Ausgabe 
6.6.1906
 
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1906

iKJälw

Mittellose Mädchen.

Roman von H. Ehrhardt.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Metal" sagte sie hastig, mit geheucheltem Gleichmut auf einen vorübersausenden Wagen der Elektrischen blickend, »sag glaubst Tu noch immer, daß ich Max Deinen Mann, damals geliebt habe daß ich daher mein Ver­ständnis für solche Gefühle ich mochte ihn ja furchtbar gern, so wie heute auch noch aber so wie Du dachtest"

Sie geriet ins Stottern und Meta, die sich ein wenig verfärbt hatte, erlöste sie aus ihrer Verlegenheit, indem sie vornehin ruhig einfiel:

Glaubst Du, daß ich so mit Dir verlehren könnte, wenn ich das noch dächte?Nein, Kleines, mein Mann hat mir alles gebeichtet, dauials, als seine Nerven krank waren und meine Liebe, stärker als mein Zorn, mich zu seiner Pflege zu ihm zurückführte er hat sich nicht geschont, er hat also auch ehrlich eingesteheu müssen, daß Du ihn nie geliebt hast, wie er selbst cs Dir gegenüber tat."

DaS- junge Mädchen wehrte erschrocken, Helle Glut im Gesicht, ab.

Ach, Meta, Du irrst Dich', Dein Mann hat sich ja auch nur eingebildet, mich zu lieben."

Nein, es war kein eingebildetes Gefühl!" erklärte die blasse Frau und während sie, sich leicht rückwärts wendend, ihren schwarzen Seidenrock höher raffte, verbarg sie dem Mädchen das wehe Lächeln, dem sie nicht zu wehren ver­mochte,Du warst die Liebe, seiner versäumten Jugend weißt Du, so eine Art erste Liebe die hell auflodert, aber Gottlob zu verloschen vermag, ohne schwere innere Wunden zurückzulassen. Das Gefühl, das ich durch meine ihm nicht mehr verhehlte Liebe und mein Verzeihen in ihm weckte, ist nicht so heiß, aber von wohltuender, gleichbleibender Wärme, die nicht zerstört, sondern erhält, und es ist das, was für mich zum Glück genügt, lleberschwenglichkeit liegt nun ein­mal nicht in meiner Natur, ich konnte nie so recht aus mir herausgehen, aber meinem Manne gefalle ich jetzt so wie ich bin"

Sie hatte ein mädchenhaftes Erröten für dieses Geständnis und Suse warf sieh stolz in die Brust und verlöschte mit ihrem fröhlichen:Daun bin ich ja eigentlich Eures Glückes Schmied" den letzten Schatten der Vergangenheit.

In bester Stimmung erreichte die kleine Gesellschaft das elegante Restaurant. Nicht ohne Mühe wurde noch ein freier Tisch für sie gefunden und der Major verständigte sich schnell

mit einem der Kellner über ein exquisites, kleines Souper und die dazu nötigen Getränke.

Trautendorf hatte sieh geschickt neben Suse geschlängelt, so daß er bei der Platznahme ganz natürlich neben sie zu sitzen kam und sie betätigten ihre gegenseitige Freude darüber durch einen verstohlenen Händedruck.

Ruth saß zwischen dem Ehepaare, ein wenig benommen und doch innerlich freudig angeregt von dieser von Genuß und Frohsinn förmlich gesntttigten Atmosphäre, deren schwülen Hauch sie zum ersteirmale in schüchternen Zügen einatmete. Alle kleinlichen Bedenken fielen inmitten der Eleganz dieser Räume, umgeben uon dein Treiben des nächtlichen Großstadt­lebens, an dieser reichbesetzteu Tafel voir ihr ab. Sie gab sich skrupellos dem hin, was der Reichtum der Verwandten ihnen bot.

Vor vierzehn Tagen noch wäre ihre niedergedrückte, euipfindliche Seele vor solchemAlmosen" zurückgeschreckt. Jetzt schwang sie sich einer Lerche gleich frei und leicht in. den Höhen des Empfindens, in süßem Taumel die reale Wirklichkeit vergessend. Sie sprach und lachte und es war ihr selbst etwas Köstliches, ihre Stimme und ihr Lachen so heiter und belebt zu hören. Sie sah wunderbar schön aus. Gleich dunklen Fittichen fiel das schwarze Haar unter dem breitrandigen weißen Strohhut in ihre klare Stirn, ihre Augen strahlten groß nnb geheimnisvoll aus der zarten Blässe ihres Gesichts, um die tiefroten, stolz geschivungenen Lippen zitterte der Abglanz ihres heimlichen Glücks.

Sie erregte Aufsehen. Man sah sich nach ihr um. Die Taillen mit Neid und einem mitleidigen Lächeln über die billige gelbe Seidenbluse, die gegen ihre spitzenüberrieselten Gewänder doch in jedem Fall den kürzeren ziehen mußte, die Herren lebhaft interessiert, beutelüstern, nur durch den Generalstäbler" im Zaun gehalten, geärgert, daß die schwarz­haarige Schönheit ihnen absolut keine Beachtung schenkte. Sie hätten sich ja schließlich arlch damit begnügt, die Aufmersam- keit der süßen kleinen Blonden neben ihr zu wecken, aber die hatte ihre wunderbaren, blauen Kinderaugen widerum nur für ihren schlanken brünetten Nachbarn, dem man den Offizier in Zivil so deutlich ansah. Das war ein Getuschel und ein Gelache. Hätte Ruth sich nicht so lebhaft mit dem Major unterhalten, heute wäre sie sicher nicht länger blind gewesen.

Meta jedenfalls merkte die wachsende Intimität der beiden mit einem leichten Zorngefühl. Was dachte sieh dieser leicht­sinnige Trautendorf eigentlich? Er konnte Suse doch nicht heiraten. Er verdarb ihr durch diese Courmacherei nur die Chancen bei dem Oberregierungsrat. Aeltere Herren gerade sind bei so etwas sehr empfindlich.

»Ich muß ein ernstes Wort mit ihr reden l" dachte die