451

bewundernswerte Schöpfung der gotischen Kunst, wenn auch ihre Türme unvollendet geblieben sind. Gotischer Kunst verdankt auch das schöne Portal des alten Hospitals St. Nikolaus (am Ausgang der Brunnen- und Lasallestraße) seine Entstehung. Einige bemerkenswerte Bauten sind ferner aus dem 16. Jahrhundert, der Zeit der Renaissance, noch erhalten, wie das Hinterhaus Goldschmiedstraße 33 (Be- fihpr ftprr fötiiTtnPT)

Im April des Jahres 1552 wurde die Stadt Metz, welche damals einschließlich der Vorstädte 60 000 Einwohner zählte, nebst dem zugehörigen Landgebiet (pays Messin) von den Franzosen besetzt. Ein im selben Jahre 1552 von Kaiser Karl V. gemachter Versuch, die Reichs­stadt wieder zu erobern, ist gescheitert: die Belagerung mußte mit der Jahreswende aufgegeben werden. Und so verblieb denn Frankreich im Besitze der Stadt bis 1870, nachdem es inzwischen durch den Westfälischen Frieden 1648 in seinem Besitz endgiltig bestätigt worden war.

Um eine wirksame Verteidigung der 1552 noch wenig starken Feste Metz vorzubereiten, hatte deren Verteidiger, Herzog Franz von Guise, die Vororte dem Erdboden gleich­machen lassen, darunter auch die ausgedehnte, im süd­lichen Vorgelände der Stadt, der alten FlurSablon" ge­legene und nach ihren kirchlichen AnlagenAd Basilicas" benannte Vorstadt. Dem Schicksal der Vernichtung verfiel daher auch die berühmte Abtei S. Arnulf, die nach der Stadt, in einen anderen Klosterban (jetzige Kriegsschule mit Allgemeinem Militärkasino) verlegt ward. Auch wurden innerhalb der Befestigung durch Herstellung eines breiten Verbindungsweges hinter der Ringmauer zahlreiche Ge­bäude niedergerissen und insbesondere ein ganzer Stadt­teil, zu dem das (kürzlich verschwundene) St. Barbara- Tor mit seiner denkwürdigen, jetzt vom Museum verwahrten Aufschrift*) den Zugang bildete, niedergelegt, um eine rück­wärtige Verteidigungslinie zu schaffen (Retranchement Guise). Auf dem Gelände, wo einstmals dieser verkehrreiche Stadtteil sich ausdehnte, ist später das Arsenal entstanden.

Dieser erheblichen Verkürzung der Stadt folgte bald eme weitere durch Anlage der Zitadelle (15561562), die sich über den noch heuteZitadelle" benannten Stadtteil nebst der anstoßenden Esvlanade und Kaiser Wilhelm- Platz erstreckte und erst seit Anfang des 19. Jahrhunderts wieder aufgelassen ist. Ueberhaupt ist erst seit der Besitz­nahme Frankreichs Metz zu dem großen Waffenplatz aus- gebaut, als welcher es allbekannt und genannt ist. Diese Verstärkung der Festung Metz geschah auf Kosten der bürger­lichen Stadt und hatte für diese neben der hervorgehobenen Einbuße an bebautem Gelände auch einen erheblichen Rück­gang der Bevölkerungszifser int Gefolge. Denn gegen Ende des 16. Jahrhunderts zählte man nur mehr 20 000 Bürger in der Stadt, von denen die Hälfte dazu noch aus Frankreich zugewandert war.

Besonders rührig wurde die Besestigung von Metz im 18. Jahrhundert betrieben, als nach dem Tode des be­rühmten Festungsbaunteisters Vauban (f 1707) sein Schüler und Nachsolger Cormontaigne die von jenem schon ge­planten vorgeschobenen Werke ansführte (Moselfort 1728 ff.; die Anlage dieser Festungsbauten erfolgte unter dem Gou­verneur Belle-Jsle, auf dessen unmittelbare Veranlassung auch andere große Veränderungen des inneren Stadtbildes zurückgehen. Denn aus militärischen Gründen, jedoch auf Kosten der Stadt, sind durch ihn zahlreiche enge Straßen verbreitert, Plätze und Straßen, wie die Belle-Jslestraße, die Gartenstraße, die Asfeldstraße, die Chatillonstraße usw, neugeschassen. Diese Verbesserungen der Verkehrswege inner­halb der Stadt, denen allerdings das altertümliche Gepräge der Straßen zum Opfer fiel, hatten auch Neubauten im Stil der französischen Spätrenaissance nach Plänen von Blonde! und anderen zur Folge. Dahin gehören das 1738 begonnene Theater (Hotel des Speetacles), das seit 1766 erbaute Stadthaus, welches die eine Langseite einer ent» stechenden, Wtzt teilweise verschwundenen architektonischen Umrahmung des neugeschaffenen Paradeplatzes bildete, der 1776 begonnene heutigeJustizpalast", der seine Bestimm­ung, dem Gouverneur der Stadt Metz und der zugehörigen Landestetle als würdiger Ersatz für dessen früheren Wohn- und Amtssitz zu dienen, nicht mehr erfüllt hat, sowie die vor die gothischen Bauten der Kathedrale und S. Vincenz . . *) I" französischer Sprache:Wenn wir Frieden haben drinnen, haben wir Frieden draußen^.

gesetzten Portale, von" denen das erstere neuerdings einem gotischen Portal Matz gemacht hat.

