Ausgabe 
5.9.1906
 
Einzelbild herunterladen

520

aufaegebcn habe«, aber aut 24. Oktober, nachmittags 4 Uhr ertönte plötzlich das Extrapostsignal, und bald darauf hielt der Wagen vor dem Postamte. Nur wenig Publikum hatte das" Signal herbeigelockt, da nieinand wußte, daß wirtlich Prinz Friedrich Karl eingetroffen sei; er begrüßte dieses in seiner lieberlswiirdigen Weise und meinte dann zum Postillon Sabrnuüki, der die von der Posthalterei Kau- kehmen gestellte Extrapost weiter nach Jbenhorst führte: Nun, Schwager, werden wir auch nicht umwerfen.

Nein, Königliche Hoheit", erwiderte der Postillon,Locher sind zwar genug da, und in den Seitengraben gurgelt das Wasser, aber der Wagen ist fest, und meine vier Braunen sind gut, und wenn ich chnd mein Kollege Hand anlegen und die Herren aussteigen, steht der Wagen bald wieder aerad'." Dem Prinzen gefiel die furchtlose und offene Sprache, er lächelte und meinte dann zu seiner aus drei höheren Offizieren bestehenden Begleitung:Das sind ja hübsche Aussichten, gut, daß ich meine laugen Wasserstiefel angezogen habe, sie können mix heute noch gute Dienste tun." Dabei bestiegen die Herren die Kaukehmer Extrapost­chaise, die Pferde griffen aus, uud unter den Klängen des Posthorns gings in den unfreundlichen, dunklen Abend hinaus. Bis zum nächsten Kirchdorfe Schakuhneu ging die Fahrt ohne Unfall von statten. Von hier ab wurde der Weg aber schauderhaft, der schwere Wagen sank bis zu den Achsen in den aufgeweichten Lehmboden, und die Pferde vermochten nur Schritt für Schritt weiter zu kommen. Dabei schlug der Sturm brausend den Regen gegen die Fensterscheiben, dazwischen ließ sich dasHie, hie!" der Postillone hören, und das gespenstisch flackernde Licht der Wagenlaterne trug auch nicht viel dazu bei, die unheim­liche Lage der Reisenden abzuschwächen. Da plötzlich ein Ruck, eüt zweiter, der Wagen lag mit der Hinterachse in einem tiefen Loch und stürzte schnell auf die Seite. Der Prinz riß die entgegengesetzte Wagentür auf uud sprang hinaus, dann folgten rasch die anderen Herren, ohne Rück­sicht auf die leichte Fußbekleidung und den tiefen Straßeu- schmutz nehmen zu können, alles stemmte sich mit den Schul­tern gegen den Wagen, der Prinz ergriff die Leine und trieb die Pferde an, aber das Gefährt rührte sich nicht. Da erblickte man in weiterer Entfernung ein Licht.Rett- una, meine Herren", rief der Prinz.Dort wohnen Men­schen, sie werden uns zu Hilfe eilen. Blasen Sie, Schwager, damit man uns hört!" Und der Postillon blies alle Me­lodien, die für ihn in seinen! Horn steckten, durch Sturm' und Regen in die Nacht hinaus, aber niemand hörte sie. Ta nahm der Prinz selber das- Horn zur Hand, setzte es an den Mund und entlockte dem Instrumente nun so schaudervolle Töne, daß die Herren unwillkürlich zurück- prallten. Aber der Prinz blies in derselben Weise unent­wegt weiter, und in der Tat hatte er die Macht Lieser Töne" nicht unterschätzt; denn bald wurde das schwan­kende Licht einer Laterne sichtbar und bald standen vier Männer mit Stangen und Spaten hilfsbereit aus dem Schau­platze.Wo ist Elch, da so schrög?" fragte« die Leute. Helles Lachen folgte dieser Frage, dann meinte der Prinz: ,jTer saß in der Trompete und rief euch Leutchen; kommt, helft uns den Wagen aus dem Loch, heben, wir müssen schnell weiter!" Und wieder entstand ein Keuchen und Heben, der Prinz hieb mit der Peitsche kräftig auf die Pferde, und nun endlich gelang es, den Wagen zur Weiter- sahrt bereit zu stellen. Und als nun der Prinz die Börse zog und den Bauern ein reichliches Trinkgeld reichte, meinte einer von ihnen lächelnd:Herr, so'n Elch kann alle 'Awend brölle, dem Help wie öininer op de Beene!" Als man bald daraus im behaglichen Zimmer der Oberförsterei beim duf­tenden Grog saß, meinte der Prinz:Das war die inter­essanteste Jagdreise, die ich je in meinem Leben gemacht. Wenn meine Frau wüßte, daß ich heute stellvertretender Postillon gewesen, und das von mir geblasene eignal hörte, sie würde diesen Tag ereignisreicher bezeichnen, als alle, die ich im französischen Kriege durchgemacht habe."

