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Karl Ernst Knodt.
3uui 50jährigen Geburtstag des hessischen Waldpfarrers.
In seinem stillen Dichlerhenn zu Bensheim a. d. Bergstr. begeht heute, am 6. Juni, der hessische Dichter Karl Ernst Knodt seinen fünfzigjährigen Geburtstag, und viele dankbare Herzen werden an diesem Tage des schlichten Waldpfarrers gedenken, der in seinen gemütstiefen Gedichten den denkenden Leser aus der Hast und Unrast des Lebens hinweist auf die Ewigkeit, und wohl in jeder Brust bekannte und ckief im innersten Wesen selbstempfundene Töne anklingen läßt. All das, was des Menschenherz bewegt, des Herzens Leid unh Freud gestaltet sich in dem schlichten Gemüt des Dichters zu gedankenreichen und dabei formvollendeten Gedichten, die zu dem Besten gehören, was die neueren deutschen Lyriker unserem Volke gegeben haben. Knodt ist ein Sohn der sonnigen Rheinlande, in Eppelsheim ist er geboren. Von seinem äußeren Lebensgang ist wenig zu berichten, denn sein Dichtertalent bildete sich fern von dem Getriebe der großen Welt, in dem stillen, weltabgeschiedenen Odenwalddörfchen Ober-Klingen. Wer das etwa vier Stunden von Darmstadt entfernte, in eilt weltentrücktes gesegnetes Tälchen am Fuße des hochragenden Otzberg gebettete Dörfchen kennt, in dem er längere Zeit als Pfarrer wirkte, findet es begreiflich, daß und wie sich Küodts starkes dichterisches Talent entwickelte und nach seinem Ausdruck rang. Er versetzt uns in den meisten seiner Lieder in die blühende, ihn umgebende Natur und sein echt deutsches tiefreligiöses Gemüt spricht in ihnen seinen Dank aus gegen "den Weltenschöpfer. Gott und die Natur sind die beiden Begriffe, die seine dichterische Welt beherrschen, und so finden wir in seinen Poesien neben dem Lob der Schönheiten unserer Heimat, insbesondere des deutschen Waldes, schlichte religiöse Lieder, Lieder der Sehnsucht. Denn auch ein Sehnsuchtsdichter ist Knodt, aber er ist nicht erfüllt von der Sehnsucht der modernen weltschmerzlichen Dichterjünglinge, die in den Kaffeehäusern der Großstädte sitzend die deutsche Literatur und das Leben „verbessern" wollen und unbefriedigt und im Grunde genommen nutzlos dahinleben, sondern von der Sehnsucht der natürlichen, gesunden und starken Naturen, die sich mit ihrer Gedankenwelt hinaufschwingen über den Geist des Alltäglichen zu Gott. Nichts konventionelles und nichts gemachtes haftet seinem starken Gottesglanben an und die Frömmigkeit wird für ihn nicht zur Marktware, sondern sie ist der Ausdruck seines Gemütes.
Nahezu 40 Jahre war der Dichter alt, als sein erstes Werk erschien, das Buch „Aus der Waldecke". Es ist ein Hohelied von dem deutschen Walde, den Knodt sozusagen an der Quelle studiert hat. In diesem ersten Buch finden wir die eigenartige Stimmung, die Knodts Dichtungen charakterisiert. Die „Sehnsucht ist's, die ewige Wunder webt", schrieb er mir als Widmung in seine „NeuenGedicht e". Von Knodt haben wir das feine, wunderliche Buch „Wir sind die Sehnsucht", eine mit kogenialem Verständnis ausgewählte Liedersammlung moderner Sehnsucht. Ein Menschheitsmärchen nennt der Dichter sein erstes Prosawerk „Fontes Melusin ae", durch das er die Melusina- literatur um einen bleibenden wertvollen Beitrag vermehrt hat. Es ist ein Sang der Sehnsucht nach reiner Auffassung von Welt und Weib. Prächtig ist in diesem tiefdurchdachten Werke wiederum die Naturstimmung.
Das reifste Werk Knodts ist das prächtige im vorigen Jahre erschienene Buch „Ein Ton vom Tode und ein Lied vom Leben", in denk des Dichters Auffassung von den Beziehungen der Menschen zu Gott und zum Leben uns in schlichter Größe entgegentritt.
Wir glauben nicht besser zum eigenen Lesen von Knodts Gedichten und zum Nachdenken über die von ihm behandelten Dinge anregen zu können, als dadurch, daß wir einige seiner Lieder hier wiedergeben:
„Ein Orakel."
Als ich das Leben Allein nicht ertrug, Als ich die Gottheit Uni Gaben srug — Kam mir aus Lullen Das seltsame Wort, Das ich nun hege Als heiligsten Hort: „Alles ist Gnade, Auch einsame Piade."
