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Jem Wahren, Gdten, SEönen.
Ein Großstadtroman von F e d o r v. ZobelLitz.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Imhoff überlegte. Er stand jetzt mitten in der Küche, hatte die rechte Hand unter das Kinn gelegt und betrachtete die Lobedanz gleichwie prüfend. „Laura", sagte er, „mein Heim ist grast genug, tun auch Dir noch Obdach zu gewähren. Es spricht dies auch nicht gegen die gute Sitte, die ich schon um Ninas willen aufrecht erhalte. Wir haben uns freiwillig getrennt, aus Gründen, die niemanden etwas angehen; ivir sind nicht geschiedeir. Ich werde Dich im Boudoir Ninas unterbringen; da wird ein Bett hereingestellt; das Kind schläft nebenan. Konnn mit: ich zeige Dir das Zimmer . . ."
Frau Laura wehrte sich ein wenig. Aber nicht viel. Sie sah zwar: hier hinten herrschte noch immer das alte Zigeunertum; aber in den Vorderräumen merkte man den Aufschwung zum Besseren. Das Prinz Ferdinand-Theater wirkte mächtig auf sie ein. Das Bühnenblut rebellierte wieder. Es war nichts mit der Gastwirtschaft: eine Episode wie manches andere, kein Lebcnsglück.
Sic folgte Imhoff und machte ein verwundertes Gesicht, als sie in das Boudoir NinaS trat. Ein zweifelndes Lächeln spielte um ihren Mund.
„Aber das ist ja herrlich!" rief sie. „Das ist ja das modernste! Wo hat Nina denn diese prachtvollen Sachen her?!"
„Eine Dedikation", erwiderte Imhoff. „Geschenk des Baumeisters Hammer."
„?!()" . . . und wieder lächelte die neue Anstandsdame eigentümlich. Das merkte Imhoff.
„Laura, ein Geschenk unter Freunden," sagte er. „Hammer ist mein Intimster, ein großes Genie, eine verwandte Natur. Denke nichts Schlechtes von Nina. Nein, liebes Kind, da müßt' ich nicht der Vater sein. Mein Falkenauge täuscht man nicht. Und noch habe ich eine eiserne Faust. Nein, liebes Kind, Nina ist brav ..."
In diesem Augenblick hörte man ihr lustiges Trällern im Korridor. „Liesegang," rief sie, „Fafner, Martha Schwcrdt- Icin, Hexe von Endor, mach mir ein Butterbrot — ich vergehe vor Hunger! Aber keine Blutwurst; vielleicht ist noch von dem Schinken da ..."
Dann trat sic ein rind stutzie. An sechs Jahre hatte sie ihre Stiefmutter nicht gesehen. Aber sic entsann sich gut dieses Gesichts. Die Lobedanz war immer eine lustige Frau gewesen; beide hatten sich trefflich vertragen. „Tante" pflegte
Nina sie zu nennen, nie Mutter. Der eigenen Mutter erinnerte sic sich kaum noch.
„Ninachen," sagte die Lobedanz. „Nun sieh nml an — Gott, bist Du groß gcivorden — und so hübsch . . . kennst Du mich denn noch wieder?"
Da warf Nina ihre Musikmappe fort und jiibelte auf. „Tante Laura," rief sie und fiel ihr um den Hals; „na, ob ich Dich wiederkcnnel Tante Laura, wie freue ich mich! Ich denke, Di, bist in Oschatz .... Aber hier ists schon hübscher. Bleibst Dii ein bischen bei uns?"
Imhoff war wieder sehr gerührt. „Sie bleibt," sagte er ernst und würdig. „Nina, ein neues Dasein beginnt. Laura, ich heiße Dich noch einmal herzlich ivillkommcn. Mein Heim ist Dein Heim. Gebt mir die Hand. Wir drei gehören zusammen. Gott will es."
Er nahm Ninas Rechte und die seiner Frau. So bildete sich eine schöne Gruppe. Imhoff stand in der Mitte und sah edel ans. Nina aber dauerte die Pose zu lange. Sie machte sich los und hob die Arme.
„Tante Laiira, wie gefällt Dir mein Boudoir?" rief sie. „Ein feines Milieu. Milieu ist der richtige Ausdruck. Das ist Paduckholz, ich glaube, cs kommt aus Australien. Es ist das teuerste. Den Fettfleck auf dem Teppich hat die Liese- gang gemacht. Aber sich diese Vorhänge! Ich glaube nur, sic bleichen leicht aus . . ."
Frau Jinhosf-Lobedanz hatte sich an den wiedcrerrungenen Galten zurÜckgcwandt. „Claudius, ich bin bewegt," sagte sie. „Dies Kind iul es mir an, das keine Miittcr mehr hat. Da will ich bleiben. Aber hier logiere ich nicht. Das Boudoir gehört Nma. Es wird sich schon ein Platz finden, wo ich mein Haupt niederlegcn kann."
„Mein Heim ist Dein Heim," erwiderte Imhofs.
Jnzivischcn hatte Nina ihre Schränke geöffnet. „Tante Laura, schau! Jetzt kommen die großen Gegensätze. Außen eitel Pracht und drinnen wohnt die Armut. Ein Dutzend Taschentücher, nicht einmal Hohlsamn, und die Strümpfe Baumwolle. Das ist der Schmuckbewahrer. Er steht leer. Dort liegen die Hüte, sieh sie nicht erst an. Ach, Tante Laura, eigentlich fühle ich mich äußerst unbehaglich in diesem kostbaren Raum, denn ich gehöre nicht hinein . . ."
Imhoff hatte seinen Sinn um die runde Schulter der heimgekehrten Gattin gelegt und flüsterte ihr lächelnd ein paar Worte in das Ohr. Sie nickte.
„ES ist richtig, Nina," sagte sie, „Du gehörst da nicht hinein. Aber es kann sich manches ändern und rasch. Warten wir es ab. Und nun hilf mir einmal aus der Mantille. Soll ich doch schon bleiben, so möchte ich wenigstens di«


