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Redaktion: Ernst öest. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'kcben Unwersttäts-Buch- und Steindruckeret, 9L Lanae. Gießen.
Eigenschaften mit Liebe, init Strenge und so oft vergeblich. All diesen ivird der Roman, der einen speziellen Fall in die Sphäre des allgemeinen Erziehun gsprobleins rückt, wie eignes Erleben sein, eilt Buch des Schmerzes und zugleich ein Buch des Trostes/ Für die Dichterin selbst aber bedeutet der Roman, den sie „ihrem Sohne, zu der Zeit, da er grob sein wird", gewidmet hat, zweifellos eilte innere Befreiung, ein Aussprechen all der Fragen und Sorgen, die sie bei der Erziehung eines Kindes beschäftigt und gequält haben, wie sie jede Mutter beschäftigen und quälen, die nicht gedankenlos' der Enttvicklung ihrer Kinder zusieht, sondern formend und bildend diese Enttvicklung zu fördern und zu beinslussen suchen wird.
—> Die Schrift „Das Schielen", Ursachen, Folgen, Behandlung, von Prof. Dr. Wilhelm Schoen (München, Lehmann 250 S. 6 Mk.) behandelt eingehend Theorie und Definition des Schielens, die Physiologie des zweiäugigen Sehens, Untersucki- ung und Einteilung des Sehens, Schielursacken und Schielformen, unmittelbare Folge des Schielens, nervöse Folgeerscheinungen, Diagnose, DifferenzialdiagNose und Prognose, sowie die Behandlung des Schielens.
— Der Verlag von Max Hesse in Leipzig bringt in seiner Volks- büchcrei EinzelanZgaben von M ör ikes Schriften, die infolge ihrer gefälligen Ausstattung — besonders sei der klare, angenschonende Druck hervorgehoben — und ihrer billigen Preise große Verbreitung finden werden. Mörikes Gedichte und die ,/Idylle vom Bodensee" kosten da 80 Pfg., die entzückende Novelle „Mozart auf der Reise nach Prag" 20 Pfg., der Roman „Maler Nollen", der Mörikc zuerst weiteren Kreisen bekannt machte, 1 Mk., daS Märchen „Das Stuttgarter Hutzelmännlein" 40 Pfg., ein Band Novellen und Märchen 40 Pfg. — Nmt kann Mörikc, dieser wahre deutsche Volksdichter, Gemeingut werden, da die geradezu spottbilligen Preise jedermann die Anschaffung ermöglichen. Alle Bändchen sind mit, Einleitungen des Herausgebers Rudolf Krauß versehen.
Wo ist Siegfried, der den Drachen tötet? Auflösung in nächster Nummer.
Auslösung des Homonyms in voriger Nummer. Laute.
er aber vor dem Schlosse dir Wache ins Gewehr treten sah, begriff er endlich. Er hielt sein Pferd an, ließ cs eine halbe Wendung machen, und ritt, als wenn er von Furien verfolgt wurde, im sausenden Galopp davon. Die Zarin erzählte sofort ihren Damen sehr belustigt, was geschehen war. Die Geschichte kam zu Ohren des Generals Trepow, der eine Untersuchung einleitete. Der Posten, der beschuldigt wurde, dast er einen Fremden in den Prwat- park habe eintreten lassen, erklärte, daß er den Offizier für den Großfürsten Andreas Wladimirowitsch gehalten habe, Lils der Offizier erfuhr, daß der Seid des Abenteuers gesucht werde, meldete er sich sofort. Der K a i s e r l a ch t e h e r z l i ch über den Vorfall und wollte alles verziehen wissen, doch Trepow bestand ans Bestrafung deS Schuldigen. Das Abenteuer sei ja sicher sehr komisch, aber das könne den'Ernst der Tatsache, daß ein Fremder bis zu den Fenstern deS Zaren Vordringen konnte, nicht aus der Welt schaffen. Er, Trepow, übernehme die volle Verantwortung für die Uebcrwachung der Mitglieder der kaiserlichen Familie, aber er wünsche auch, dast die von ihm erteilten Befehle befolgt werden. Die Offiziere der Schloßwache hätten wissen müssen, daß die Zarin auSgefahren sei; sie hätten daher besonders den Park überwachen müssen, zumal da sie wußten oder hätten wissen sollen, daß die Spazierfahrt sich in den Volkspark ausdehntc. Sie müßten also wegen grober Fahrlässigkeit bestraft werden, sonst sehe er sich veranlaßt, seine Entlassung zu geben. So geschah cS, daß drei Offiziere der Schloßivache und der Posten zu ihren Regimentern zurückgeschickt wurden.
Literarisches.
