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Dem Waßren, Gdkeu, Schönen.
Ein Großstadtroman von F e d o r t>. Zabeltitz.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Im' Kontor saßen Imhoff. Soeben und RafaM an ihren .Schreibtischen. Ter interessante Italiener hatte ein Mas' Mit blühenden Rosen auf dem seinen. Ter Diener erschien Und meldete: „Herr Kapellmeister, Fräulein Rotheck ist da und fragt, ob sie Ihnen heute etwas Vorsingen dürfe"... „Sie soÜ mich in Frieden lassen, accidente!" fluchte Signor Urigo, „sie hat ein Gesicht wie ein-Uhu". . . „Mit dem Gesicht singt man nicht", meinte Herr von Soeben; „hören Sie sie an, .Herr Rafaäli" . . . Ter Agent Hvltinger erzählte Imhoff währenddessen von dem Th-eaterprojekt des bekannter: Heldendarstellers Carolus Tteckhoff. „Er will die Massiker poussieren", sagte er, „er hat ein gutes Personal in petto, er wird auch den Kainz kriegen" . . . „Frän- leiit, unser Ballett ist komplett", beinerkte Herr von Soeben zu dem vor ihm stehender! Dämchen, „es ist überreich besetzt." „Aber ich bin auch Pantominristin", entgegnete das Dämchen, „und bezahle meine Garderobe selbst"... „Tie bräutliche Schwester freite der Bruder", sang nebenan eine weibliche Stimme . . . „Er läßt alle Dekorationen neu malen", erzählte Herr Holtinger, „er will den Faust zweiten Teil in ungeahnt prächtiger Ausstattung gebe-,:" . . . „Herr Direktor, ich war zuletzt in Wien", sagte das Dämchen, „und habe eine Empfehlung von dem Grafen Kinsky bei Mir. . ." „Wenn Tteckhoff den Faust spielt, lausen die Leute davon", meinte Imhoff . . . „Liebes Kind, wenn Sie Mir eine Empfehlung von: Erzherzog Salvator bringen: ich habe keinen Platz mehr für Sie" . . . „Vereint sind Liebe und Lenz", saug es nebenan . . . „Er macht's mit der Ausstattung", sagte Herr Hvltinger . . .
Ter Diener kam: cs sei ein Herr draußen und frage an, ob das erste Fagott noch zu besetzen sei. „Sache des Herrn Kapellmeisters", schrie Imhoff. Seebcn empfing den Zeilen-Knappe, der sich Notizen holen wollte. „Was zu lancieren?" fragte Knappe, Platz nehmend und sein Durchschriftenheft aus der Tasche seines fleckigen Paletots ziehend, an den: noch immer der unterste Knopf fehlte. „Mancherlei", erwiderte Seeben; „ivir ivollen für Oper und Schauspiel je einen bestimmten Tirektionsrat schaffen, bestehend aus berühmten Schriftstellern und Musikern" . . . „'Ausgezeichnete Reklame", bemerkte Knappe, leckte an seinen: Bleistift und ließ ihn über das Papier fliegen . . . „Wissen Sie, daß Direktor Valentin die neue Operette von Plauquette erworben fjoi?" fragte Herr Holtinger. . . „Ties Weist hat eine total ausgesungene Stimme", schimpfte Rafaöli, wieder in das Zimmer tretend . . . „Herr Kapellmeister", sagte der Diener, „es ist ein Herr draußen, der anfrägt, ob das erste Fagott wohl noch zu besetzen sei" . . . „Notieren Die, Knappe", äußerte Herr von Seeben, „daß ich dem!-
nächst einen Vortrag über die moderne Opernregie halten will" . . . „Tas Fagott soll 'reinkommen!" ries RafaM und schüttelte seine Mähne. . . „Direktor Valentin kann' mich sonst 'was", sagte Imhoff . . .
Es war in diesem Raume ein beständiges 'Aus und Ein. Ta kau: ein Schntznrann mit irgend einer Anfrage von feiten des Polizeipräsidiums. Ein 'Angestellter von Siemens und Halske wollte wissen, nach welchem Systen: die Anlage des Bühnenlichts in 'Angriff gcnonnnen werden sollte. Em Erfinder ließ sich melden, der eine neue Regemnaschins konstruiert hatte. Herr Joses Berndal kam', Klage darüber! zu führen, daß die Bestellung für Portieren und Teppichs noch immer nicht eingelaufen sei. Tie Lieferanten stürmten das Bureau mit ihren Angeboten. Dazwischen erschien wieder ein Photograph, um das Direktorium bei Blitzlicht für eine illustrierte Zeitung aufzunehmen. Eine Frau brachte ein niedliches, kleines Mädchen, um es für Kindcrrolleu prüfe:: zu lassen. Ein verabschiedeter Offizier bat, ihn als! Kassierer engagieren zu wollen. Und immer wieder tauchten Gestalten auf, die sich auf Hammer bezogen. „Eine schöne Empfehlung von Herrn Baumeister Hammer, und ob wohl noch eine Stelle als Logenschließer für mich frei wäre"...- „Herr Baumeister Hammer schickt mich zu Ihnen; ich wollte fragen, ob die Theaterzettel nicht in meiner Offizin gedruckt werden könnten" . . . „Ich bin die Portiersfrau von' Herrn Baumeister Hammer, und da meinte der Herr Bau-, meister, die Parkettgarderobe würde wohl nicht nicht ver-i geben sein; mein Manu hat im letzten Kriege als Nuter- offizier gedient. . ."
Imhoff schäumte zuweilen aus. Tie Protektionswut: Hammers machte ihn nervös. Im übrigen war er behäbig geworden. Er trank nicht mehr so viel Rum und Kognak wie früher; er hielt sich an Bordeaux; seine Mittel erlaubten ihm das. Aber er war immer auf dem Fleck. Er war von früh bis spät auf den Beinen oder saß hinter den: Schreibtisch. Im Bureau zankte er sich viel. RafaM war unausstehlich : eine Krakeelernatur, gleichwie beständig geheizt. Mit seiner neuen Oper „Quartier latin" sollte! das Theater eröffnet werden. Wer der letzte Akt fehlte noch. Und RafaM schwor: wenn er tagsüber in diesem fürchterlichen Bureau tätig, wenn er verdammt sein müsse, jede gröhlcnde Sängerin und jeden stümpernden Violinisten! zu prüfen, wenn man ihm zumute, seine kostbare Zeit zu verschleudern, dann würde die Oper niemals fertig werden, — per dio, niemals. Er sei ein Künstler, keine Kontor-? maschine. Er schwor stets bei Jupiter oder beim Bacchus, rollte dabei die Augen, und schüttelte die schwarze Mähne.
Faialcr noch war für Imhoff Herr von Serben. De« biß den Mann von Welt, den vollendeten Aristokraten heraus. Er kam stets in dunklem Ueberrock auf das Bureau, mit einer Rosette im Knopfloch, und ließ sich in seiner Equipage abholen. Er lispelte beim Eintritt in das Kontor ein wbo». jour“ und beachtete die Mitgenossen dann nicht weiter. Nu


