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Ja, ich habe Unrecht getan, Mortimer, niemand fühlt das bitterer, wie gerade ich. Sieh', Evelyn ist ohnmächtig geworden. Leg sie auf ihr Lager. Sie ist. nicht stark genug für solche Austritte, wie diese."

Sie wollte ihm behülflich fein, doch er wandte sich mit seiner Last von ihr ab, als ob er die schwesterliche Be­rührung nicht mehr dulden wolle. Er legte Evelyn nieder und strich das Haar aus dem blassen Gesicht zurück.

Ich will dir keine Vorwürfe machen, Marian;'aber sie glaubte so durchaus, so ganz und gar an dich, daß der Verlust dieses Glaubens für sie ungefähr gleichbe­deutend gewesen sein muß mit dem Verlust ihres Lebens."

Marian, die Geduldige, erlviderte nichts. Sie dankte Gott in ihrem Herzen und hoffte mit glühender Inbrunst, es möge ihr vergönnt sein, alle Folgen der Torheit ihrer Schwester auf sich zu nehmen, so lange sie lebte, denn Lord Wayne selbst hatte keinerlei Verdacht aus seine Gattin, das sah sie sehr deutlich,

O, wenn dieser Irrtum nur von Dauer war, und Evelyn den Rest ihres Lebens frei von Kummer, Schmach und Tadel verbringen konnte!

Es war eine Szene, des Pinsels des Künstlers würdig; die schöne, ohnmächtig und wie tot daliegende Frau, die dariiber gebeugte Gestalt ihrer Schwester, so voll Liebe, Güte, Aufopferung und Heldenmut; und neben der Ohu- mächtigen der stattliche, stolze Gemahl, der am liebsten mit seinen zornigen Blicken die Schwester aus der Nähe der Bewußtlosen verbannt hätte.

Als Marian sie beriihren, die weißen Lippen mit innigem Kuß wieder ins Leben zurückrufen wollte, winkte er ihr halb ungeduldig ab.

Marian", sagte er ernst,in Anbetracht, daß ich der Mann deiner Schwester bin, daß du unter -meinem Dache geweilt hast, wie eine der Meinigen, daß die Ehre meines Namens und meines Geschlechtes gewissermaßen auch dir anvertraut gewesen sind habe ich ein Recht, dich zu ersuchen, nnr mitzuteilen, was wahres an dieser Ge­schichte ist."

Du hast alles Recht", erwiderte sie leise,mich alles Zn fragen, was du willst."

Also sag' mir, ist diese Geschichte wahr?'- Bist du die Mutter dieses jungen Mannes?"

Ich kann dir darauf nicht antworten", versetzte sie.

(Fortsetzung folgt.)

Der Bezirk Wodyeim an her Wleöer.

M (Schluß.)

-Im 10. und 11. Jahrhundert gehörte wohl das ganze hier besprochene Gebiet zur Herrschaft, daun Grafschaft Gleiberg. Gleiberg selbst ist um 911 erbaut von Otto, dem Bruder des Königs Kvurad I. von Franken, und spielte als Sitz eines der mächtigsten Grafengeschlechter lange eine gewichtige Rolle. Sein Gebiet zerfiel bei dem Aussterben dieses Hauses (Ende des 12. Jahrhunderts), hierbei kam der größere Teil des jetzigen Bezirks Rodheim in den Besitz der Grafen von Solms, und zwar an die 1226 ge­gründete Linie Solms-Königsberg. Es würde hier zu weit führen, die Geschichte der Zugehörigkeit der einzelnen Dörfer zum Hause Solms und der verschiedenen Verträge mit Hessen näher auszusühren. Nachdem Königsberg mit dem Hof Haina, Frankenbach, Waldgirmes, Naunheim bereits 1350 an Hessen verkauft waren, wurden sie doch erst 1629 definitiv an Hessen abgetreten und bildeten mit Hermannstein das Amt Königsberg, welches 1821 aufge­hoben und zum Amt Gießen geschlagen wurde. Crumbach ist seit alten Zeiten zum Amt Blankenstein zugeteilt.

Rodheim (Bieber) und Fellingshausen gehörte seit dem lAussterben des Hauses Gleiberg zu demGemeinen Land an der Lahn" und befand sich in gemeinsamem Besitz der Herren von Mehrenberg, welche von Nassau-Weilburg beerbt wurden, und der Pfalzgrafen von Tüoiugen, welche ihre Rechte an den Landgrafen von Hessen 1265 verkauften. Dieser gemeinsame Besitzstand zwischen Hessen und Weilburg wurde durch einen Teilungsvertrag 1585 aufgehoben und Rodhetm mit Fellingshausen fielen an Hessen, welchem sie gleich dem ganzen Bezirk Rodheim bis 1866 angehörten.