— Die Lieferungen 33 bis 40 der wiederholt von uns erwähnten und empfohlenen Illustrierten Volksausgabe v o n Schillers W e r k e tt (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) enthalten „Wilhelm Teil", das lyrische Spiel „Die Huldigung der Künste" und die Mehrzahl der von dem Dichter ans fremden Literaturen übertragenen oder für die deutsche Bühne bearbeiteten dra- rnatischeu Werke: die „Iphigenie in Aulis" und die „Szenen aus den Phönizierinnen" des Euripides, Shakespeares „Macbeth", Gozzis Märchenkomödie „Türandot, Prinzessin von China"', und die französischen Lustspiele „Der Parasit"' und „Der Neffe als Onkel". Unter den Illustrationen, von denen diese Werke des Dichters begleitet sind, verdienen Ferdinand Kellers und P. Grot Johanns Schöpfungen zur „Iphigenie in Aulis", die Kompo- titiouen von Gabriel Max und E. Roeber zu „Macbeth" und von t. Schraudolph zu „Türandot", endlich die Zeichnungen A. Walters zu „Der Parasit" und „Der Neffe als Onkel" hervorgehoben zu werden. Der Preis jeder Lieferung beträgt 30 Pfg.
— E. v. Keyserling, Sch!vüle Tage. Novellen (Inhalt: .Harmonie — Die Soldatenkersta — Schwüle Tage.) (L>. Fischer, Verlag, Berlin). Geh. 2 Mk. — Novellen des Grafen Keyserling sind für jeden verfeinerten Geschmack ein erlesener Genuß. Kaum ein heutiger deutscher Erzähler hat einen so graziösen, sicheren Tonfall. Besonders fein ist in Keyserlings Novellen die Schilderung der Natur; man sieht, hier ist die Natur nicht in der Ferienstimmung eines Städters gesehen, sondern zu Grunde liegt die genaueste Kenntnis des Lebens auf einem großen Gutshof, mit der Arbeit auf dem Felde und der Feierstunde am Abend, mit Jahreszeiten und Tagesstunden, mit Tieren und Menschen. Und diese Menschen kennt und schildert Keyserling mit derselben Intimität. Er verfügt über eine schwüle und betörende Erotik, die durch eine gewisse Ironie des' Vortrages etwas Schneidendes und hockst Melancholisches bekommt. Seine Novellen sind zudem kleine Meisterstücke au Abrundung.
— C. Biebig: Einer Mutter Sohu. Roman. —• Buchschmuck von Franz Christophe. — Verlag von Egon Flejschel und Co., Berlin W. 35. — Preis: 5 Mk. —■ Wenn Clara Biebig jetzt seit Jahren zu den gelesensten deutschen Schriftstellern gehört, so verdankt sie diesen ihren großen Leserkreis nicht einer Modeströmung und nicht der Sensationshascherei. Unbeirrt von allen äußeren Einflüssen ist sie zur Höhe emporgeschritten auf dem Wege, den ihr der Reichtum ihres Herzens, die Fülle ihrer dichterischen Intuition gewiesen. Nur die Empfindungen ihres Inneren, eigenes tiefes Erleben in die reine künstlerische Form zu gießen, drängt es sie, und keines ihrer Werke vielleicht zeigt die poetische Notwendigkeit, aus der heraus es geschaffen' ist, so intensiv wie ihr neuer Roman. Hier gibt sie uns einen psychologischen Roman, dem das äußere Weltbild nicht als Hintergrund dient, der dafür aber eine Welt für sich bis in intime Feinheiten aufdeckt: die Welt der Mutter. Nicht ein Erziehungsroman landläufiger Art, nicht die Konstruktion des Gegensatzes von Haus und Schule, sondern ein Erziehungsroman int engsten und zugleich im allerweitesten Sinne: das Ringen der Kultur mit der Natur. Ueber der leiblichen Mutter, die das Kind geboren, über der sorgenden, Mutter, dir das Kind erzieht, steht die Mllmutter Natur, bte daS Wesen seines Wesens erschaffen, die unsichtbar rmd gewaltig mit jedem Streben der ausgleichenden Kultur einen zermürbenden Kampf kämpft um Rein-Erhaltung der Sonder-
Ed "taffe. Tausende und Abertausende von Müttern kämpfen täglich den hier geschilderten Kampf bei der Erziehung ihrer Kinder gegen angeborene, in diesen schlummernde Triebe und
Msde.
— Die „G r o ß e M o d e n w c l t" mit bunter Fächert ignette, Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 35, bringt nicht nur Kostümbilder, sondern auch eine Anleitung, sich die Kostüme mit Hilfe des Schnittbogens billig selbst herzustellen. Der Modeuteil, die Rubrik: „Neues aus Paris", die Rubrik „Kunst und Wissenschaft", eine illustrierte Belletristik und eine Extra-Handarbeiten- beilagc, ein Modeukolorit zeugen von dem Inhalt des Blattes. 1 Mk. vierteljährl. (Verlag John Henry Schwerin, Berlin W, 35.)
Gesundheitspflege.
F= Die Magenkrankheiten, deren Entstehung, Verhütung, Behandlung und Heilung, gemeinverständlich dargestellt von Dr. mcd. Herrn. Braun. Preis 1 Mk. (Deutscher Verlag in Berlin SW. 11.) — Hier findet der Leser manche Aufklärung über die Kvankheitserscheinungen und Erkennung von Magenkrankheiten, soivie deren Behandlung. Es sind ferner Regeln für die Diät der Magenkranken, Nährwert und Verdaulichkeit der Nahrungsmittel und andere tvichtige Mitteilungen für Magenleidende darin enthalten.
Bexrrbild, Nachdruck verboten.


