seinen Augen -amf. „Verehrter Freund", sagte er, „das ist das teuerste Quartier Berlins. Wenn Sie den Parkettsitz mit hundert Mark verkaufen wollen, würden wir da vielleicht auf die Kosten kommen; sonst nicht."
„Toch, Herr Baumeister. Rosalba besaß ein Haus Uuter den Linden, nicht das schönste: eine alte Bude, wohl noch aus Friedericianischer Zeit stammend. Aber das Grundstück ist naturgemäß wertvoll. Nach ihren Absichten sollte dort das neue Theater erbaut werden, in bester Lage der Hauptstadt; es sollte eben ein Bau werden, der Berlin zur Ehre gereicht. Dies Grundstück will ich der Gesellschaft, die wir zum Zwecke des Baues ja wohl begründen werden, schenken — oder vielmehr, um mich korrekt auszudrücken, zinslos überlassen. Ich erfülle damit nur einen Wunsch der Verstorbenen.
(Fortsetzung folgt.)
Arc Luge der AenLschcn in den lUsMchen M.ekprovmzen.
(Nach einem Vortrag von Professor Dr. Haller- Gießen.) (Schluß.)
Ansätze zur Russifizierung wurden schon unter Nikolaus I. und Alexander II. bemerkbar, durchgeführt wurde sie von Alexander III., der sich mit der slawischen Nationalpartei identifizierte. Das Programm, mit dem diese, vertreten durch! Katkow und PobjedonosFew, sich an den Zaren herandräugte, lautete: ein Reich, ein Kaiser, ein Recht, eine Verwaltung, eine Sprache, ein Glaube! Alles gleich, tont Eismeer bis zum Schwarzen Meer, voir Riga bis Wladiwostok! Alexander III. unternahm die Ausführung dieses Wahnwitzes. Als er 1883 die Bestätigung der baltischen Privilegien verweigerte, wußte man, daß das Deutschtunt der Provinzen veritichtet wertet sollte. Der Schlag traf die Deutschen weder unerwartet, noch unvorbereitet. Seit Beginn des Jahrhunderts hatten sie mit Anspannung aller Kräfte dahin gearbeitet, um am Tage der Gefahr so stark wie möglich zu sein, materiell und geistig. Der Vortragende schilderte die Bemühungen zur wirtschaftlichen Hebung des Landes und die Schwierigkeiten, mit beiten man dabei, hauptsächlich durch die Beschränktheit der zarischen Zentralregierung zu kämpfen hatte, sodaß beispielsweise ein wertvoller Schatz des Landes, der Wald, wegen mangelnder Verkehrswege noch lange nicht ausgenützt werden kann. Erfolgreicher war man auf geistigem Gebiete. Es gelang, die baltischen Schulen int Ganzen aus dem Niveau der Schulen des Mutterlandes zu erhalten, weil man keine Opfer scheute, um stets die Befielt Lehrkräfte aus Deutschland heranzuziehen. Für die Gleichwertigkeit der baltischen Gtzmuasien zeugt die Universität Dorpat, die den kleinen deutschen Universitäten stets als ebenbürtig galt. Ihre Professoren wurden ebenfalls vielfach aus Deutschland berufen, wie umgekehrt heute fast an allen deutschen Hochschulen ein oder mehrere Livländer und Schüler Dorpats als Lehrer wirken, unter ihnen Männer, wie Ernst v. Bergmann und Adolf Harnack. Aus Deutschland bezog das Land seine geistige Nahrung, auch die Einwauderuug von Kaufleuten, Gelehrten, Landwirten, Hand- weriern hörte nun auf. Es gab dort keine andere Kultur als die deutsche. Nur der deutsche Bauer fehlte. Infolge des Aus- hörens der deutschen Auswanderung seit Mitte des 13. Jahrhunderts war die Kolonisation Livlands in diesem Punkte unvollständig geblieben; (ebenso wie in Böhmen, Schlesien und anderswo), und das damals Versäumte war später nicht mehr nachzuholen. So blieb die Masse der Bevölkerung undeutsch: int Süden (Kurland und Südlivland) lettisch, int Norden (Esthland und Nordlivland) esthnisch, etwa