Ausgabe 
6.1.1906
 
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Ehrwürdigem überkommen ist, zur Anschauung au bringen und zur Erhaltung desselben anzuregen. Insbesondere sollen die kleidsamen Trachten, die in Oberhessen und den angrenzenden Ge- bieterr noch vorhanden sind, zur Anschauung gebracht.werden. Eine Ausstellung soll das hessische Bauernhaus tn Plan und Bild uns zeigen, wobei namentlich auf den Wandschmuck Rück­sicht genommen werden soll. In einem Festzuge sollen in Form von Gruppenbildern die biederen Sitten und Gebräuche bei ernsten und freudigen Gelegenheiten vorgeführt werden. Die da­durch gewonnenen Eindrücke sollen durch ein Wetterauer Volks- schauspiel vervollständigt und vertieft werden. Die Wstcht, em solches Volksfest abzuhalten, ist in Buhbach tote feiner näheren und weiteren Umgebung frettdigst begrüßt worden. Man hofft, daß Dorf und Staat in bestem Wetteifer gemeinsam um das Sufbaubefommcit gedachter Veranstaltung bemüht sein werden. Die freundliche Bitte ergeht dartim an die Bewohner Oberhessens, der angrenzenden Gebiete, bescmders der Umgebung von Butz­bach. durch Rat und Tat mithelfen zu wollen. Gütigst möge man dein oesclästsführenden Ausschüsse, an dessen Spitze Prof. Wämser in Bimbach steht, mitteilen, wer gewillt ist, durch Herleihen von Gegenständen die Ausstellung zu bereichern, welche Gruppe man etwa im Festzug zu stellen wünscht. Wir ivenben uns in erster Linie an die Ortsvorstände, Geistlichen, Lehrer und Borstärtde von Vereinen. Vorschläge, Mitteilungen, Anreg­ungen nehmen außer Professor Wämser jederzeit entgegen die nachstehenden, in Butzbach, mit der geschäftlichen Seitnng be­trauten Herren: Medizinalrat Dr. Vogt, Lehrer Weide, Kreis- ftraßerrmeister Metzger, Hauptlehrer Storch.

VemNZHetztss.

** Dash ohe Neujahr" oder Drei-Königs fest, auch Epiphania, d. h. Erscheinungsfest Christi, ist heute, 6. Jan. Die Weisen aus dem Morgenlande, betten die römische Kirche die Namen Kaspar, Melchior und Balthasar beilegt rmd deren drei Gedenktage unmittelbar dem Ncnjahrstage folgen, wurden erst später für Könige erklärt itnd ihre Dreizahl folgerte man aus den drei Opfergaben Gold, Weihrauch und Vtyrrheu. Die ortho- dore Kirche feiert das Dreikönigsfest als die geistige Geburt des Jesusknaben als Sohn Gottes, da sich im Tempel der heilige Geist auf ihn niedersenkte. Das Zlbeudland und die römische Kirche legten das Fest der Geburt Christi als wahrhaftiger Mensch in die Zeit der Wintersonn.entoettde und behielten das Epiphanias- fest mit 6. Januar als Taufe Jesu bei. Zeitlich fällt das Drei- Königsfest mit dem Schluß der zwölf Nächte, der letzten Rauch- uacht der nordischen Heidett zusammen. Das Nmherziehett der segenspenfenfen und opferheifchenden Germanengötter und die Wanderfahrt der heiligen Drei Könige ans dem Morgenlande hat sich bis in unsere Zeit, in den seltsamsten Bolksgebräuchen zn einem frommen Mummenschanz, vereinigt, erhalten. Natür­lich haben es die Darsteller solcher festlicher Umzüge hauptsächlich aus Leckerbissen und klingende Münze abgesehen. Mit uralten Bettelversen klopften sie bei Hoch und Niedrig au, und sie dürfen einer guten Ernte überall sicher sein. In Oberschlesiett wandern die drei durstigen Gesellen mit einer Papierlaterne in Form eines strahlenden Sternes einher; sie tragen seltsame improvisierte Ge- wänder von weißer Leinwand und die Goldpapierkrone auf dem kindlichen Haupt. Mit Kreide malen sie die Anfangsbuchstaben C., M., B. und drei Kreuze an Stall und Scheune. Dafür und für ein glückwünschendes Reimchen lassen sie sich bewirten und beschenken. Im Norden Deutschlands am Stettiner Haff herrscht ein ganz ähnlicher Brauch. Dort machen diedrei Könige" auf demRummelpott" (Lärmtopf) einen gewaltigen Radau vermittels einer Schweiusblase, die beit tönernen Hohlraum zur Pauke macht. Dazu wird ein Gekreisch ansgestoßen, als ob die Eitlen schreien. Aber auch dafür zeigt sich die Dorfbetoohnerschaft erkenntlich. Die Nickel und die Pfennige fliegen von allen Seiten herzu und an einem guten Trunk und festlichen Imbiß soll auch kein Mangel sein. Sehr naiv äußerte ein Dorfjunge auf der Insel Usedom seine Freude über das nahende Fest:Hurra, zu Hochneujahr geh ich alsheiliger Dreikönig"!"

