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Im Manne des Geheimnisses.

Roman von H. v. Raesfeld.

Nachdruck Verboteck. (Fortsetzung.)

Plauderte er je einmal, wenn ihm das Herz ubergmg, darüber entweder mit seiner Mutter oder mit Jack, so ver­standen fie. ihn nicht. Jack machte sich über ihn lustig, und Kate Jefferies wunderte sich im stillen, was für ein merk- würdiger Junge er doch wäre.

Eines Abends in späteren Jahren erinnerte er sich lebhaft daran hatte er seine Bücher mit in den Garten genommen, um sich für die Aufgaben am folgenden Morgen vorzubereiten. Es war ein wunderlieblicher Juni-Abend, und im Garten um das Wallhccken-Häuschen standen alle seine LieblingZblumen in voller Blütenpracht. Er beobachtete, wie die Bienen um Lilien und Rosen summten; er sah, wie glänzend-geflügelte Schmetterlinge abwechselnd mit allen Blnmen kokettierten, und hörte, wie aus dem grünen Blätter- dicktchi einer hochstrebelsdeN Ulme ein Bögelchen sekti Ahend- lied in die stille Gottesnatur hinausjubelte.

Ihn deuchte, er habe nie etwas Lieblicheres gehört, wie diesen Gesang seine Musik schien ihm bis ins Herz zu dringen. Plötzlich er erinnerte sich des Wie nicht genau kam ihm ein Gedanke, daß er diesen Gesang in Worte bringen könne. Sie schienen sich ihm aus dem Herzen auf die Lippen zu drängen eine jähe, süße Inspiration, die ihn vor neuer, ungeahnter Kraft einige Augenblicke lang fast überwältigte und betäubte.

Danu nahm er seinen Bleistift und schrieb alles nieder, was er fühlte. O, Wunder über Wundert Es war ein Gedicht, gerade wie andere Gedichte; die Worte tönten wie süße, sanfte Musik, und doch war auch wieder Feuer und Kraft darin. Er sah es an, las es in stummem Erstaunen durch, sein erster Impuls war, ins Haus zu eilen, es seiner Mutter und Jack zu erzählen; dann fiel ihm ein, daß sie ihn sicher auslachen würden, Jack würde ihn mit Stichel­reden ärgern, und mit diesen Gedankeii in der Seele, die ihn so ungewohnt und mächtig ergriffen, konnte er das nicht ertragen.

Aber nachher, als Jack mit seinen Genossen ausgegangen war, schlich er sieh scheu in die Küche, wo Kate Jefferies emflg bügelte.

Mutter", sagte er,du mußt mich aber nicht auS- lachen, weißt du auch, daß ich ein Gedicht gemacht habe?"

,,Was gemacht, mein Kind?" fragte Kate, voll Venvun- derung von ihrem Plätieiscn aufblickend.

Ein Gedicht, ein richtiges Gedicht, gerade wie die Ge­dichte, die du in Gedichtbüchern tieft", verhetzte er, und sein

feines Gesicht rötete fiel) vor Eifer, daß sie ihn verstehen ^^'Soll ich's dir vorlesen?" fragte er halb zweifelhaft.

D gewiß, gewiß, ich möchte es gern hören. Ich mag Gedichte so gern leiden."

Sie setzte das Bügeleiseii hin und hörte zu, indes er ba stand, sein Gesicht noch rot vor Eifer, und mit einem Licht in den Augen, das jedes Herz gerührt hätte.

Es ist sehr nett", sagte sie;wirklich sehr nett, Werner; ja, ich iveiß ivohl, du bist ein guter, fleißiger Junge.

Richt viel poetische Sympathie, aber es war doch daS Beste, was Kate Jefferies ihm in diesem Falle geben konnte.

Das mußt d>i Tr. Cloth zeigen", fügte sie noch bei, und dann dachte sie, wie schade es doch wäre, daß weder Vater noch Mutter zugegen, die den Knaben verstehen nnb mit ihm sympathisieren konnten.

An, nächsten Morgen ereignete sieh etwas Ungewvhn- liches. Der Briefträger hielt beim Wallhecken-HäuSchen an, UP.b hinterließ einen Bries für Mrs, Kate Jeffenes. Jack nahm ihn in Empfang und brächtd ujit

sßon wem ist dein Brief, Mutter?" fragte er dreist und neugierig. . ,, . .. ,, r

Run sind zwar einige Frauen um kleme Unwahrheiten nicht verlegen; sie brauchen sieh keinen Augenblick zu be­denken, bevor sie sie aiitzsprechen sie sind schnell fertig mit dem Wort; aber das war bei Kate Jefferies nicht der Fall. Sie war von Natur eine wahrheitsliebende, offenherzige Frau, und es war ihr keine Kleinigkeit oder ein Leichtes, eine Un- wahrheit zu sagen. Sie hätte dem neugierigen Bengel eine answeiehende Äntivort geben können, aber das siel ihr nber» Haupt nicht ein. ...

Das kann ich dir nicht sagen, Jaek, das,, geht dich nichts an." .

Gut, gut", versetzte er grob,noch ein Geheimnis, noch ein Rätsel vermutlich. Jeh soll nicht fragen, wo wir gewohnt haben, ich soll nicht fragen, von wem der Brief da ist; giebt's nicht sonst noel) was, wonach ich nicht fragen soll, Mutter?"

Wie kannst 8u so mit Mutter sprechen, Jack", rtef Werner,es ist recht unverschämt und frech von dir!"

Jaek erwiderte mit einer saftigen Drohung, und R!rs. Jefferies, etwas beunruhigt ausblickend, gebot Ruhe und wies beide vor die Tür. , n f

Werte Mrs. Jefferies", lautete der Brief, ctht Schreiben erhalten und werde morgen abend zum Wall- Hecken-Häiischen kommen zwischen neun und zehn. Schicken Sie die Knaben zu Bette, da iel) mit Ihnen zu sprechen habe. Ihre ergebene M. W."