Die Revolution, durch welche (Ende 1789) Metz zur Hauptstadt des neugeschaffenen Moseldepartements wurde, brachte der Stadt die nämlichen Veränderungen, wie ganz Frankreich. Infolge der damals erfolgten Einziehung der Kirchengüter dienen heute viele vorher kirchliche Gebäude weltlichen Zwecken.

Nach dem Jahre 1866 wurde die Festung durch Anlage weit vorgeschobener Forts (St. Quentin, Plappeville, St. Julien u. a.) gesichert, doch als Frankreich 1870 Preußen den Krieg erklärte, waren die geplanten Werke teilweise überhaupt noch nicht begonnen. Der vollständige Ausbau und die Verstärkung dieses Fortgürtels blieb dem deutschen Reiche Vorbehalten, welchem Metz dank den kriegerischen Erfolgen des deutschen Heeres*) durch den Frankfurter Friedensvertrag 1871 zufiel.

Metz ist seitdem Hauptstadt des Bezirkes Lothringen der Reichslande Elsaß-Lothringen. Die Auswanderung ein­heimischer Familien ist inzwischen durch Zuwanderung, insbesondere aus Altdeutschland, ausgewogen.

Während aber in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg alles auf Verstärkung des Waffenplatzes sich zuspitzte, der heute neben Berlin die größte Besatzung im Reiche hat (an 25 000 Mann) ist seit einigen Jahren frisches Leben auch in die Entwicklung der bürgerlichen Stadt gekommen, nachdem Seine Majestät der Kaiser die Ausgabe der Stadtbefestigung verfügt hat. Große Umwälzungen der nächsten Umgebung von Metz waren die Folge: die Stadt­umwallung nebst den im Süden vorgefchobenen Werken haben neuen Straßenzügen und Bauanlagen Platz gemacht. Andere gründliche Umgestaltungen des Stadtbildes sind durch die Umwandlung der Kopfstation Metz in eine durch­gehende Eisenbahnlinie mit neuen Bahnhofanlagen ver­anlaßt. Die Einebnung der Stadtbefestigung verdanken die inzwischen dem Ausbau näher geführte Ringstraße sowie das int Stil der deutschen Renaissance in beherrschen­der Lage an der Südwestecke derZitadelle" erbaute Ge­neralkommando ihre Entstehung. Doch auch in der inneren Stadt sind in den letzten Jahren beachtenswerte Bauten erstanden. Zu nennen sind, neben der älteren, 18751881 in gotischem Stil erbauten evangelischen Garnisonkirche an der Belle-Jslestraße, die neue evangelische Stadtkirche, am Thaterplatz in romanischem Stil aufgeführt, und das bilder­reiche gotische Hauptportal der Kathedrale. Das Eckbild des letzteren stellt den Prophet Daniel dar; der Prophet trägt aber die Züge unseres Kaisers, wie auch Architekt und Bildhauer, einem alten Brauch folgend, ihre eigenen Bild­nisse auf der Innenseite des neuen Portalbaues angebracht haben. Während sich diese Umwandlungen des Stadtbildes vollziehen, wird in weiter Ferne ein zweiter, starker Fort­gürtel um die Festung gespannt.

Was indes den Besuchern die Stadt Metz schätzenswert macht, ist nicht bloß ihre Wichtigkeit als stärkster Waffen­platz des Reiches, sind auch nicht bloß ihre bereits aus­geführten oder noch in der Ausführung begriffenen viel­versprechenden Neubauten und ihre durch die Sammlungen des Museums oder durch alte Bauwerke teilweise verkörperte bedeutsame Geschichte, sondern auch ihre ebenso liebliche wie fruchtbare Umgebung (Spargeln, Mirabellen, Erd­beeren usw.).

Ueber den Reiz der Umgegend von Metz belehrt den Fremden ein Ausblick von unserer schier unvergleichlichen Esplanade. Wem aber Zeit gegönnt ist, der versäume nicht, die anmutigen, von Nebenanlagen umrankten Dörfer auf den Berghängen des linken Moselufers, wie Plappeville, Scy, Sie. Ruffine, Vaux, sich aus der Nahe zu betrachten.

*) 1870, 14. August: Schlacht bei Colombey-Nouilly auf dem rechten Moseluser; 16. August: Schlacht bei Bionville-Mars- la-Tour und 18. August: Schlacht bei Gravelotte-St. Privat, beide auf dem linken Moseluser, letzteremit verkehrter Front" geschlagen, eine große Seltenheit in der Kriegsgeschichte; 31. Aug. bis 1. September: Ausfall ostwärts gegen Noissevitle-Servigny; 27. Oktober: Kapitulation von Metz, abgeschlossen auf dem Schlöß­chen Frescaty (am jetzigen großen Truppenübungsplatz südlich von Metz.) ____________

Vermischtes.

* Bauerntum im Mittelalter. Der rechte deutsch! Bauer hatte von seinen Altvvrderen die Gewohnheit überkommen, lieber auf einem Einzelhos als in einem Dorfe zu Hausen. Die Gemeinden, welche ganz oder großenteils ans Frei- und