* Ein H o ch z e i t s g e s cheu k rP r in z e ffin Ali c e". Bus Rewyork wird berichtet: In Bater City in Oregon ist der Plan angeregt worden, Miß Alice Roosevelt zu ihrer Hochzeit im Februar ein Geschenk von 3 000 000 Mark zu überreichen, die auf dem Wege der Subskription in allen Staaten zusammen­gebracht werden sollen; dabet sollen die Einzelbeiträge nicht mehr als 10. Cents (40 Pf.) betragen. Man braucht nicht daran zu zweifeln, daß eine genügende Zahl von Personen sich an dieser Subskription beteiligen würde, um die stattliche Summe zu er­zielen ; wohl aber ist es die Frage, ob Miß Alice selbst mit diesem Vorschläge einverstanden fein wird. Sie hat diesen kleinen Zuschuß zu ihrer Aussteuer auch eigentlich nicht nötig. Mr. Nicholas Longworth, ihr Anserwählter, ist ein sehr reicher Mann, und auch für Miß Alice ist durch eine Erbschaft bereits hinreichend gesorgt.

Gesundheitspflege.

*Verstopfte Nase" bei Katarrh. Wir stehen jetzt in einer Seit, in welcher viele Menschen von einem Schnupfen oder von einer verstopften Nase heimgesucht werden. Wie oft sieht man da, wie einem von diesem liefet Geplagten, wenn et merkt, daß seine Lunge nur noch durch ein ganz kleines Winkelchen der Nasenlöcher mit Stift gespeist wird, der Geduldfaden zerreißt und er sich durch wütendes Schnaufen unter einer Flut von Kraftausdrücken vergeblich Luft zu machen sucht. Drefen arg Geplagten soll nachfolgendes, praktisch Erprobte Mittelchen zu Hilfe kommen, das geeignet sein dürfte, ihnen ihr Leben zu er­leichtern. Dieses Mtitelchen ist weiter nichts als kräftiges, recht vielseitiges Kauen. Es empfiehlt sich bei dieserKinnladen-Gyrn- naffit", um sie etwas natürlicher zu gestalten, besonders bei Kindern, irgend etwas Kanbares, dessen Zerkleinerung den Zähnen Anstrengung verursacht, in den Mund zu nehmen, z. B. Jo­hannisbrot oder härteres Backobst. Es ist überraschend, wie leicht sich bei dieser Methode nach einigen Minuten der Schleim löst. Probaiunt est!

Sport.