„Deutsch Sprechen ist fast wie Schweigen." Leise sind die Liebeslieder, Tie aus deutschem Geist erklingen, Wie Du sie im Dori von Mädchen Abends hörst am Brunnen singen.
Wie Du sie von Deiner Mutter Hörtest bei dem Kiuderwiegcn, Und wie sie als Wanderweisen Durch die Sommerwäldcr fliegen.
Soll ich Dir die Seele sagen, Die dem deutschen Liede eigen, Das unsterblich ist wie diese? Deutsche Liebe ist wie — Schweigen!
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Sein 50. Geburtstag gab Veranlassung, daß Prinz Emil zu Schönaich-Carolath seinen Namen an die Spitze eines Aufrufes gesetzt hat, um weitere Kreise aus Knodts dichterisches Wirken aufmerksam zu machen. Der Knodt befreundete Darmstädter Bildhauer D. Greiner hat eine Plakette modelliert, die auf der Vorderseite das Bildnis des Dichters und ans der Rückseite die Gestalt seiner Melusina trägt. Außer diesem Erinnerungsstück hat Karl Engelhard ein Gedenkblatt yerausgegeben, mit dessen von warmer Freundesliebe diktiertem Inhalt auch das kühlere Urteil Fernstehender sich einverstanden erklären dürfte:
„Was uns am stärksten zu ihm hinzieht, das ist seine ausgeprägte, klare, in Gott gegründete und zu Gott aus- strahlende itnb deshalb auf alle Herzens- und geistesverwandte Seelen mächtig beeinflussend wirkende Persönlichkeit!" E. H
Ale Kerstomertour.
1600 Kilometer durch Deutschland und Oester- r e i ch. 5.—13. Juni.
Eine Sportplauderei.
Jin Sport ist es heutzutage gar nicht so schwer, zu Ruhm zu kommen. Es ist nicht einmal nötig, aktiv in irgend einem Zweig sportlicher Tätigkeit über den Durchschnitt hinauszuragen, es ist nur notwendig, eine gute Idee zu haben und einen dazu passenden Geldbeutel, um seinen Namen in aller Munde zu sehen. Und wenn Hubert von Herkomer, der deutsch-englische Maler, der unweit Münchens ein prachtvolles Schloß fein nennt, aber in London seinen ständigen Wohnsitz hat, nicht schon seines Pinsels wegen ein berühmter Mann wäre, würde er es doch durch die Stiftung jenes Automobilpreises geworden fein, der nach ihm den Namen trägt.
In einer Zeit, wo die Schnelligkeitsrennen im Anto- mobil auf dem Aussterbeetat sich befanden, wo es nicht mehr galt, ans einer möglichst langen und schweren Strecke eine möglichst kurze Zeit zu gebrauchen und einem Weltrekord um den anderen, wenn auch nur um Bruchteile von Sekunden den Garaus zu machen, war es eine gute Idee, eine internationale Tourenfahrt in Anregung zu bringen. Es sollte hier nicht auf die Schnelligkeit allein ankommen, sondern in erster Linie auf die Ausdauer des Wagens und die möglichst geringe Abnntznng des Vehikels und schließlich auf die Kunst, die Berge hinaufzukraxeln. Da Herkomer ein Bayer ist, so übertrug er die Ausarbeitung des Programms dem bayerischen Automobilklub. Es wird noch in Erinnerung fein, wie glatt diese erste tzerkomer- konkurrenz im vergangenen August verlief. Am Kesselberg fand das Bergsteigerenuen statt nach einer sturmgepeitschten Nacht. Zwei Tage später wurde auf Schnelligkeit im Forstenrieder Park bei München gerannt und dann nahm die eigentliche dreitägige Tourenfahrt von München über Baden-Baden iiach Nürnberg und München ihren Anfang.
Der Sieg fiel einem jungen schneidigen Stndio aus Mannheim, Namens Edgar Ladenburg zu, einem mit Gold überladenen Herrn, der es sich leisten konnte, einen vierzigpferdigen Mercedes zu steuern, der tadellos über alle Kurven und sonstigen Hindernisse hinwegfegte. Er geivann den phantasievollen Wanderpreis des Stifters, übrigens ein in Silber getriebenes Kunstwerk Herkomers, der ja nicht nur Maler ist, int vollen Werte von 10 000 Mark. Auf einem niedrigen Sockel erhebt sich eine Staubwolke, die das Töff-Töff verkörpern soll. Auf der Wolke schwebt Merkur und schwingt sich vorwärts, einem unendlichen Ziele zu. An seine Schulter lehnt sich in strahlender Schönheit die göttliche Nike, ein Steuerrad in der Hand.


