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Jem Waprm, gbfen, Schönen.
Eirc Großstadtroman von Fedor v. Zobeltitz.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Er winkte mit dein grauen Kopfe. Hammer folgte ihm. Tie Luft im Auktionssaale war wirklich nicht an- genehm, und zum Mitbieten hatte er weder Lust noch Geld.
Btan mußte sich neuerdings durch die Menge drängen. DieZiual war Imhoff der Pfadfinder. Es ging an dem Fenster vorüber, in dem noch immer der dicke Fridolin Meyer stand, sich mit einem rotseidenen Taschentuch die Stirn trocknend und dabei vernehmlich schnaufend. Er hielt Hammer auf.
„Grüß' Gott, Baumeister. Baumeister, dies Herum- kaufen von Auktion zu Auktion ist verrückt. Und man tut's immer wieder. Die Peretti hatte ein paar Gruppen aus der ersten Meißener Zeit, mehr originell als schön — die muß id) haben. Eine Luft ist hier! Und ivill man das Fenster öffnen, dann blökt der alte Samuel ... Imhoff, kommen Sie 'nial her! Wie ist das mit diesem Priestap? War er wirklich ihr bevorzugter Amoroso? In aller Heimlichkeit? Ist er wirklich so blödsinnig reich? Und woher? Erzählen Sie mir doch 'mal —"
Aber Jinhosf hatte es eilig. Er zog wieder die Schultern hoch. „Ein andermal, Herr Gcheinirat , . . Uebrigens weiß ich gar nichts — gar nichts ... nicht in ehr als Sie , . .”
Er drängte Hammer, der ein paar Worte mit dem Konsul Werner gewechselt hatte, weiter nach einer Nebentür, an der ein Diener Wache hielt, der die beiden indessen ohne weiteres passieren ließ.
Sie traten in den ehemaligen Salon der Sängerin, ein großes, in edelstem Empire-Geschmack eingerichtetes Geniach, dessen Fußboden ein perlgrauer Teppich überspannte, in den Rosenbuketts eingewebt waren. Hier standen noch die meisten Möbel auf ihrem Platz; nur die Servante war ausgeräumt worden, und der Nippes fehlte überall auf Etageren und Gueridons. Die beiden großen Kronleuchter aus Porzellan waren verhängt, und über einem Tisch lag, vielleicht, um seine kostbare Platte zu schützen, eine Decke aus grober Sackleinewand. An allen Stücken waren Zettel befestigt mit den entsprechenden Nummern des Auktionskatalogs.
Imhoff schivatzte unaufhörlich. Er hatte in feiner aufdringlichen Vertraulichkeit den 'Baumeister unter den Arm gefaßt und machte ihn auf dies und das aufmerksam.
„Die Aufnahme des Inventars hat Mühe gekostet", sagte
er. Es war eine große Schererei. Sie ahnen nicht, was die Peretti alles zusannnenkaufte — und mehr noch: was sie sich schenken ließ! . . . hören Sie, lieber Baumeister, ich will ja nicht behaupten, daß ich ihr bis auf den Grund der Seele schauen konnte. Aber so ziemlich kannte ich sie. Und ich sage Ihnen: sie hat die Männerwelt ganz gehörig an der Nase herumgeführt. Ich sage Ihnen: sie wußte die großen und kleinen Schafskopfe gu nehmen. Sie war eine Versprech erin. Wissen Sie, was das heißt? Na, wenn Sie's nicht wissen, werden Sie sich's denken können. Sie gab nichts und nahm alles. Sie war kalt wie ein Hundeschnäuzerl. Ja, das war sie..."
Er zog Hammer vor die Servante, deren in reichem Jntarsienschmuck prangende Polisauderpilaster drei mächtige Glasscheiben umspannten. „Das, ivas hier drinnen stand, eine Fülle von Krimskram, das ivar allein seine zwanzigtausend Mark wert. Die Peretti verstand etivas von Antiquitäten. Sie kaufte gern, aber schacherte wie ein Mühlen- dammer. Für eine Sabotiere TalleyrandS hat sie in Brüssel drei Louis gezahlt — so stand in ihren Listen, und sie führte genau Buch; Samuel hat das Ding auf zweitausend Mark taxiert."
„Ja, sie verstand etwas", bestätigte Hammer, bewundernd vor dem Mitteltische stehenbleibend, von dem er die Leinewanddecke zurückgeschlagen hatte. „Diese färben» strahlende Mosaik ist einzig: das ist Limoges . . . Gott, wenn man Geld hätte!" —
Jinhosf lachte und schlug Hammer auf die Schulter. „Sie wollen klagen? Was hat Ihnen der Bau des Bern- dalschen Warenhauses eingebracht? Ein halbe Million. Wetten, Herr Hammer?!"
„Liebster, erstens mal ist das zwei Jahre her. Oder noch etwas länger. Und bei mir zerrinnt der Mammon rasch. Und dann: kein Gedanke an eine halbe Million! Tie Bern- dals sind scharmante Leute, verstehen aber zu rechnen."
„Woran bauen Sie jetzt?" fragte Imhoff.
„An Luftschlössern", antwortete Hammer und neigte sich tiefer über den Tisch, um die farbigen Lasuren besser betrachten zu können.
Der ehemalige Tenorist nickte. „Tas ist auch etwas werk. Luftschlösser verwirklichen sich oft. Die bau ich auch gern . . ." Er faßte Hammer ein dem offenstehenden Paletot und zog ihn an das nächste Fenster, machte ein geheimnisvolles Gesicht und fuhr ivispernd fort: „Ich habe eine Idee. Wissen Sie, was uns noch fehlt?"
„Viel", sagte Hammer und lächelte. z
„Scherz bei Seite. Ein zweites Opernhaus!"
Hammer knöpfte seinen Paletot zu, so daß Imhoff loS«