Wintersport für die Jugend. Aus verschiedenen Gebirgsgegenden Deutschlands kommen Nachrichten, daß gemein­nützige Vereine und Menschenfreunde sich veranlaßt gefunden haben, für die, Ausbreitung des Schneeschuh laufens nutet der Jugend zu wirken. Mehrfach haben ans diesem Grunde Schenkungen von Schneeschuhen an Schüler stattgefunden, so jüngst tm Gebiete des Riesengebirgs- und des Schwarzwald-Vereitts. Es geschieht dies namentlich in der richtigen Erkenntnis, daß durch die Jugend der beste Weg eingeschlagen wird, um die ge­samte Bevölkerung .immer mehr für diese für Körper und Seele so außerordentlich dienlichen Sportübungen zu gewinnen. Lehr­reich ist in dieser Beziehung das Beispiel der Nordländer. Dort sieht man bereits vierjährige Kinder sich lustig auf Schnee­schuhen tummeln. Die Erstarkung sowohl der männlichen, wie der weiblichen Generation, welche in diesen Säubern in den letzten Jahrzehnten beobachtet wirb, läßt sich mit Recht auf die rege Betätigung des Wintersports zurückführen. Es wäre erftenlich, wenn namentlich in Lehrer kreisen diese Anregung auf fruchtbaren Boden fiele. Statt daß der Tnmnnterricht int Winter tn den staubigen Hallen abgehalten wird, sollte man die Schul­jugend Hinausführen in die verschneiten Felder und Berge, um ihnen die Freuden des Schneefchnhlaufens und des Schlitten­rutschens zugänglich zu machen. Man sollte meinen, daß schon deshalb diese Sportsarten der Schule näher lägen als z. B., das Rudern, weil sie durchaus gefahrlos sind und weil Unglücksfälle, wie sie z. B. beim Schlittschuhlaufen durch Einbrechen ober durch verhängnisvolles Stürzen {eifer so häufig zu verzeichnen sind, hier gänzlich ausgeschlossen bleiben.

D c u S ch l i 11 s ch u h l ä u f e r tt widmet ein alter PraltituS folgende Ratschläge: Das Schuhwerk muß standhaft und mit Toppelsohlen versehen sein, um die Knöchel herum fest anschließen, ohne bett Blutumlauf zu hemmen, unb eine freie Bewegung der Zehen gestatten. Hals nnb Gesicht sollen währenb des schlitt- schuhlanfens ungeschützt bleiben, Mantel und Ueberzieher abgelegt werden. Setzen soll man lieft beim Eislauf niemals, fonbertt sich durch ruhige Bewegung auf kleinem Räume ausruhen. Ten Mund halte man geschlossen. Eine nicht genug zu tafelnde Unsitte ist das Zigarren- und Zigarettenranchen auf dein Eise; abgesehen von der gesundheitlichen Schädigung sollte doch jefet Schlittschuhläufer bedenken, welches Unglück bei einer Karambolage durch bett brennenden Glimmstengel unter Umständen entstehen tarnt! Der Genuß von Getränken warmen und auch kalten ist beim Eislauf überflüssig unb kann ber Gesundheit leicht dauernd schaden. Vor fein Abschnallen ber Schlittschuhe lege man bie schützenden Oberkleifer wieder an unb nach fern Abschnallen gehe' man hübsch direkt nach Hanse. Die besten Stnnben zur Ansübung des gesundheitsförderndeit Sports sinb jene vor ber Hauptmahlzeit unb bie vorm Schlafengehen. SHlittschuhlamen soll jeher unb jede, die sich gesund fühlen, vor allem aber diejenigen, die ihr Berns in dumpfe Bureauluft unb ans Schreib- pult fesselt; für sie ist ber Eislauf das feste Luftbab, daS Körper unb Geist erfrischt.

Versteck-Rätsel.

Nachdruck verboten.

Man suche ein Sprichwort dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbean" inWanderer".

Stangenspargel Erdbeeren Wintervergnügeu Ruder­sport Mittagszeit Besonnenheit Hasterbeck Bedu­inen Meistersinger Rinderpest Notenpult.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Charade in voriger Nummer: Bockbier.

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Redaktion: Ernst Heß. Rotalionsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.