Ausgabe 
5.11.1906
 
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Montag den 5. Hlovemöer

1906 163

Am Wanne des Oeßeimnisses.

Roman von H. v. Raesfeld.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Wenn er sie ausfindig machen konnte, so würde auch er Geld aus derselben Quelle bekommen Geld genug, um anständig und als seiner Mann zu leben und Betsy als seine Dame dabei, solange sie lebten.

Mer wie wie sollte er diese Verwandten aus­findig machen? Wer waren und wo wohnten sie? Jan Latte manche Romane seiner Zeit gelesen, Erbschafts- und Jntriguengeschichten waren ihm vollständig, vertraut.

Angenommen", grübelte er vor sich hin,Werner ist der richtige, wirkliche Erbe einer großen Besitzung und vielen Vermögens und er ist um die Ecke gebraust worden, damit nun jemand anders das alles hat wenn ich dann nur das Geheimnis herauskriegen könnte, so würde ich schwören, daß ich es bewahren wollte, und bekäme dann meinen Teil von der Beute. Das wäre nur billig; ment eigener Witz hat's herausgebracht, daß ein, Geheimnis exi­stiert, und ° dafür verdiene ich was, das ist klar."

O, Lady Wayne! Lady Wayne! Von Ueppigkeit und Pracht umgeben glänzend, fürstlich, schön, eine Königin unter den Frauen, eine angebetete Gattin, eine stolze Mutter, eine Herrscherin iit der Gesellschaft wie wenig träumtest du von der Schlange auf deiner Spur! Wie wenig ahntest du, daß es einen Menschen in der weiten Welt' gab, dessen ganze Hoffnung darauf gerichtet war, das Geheimnis der Vergangenheit ausfindig zu machen! Wie wenig sahst du, wie das schreckliche Verhängnis naher und näher zog wie sich das verhängnisvolle Netz dichter und dichter um dich zusammenzog!

Jack gestand sich selbst ein, daß sein Witz zu Ende sei. So weit war es gegangen, weiter ging's nicht mehr. Er zögerte noch manchen Tag in Mbotsville. Er ging überall hin, hörte aber nie ein Wort, das sich im ge­ringsten Grade auf seinen Gegenstand bezogen hätte.

Er machte seine Sache nicht schlecht; er gab sich den Anstrich, ungemein viel von Pferden zu verstehen; schloß Bekanntschaft mit verschiedenen Kutschern,, Bedienten von Doktoren, Hausknechten und dergleichen, in der richtigen Annahme, daß irgend ein Geschichtchen aus derchronique seandaleuse" diesen zuerst bekannt sein würde.

Aber nie auch nur ein Wort!

Er nahm seine Zuflucht wieder zu seiner alten Erfin­dung, die er Herrn Hoggs bereits vorgetragen, und wieder­holte die Geschichte, die er im Zug gehört haben wollte. Aber es war alles vergebens; es gab tatsächlich keinen Weg, über diese Schwierigkeit wegzukommen.

Die Tage vergingen, und Jacks Gesicht wurde düsterer und düsterer, seine Stimmung wurde immer nieder,ge- geschlagener. Er wußte, daß sein kleiner Geldvorrat nicht

viel länger mehr vorhalten würde, und wenn der erscyopft war, hieß es gehen. _

Er war zuerst so außerordentlich hoffnungsvoll, so zu* versichtlich gewesen, daß die nachfolgende Enttäuschung nur um so größer war.

War es denn möglich, daß er nach Elton zuruckkehrett mußte, ärmer, als er es verlassen, daß er nichts ent­deckt hatte, als daß seine großartigen Pläne sehr wahr­scheinlich wie eine Seifenblase zerplatzen mußten? Wie sollte er Betsy unter die Augen treten? Er hatte ihr große Neuigkeiten versprochen, und hatte nun nichts zu betuchten, als einen jämmerlichen Reinsall.

Nicht einmal ein Geschenk hatte er, das er ihr geben konnte, hatte er doch erfahren müssen, daß die Jagd nach einem Geheimnis eine sehr mühsame, und dabei recht kost­spielige Arbeit ist. Die Leute verlangen viel, wenn ste . sprechen sollen. Er hatte große Summen was er große Summen nannte für Wein für Herrn Hoggs und für sonstige Spirituosen bei seinen übrigen Bekanntschaften ver­ausgabt, und als er nun überschlug, was sie ihm erzählt hatten, schmolz das Ganze ungefähr zu nichts zusammen.

Nun ich soweit gegangen bin, will ich auch noch werter gehen", sagte er sich.Hier ist nichts mehr zu erfahren, das seh' ich. Meine Mutter soll gezwungen werden, mir den Rest zu erzählen, denn wissen will und muß rch's!^

Wenn Marian West, die ihre Schwester damit getröstet hatte, daß ihr Geheimnis tot und begraben sei, den Ausdruck sinsterer Tücke und Basheit, den Jacks düsteres Gesicht bei diesen Worten geigte, gesehen hätte, fie hatte gezittert und gebebt in Besorgnis um das Schicksal der einen, die sie am meisten liebte.

32. Kapitel.

Wieder in Elton-

Betsys Augen sahen nach ihm hin, und er konnte nicht umhin, den erwartungsvollen Ausdruck in ihren schwarzen Tiefen zu bemerken. Er bereute es jetzt bitter, daß er ihr so viel gesagt hatte, als er weggegangen war. Jetzt stand er da, blank, ratlos; er hatte ihr nichts zu geben und nichts zu erzählen.

Eie hatte ihn sehr liebenswürdig und kachelnd em­pfangen, ihm die Wange zum Kuß hingehalteu, mit enter Gebärde, als sei sie eine Königin und er ein Untertan, mit dem die Herrscherin huldvoll zu verkehren geruht, und dann sah sie ihn an. Jack wußte, der Bltck hreß:Was hast du mir mitgebracht, und wo sind denn nun ine großen Neuigkeiten?" ., , .,

Und er hatte nichts zu geben und nichts mitzuteilen. Für einen jungen Mann, der gern glänzte, wie Jack, war es eine schmähliche Lage, und als solche empfand er sie auch. ' r

Betsys funkelnde schwarze Zigeuneraugen lasen m feinem Gesichte, als wäre es ein gedrucktes Buch gewesen.^

Du siehst niedergeschlagen aus, Jack", sagte sie Plötze

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