U/a Millionen gegenüber 300 000 Deutschen. Der Vorwurf, daß man es versäumt habe, dieses Landvolk zu germanisieren, ist oberflächlich. Ein kompakte Bauernbevölkerung ihrem Volkstum zu entfremden und einem andern zu gewinnen, ist noch nie gelungen und ist überhaupt unmöglich, wie denn auch heute die mit allen Mitteln versuchte Germanisierung der Polen in Posen scheitert. So mußte man sich auch in Livland damit begnügen, das Landvolk zu beherrschen, und das hat man getan, nicht etwa durch Gewalt — dazu war das Deutschtum viel zu wenig zahlreich — sondern durch intellektuelle und moralische Ueberlegenheit. Es ist eilte freche Lüge, daß die herrschende deutsche Aristokratie in Livland das Landvolk geknechtet, ausgebeutet und geschunden habe. In Livland wurde die Leibeigenschaft schon 1809 aufgehoben, 50 Jahre früher als in Rußland, zu gleicher Zeit wie in Preußen, aber nicht, wie hier, durch Befehl des absoluten Herrschers, sondern Nus freiem Entschluß des Adels selbst, der auch von da ab fortgesetzt — und ebenso freiwillig — durch eine musterhafte Agrargesetzgebung für die Entwicklung eines zahlreichen und kräftigen Bauernstandes sorgte, sodaß heute % des Grund und Bodens int Besitze von Bauern sich befinden, die kapitalkräftig, landwirtschaftlich durchaus auf der Höhe, in manchen Gegenden notorisch reicher als der Großgrundbesitz sind. Mit der materiellen Fürkorae aina die Sorae für die Schulen — es. aibt
dort heute keine Analphabeten mehr — und die Verleihung politischer Rechte Hand in Hand. Der Bauer erhielt Anteil an der Selbstverwaltung der Gemeinden und am Gericht der ersten Instanz.^ Das Ziel dieser Reformen wäre gewesen die Beteiligung der Bauernschaft am Landtage der Provinz. Zuvor aber mußte die deutsche Volksschule geschaffen sein. Sie war geplant, konnte aber nicht ins Leben treten, da eben in diesem Augenblicke (in den 60 er Jahren) die Anfänge gewaltsamer Russifizierung ein- setzten und das stille, geduldige Werk der Versöhnung der Nationalitäten zerstörten. In sieben Jahren (1885—1892) wurde schließlich die deutsche Sprache aus allen öffentlichen Einrichtungen (Verwaltung, Gericht, Schule, Universität) beseitigt, die Selbstverwaltung eingeschränkt. Auch die griechische Kirche richtete sich jetzt in dem ganz evangelischen Lande als die herrschende ein. Ein allgemeiner Rückgang der Kultur war die Folge; die Zahl der Verbrechen nahm zu. Dem Deutschtuin blieb nichts übrig, als sich 'in Haus und Familie zurückzuziehen und auf bessere Zeiten zu hoffen. Auch dies sollte ihm abgeschnitten, cs sollte buchstäblich 'totgeschlagen werden. Der Aufstand der Letten und Eflhen ist nur der letzte Akt der gewaltsamen Russifizierung, er ist das Werk der russischen Beamten, die in den letzten zehn Jahren das Land regiert haben. Von jeher hatte die russische Presse die Letten und Esthen gegen die Deutschen aufzuhetzen gesucht. Die Propaganda der griechischen Kirche scheiterte zwar; mit kleinen Ausnahmen blieb das Volk seinem Glauben und seinen Pfarrern treu. Aber die politische Propaganda hatte Erfolg. Es entstanden eine nationale Bewegung und eine esthnische und lettische Presse, die vom Haß gegen das Deutschtum lebten und die Lösung ausgaben: Esthland für die Esthen, Lettland für die Letten! Bon der Regierung sorgsam gepflegt, zeigte diese Bewegung schon in den 80 er Jahren Neigung zu gewaltsamem Vorgehen. Seit Durchführung der Russifizierung aber kam Methode in