Ausgabe 
5.12.1906
 
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Walde gelegen, ist noch jetzt und ist ein Heliebter Ausflugsort von Gießen aus.

nufere Gegend kann Letzteres ist wahrscheinlicher. Jeden­falls gehörten bis üt die Reformationszeit hinein sämt­liche Pfarreien zum Erzbistum Trier und zwar zunr Archi- diakonat Dietkirchen (bei Limburg) und Dekanat Wetzlar.

In Hermannstein befand sich Ende des 15. Jahrhunderts eine sogenannteBeginenklause", wohin sich fromme Frauen zu gemeinsamen religiösen Uebungen zuriickzogen. In der alten 1739 abgebrochenen Kirche zu Siaunheim befand sich ein großer Altarschran? mit den geschnitzten Bildnissen der 14 Nothclfer, von welchen das noch jetzt erhaltene Bild der St. Anna wundertätig gewesen sein soll und das Ziel vieler Wallfahrer war. Die Reformation wurde ungefähr gleichzeitig mit Hessen in den Gemeinden des Bezirks ein­geführt und zwar etwa 1526. In einzelnen großen Höfen betrieben früher verhältnismäßig viele Mennoniten be­deutende Landwirtschaft; die meisten (wie Hof Straßbach, der Betzberger Hof usw.) sind in andere Hände überge­gangen,' Hof Bubenrod, mit seiner Gemarkung reizend im Walde gelegen, ist noch jetzt m der Hand von Mennoniten

Ter eiserne Landgraf.

Kulturgeschichtlicher Roman ans dem 14. Jahrhundert von R Franke.

(Verlag von Emil Roth in Gießen. Preis broschiert 3 Mark, in elegantem Leinenband 4 Mark.)

Trotz seiner reichen und bewegten geschichtlichen Vergangen­heit hat Hessen verhältnismäßig wenig historische Romane auf­zuweisen, die auf Bedeutung Anspruch machen können, und von den imnierhin zahlreichen Schriftstellern, die sich auf diesem Gebiet versucht haben, hat fast nur Heinrich Brand in weiteren Kreisen Beachtung und größere Anerkennung gefunden. Des­halb freuen wir uns umsonrehr, unsere Leser auf ein Buch aufnierksam umchen zu können, daS weit über die hessischen Stam- mesgrenzen hinaus Anspruch auf Beachtung erheben darf und das gerade rechtzeitig genug erscheint, um als willkomme- nes Weihnachtsgeschenk Verwendung finden zu können.Der eiserne Landgraf", welcher der Feder des auf andern schriftstelle­rischen Gebieten nicht unbekmmten Pfarrers Francke in Kassel entstammt, führt uns mitten in die Zeit, in der die damals noch Keine und vielfach von fremden Ländergebieten durch­setzte Landgrafschaft Hessen im ersten Jahrhundert ihres selb­ständigen Bestehens mit idem Erzbischof von Mainz um ihre politische Selbständigkeit führen mußte. Der damalige Kampf aste dazu,. daß Hessen seine selbständige Stellung behauptete weiter befestigte und legte zu seinem Teil den Grund zu dem weiteren Kampf, in dem des eisernen Landgrafen großer Nachkomme. Philipp zu der staatlichen Befreiung von Mainz auch die kirchliche, die geistige Befreiung von Mainz und den ihm wesensverwandten kirchlichen Gewalten hiuzufügen konnte. Auf verhältnismäßig kleinem Raum und fast nicht beachtet von den Geschichtsfchretbem der deutschen Gesamtgeschichte spielte sich dieser Kampf ab, aber er verliert dadurch nichts von seiner allgemeinen historischen Bedeutung und gerade die Begrenzt­heit der in Frage stimmenden Verhältnisse hat es dem Verfasser unseres Buches ermöglicht, mehr, als es bei größeren historischen Ereignissen der Fall sein kamt, uns die Verhältnisse und Per- foneit jener Zeitepoche menschlich näher zu rücken. Menschen von Fleisch und Blut, nicht abstrakte Nachbildungen von solchen, treten in dem Buche uns vor Augen, wodurch uns das Buch auch für das tiefere. Verständnis jener Zeit und der sie be- ^bgenden Kräfte mehr zu bieten vermag, als manches gute Geschichtswerk. Die historischen Vorgänge, die den äußeren Rahmen der lebensvollen Erzählung bilden, sind treu und gewissenhaft geschildert, ohne daß deshalb die Schilderung trocken und lang- tveilig wird. Das hat der Verfasser außer durch sein großes schrtftstelleriscyes Talent dadurch erreicht, daß er die allgemeinen für das Verständnis jener Zeitverhältnisse in Betracht kommen­den politischen und historischen Gesichtspunkte in einer Einleit- rmg vorausgeschickt hat. So setzt denn die Erzählung gleich in anschaulicher und belebter Schilderung ein. Die WirtShausszene in dergüldenen Traube" der guten Stadt Gießen, mit der das Buch anhebt, ist so recht geeignet, uils in den (Rist jener! unruhigen Zeit zu verfetzen und die sich anschließende Schilderung der für Hessen siegreichen Schlacht am Linsenberge zwischen Gießen und Wetzlar schließt sich an Anschaulichkeit dem Hauff- scheu Liechtenstein würdig an. Es würde zu weit führen, allen einzelnen Phasen der Erzählung hier zu folgen, nur soviel sei erwähnt, daß sie mit dem glücklichen Ende der hessisch-mainzi- ichen Fehde schließt, die nach dem Geiste jener Zeit mit der Grundsteinlegung zu einem Kirchenbau gefeiert wird. In dieser rast zwei Jahrzehnte lang andauernden Zeit lernen wir eine ^euge Leute kennen, die uns des Verfassers lebens- und liebe­volle Schilderung wert und lieb macht: so z. B. den eifenten

