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Ein srartzöfischsr „Körrig Kandarrles".
Aus Wien, 28. Januar, wird uns geschrieben:
Eines der niei’hvürbigften Stücke, die in den letzten Jahren ausgetaucht sind, ist gestern hier am Deutschen Volks- thea tcr gespielt worden. Denn dieses Werk ist in Frankreich entstanden, 'dort aus der Bühne selbst noch unbekannt und gelangt erst in der Uebersetzung dcS Münchener Literalen Dr. Franz Blei in deutscher Sprache aus die Bretter. (Das Buch erschien mr Insel- vertage zu Leipzig.) Ter Dichter, dem solche Ehre widerfährt, ist Andre Gide, einer aus dem Kreise des jrmgen Frankreich, und sein Werk nennt sich „König KandauleS". Ter Titel macht gleich tUfj s'mibrtitte5 ? Der Name ist uns nicht ganz krcnrd. Hebbel hat das Schicksal deS lydischen Königs int „GygeS und sein Ring" aus dem Hcrodot und Plato übernonnnen, hat die „Tragödie der Schamhaftigkeit" mit einer wunderbar konzentrierten Kraft auf- gebaut. Ter Deutsche darf sich dieses kostbaren Besitzes redlich treuen. Und nun kommt ein Franzose, der angeblich ahnungslos, daß er einen solchen Vorläufer hak, denselben Stoff auigreist und ein neues Werk zimmert. Auch er hat bei Herodot und Plato merkwürdigerweise die nämlichen Anleihen gemacht, aber der Unterschied ist gewaltig: er empfand die Fabel — pariserisch. Wäre Andre Gide heiteren Temperamentes, dann wäre ihm die Ge- sctächte unter der Hand zu einem Operetlenlibrelto geraten. Während König Kandaules bei Hebbel ein Mann ist. der überkommenen Sillengescyen den Garaus macht, alle Tafeln zerbrechen will und dennoch nur ein eitler Prahlhans ist, die Schönheit seines WcibcS dem Freunde nur darum enthüllt, „um einen Zeugen dafür zu haben, daß er die Schönste der Schönen sein eigen nennt", hal Andrtz Gide den Charakter ganz anders auigesaßt. Bei ihm ist König Kandaules ein schwächlicher Charakter, der wohl allerlei VvlkLbcgtücknngsidccn nachhängt, aber sein persönliches Glück nur bann höchbewertet, wenn ihm die anderen cs neiden. Jeder Besitz dünkt ihm erst wertvoll, tu ernt die Welt ihn anerkennt. So läßt er bei einem Gastmahl seine Gemahlin Nyssia sich vor den Freunden enischleiern, und sie schauen staunend, wie schön sie ist. Das ist das Vorspiel. Nun entwickelt sich die Tragödie. Ein Fisch wird zur Tatet gebracht und man findet in feinem Fleisch einen kostbaren Ring. „Ich berge das Glück", kündet eine Inschrift deS güldenen Ringes. Kandaules will den Fischer sehen, der ihm zu diesem. Kleinod nerhotic!, hat. Der Mann wird hereingesührt: ein armer Teuiel, Eygcs mit Namen, der nichts aui der Welt besitzt als seineNetze und ein Weib, das er liebt. Das Weib wird herein- geholl; es ist betrunken, schinierig und häßlich anzusehen. Trotzdent rühmt sich einer derTafelgenosscn, daß er dieses Weib besessen hat und in wilder Wut sticht Gyges sie vor aller Augen nieder. König Kandaules ist erschüttert; er wirbt tun die Freundschaft des Fischers, macht ihn zu seinem Günstling, will ihn glücklich sehen. Aber Gyges ist ein mürrischer verschlossener Geselle, und König Kan- dauteS sucht immer nach neuen Beweisen, um ibn, von seiner Freundschaft zu überzeugen. Jetzt ivill er ihm auch bie Schönheit feiner Gattin entschleiern; er soll das höchste Glück mit ihm teilen. Der Ring knackst Gyges unsichtbar und er sieht der schwülen Liebesszene zu, tvie König Kandaules sein herrliches Weib aufs Ruhclager bettel. Und Kandaules geht. . . und ruft dem unsichtbaren Gyges zu: „Bleibe l" Am änderen Morgen entdeckt Nyssia den Betrug. Nun fordert die in ihrem tiefsten Innersten getroffene Frau den Fischer aui, Kandaules zu ermorden. Er soll an ihrer Seile dann König sein. Geschützt durch den unsichtbarmachenden Ring, stößt GygeL dent Freund den Dolch in die Brust. Aber nun, da ihm die Königin gehört, fühlt er, daß er sie haßt. . .
Moderne Nervenspielerei ist diesem „Kandaules"-Trama aus-
jEr ließ nichts' von sich hören. Ich schrieb', schrieb wieder, schrieb zwei Eilbriefe, telegraphierte — endlich kam er!
Ernst und würdevoll besah er auf dem Nachtkästchen die Reste des Pflaumenmuses, roch verständnisvoll an dem Weinglas mit der Zahnwassermischung und lobte mente „für einen Laien erstaunliche Umsicht" bei der verantwort- ungsvollen Pflege. Tann hob er die Decke und prüfte den .Verband. ,, , _. ,, ,
„Wir werden ihn abnehmen", entschted er. „Ste haben gutes Blut, vorzügliche Säfte, lieber Thonras Conradm.
Thomas Conradnt beutete zur Erklärung drefer erfreulichen Tatsache nur auf den über seinem Schmerzens^- lager angebrachten Stammbauln.
