Ausgabe 
5.1.1906
 
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fassen mußte. Das sorglos fröhliche Gesicht des Architekten verfinsterte sich plötzlich.Verrückt", meinte er. Es ging etwas wie verhaltene innere Unruhe über seine Züge.Wie kommen Sie darauf? Die Königliche Oper läßt gar keine Konkurrenz zu. Tas Haus würde ewig leer stehen."

Papperlappapp es würde ein glänzendes Geschäft werden, wenn der rechte Mann an die Spitze träte! Den hab ich. Hab auch schon den geeigneten Platz. Hab auch schon den Hauptgeldgeber."

Haben vielleicht auch schon den Baumeister, Sie Aller­weltskerl!"

Imhoff nickte.Henkel ivartet bloß drauf", sagte er.

Da wurde Hammer wütend. Er rückte seinen Zylinder­hut tiefer in die Stirn und zuckte mit der rechten Schulter. »Henkel! . . . Diesen Idioten! Diesen kläglichen Stümper!

. . ,Hofbaumeister' und sonst nichts! .... Der große Klasfizist! Der neue Schinkel! . . . Na, da baut euch nur eure Jammcrbudc! Muß gut werden. Ich freu mich drauf! Schickt mir eine Eintrittskarte zur Eröffnung! Ich lache mich gern einmal so recht von Herzen aus ..."

Er wollte gehen. Er war wirklich grimmig. Er sah einen Plan, mit dem er sich seit Jahren trug, und den er als Geheimnis' hütete, weil ihm die Zeit der Ausführung poch nicht aekoinmen schien, urplötzlich preisgegeben von anderer Seite ausgenommen sah ihn in den Händen von Stümpern und törichten Spekulanten und konnte sich nicht 'dawider wehren. Das ärgerte ihn umsomehr, als der einzige Mensch, den er haßte, der Hofbanmeister Waldemar Henkel war, der ihn um die Ausführung der Doinstifikirche dank seiner Beziehungen zur Hofkammer mit kluger Diplomatie betrogen hatte.

Er zupfte seinen Paletot glatt und ivollte gehen. Aber Imhoff hielt ihn zurück.

Ein Wort noch, Baumeister! Mensch, seien Sie nicht so aufgeregt! Der Name Henkel wirkt auf Sic wie ein rotes Tuch auf einen Puterhahn. Gut Henkel ist ein Idiot. Gut Henkel ist ein Kitschfabrikant; ich habe nichts mit ihm zu tun, Ich sagte: er ivartet bloß drauf. Aber er kann lange warten. Halten Sie mich für ein Schiff der Wüste? Bin ich ein Flußpferd? . . . Baumeister, wippen Sie nicht so mit den Füßen, als ob Sie jeden Augenblick Reißaus nehmen wollten, sondern hören Sie mich in Ruhe äh. Wollen Sie das? ..."

Hammer ivar stehen geblieben und warf einen raschen Blick auf Imhoff. Dieser halb verkonnuene Mensch hielt zuweilen allerlei Fäden in der Hand, denen zu folgen klug war.

Also was ist, Herr Imhofs? Ich habe zu tun. Ich habe wenig Zeit."

Mehr als nötig ist, Herr Baumeister. Ich fmte mich, daß uns der Zufall heute zusammengesührt hat. Als ich Sie im Saale sah, schoß mir im Augenblick der Gedanke durch den Kopf: den halte dir fest das ist dein Mann! Kennen Sie den kleinen Priestap?"

Nur flüchtig."

Na und? Ist Ihnen nicht sympathisch?"

Nein."

Weshalb nicht?"

Ich kann diese Art Zeittotschläger nicht leiden. Ich iummle selbst gern einmal; aber ich arbeite auch. Das absolute Nichtstun ist mir verhaßt."

Imhoff wiegte den Kopf auf den Schultern hin und her.

Geschmackssache, lieber Herr. Ich weiß nicht, was bekömmlicher ist, das Nichtstun oder die Arbeit. Aber sympathisch oder nicht: Sie müssen sich mit Priestap an­vettern."

Ich denke nicht d'ran. Was geht mich der fade Stutzer an! . . ."

Da nahm Imhoff wieder die Paletotklappe Hammers in die Hand und begann von neuem zu wispern:

Baumeister, dieser fade Stutzer hat das neue Opern- Hausprojekt sozusagen in der Hand!"