Wir müssen es uns leider versagen, das Näheren darzulegen, wie unser kleiner Bezirk an saft allen Kriegen, von welchen Westdeutschland im Laufe der deutschen Ge­schichte heimgesncht ward, hat Anteil nehmen Missen, oft

unter schrecklichen Verheerungen und Drangsalen: von jener Zeit an, wo die Hunnen unter Attila (ca. 450) sengend und mordend durch unsere Gegend nach dem Rhein zU zogen, bis in die Zeiten der Revolutions- und Befreiungs- kriege (1792 bis 1815), wo zum letzten Mal große Heere bet Wetzlar in blutigen Treffen zusammenstießen.

Besonders erwähnt seien nur die heißen Reiterschlach-i ten in der Gegend von Wetzlar und besonders bei Hermaun- ftein im 14. Jahrhundert, als Landgraf Otto von Hessen den Erzbischof voll Mainz am Linsenberg besiegte (1328) und etwa 50 Jahre später Landgraf Hermann der Gelehrte gegen die Ritter stritt, welche sich in denBund der Sterner" (seit 1371) und darnach in denBund der Gesellen der alten Winne" (seit 1375) zusammengeschlossen hatten. Damals baute der Landgraf die Burg Hermannstein und in ihrer Nähe stießen die Heere zusammen. Welchen Schaden aber das Land weithin zu leiden hatten, besagt eine alte Reim­chronik r /

Wider die Landgrafen entstund Auch durch die von Nassau ein Bund, Gesellen von der alten Minne" Ihr Name >var: sie hatten im Sinne, Dem Fürsten zu verheeren das Land, Weil die durch Kans brachten z>ir Hand Derdori (Driedori), von eim zu Nassau gut Des Settern das verdrießen thut.

Grai Johann mit seinen Bundsgesellen Vor Wehflar thät mit Schaden fällen Der Laudgräflichen Reiter viel; In, Land trieben ein wüstes Spiel. Im Amt Gießen und Blankenstein, Königsberg, Marburg, Herrnannsteiit, Kälbern, Lohr, Biedeneap, Deutphe (Dautphe) In, Hüttenberg geschah manch Weh, Und ivo man sonst noch mehr könnt im Land Den Nassauern thun Widerstand.

Auch der dreißigjährige Krieg brachte über unsere Ge­gend besondere Verheerungett; bald waren es Spanier und Oesterreicher, bald Schweden und Hessen, bald alle zu- Smimen, welche unsere Dörfer durchzogen und verheertem ls 1632 Gustav-Aoolf in Wetzlar lag, als 1635 und 1636 die kaiserlichen Feldherren mit ihren zuchtlosen Heeren durchzogen, als 1646 Gleiberg und 1647 Königsberg belagert und zusammengeschossen wurde da mag unser Land furchtbares geduldet haben. Die Einwohner von Rodheim und Umgegend flüchteten sich auf den Gleiberg, dann nach Gießen, die Beivohner im Lahntal wohl nach Wetzlar; 1636 wurde die Kirche zu Naunheim von den Kaiserlichen, 1646 die von Waldgirmes von den Schweden geplündert. Zu dem allen kam 1635 bis 1637 die schreckliche Pest, welche kein Dorf unserer Gegend verschonte. In jenem Kriege ist wohl auch dicusi Dorf Hustede (Hausstadt) untergegangen, welches in einer Urkunde von 1358 erwähnt wird und an welches, noch jetzt die Hausstädter Mühle bei Waldgirmes erinnert.

Nicht unerwähnt lassen dürfen wir die schweren Lasten, welche unser ganzer Bezirk im siebenjährigen Krieg, vor allem im Winter 1759/60 zu tragen hatte. Nachdem bereits in fimheren Kriegen jener Zeit (vor allem 1745) unsere Gegend, besonders um Wetzlar bis Waldgirmes von Kriegs-» lärm erfüllt und von Kriegslasten bedrückt war, bildete dieselbe im Winter 1759/60 während 4 Monate den Schau­platz des sich von Hermannstein über Naunheim, Wald-, girrnes hinter dem Vetzberg und Gleiberg her bis nach Lollar hinziehenden Winterquartiers der im Bund mit Friedrich dem Großen unter dem Oberbefehl des Herzogs Ferdinand von Braunschweig stehenden sog. alliierten Armee der Engländer, Hannoveraner, Braunschweiger, Hessen-, Kasseler usw. Die feindlichen Franzosen standen zwischen Gießen und Wetzlar. In Krofdorf war das Hauptquartier; des Herzogs, in Rodheim das der Engländer (ein englischer General Elliot liegt iw der Kirche zu Rodheim begraben). Noch heute find starke Schanzen in den umliegenden Wäl- dern wohlerhalten zu sehen, welche damals von Graf Wil-, Helm von Bückeburg zum Schutz des Lagers angelegt wur­den. Es ließen sich über diese Zeit der Drangsal fiir unsere Gegend manche interessante Schilderungen hier anfügech doch wir müssen abbrechen. Es war eine schwere Zeit für alle Gemeinden, welche anhielt bis 1762, als der Friede von Fontainebleau Erleichterung brachte.

Was die Kirchengeschichte unseres Bezirks betrifft, so ist zunächst unentschieden, ob das Christentum von Mainz aus durch die Wetterau oder von der Lahn her, wo her Dietkirchen der Triersche Mönch Lubentius predigte, in