Ausgabe 
7.2.1906
 
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Abfangen abzusendcn. Der Fasan wird dadurch nur 23 Tage seiner Freiheit beraubt und findet sie nach so kurzer Frist in den deutschen Wäldern wieder.

Später als im Januar kann der böhmische Fasan nicht bezogen werden, weil der Fang vom 1. Februar ab gesetzlich Ver­bote ist.

Alles, lvas zur Einbürgerung des Fasans zu wissen nötig ist, hat Herr Nitzsche in einer Broschüre:Anleitung zur wilden Fasauenzucht" zusammengestellt.

Das Vorgehen des Oberförsters Nitzsche hat großen Anklang gefunden. Nach den von ihm alljährlich veröffentlichten Be­richten waren bis Weihnachten 1905 durch ihn 21210 böhmische Zuchtfasaneil fast ausschließlich nach Deutschland (kleine Mengen gingen nach Rußland und Dänemark), in 1606 verschiedenen Posten versendet worden. Die Sendungen gingen nach allen Teilen des Deutschen Reiches, meist jedoch nach Norddeutschland. Die Bezieher waren vorwiegend Rittergutsbesitzer, städtische Jäger sind nur in verschwindender Menge vertreten. Der, Erfolg war fast überall befriedigend, vielfach ausgezeichnet. Die Fälle, in welchen die übliche Zahl von 12 Znchtfasanen (3 Hähne, 9 Hennen) ausgesetzt wurden und schon nach wenigen Jahren eine ansehnliche Zahl von Fasanen bei der Jagd zum Wschluß kamen, zählen nach vielen Hunderten.

Als Beleg für die außerordentliche Härte der böhmischen Fasanen möge folgendes Beispiel dienen:

Die Herrschaft Kulliua in Esthland, hoch oben int' Norden der russischen Ostseeprovinzen unter 59 V3 Grad nördl. Breite gelegen, bezog im Januar 1901 20 lebende Fasanen, von denen zwei auf dem Transport verendeten. Die Fasanen hatten von Böhmen aus einen Weg von 2200 Kilometern zurückzulegen. Trotz der denkbar ungünstigen klimatischen Verhältnisse war der Stamm von 18 Stück im Herbst 1905 bereits auf 150 Stück angewachsen.

Wer von der Familie Mozart lebt noch?

Von Friedrich Ser ft (Elberfeld).*)

Gelegentlich der Erinnerungsfeiern am 150. Geburtstage Mo­zarts tauchte vielfach die Frage auf: Wer von der Familie Mozart lebt noch? Die Beantwortung dürfte gerade in diesem Zeitpunkte, da die Allgemeinheit ein erhöhtes Interesse an dem göttlichen" Meister genommen, besonders willkommen sein. Direkte Nachkommen des Tondichters gibt es nicht mehr. Seine Ehe ' mit Konstanze von Weber, einer Verwandten Karl Marias von . Weber, desFreischütz"-Komponiften, war mit sieben Kindern > gesegnet, von denen aber fünf schon bald nach der Geburt starben. Zwei Söhne haben bett Vater überlebt; Kvrl starb in bedeut­ungsloser Beamtenstellung in Mailand im Jahre 1858. Auch sein Bruder Wolfgang Amadeus hinterließ keine Kinder, als er 1844 in Karlsbad starb; er war entgegen anderer Mitteilung ein geschützter Musiker und Tondichter, der leider der Sohn eines berühmten Vaters war. Mozarts Gattin, Konstanze, . heiratete spater den dänischen Etatsrat von Nissen, der bereits 1826 starb und die beinahe vollendete umfangreiche Biographie Mozarts zurückließ. Konstanze starb in Salzburg 1842.

Mozart hatte eine Schwester, sein vielgeliebtesNannerl", Maria Anna, die 1784, also zwei Jahre nach ihres Bruders I Hochzeit, den Reichssreiherrn von Sonnenburg heiratete. Nachdem I sie 1801 verwitwet und 1825 erblindet war, starb sie 1829 in I Salzburg, wo sie hochangesehen und zeitweise als Musiklehrerin | tätig war. Mit ihrer Schwägerin Konstanze hatte sie nie auf j gutem Fuße gestanden und später jebeit Verkehr mit ihr abge- I > vrochen. Sie hatte drei Kinder, der Sohn Leopold hinterließ | eine Tochter Henriette, die 1890 in der IrrenanstaltFeldhof" .bei Graz starb. Sie war vermählt mit Franz Forsch ter, von ihren Kindern starb der Sohu Gustav 1878, die Tochter Bertha (geboren 1844h lebte noch 1901 in der vorgenannten Irrenanstalt.

Sie wäre der eiuzige Nachkvm m e aus Mozarts engstem Familienkreise. Auffallend ist, daß sie wie ihre Mutter dem Irrsinn verfiel.

Um noch lebende Träger des Namens Mozarts zu finden, .müssen wir uns nach Augsburg, der Heimat Leopoft) Mozarts (unseres Meisters Vaters) wenden.