Und lvährend Möpsel — ganz 'Airzk, ganz Ehtrurg — den Gipsverband abklopfte, daß daS weiße, kerngesunde Beitt Thomas Conradins allmählich in leuchtender schone wieder zum Vorschein kam, klickte er mit würdiger Ruhe und doch nicht ohne leisen Stolz, der deut Wohltäter der Menschheit so gut ansteht:
ja, das schon, das schon. Aber meint Ste nicht gleich einen so tüchtigen Arzt gehabt hätten und etttett so umsichtigen, liebevollen Pfleger — wer weiß!"
geprägt; eß arbeitet mit Maeterlinck- und Wildeschen Stimmungen — besonders Salome steht wie ein Schatten hinter dieser Dichtung. Sie ist sicher sehr interessant, aber nicht mehr als eine Spielerei; zu Hebbel steht Andrö Gide int Verhältnis des Giganten zum Zwerg. Aetißeren Anreiz aber hat das Drama unbedingt: die naturalistische Entkleidungsszene ist ein Seitenstück — ein verstärktes sogar — zur berühmten Zeltszene in „Moima Vanna", und der tragische Schlußakt gibt theatralische Spannung. Man hat nichtsdestoweniger das Stück höflich abgelehnt; kein Durchfall, aber eß lag in der Zurückweisung dieser Nachdichtung doch ein deutlicher Protest gegen den Versuch, unfer dichterisches Gut, Hebbel geheißen, trivialisiert zu sehekt. L. J.
Heimais- mti> Volkskunde.
(p.) Im Kreise Wetzlar bestehen noch verschiedene Volkstrachten, doch werden sie immer mehr von der modernen Kleidung verdrängt. Die auffallendste ist wohl die Hüttenberger Tracht. Eigentümlich ist bei ihr die Mendmahlskleidung. Sie besteht aus schwarzen Tuchkleidern, einem weißen Spitzenhalstuch und einer weißen Tüllhaube, Stirnhaube genaituk, mit breitem Rande. Sonst ist ein schwarzes seidenes Häubchen die Kopfbedeckung. Mich die Br aut kröne mit ihrem „Hang", der aus vielen Bändern zusammengesteckt über dem Rücken der Braut herunterhängt, ist schön. Als Sinnbild der Reinheit ist das mittelste Band weiß. Trauer wird außer tief schwarzer Kleidung durch ein werßes Halstuch und weiße „Stirnhaube", doch sind beide o hne Spitzen, zum Ausdruck gebracht. Aehnlich ist die Tracht auf der „oberen Lahn" des' Kreises; nur fehlt ihr jede Kopfbedeckung und das Haar wird in Zöpfen um den Kopf gelegt. Diese Tracht ist jedoch faft ganz verschwunden und hat einer sogenannten halblangen Kleidung Platz gemacht. In den übrigen Kreisorten findet! wir fast durchgehends die „weite Jacke". In einzelnen Dörfern ist auch bei dieser Tracht eine besondere Ab endmahlskleidung und die blauen Hauben sehen recht feierlich auS: Das Kopftuch spielt überall eine große Rolle. Bei der männlichen Landbevölkerung besteht keine Tracht mehr, seitdem der blaue Kittel und die Schildkappe „aus der Mode" gekommetr sind. Hin und wieder sieht man diese wohl noch bet einem alten Bauersmann. i Der Verein „Landeswohlfahrt" ist mit seinem Vorsitzenden Prinz Friedrich zu Solmsj-Braunfels sehr bemüht, die Trachten zu erhalten. ______________
HrrinorrsLisches.
E r m ahnu n g. Baue r, zu seinem Sohne, welcher studiert: „Frauzl, jetzt schau aber bald, daß Du mit Deinem Studium fertig wirst! Tu hast mir schon den ganzen Stall teer studiert I"
A u ch e i n T o a st. Bankier, bei dem Festessen, das er aus Anlaß der silbernen Hochzeit gibt, das Glas ergreifend: „Sarah- leben, . . . tnei Leben, . . . sollst leben I"
Mißverständnis. Junge Frau eines Doktors, als dieser von der Reise zurückkommt 'und sie ihn vom Bahnhose ab- holt: „Ja wo hast Du denn das Bukett? Ich sehe doch nichts, und Tu schriebst doch auf jeder Karte, daß Du mir schon wieder eine Blume bringst?!" _______
Scherzrätsel.
(A nagram m.)
Nachdruck verboten.
In Griechenland gab'S einst 'nen Thoren, Der prahlt' mit seiner Künstlerschaft Vor Göttern selbst, und ward mit Ohren, Die Niemand gerne tpägt, bestrast —
Zum letzten großen FastnachtSballe Halt' ich dies Kleid mir ausersehn. Doch ach, die Lenke riefen Alle: „Wie prächtig ihm die Ohren stehn V* „„Nur ist die Nase viel zu riesig!"" „Die ist doch", uzte man, „Natur!" Ich würd' erkannt und darum hieß ich Fortan nach meiner Nase nur.
Solch' mächtige Gestchtsverziertmg Wird vegetarisch ost benannt;
D'rum hieß ich — halt, die „Demasktrung" Macht alles Nähere bekannt.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des magischen Zahlenquadrais in voriger Nummerr
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Redaklion: Ernst Hetz. — Rotationsdruck und Vertag der Brühl'schm Universitäts-Buck- unb Steindruckeret, R. Lange, Dietzen,


