j g
@H8'
Samstag dLn 6. ch6iWr ' 'V-
8
I
MKW arapraas
MMWMi
■nr riFi mMEI
*IhwI1s piranj^l
■
Im Manne des Geheimnisses.
Vornan von H. v. Raesfeld.
Nachdruck verboten!..' (Fortsetzung.)! '
10, Kapitel.
Die Unterredung. t
Es war neun durch, als Marian West in den grünen Weg cinbog, der gttm Wallhccken-Hüuschen führte. Sie hatte sich sehr einfach gekleidet, ganz und gar nicht wie sonst, und dicht verschleiert, sodaß sie nicht erkannt werden konnte, außerdem die Vorsicht gebraucht, bis zmn Einbruch der Dunkelheit zu warten, sodaß ein ihr zufällig Begegnender sie überhaupt nicht erkennen konnte. Es gab keine nur mögliche Vorsichtsmaßregel, die sie nicht angewandt hätte.
Ihre ersten Worte an Kate Jefferies waren:
„Sind sic ganz allein? Sind die Knaben fort?"
„Es ist niemand hier", versetzte Kate; „und niemand kann herein. Ich habe die Tür verriegelt."
„Das ist gut", sagte Marian, .„und nun möchte ich Sic der Vorsicht halber ersuchen, alles Ccremonicll und jede Höflichkeit bei Seite zu legen und mich immer ohne Namensnennung anzusprechen; man kann nie vorsichtig genug sein; es könnte jemand vorbei oder an die Tür kommen, während wir hier sprechen, und mein Name ist wohlbekannt."
„Ich will daran denken", sagte Kate Jefferies.
Marian West nahm einen Stuhl und setzte sich Mrs. Jefferies gegenüber, sie knöpfte ihren Mantel los uüd band ihre Hutbänder auf, schlug aber den Schleier nicht in die Höhe.
„Nun also, begann sie, „von diesem Jungen. Ihr Brief hat mir gefallen. Es freut mich, so gute Nachrichten von ihm zu hören."
„Es ist einer der nettsten Jungen, die ich je gesehen", sagte Kate, „sehr hübsch und wirklich sehr anstellig. Ich fürchte, er hat einen zu anschlägigen Kopf. Sie werden nie einen Kaufmann oder so was aus ihm machen, er schreibt Gedichte".
„Schreibt Gedichte!" wiederholte Miß West, „beste Frau!"
„Ja, und Dr. Cloth sagt, er wäre ein Genie", fuhr Kate fort, augenscheinlich sehr unsicher, wie diese Mitteilung wohl ausgenommen werden würde.
„Immer schlimmer", sagte Marian.
„Ich möchte so sehr gern, daß Sie ihn einmal sähen; ersieht aus wie ein junger Prinz."
Aber Marians Gesicht bedeckte sich unter dem Schleier mit Schamröte.
„Ich habe ihn seit dem Tage, wo ich ihn Ihnen in den
Arm legte, nicht wieder gesehen", sagte sie dann nach einer Pause nachdenklich.
„9?cin, der arme, kleine, nette Kerl!"
„Aber", unterbrach Marian, „er ist doch glücklich und zufrieden, nicht wahr? Sie sind gut gegen ihn, des bin ich sicher; und er weiß doch nichts, argwöhnt nichts."
„Nein", war die ernste Entgegnung. „Er nennt mich Mutter. Ich bin sehr freundlich und gut mit ihm; aber jedermann kann sehen, daß es keiner von uns ist, und obgleich er bei uns groß gezogen ist, so glaube ich doch nichts daß das Kind sich ganz zu Hause fühlt."
„Aber er hat doch nie etwas anderes gekannt? Er hat kein anderes Leben, keine andere Umgebung gekannt?" sagte Marian eifrig.
i. „Nein, Madame; aber der Geschmack ist verschieden, und seiner ist offenbar mit ihm auf die Welt gekommen".
„Sie meinen also, sein feines Wesen sei angeboren", sagte Miß West; und Kate erwiderte liebenswürdig lächelnd:
„Ja, ja, das ist genau das, was ich sagen wollte, aber ich konnte das nicht so bringen."
„Sic haben sorgfältig Wort gehalten und Abbotsville nicht wieder erwähnt, seit Sic dort abreisten?"
„Kein mal mehr", versetzte sie.
Dann saß Marian West eine Zeit lang grübelnd und nachdenklich da.
„Kate Jefferies", sagte sie endlich, die Zeit ist gekommen, ivo ich Ihnen mehr vertrauen muß, als ich einst tun zu müssen glaubte. Ich weiß nicht, was Sic von mir denken werden, wenn Sie alles erfahren; das aber ist gewiß, ich habe in bester Absicht gehandelt."
Sie seufzte lief und sah ins verglimmende Küchenfeuer; vielleicht bedrückte sie die Last des so lange Jahre gehüteten Geheimnisses.
„Von meiner Schwester will ich nicht sprechen," sagte sie dann. „Sie nannten sie Mrs. Folksworth. Sie können sie noch so nennen, wenn Sie wollen. Ihr Geheimnis gehört ihr allein. Ich war ihr nächstes und liebstes auf der Welt, und doch habe ich es nie erfahren. Ich kann cs Ihnen also nicht sagen; ich weiß nicht, mit wem sie verheiratet war, nicht, warum alles ein solches Geheimnis bleiben mußte; alles, was ich weiß, ist, was vorficl."
Und wieder saß Miß West einige Augenblicke schweigsam da und beobachtete die glimmenden Funken.
„Wie Sie wissen," begann sie wieder, „war meine Schwester damals gefährlich krank, so daß wir nicht mehr für ihr Leben hofften; ihre fixe Idee war, daß ihr Kind tot sei, hatte sie es doch nie gesehen, gehört oder es sich vorstellen können. Sie war so "krank, daß ich fürchtete, diesen Eindruck