* König Alfons XIII. alsReisender in Weine n". Ter Besuch, den der König und die Königin von Spanien während der setzten Wochen in England abge­stattet haben, wird, wie sich jetzt schon Voraussehen läßt, eine eigenartige Folge haben, die den geschworenen Gegnern des Alkohols, an denen es ja auch jenseits des Kanals nicht fehlt, nur geringe Freude bereiten dürfte. Nämlich: das

Redaktion:

Sherry-Trinken kommt wieder in die Mode, oder richtiger gesagt: wieder mehr in die Mode, als bisher. Es gibt wohl, von Spanien und Portugal, selbst abgesehen, kaum ein Land, wo solche Mengen spanischer und portugiesischer Weine konsumiert werden, wie in England. In vielen Häusern eröffnet man noch immer, nach altem Brauche, die Mahlzeit mit einem Glase Sherry, und beendet sie mit Portwein, wobei es denn nicht immer, wenn die Danren sich von Tisch entfernt haben, bet einem Glase bleibt. Für die. verschiedenen Jahrgänge der Weine von Xeres und Oporto besitzt mancher Brite eine so empfindlich differenzierende Zunge, wie der erfahrenste deutsche Feinschmecker für das Alter eines guten Tropfens Rauenthaler oder Johannis­berger. Aber seit einigen Jahren hatte das Sherry-Trinken erheblich abgenommen, während der Portwein nach wie vor int Ansehen blieb. Es scheint, daß König Alphans XIII. es sich angelegen lassen sein will, im Interesse des span. Exports dem Sherry in England zu seiner früheren Be­liebtheit zu verhelfen. Und das dürfte ihm auch gelingen. Ter König brachte ganze Ladungen voll der besten und edelsten Sherry-Marken mit, und so oft er Gäste an seinem Tische sah, stand der Sherry in mehreren Sorten auf der Karte verzeichuet. Zur Suppe gab es einen 1847er, der schon den erfreulichsten Eindruck weckte. Später folgte eine leich­tere Art, aber zum Braten kam dann ein Gläschen 1780er auf die Tafel, der ganz auserlesen mündete und der gewiß auch eine Seltenheit vorstellt, wie man sie außerhalb des' königlichen Kellers von Madrid kaum wiederfinden dürfte. Nebenbei bemerkt, spielte hier die Illusion wohl eine kleine Nolle, denn wer selbst Gelegenheit hatte, an Ort und Stelle nur 80- und 100jährigen spanischen Wein zit kosten, der wird den Eindruck gehabt haben, daß, seine aromatische Würze sich über ein" gewisses Alter hinaus eher verliert. Ten Schluß des Diners bildete ein Kognak, der gleichfalls aus Trauben von Xeres hergestellt war. Man weiß, wie eifrig die englische Gesellschaft jedes am Hofe gegebene Bei­spiel nachahmt. Und so ist denn jetzt mit einem Male dem Sherry die frühere Gunst zurückgegeben. Um sie ihm aber auch für die Zukunft zu sichern, hat der König überall da, wo er selbst in England und Schottland zu Gaste weilte, einige Dutzend Flaschen Sherry als Geschenk zurückgelassen. So sorgt man als Monarch auch in den Ferien für die wirtschaftlichen Interessen seines Landes.

* Dasschönste Iahr" der Frau. Die Frage: In welchem Jahre ist eine Frau am nuzieheudsten?. wurde kürzlich von einem Künstler und einem Schriftsteller einer Diskustion unterzogen. Der Künstler behauptete, er liebe es nicht, Frauen zwischen fünfundzwanzig und vierzig Jahren zu malen; sie müßten entweder jünger oder älter fein. Vor dem lunsundzwan- zigsten Jahre habe das Gesicht eines jungen Mädchens den Retz der Kindlichkeit. Die Züge verrieten Lebensfreudigkeck, Hoffnung und Seelenheiterkeit. Mit vierzig Jahren hingegen sei der Cha­rakter geformt und gefestigt und die Züge eigneten sich tn ihrer Ruhe ausgezeichnet zum Studium, in den Zwischmiahren hingegen zeige das Gesicht keinen sestzuhaltendeu, charakter,stachen Ausdruck, und sei von Jahr zu Jahr verschieden, daher für den Künstler kein dankbares Sujet. Der Schriftsteller hiugegeu behauptete, daß für ihn die Frauen zwischen dreißig und vierzig Jahren am interessantesten seien. Sie verbänden in jenem Alter Welterfahrung mit der Heiterkeit der Jugend; seien weder mehr unreif und unerfahren, noch alt genug, um grämlich zu feilt. Heitere Frauen bleiben viel länger jung als pessimistisch ver­anlagte, die oft mit dreißig Jahren mehr den Eindruck des Verblühten machten, als ihre munteren Kolleginnen mit vierzig.

Ergärrziingsriitsel.

(Nachdruck verboten.)

E . il . . A. . e. n P . i . e . p . . n . . n,

H . . ß . . n . ch . b . . in . . r . i . . e. n;

R . . h . b . . ui . . r . i . . e . n w..l .e.ß.n:

W . . d . n . i . e . A . . e . n P . . nl

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Wenn Jemand schlecht von deinem Freunde spricht, Und scheint er noch so ehrlich: glaub' ihm nicht I Spricht alle Welt von deinem Freunde schlecht: Misstrau' der Welt und gieb dem Freunde recht 1 Nur wer so standhaft seine Freunde liebt, , Ist wert, daß ihm der Himmel Freunde gtebt.

Bodenstedt.

Ernst Letz. Rotationsdruck und Verlag der Brühs'fchen Universitäts-Buch- und Sieindruckerei. R. Lange, Dieben»