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Der briefliche Verkehr zwischen den beiden, die sich aus der Universität Heidelberg kennen kernten, um dann fürs Leben Freunde zu bleiben, hat über 40 Jahre, bis zum Tode Scheffels, gedauert. Schwanitz überlebte den Freund unr 17 Jahre, und in seinem Nachlaß fanden sich die vorliegenden Briefe. Was Scheffel an den in der Oeffentlichkeit wenig hervorgetretenen, stillen und schlichten Schwanitz fesselte, das war dessen einfach-treuherzige, zuverlässige, mannhafte Art. Wie tiefherzig er ihm zugetan war und das ganze Leben über verblieb, das geht aus mehr als einer Stelle der gemüt- mtb geistvollen, vielfach hochinteressanten Briefe hervor. So schreibt Scheffel — nm nur einige Stellen anzuführen — am 22. März 1846 von Berlin aus, wohin er zu weiterem Studium von Heidelberg gezogen, an den damals in Jena studierenden Freund.
„. . . Mir war's wahrhaftig auch llicht leicht ums Herz, als wir in Zwätzen Abschied von einander nahmen -- Dein trüber Blick und Dein Händedruck habeu mir Vieles gesagt, was ich so bald nicht vergessen werde, ich war fast beschämt, so viel Lieb' und Treue bei Dir gefunden zu haben — und hab' mir -tut Stillen angelobt, derselben immer wert zu bleiben, und, wie es auch später komme» mag, mein möglichstes zu tun, um ein braver Kerl zu feilt, dann ist alles gut. Wenn es je einmal schief mit mir gehen sollte, so schreib mir einen recht gewaltigen Brandbrief und erinnere mich an unseren Freundesverkehr — das soll mich wieder auf den rechten Weg bringen."
Und am 14. März 1847 berichtet er von Heidelberg aus dem bereits ins Philisterium zurückgetretenen Schwanitz:
Gestern habe ich zuni letzten Male als deutscher Student auf den Kollegienbänken gesessen — Gute Nacht, Frühling! Desto wärmer aber werd' ich die Erinnerungen pflegen, je dürrer die Kandidatenzeit ist: und Du siehst mitten drin, wie ein Heiligenbild in einer Mauernische, mit Ephen umzogen..."
Aus Säckingen, dem er später zu Ruhm verhelfen sollte, schreibt er am 21. Juli 1851: „. . . Daß mir unter dem wenigen Unwandelbaren, was ich aus dem Schiffbruch der Zeit gerettet habe, auch die unverbrüchliche Liebe zu Dir geblieben ist, dessen darfst Du Dich versichert halten. Das Ephen von Heidelberg und Jena hat unsere Herzen fest zusammen gerankt und wird nicht verdorren, so lange sie selber schlagen..."
Mit den Worten: „Ach wenn ich dich doch immer bei mir hätte" verabschiedete sich der durch mancherlei Schicksale schwer geprüfte und schon lebensmüde Scheffel von dem Freund bei dessen Besuch in Karlsruhe im August 1885. Es war das letzte Mal, daß sich die Freunde sahen. Am 9. April 1886 schloß Scheffel die Augen für immer.
In solch innigem Verhältnis stand Scheffel zu dem Männe, an den diese Briefe gerichtet sind. Was Wunder, daß er ihnen vieles anvertraute, was er, der im Verkehr so Zurückhaltende, fast Mädchenhaft-scheue, sonst gegen niemand aussprach. Wir erfahren aus ihnen über sein Sinnen und Denken, sein Leben und Schaffen, Lieben und Leiden soviel des Neuen und Eigenartigen, wie noch aus keiner der bisher erschienenen Scheffel-Publikationen. Und immer — in allen Wirren und unter den schwersten Schicksalsschlägen, worunter der Verlust seiner Schwester und Eltern und die furchtbare Katastrophe seiner Ueberarbeitung, die ihn nahe an den Wahnsinn führte, vielleicht noch nicht das Schlimmste waren — erweist er sich als der aufrechte, mannhafte, seinem Freunde treu ergebene Gesell, als der er uns von seinem ersten Schreiben an erscheint.
Ein schönes Ehrenzeugnis stellen diese Briefe Scheffels Charakter aus, und wir gewinnen aus ihnen den Menschen lieb. Ein Störendes und Schwerlastendes in seinem Leben, die T r a g i k s e i n e r Ehe, wird freilich nur leicht an- gedeutet. Rücksicht auf den Sohn und noch lebende Ber- ivandte von Scheffels Gattin wird wohl der zu ehrende Grund sein, daß hier die Quelle spärlich fließt. Umsomehr Einblick gewähren uns die Briefe in sein Leben und Treiben während der Studienjahre, dann in sein späteres Schaffen und Kämpfen und schließlich auch — besonders mit Hilfe der Briefe von Scheffels Mutter an Schwanitz — in seine gjoit erwähnte, durch ungeheure Ueberanstrengung (bei den orstudien zum Ekkehart) herbeigeführte Leidenszeit. Hier wird maic Vieles bisher Unbekannte nicht ohne Bewegung lesen. Wie grausam doch, das Geschick den Humor diesess
Dichters wieder zu vernichteu verstand! — Alles in allein ein Buch für den Weihnachtstisch der deutschen Familie.
G eo r g B ö t t i ch e r.
Die Universität Aberdeen.
