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1906 — M. 35
Kem Wahren, Kdten, Schönen, j.
Ein Großstadtroman von Fedor v. Zobeltitz.
(Nachdruck verboten.) I .
(Fortsetzung) I
„Genoveva/ fragte sie, „ob der Herr Baumeister letzt I
wohl zu sprechen ist? Ich möchte ihm gern noch ein gutes Wort sagen vor dem großen Abend/
Genoveva hatte am Küchentisch gesessen in und ihrem | Ausgabebuch addiert. Sie hielt den Zeigefinger auf eine 1 Zahl und antwortete: |
„Oltanta tre . . . 3 Frölcn, wat is, wenn Sie ruhick reingehen! Ankloppen un rcingehen. Fretten wird er Ihnen I ja woll nick . . . 0 carrissima Frölen, is Sie denn auck j so bängerlich um die liebe Seel als wie mir? Ick aben einen | Platz in die dritte Rang, aber ick möckte gar nich hin; ick | graule mir; ick inöckte zu Ause bleiben/ I
ist Unsinn, Genoveva. Wir können den Baumeister i auf deni Felde der Ehre nicht allein lassen. Bei der feier- ! lichen Eröffnung seines Theaters muffen wir unbedingt daber I sein. Ich gehe sonst selten in das Theater. Aber heute — I Genoveva, wenn ich krank im Bett läge, ich würde doch auf- | stehen und meine Pflicht erfüllen. Denn ich halte das für meine Pflicht. Und weshalb denn graulen? Wenn die Bor- i stellung auch noch so miserabel ist — was ich nicht glaube — das L>ar,S steht doch da, wie es ist, und den: Hause gilt unser Besuch . . / Sie ging hinüber in das Speisezimmer und | klopfte an der Tür zum Wohngemach Hammers an.
„Herein! . . / , , ,,
Agnes fand Hammer am Schreibtische. Da saß er, hatte die Stirn in die Hände gestützt und starrte vor sich hm. Vor ihm stand ein Etui, iind in diesen! lag der Kronenorden — freilich die vierte Klasse. Ain Stuhle lehnte ein Wagenrad- | großer Lorbeerkranz mit einer Atlasschleifc, auf der die Worte eingedruckt waren: „Die Baiiarbeitcr des Prinz Ferdinand- Theaters ihrem Bauherrn . . /
„So versonnen, Herr Baumeister?" fragte Agnes..
Hammer stand auf, und ein Lächeln flog über sein abgespanntes Gesicht.
„Müde, Fräulein von Sorben," antwortete er. „Die Vormittagsbesichtigung hat vier Stunden gedauert. Der Minister des Innern hat mir im Auftrage des Kaisers diese güldene Krone überreicht, und neben ihin stand Waldemar Henkel und grinste. Er hat die dritte Güte und den Roten Adler dazri, iind ich glaube auch noch das Kreuz des Haus- ordens." „ .. ..
„Höfische Gunst ist huldreich; aber nicht ledes Verdienst kann man mit Orden lohnen."
Dieser Lorbeer ist mir lieber. Doch, ich will nicht un- dankbar sein. Auch die Krone Vierter ist Anerkennung. Ich sollte über die Freude an solchem Tand hinaiis sem. Aber ich bin es nicht. Zudem wiegt der Aerger vor. Drei Minister waren heute vormittag in meinem Theater — und sie schleppten Henkel als Sachverständigen mit. Daß ich nicht lache. Wußten die Herren denn nichts von den perfiden An- ariffen des Hofbaun,eisters gegen mich? Und selbst wenn sie keine Zeitungen lesen, dann hätte man sie darauf aufmerksam machen müßen." rv. er.,„„
„Benahm sich Henkel denn unschicklich?
Er sagte gar nichts. Er sprach kein Wort. Aber sem diabolisches Lächeln ... Na, lassen wirs gut sein. Der Kerl hat mir den ganzen Tag verdorben/
Agnes legte ihre Hand auf seinen Arm. „Lieber Her, Baumeister/ sagte sie, „Stimmungsmenschen, wie Sie, kommen über kleinlichen Aerger leicht hinweg. Die Stimmung wird wechseln. Warten Sie den Abend ab. Der Tag i|t grau, aber der Abend wird licht sein/
„Ja, der Abend. Licht wird er sein; das hoffe ich. ; Fräulein Agnes, es ist merkwürdig: mein Theater braucht i von außen gleißenden Sonnenschein, und braucht innen strah- I lendcs, elektrisches Licht. Am Vormittage haben nur die Fnterieurs garnicht gefallen. Da wirkte nichts. ^ie Plafondfarben faßen verblichen aus, der Zuschaucrraum kam gar nicht zur Geltung, durch die Wandelhalle ging es rote em
I kaltes Frösteln. Ich hätte die Vorbestchtigung auf den Abend I verlegen sollen/ „ , ,
O liebster Baumeister", rief Fräulem von Sorben, I was quälen Sie sich! Sind Sie denn noch nicht zufiieden? Ist es nicht das schönste deutsche Theater, das Sie uns ge- j schenkt haben?!" .
„Ist cs das wirklich?" fragte Hammer zwefielnd.
Sie sah ihn an und lachte. „Ich glaube, Herr Baumeister, Sie hätten nicht übel Lust, auf der Stelle ein zweites zu bauen, das noch viel, viel schöner werden mußte als das Prinz Ferdinand-Theater." .
Fetzt lachte auch er, reckte die Arme iind rief: „Ach, Fräulein Agnes, könnte ich das! Das wäre ja meine Selig- | feit. Es ist nichts, das Prinz Ferdinand-Theater, cs ist sia I mich ein überwundener Standpunkt. Ich habe em Luxus- I iheater gebaut; das war das von Grund aus verfehlte, Eine Kiinst, die nur ausgewähltcn Kreisen dient, muß allgemach versiegen. Die Massen wollen, daß die Kunst auch zu ihnen komme. Dem Volksgeiste hätte ich einen Tempe! errichten sollen, nicht dem Kulturbedürfnis der oberen Zehn- ; faS '«in». Lp.I, in bem b,r «-«.ist W UN
Bilduna und Läuterung findet: das wäre das Siechte ge