die Sache. Während der Ton der nationalen Presse immer blutrünstiger wurde, konnte sich die Bewegung unter tätigem Schutze der Regiernngsvertreter organisieren und offenbar auch schon bewaffnen. Woher kämen sonst ivohl die ausgezeichneten englischen Gewehre mit denen die Mordbeamten heute ausgerüstet sind? Die Absicht der russischen Politik war freilich nicht, das Land den Esthen und Letten auszultefern; diese sollten nur die Deutschen auffressen und dann selbst ge- Ä werden. Wer die Bewegung wuchs der Regierung über )pf. Als feit den 90 er Jahren eine lebhafte Fabrikindustrie, das bis dahin unbekannte Fabrikproletariat und mit ihm auch die republikanisch-kommunistiiche Propaganda int Lande emge- zogen Waren, änderte auch die nationale Bewegung ihre Richtung: sie wurde offen kommunistisch, und das erste, was sie tat, als die Revolution ausbrach, war, daß sie die russische Regierung zum Land hinausfegte, den Kaiser für abgesetzt, die Monarchie für abgeschafft erklärte und die Republik proklamierte. Die russische Regierung existiert nicht mehr; soeben hörte man. daß ein Teil der Garde von Petersburg ausgesandt sei, um Livland wieder zu erobern. Jedenfalls eine ganz ungenügende Maßregel, die vielleicht mir verschlimmernd Wirken wird. Im Lande herrscht völlige Anarchie, fein Mensch ist seines Lebens, kein Gutshof vor Feuer sicher. Der Rassenhaß treibt namentlich die von Natur brutalen Letten zu den scheußlichsten Grausamkeiten. Die Deutschen sehen ein, daß ihres Bleibens dort vorläufig nicht mehr ist; sie flüchten, zunä^st in die größeren Städte, Wo sie etwas mehr Schutz finden, womöglich aber nach Deutschland, wenn es ihnen gelingt, ihren BÄ>rängern zu entgehen, die sie nicht ziehen lassen wollen, weil sie als Gefangene kostbare Geiseln sind. Die Flüchtlinge sind vielfach ganz mittellos, da ihr ohnehin mäßiger Wohlstand int Grundbesitze ruht. Deutschland hat eilt starkes Interesse an ihrem Schicksal. Es kann für die deutsche Politik nicht gleichgiltig sein, ob vor den Toren von Memel und Königsberg eine lettische kommmtistische Republik sich ausiut, die ihr Erscheinen mit einem Massenopfer von deutschem Blute feiert. Es kann ebensowenig dem deutschen Handel gletchgtlttg sein, ob die baltischen Häsen von einer deutschfeindlichen Bevölkerung beherrscht, vielleicht gesperrt werden. Die deutsche Kolonie in Livland ist auch nach ihrer Abtrennung vom deutschen Reiche für Deutschland nicht bedeutungslos gewesen, dieser Einsatz von deutscher Nationalkraft war kein Kapital a sonds perdu, und wenn er auch nur mäßige Zinsen trug, so wirft man doch selbst ein Lotterielos nicht vor der letzten Ziehung in den Papierkorb. Eine deutsche Kolonie aber, die sich trotz allem ihr ^eutfchi- tunt 700 Jahre lang zu erhalten verstanden hat, ist mehr wert als ein Lotterielos. Deutschland darf sie nicht zu Grmnde gehen lassen. Niemand vermag zu sagen, wozu sie eines Tages noch gut sein kann. Darum helfe man den Bedrängten, den gefluchteten Balten ebenso wie beit deutschen Reichsäitgehortgen, damit sie die Zeit der Not überstehen und an ihren Platz zuruckkchren können, sobald dort wieder Sicherheit für Leben und Eigentum ist.
Hessisches Heimatpftege- und Volkstrachten fest.
Wie schon mehrfach mitgeteilt wurde, soll im Sommer 190g und zwar am 17. Juni zu Butzbach em großes Volksfest abgehalteu werden. Es soll dies geschehen, um das, was m Sitte und Tracht uns von unseren Mtvordercn au schönem und