Hammer schüttelte den Kopf.Ihre Geheimniskrämers nützt mir nichts, Imhoff", sagte er.Entweder Sie drücken sich deutlicher ans oder ich gehe."

Sie werden nicht gehen, Baumeister. Sie werden die Liebenswürdigkeit haben und mich zivei Zimmer weiter be­gleiten. Das ist das Schlafgemach der Peretti. Da sitzt Priestap »ritten auf dem Teppich und ordnet die Brief­schaften der Verstorbenen .... Und nun sagen Sie kein Wort weiter: Kommen Sie mit alles weitere wird sich finden . . ."

Hammer war neugierig geworden. Diese halben An­deutungen Imhoffs reizten ihn. Er folgte ihm ohne weiteres.

Das nächste Zimmer war eine Art Boudoir. Aber es sah wüst aus. Hier hatte man die meisten Möbelstücke von den Wänden ab und in die Mitte des Gemachs gerückt. Auch allerhand Gegenstände, die ehedem nicht in das Zimmer gehört hatten, standen und lagen umher: ein großer Petro­leumkocher, eine noch ungeöffnete Kiste mit dem Firmen­stempel Clicguot Ponsardin, ein paar kleinere, zusauunen- gerollte und uinschnnrte Flurteppiche. Auf einem zierlichen Tischchen mit Lapislazuliplatte und vergoldeten Löwenfüßen lag ein mächtiger Badeschwamm neben einem billigen Musik­album, von dem man nicht wußte, wie es in dieses Interieur geraten sein mochte. Die Wände waren mit lichtblauer Seide überspannt, in die Sterne und goldene Sonnen ein­gestickt waren. Aber auf der einen Wandfläche befand sich ein großer ovaler Flecken; da ivar unter einem schönen venetianischen Spiegel der Seidenstoff flockig geworden. Der Spiegel lag auf der Erde und war mit einer dichten Staub­schicht bedeckt.

Imhoff hatte sich der Tür genähert, die in das nächste Zimmer führte, klopfte bescheiden an und öffnete sie ein wenig.

Verzeihung, Herr Baron", sagte er, durch die Spalte sprechend;Herr Baumeister Hammer ist hier . . . darf ich ihn hereinlasfen?"

Wer?' fragte eine müde, etwas fremdländisch akzentuiert klingende Stimme zurück.Hammer . . . wer ist das? Ach, der Baumeister Hammer ich weiß schon . . . Bitte sehr! . . ."

Nun öffnete Imhoff die Tür völlig und ließ Hammer voran.

(Fortsebiing folgt.)

«sikingssükforgs und Säug^ingsmikchküchsu.

Bon Dr. med. H. Ko epp c.

- (Originalartikel der Gießener Familienblätter.) (Schluß.)

Tie natürliche Nahrung der Säuglinge ist die M utter- m t l ch. Es fand sich, daß dort, wo die Säuglinge die Mutterbrust bekommen, z. B. in Norwegen, tvo die meisten Frauen ihre Kinder selbst stillen, noch eine geringe Säug- lingsmortalität (9,5 Proz.) verzeichnet wird; andererseits ist die Mortalität der Ammen linder, welche künstlich ernährt werden, weil sie die ihnen zukommende natürliche Nahrung einem anderen Kinde abgeben müssen, eine ganz enorm hohe. Alle Arbeiten über Süugliugsernührung klingen daher in der Forderung ans: dem Säugling seine natürliche Nahrung, die Brust der Mutter oder einer Amme. Warum können wir es nun nicht dahin bringen, daß jede Mutter ihr Kind selbst stillt? Auf die Beantwortung dieser Frage komme ich noch einmal zurück. Zunächst haben wir eben mit dem Faktor zu rechnen, daß ein großer Teil! von Säuglingen (2050 Proz.) auf künstliche Nahrung an­gewiesen ist, unb wir haben die Frage zu beantworten,, warum läßt sich die Frauenmilch nicht durch eine andere Nahrung ersetzen? Warum vertragen die Säuglinge nicht alle Tu er milch? (Romulus und Rewus wurden von einer Wölfin gesäugt, Löwen werden von Hunden gesäugt, oft auch mit Kuhmilch groß gezogen.) Wie viele Säug­linge sehen wir prachtvoll gedeihen, welche von Geburt ab nichts anderes bekamen als Vollmilch von der Kuh ohne) Verbesserungen und Zusätze irgend welcher Art? Tie Art- verfchiedenheit der Tiermilch von der Frauenmilch kann