Die Festlichkeiten zur Feier des vierhundertfährigcn Bestandes der Universität Aberdeen erreichten am 27. September ihren Höhepunkt in der Anwesenheit des Königs, der das neue Universitäts- gebäude eröffnete, und in dem großen Festbankett, das für 2400 Gäste gedeckt war. Biele Fremde, darunter auch deutsche Gäste ivaren mtivesend. Die UniversitätAberdeen ist demAlter nach die dritte der schottischen Universitäten, da St. Andrews nahezu 500 Jahre und Glasgow mehr als 450 Jahre alt ist. Dafür aber besaß Aberdeen mehr als 250 Jahre lang zivei Universitäten. Dir älteste >var der sogenannte „King's College", das von William Elphinstone, Bischof von Aberdeen, auf Grund einer im Jahre 1494 bis 1495 erlangten päpstlichen Bulle gegründet ivuroe und sei e Vorlesungen im Jahre 1505 eröffnete. Die Universität gab Unterricht in Theologie, in gemeinem und kanonischem Recht, in Medizin und in freien Künsten und befaß stiitungsgemäß „alle Rechte und Privilegien in Bezug aus akademische Grade, ivie sie von den Universitäten zu Paris und Bologna ausgeübt werden". Diese Universität war die erste in Großbritannien, an der Medizin vorge- trngen ivurde. Die Reformation und die Weigerung der alten Universität, sich dem neuen Zeitgeiste anzubequemen, führten irr. Jahre 1593 zur Gründung einer zweiten Universität, des „Atarischal College", gegründet mit Erlaubnis des schottischen Parlaments von George Keith, dem filmten Carl Marischal. Zwischen den beiden Universitäten, den Lehrern soivohl wie den Schülern, gab es natürlich fortwährend Streit und Kampf. In alten Schottland bewegenden politischen und religiösen Fragen standen sie immer auf entgegengesetzten Seilen. 1641 wurden sie allerdings zeitweise unter dein Titel „König Kurl-Universität" vereinigt, aber nach der Union von Schottland und England gingen die beiden Universitäten abermals auseinander. Es ivar erst 1853, daß beide wieder zur Universität Aberdeen verbunden wurden.
Jur Gegensatz zu den englischen Hochschulen haben die schottischen immer einen gewissen demokratischen Charakter getragen, und der Verbreitung der Volksschulbildung bis in die euilegendsten Dorf- iveiler entsprach gleichzeitig eine Einrichtung der Universitäten, die es selbst dein Sohn des HochlaudschäferS oder Fabrikarbeiters ermöglichte, Hochschulbildung zu erhalte». In dieser innigen Ver- bindung aller Zweige des nationalen Unterrichtswesen liegt die Bedeutung und Stärke der schottischen Hochschulen und Aberdeen steht da 'im vordersten Range. Namentlich in den englischen Kolonien findet inan eine erstaunliche Menge von Schotten in hervorragenden Stellungen, die sich mit Hilfe ihrer Universität aus ganz Keinen Anfängen emporgearbeitet hoben. Doch fehlt es Aberdeen auch nicht etn großen Namen der Wissenschaft, die aus seinem Schoße hervorgegängen sind. In neuerer Zeit sind der große Physiker Clerk Maxivell ii»d der Philosoph Alexander Bai» zu erwähnen, weiter zurück der Romanschriftsteller und Historiker Smolett und der gelehrte Bischof und Geschichtsschreiber Burnet. Die iteneii Gebäude, die gestern vorn König eröffnet wurden,, sind hauptsächlich für Labaratorien und Hörsäle bestimmt und haben ungefähr 250 000 Pfund gekostet, ivovou ein bemerkenswerter großer Teil von Privatleuten beigesteuert ivurde. Als Material diente vorwiegend Granit, der Stil ist die englische Gotik der Tudorzeit. Neben diesem modernen Neilbatt bleibt das alte massive Gebäude von Kings College mit seiner schönen alten, mit wunderbarer Holz- täselei gezierten Kapelle bestehen.
lieber das uom Universitätskanzler Lord Strathcona gegebene Festmahl, das einen K o st e n a u f iv a i> d von 200 000 M k. verursacht Hal, wird folgendes berichtet: D,e Beraustaltuiig lag in den Händen der Londoüer Lyons u. Co. Ein Sonderzug war erforderlich, um die Ta>elrequisiten von London zu bringen, die ein Gewicht von 1000 Zentner hatten. Es befanden sich darunter 64 000 Gabeln, Messer und Lössel; 12 000 Gläser, 24 000 Teller, 4000 Schüsseln, 1900 Blumenvafcn und außerdem auch 5000 Flaschen Champagner, Sherry, Portwein, Rheinivein, Bordeaux- uiid Bur- gtmderweine und 800 Flasche i Liköre. 3009 Hauaiinazigarren und nahezu 10 000 Zigaretten wurden auch mitgeführt.
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. Oktober!
: Von Richard Staben.
Nachdruck verbotest..
Die neue Wohnung.
EZ ivar wirklich nicht mehr auszuhalten geivesen in der alten Wohnung. Der Geizkragen von Hausivirt hatte sich schließlich sogar geweigert, die Küche ivieder Herrichten zu lassen, trotzdeut in ihr allerhand Ungeziefer täglich eine Unmenge Schiveinsurter Grün vertilgte, ohne daran zu Grunde zu gehen. Dieser Giftkonsum mußte in einem Neubau unbedingt aushören, der auch all die übrigen Mängel nickst ailsiveisen konnte, mit denen die alte Wohnung so reichlich ausgeftaitet war. ,
So hielt also die Familie Schrotmaiin heileren Genilltes ihren Einzug in den Neubau, trotzdem die Unbequemlichkeiten des Umzuges noch jedem einzelnen Familienmitgliede arg im Magen lagen.