Landgrafen selber, seine hochsinuige Gemahlin, ihren von dem romantischen Schimmer der ^aage umwobenen Sohn Otto (der Schütz), wackere Cdelleute und tüchtige Bürger. Drei anmutige Liebescpisoden ranken sich in liebenswürdiger Weise um die Schilderung deA Waffenlärmes und der höfig-pvlitischen Jn- trigueil. Das' alles vereinigt sich zu einem lebenswahren Kultur­bild, das unser Interesse in hohem Maße zu fesseln vermag. Das Buch, das auch der reiferen Jugend viel wertvolles und .anregendes bietet, wird sicher feinen Weg machen. E. H.

Vermischtes.

* Das neueLandes-Museum in Darmstadt", das dieser Tage feierlich eröffnet worden ist, gehört unbestreitbar zu den bedeutendsten Bauwerken der letzten Jahre. Das Aeußere dieses imposanten Gebäudes, schon seit längerer Zeit fertig gestellt, gab Hoffnungen auch in der inneren Einrichtung den feinen Geschmack seines Erbauers, Prof. Alfred Messels, eines geborenen Darnlstädters', vorzufiuden. Und in der Tat, das Gebotene übertrifft alle Erwartungen. Messel hat hier, wie er seinerzeit mit demWarenhaus Wertheim" den Typus des ,,w- dernen Kaufhauses festgestellt hat, wieder eilt vorbildliches Werk geschaffen. In ihrer Nebersichtlichkeit dürfte die innere Anlage des Darmstädter Landes-Museums wohl von keiner bestehenden Sammlung übertroffen werden; dabei sind die einzelnen Aus­stellungsräume von intimster Wirkung. Man fühlt, daß selbst das geringste Detail von einem bedeutenden Künstler geschaffen wurde, dem cs aber fern lag, mit feiner Persönlichkeit zum Schaden der aus'gestellteu Kunstwerke besonders heroorzutreteu. Rechtzeitig zur Eröffnung dieses bedeutenden Werkes ist in der bestbekannten Darmstädter KunstzeitschriftDeutsche Kunst und Dekoration" (Verlagsanstalt Alexander Kvch-Darmstadt. Einzel­preis dieses Heftes mit 76 Abbildungen 2.50 Mark.) im Dezember- Heft eine umfassende Publikation darüber erschienen. Wir ver­weisen hier nachdrücklich auf diese Veröffentlichung, denn sie gibt in ca. 30 tadellosen Abbildungen die ganze Anlage und alle in Betracht kommenden Einzelheiten vortrefflich wieder. Auch der weitere Inhalt dieses Dezember-Heftes derDeutschen Kunst und Dekoration" (Plastiken, Zeichnungen, Architekturen, Gold- und Silberschmiedearbeiten, Spitzen und vieles Ändere) ist künst­lerisch so bedeutend, daß man dieser anregenden Zeitschrift pur immer mehr Freunde wünschen kamt.

Kunst.

: HanfstaenglS Pigmentdrucke nach Origi­nalen alter Meister. Bildgröße ca. 19X25 Ctm., 1 Mk. das Blatt. München, Franz Hanfstaengl. Seit man angefangen hat, die unermeßlichen Schätze der alten und neuen Kunst zu er­schließen und durch photographische Reproduktionen aller Welt zugänglich zu macheit, erfreuen sich Hanfstaengls Kunstblätter! der regsten Nachfrage. Die vorzüglich ausgeführten billigen Pig­mentdrucke, die je nach der Tonwirkung deI Gemäldes in ver­schiedenfarbigen Nüancierungen hergcstellt werden, ermöglichen, hör den Originalen empfangene Eindrücke wieder aufzufrischen und ihre eigentümlichen Schönheiten neu erstehen zu lassen. Sie sind für jeden, der sich in diesem Sinne mit Bildern beschäftigt, unent­behrlich. Der Hanfstaenglschc Pigmeutdrttck ist ein auf der Höhe moderner Reproduktionstechnik stehendes, wertvolles und anregendes Anschauungsmittel für die häusliche Kuustpflege. Er vermittelt uns den Genuß an Werken der größten Meister wie Rembrandt, Richens, Hals, Tizian, Belazgtiez, Murilla rc., auch neuerer wie Corot it. ai.

Silbenrätsel.

Nachdruck verboten.

ac, her, ch, lieb, da, e, e, eil, fei, lio, 11, nie, men, gen, nf, ra, rel, ri, rtt, sehe, se, spi, Tai, ta, te, tns.

Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen acht Wörter gebildet und derart unter einander gesetzt werden, daß die Anfangs­buchstaben von oben nach unten, und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, ein Naturprodukt bezeichnen, dessen Erscheinen von Vielen mit Freuden begrüßt wird. Es bedeuten aber die ein­zelnen Wörter Folgendes:

1. Afrikanisches Reich.

2, Lockspeise beim Vogelsang.

8. Insel in der Ostsee.

4. Gefeierte Künstlerin.

5. Einen Fanatiker.

6. Heilmittel.

7. Berg im Jsargcbirge.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung deö Rätsels in voriger Nuimnerr

Tod, Kopf.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und «erlna der Brühl'schen Universttäts-Buch- und Sletndruckeret. R. Lange, Stetze«.