Den umfassenden Forschungen Von Dr. Adolf Buff, dem j Augsburger Stadtarchivar, ist es gelungen, nachzuweisen, daß | Die weitverbreitete Familie Mozart, soweit der Zweig unseres I 'Tonmeisters in Betracht kommt, von einem ans Pfersee an der I Wertach nach Augsburg im Jahre 1635 eingewanderten M a u r c r | David Mozart stammt. Zu bemerken ist aber, daß eine | mibere Familie Mozart in Augsburg, die, soweit bis jetzt die I Nachforschungen ergeben, mit diesem David Mozart nicht ver- I . O*'. von dem Maler Antoni Mozart abstammt. Er war | n Augsburg geboren und genoß als Künstler guten Ruf, | Gemälde von ihm sind noch erhalten. Im übrigen war diese I o-nmiüe gut bürgerlich, während David Mozart, dessen Söhne ! und Enkel, wie ihr Vater, Maurer waren, in kärglichen Verhält- | Ml en lebte Die andere Familie, die uns nicht iveiter interessiert, I p® sie nicht mit Meister Wolfgang verwandt ist, tvauderle noch |

*) Dem bekannten Mozart-Biographen. Die Red. »

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im 17. Jahrhundert aus. Hingegen ist seit 1740 ein starker Zuzug von Mozartm ans der Umgebung nach Migsburg zu kon­statieren, deren Nachkommen heute noch in Augsburg leben, aber mit dem Meister nicht verwandt sind. Sie siiid alle geringen Standes.

Von jenem Ur-Urgroßvater Mozarts, von dem Maurer David' Mozart, sind ebenfalls Nachkommen vorhanden. Am nächsten verwandt mit dem Meister sind die noch lebenden Nachkommen seiner beiden Oheime Ignaz und Moys. Diejenigen des letzteren tragen aber nicht mehr den Namen Mozart; sie stammen nämlich von dem vielgenanntenBäsle" ab, für das einst der luftige Wolfgang schwärmte, das er aber nicht heiratete, da ihn unter­dessen Konstanze mit ihrem Reiz bestrickt. Sie starb 50 Jahre nach dem Ungetreuen, im Jahre 1841 in Bayreuth. Ihre Enkel­kinder leben heute noch; sie heißen Pumpel und sind Näherinnen, bezw. Buchbinder und Nachtwächter.

| , Auch vom Onkel Ignaz leben noch Nachkommen, und diese

I heißen noch Mozart. In der Mozartfatnilie wandte man sich I später vom Maurergewerbe ab und zog die Buchbinderei vor. I Der einzige, der sich emporschwang, war Ser Vater Wolfgangs.' | Er war bekanntlich Hofkapellmeister in Salzburg; diese Würde in SSien zu erlangen, war dem großen Sohn nicht möglich, der | erst in den letzten Tagen seines Lebens Domkapellmeister wurde.

Die Nachkommen jenes Ignaz Mozart waren Buchbinder, einer der letzten Friseur und der letzte Erwachsene war der Bahnhofdienev Kvrl Mozart, der 1898 in Augsburg starb. Seine sieben unmün­digen Kinder sind die lebenden Träger des Namens Mozart ans des Meisters engerer Familie, mit der er oft und gern im Verkehr war.

Während man in diesen Tagen ihren berühmten Verwandten, | der wahrlich bitter genug die Not des Lebens zu kosten bekam, ' in der ganzen Weit preist, leben die kleinen Mozarte in Augs­burg wahrscheinlich selbst in dürftigsten Verhältnissen.

Sinngedichte

von Ludwig Fulda.

Bedaure keinen Schwärmer l Ihn macht nicht Annut ärmer; Vom Mondessilber, vom Sonnengold Bezieht er seinen festen Sold.

Las; dir nicht böser Buben Unfugstiftung Ursache sein zum eignen Krankheitsfalle; Nein, lächle, Freund, und schone deine Galier Verbitterung ist eine Selbstvergiftung.

Es ist ein Nachteil für den Geist, Daß er sich ohne Masken weist. Indes einherschleicht die Verdummung In tausendfältiger Vermummung.

Wer will aufs Glück von außen warten, Ist wie ein Mann, der harrt und späht, Ob Rosen sprießen in seinem Garten, Die niemals er gesät.

Junge Recken, seht euch vor!

Mancher Heros

Fiel durch Eros;

Keiner kam durch ihn empor.

Ach, das Häuflein der Glücklichen schiene Merklich noch zusammengeschmolzen, Wären nicht die Starken und Stolzen, Die da leiden mit strahlender Miene.

(9111 einen Backfis ch.) Warum dem großen Bühnensprecher Dein junges Herz zu Füßen sank? Berauscht vom starken Göttertrank Verhimmelst du den Becher.

Silbenrätsel.

der, do, e, ei, f, f, fer, gal, glim, ich, ko, la, lers, liier, inet, men, nähr, neu, p, r, schie, een, al, tuig, zim.

AnS vorstehenden Silben und Buchstaben sollen sieben Wörter gebildet und derart unter einander gesetzt werden, daß die Anfangs­buchstaben von oben nach unten, und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, den Namen eines Afrikaforschers ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter Folgendes:

1. Berg in Westfalen.

2. Schlesischen Ort.

8. Negervolk in Afrika.

4. Ein Gestein.

5. Etwas Unentbehrliches für lebende Wesen»

6. Ein Gewürz.

7. Katzenartiges Raubtier.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Scherz-Rätsels in voriger Nummer: Miras: der Spitzname lautetGur ken-Mid as", entstanden durch Versetzung der Buchstaben des WortesD e m a s k i r u n g.

Redaktion: Ernst Heb. ~ Rotationsdruck und Verlaa der B r ü h l'schen Nnwerstläls-Buch- und ©teinbructeret. R. Lange. Gießen.