betätigen, nicht durch seine Sprache, sondern üt seiner Sprache. Er schloß mit Goethes Wort: Ich wüßte nicht, ivessen Geist ausgebreiteter seilt müßte, als per Geist eines echten Handelsmanns.

*Z ehn Gebote für unser Hei m" stellt Ernst W. Bredt in folgender Form auf: 1. Du sollst in deinem Heil» bekennen, daß nur deine Zeit Recht, Vermögen und Pflicht hat, ein Neues und Ganzes widerspruchslos ztt unserem ittnerett und äußeren Leben zu gestalten. 2. Du sollst nicht ausfallen wollen und nie. prahlen mit dem Bekenntnis deines Geschmacks. 3. Du sollst einen Raum dir freihalten vvlt allent Alltäglichen und HatzUchrn. damit nichts deine Festsreudigkeit störe, wenn du sie suchst. 4. Dn fofift nicht wähnen, das hieße ererbte Kultrtr ehren, ivenn du beim Trödler altilwdischett Hausrat kaufst. 5. Du follft Ktutüwerke nicht so ausstellen, daß ihre Wirkung ertötet und der Künstler mißachtet lverden muß. 6. Dit sollst kettsche Nacktheit auch int Bilde ehren, wie eilten Tempel Gottes, doch Verbannen sollst du alle lüsternen Bilder, die keinen Wert haben. 7. Du sollst kein Plagiat dulden, noch ein Material oder eine Technik Vortäuschen, die für dein Heim zu kostspielig wäre. 8. Du sollst nicht durch schlechte Vervielfältigung von Werken falsches Zeugnis von den Künstlern abgeben. 9. Du sollst nicht Liebhabe- reien deines Nachbars oder deiner Nachbarin annehmen. 10. Du sollst nur nach deinen Mitteln dein Heim gestalten und nichts für besser halten, was' nur kostbarer ist.

Kirnst,

Das Nackte in Kunst und Leben. DieJugend" bringt einen ivertvollen Aussatz von Cornelius Gnrlitt: 'Das Nackte m Leben und Kunst", dem wir folgende bemerkenswerte Sätze entnehmen:Ohne Sinnlichkeit ist kein Leben und ist auch keine Kunst möglich. Denn Kunst ist Darsteltung des ganzen Lebens und die Sinnlichkeit ist ein starker Teil dieses Lebens, vielleicht der stärkste. Man hat nun die Absicht, >vie man der Sinnlichkeit mt Leben einen geordneten Weg schuf, ihr Gesetze gab, auch die Sinnlichkeit in der Kunst zu regeln. Man ivill verhindern, daß die Künstler Verbotenes hm, und will möglichst ckiel verbieten: Viel klüger wäre eS, möglichst viel zu gestatten. Tenn die Erfolge, dte tm Leben erzielt wurden, sittd wirklich nicht verlockend. Auch wurde niemand die Künstler durch Sittengesetze einengen ivolle», fürchtete er nicht, daß ihre Werke lustweckend auf andere wirken. Man furchtet also, daß die künstlerische Lust ins geseltschaftliche Leben störend eingreife. Und da im Leben vielen das Nackte als störend und die Entblößung als unsittlich erscheint, will man beide nun auch in der Kunst cinschränken. Man glaubt die Sinnlichkeit im Leben zu bekämpfen, indem man das Nackte aus der Kunst ebenso entfernt tute aus dem Leben. Der Erfolg ivird sicher nicht besjer sein, als der jedes anderen Kampfes gegen die Sinnlichkeit: Denn man bekämpft ein Naturgemäßes, weil man dessen Er» schemungSsormen nicht will, Ausgabe des Künstlers ist, uns den gesetzlichen, geordneten Ausweg zu schassen für die Dinge und Be- db.ochttmgett, die im Leben sich hart an Sen Notwendigkeiten stoßen. ®te Künstler sollen unbesorgt um Sittenvorschristen uns lehren, daß in höherem Sinne nur der nackte Mensch aitch der reine Mensch m l sie sollen unsere öffentlichen Stätten mit Bildern dieses reinen Menschen so erfüllen, daß niemand mehr an solchen Anstoß nimmt; jte sollen uns den Kitidersinn tviedergeben, mit dem man, nun wenigstens noch in der Kunst, die Kleider als Umhüllung des hackten und nicht wie im gesellschaftlichen Leben den Nackten als Enthumen empfinde. Denen aber, die am Nackten in der Kunst «och Anstoß nehmen, stelle man dies so vor Augen, daß sie es tagltch zu sehen gezwungen sind: Sie werden in kurzer Zeit da§ Einwachsen m eine höhere, reinere Gedankenwelt an sich selbst er,ähren; sie lverden die klärende Wirkung an sich verspüren, die

in der kindlich sachlichen Beschäftigung mit den sinnlichen Dingen liegt; sie werden den Kunstwerken gegenüber jene Sinnenruhe erringen, die eine der ersten Bedingungen künstlerischen Verstäno» nisses ist; sie werden bald noch hiuzulernen, daß auch im Leben der Zustand des heintlich scheuen tzinblickenS auk sinnliche Dinge das Schädlichste und Verwerflichste ist."

LLtevaVLscheS.

Der Türmer. Monatsschrift für Gemüt und Geist. Herausgeber I. E. Freiherr v. Grotthuß. Vierteljährlich (3 Hefte) 4 Mark., Probeheft franko (Stuttgart, Greiner und Pfeiffer). Aus dem Inhalt des Maihestes: Des Kanzlers Probestück. Von Dr. Paul Harms. Leibeigen. Eine Kolonialnovelle aus der Gegenwart. Von Hanna Christaller. (Fortsetzung.). Eine Naturgeschichte der Sotdatenmißhandlungen. Von I. E. Frhr. v. G. Neues vom alten Mark Twain. Von Dr. Benno Diederich. Das Duell im Lichte der Wissenschaft. Bon G.. Das Innere der Erde. Seestern. Von O. Umfrid. Sizilien. Bon Dr. Georg Shdow. Demokratischer Hofstaat. Motorschrittm acher. Bon I. L. Mgermissen. Türmers Tagebuch: Nörgler und Brüller. Simplizissinms-Stimmung und Heilige Hermandad. Recht und Rechtsprechung. Kant im preußi­schen Landtag. Stiefkinder der Gesellschaft. Und nochmals Kant. Gedenkfeiertage und Kalendertyrannei. Von Dr. Reinh. Volker. Cäsaren-Kvmödie. Bon Felix Poppenberg. Anastasius Grün. (Zu des Dichters 100. Geburtstag.) Von °St. DerMei­ninger". Von St. Kielland. Von Felix Poppenberg. Eduard Grisebach f. Von St. Johannes Richard zur Megede. Bon St. Augenlärm. Von H. Walling. Kunst. Aphorismen von Ernst Freiherr von Feuchtersleben. Eugöue Carriöre (t 87. März 1906).Mozartheuchelei". Bon Dr. Kvrl Storck. Adolf Adam (| 3. Mai 1856). .Kunstbeilagen: Viktor Müller: Schneewittchen mit den sieben Zwergen. Eugötte Carriöre: Mutter und Kind. Ferdinand Dörr: Vor dem Dorfe. Roienbeilage: Osterhhntne. a) Jesus Christus, Gottes Sohn, b) Hier ist das rechte Osterlamm. Von Joh. Seb. Bach.

Aür die Irauen.

Reber die Kunst, sich gut zu kleiden bei Auf- ivendung möglichst bescheidener Mittel, ivird jede Fran gern Be­lehrung empfangen, und deshalb ivird die neue Aiiflage des Lehriverkes für die HausschneidereiD ie pe r fe kte Sch n e i- derin, leißtsaßliche Lehre des ZuschnitteS luidt

uttg aller Frauen-, Mädcheti- und Ntaben-Garderobe sotvie Wäsche" begrüßt werden. Dieses Werk des Berlages Europäische Modeit- zetrung, Dresden-N. 8, erscheint soeben in 20 Lieferungen' ä 50 Pf. neu bearbeitet, mit mehr als 700 Illustrationen und mit Schnitt- Tafeln zum einfachen Abkopieren ausgestattet und ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Jede, junge Dame und jede, ivirt- schaftliche Hausfrau iveiß, was es für den Austoand an Kleidung bedeutet, ivenn man durch eigener Hände Fleiß sich seine Garderobe wenigstens zum Teil selbst schneidern und modernisieren kann. Dieses Werk, welches für das Gebiet der Bekleidung nicht weniger wertvoll erscheint wie ein gutes Kvchbuch für die Ernährung, gibt gute Anleitung, ist brauchbar für alle Zeiten und kann deshalb zur Anschaffung empfohlen werden.

Humoristisches.

A. :Sie, rufen Sie mal Ihren Hund zu sich; das Vieh ver­sperrt ja die Passage!" B.:Na, lassen Sie ihn nur: der be­zahlt mehr ©teuerit wie Sie!"

KindltcheGehäfsigktit. S erta n erFritz:Manta, wer hat das Lateinische erfunden?" M a m a:Das iveiß ich nicht, mein Kind; der Mantt ist schon lange tot." Fritz:So? Na, das ist ihm recht!"

A u ch e i n e K r a n k e i t. S t n d e n t A.:Tu, sage mah der Süffel sieht so elend aus, ivas ntag dem fehlen?" B.: Der leidet ßit chronischem Münzenschwnnd."

Magisches Dreieck.

Nachdruck verboten.

---------1 In die Felder nebensteheitder Figur sind \ | die Buchstaben aaeeeckkllursuu

J- ----- derart einzntragen, daß die einander ent­

sprechenden «vagerechten und seitkrechten flteihen gleichlautend Folgendes bebeuleit:

____ 1. Wohlriechende Blume.

8, Biblischen Namen.

8. Stadt in Persien.

4, Teil von Kurdistan.

5. Einen Buchstaben.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Citatenrcitsels in voriger Nr -nev:

Für die Jugend ist das Beste gut genug

Redaction: Zrnlt üeü. Rotationsdruck und Verlaa der Brü bl'scheu Univerlltäts-Bucb- und Steindruckeret. R. Lange, Gießen.