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Vermischtes

AasMonument der Arbeit" und fein Schöpfer.

Von E r n st S ch u r.

(Schluß.)

In Meunier ging dieses Gefühl eine neue Vnichung ent. Meunier ist nicht Franzose. Er ist Belgier'. Er hat neben brat snftig elementaren Gefühl bas Bedächtig-Schwere, die tiefe Em- psinbung Sein Temperament braust nicht auf, nm dann flackernd zusammenzusinken. Was' er erkannt hat, das fuhrt er durch und die Glut des schweren Pathos durchzieht sein ganzes ^erk. Seine Arbeiten wollen nicht blenden, nickst hulrerßen. yte haben die Ruhe der igenen Kraft) des vollen, m sich beschlossenen Seins Daher hat auch seine Kunst etwas, das die franzost- scheri Arbeiten nickt haben, jene durch nichts sich berrrenlastende Ka t der Erkennt,,is, die schließlich in ,edem Werk germugt dasteht Ja, das führte ihn überhaupt dazu, Kraft und ^chon- he t da zu entdecken, wo andere nur eine Augenblicksanklage formulieren, oder im Skizzrahaftra verharren Er, sah tw er. fei; sah das Eigene, das Rnhend-Monumentale, die Kraft, die in die Zukunft iveist. .

Eine eigene Stellung in MeninerZ Werken nehmen die Relies- arbeiten ein. Auch hier ist der Grundcharakter der geschlossene, einheitliche Eindruck, zu dem Meunier immer hinstrebt. Auf dem Hintergründe des Steins findet ein großzügiger Kampf der Kräfte statt, ein Hin- und Widerstreben. Dieser .Hintergrund ist nun nickt glatt und unbelebt. In außerordentlich freier Weise find Dinge zur Darstellung gebracht, die sich fönst der Wiedergabe entziehen. Man spürt das Licht, die Luft, in der diese Lange vor sich gehen. Diese Stimmung hält Hintergrund und Figuren zusanimen und bildet aus beiden ein bewegtes Ganzes, das um- fangen ist von atmosphäris^er Stinunmig Boll heben fick vorn die Figuren heraus. Dann stufen sich die Masten ab, bis hinten die lebten Dinge in leicht angebeuteten Koutitren mit der Fläche des Hintergrundes verschwimmen. Durch spar,ame An- dcutnngen ivirb der ganze Schauplatz' gegeben, auf dem der Vorgang sich ereignet. Wie kühn ist die Darstellung inBerg­mann vor Ort"! Da sehen wir nur in schiefer Stellung hingelagert den Arbeiter. Um ihil unregelmäßige Konturen bcS hangengeblie- benen Gesteins. Und wir haben sofort die Suggestion, daß dieser Arbeiter sich tief Ninter der Erdoberfläche befindet, daß er, sich in die Enge hineinzwängt und daß er nun in dieser Lage seine Stange in den Fels schlägt. Eine vollendete Ausbildung er­fuhr dieser Reliefstil in bratDenkmal der Arbeit , das das Lebenswerk des belgischen Bildhauers darstellt, in brat fick fern ganzes Schaffen konzentriert. Mit biesem Denkmal hat fick der Künstler eine lange Reihe von Jahren beschäftigt. Er hat immer ivieber über die beste Fassung der künstlerischen ^dce nackgedacht, hat probiert, verworfen und neue Plaue erdacht. Are ^dce, die ihni vorschwebte, war so groß und umfassenb, daß er nur schwer fick dazu zwingen konnte, sich zu bescheiden, nm die 0ioste des ganzen, einheitlicheir Eindruckes zu retten, zu erhalten. Schließlich bestimmte er, nachdem die Genehmigung zu erner Auf- stelluna auf einem öffentlichen Platze von der ^klerikalen ,ne- qierung versagt >var und deshalb der Plan eines Lockelausbauc.', der die vier Reliefs, oben die Statue des «aemannes, ^tragen sollte, folgende Anlage, in welcher Form es in dem Museum in Brüssel zur Aufstellung gelangen soll. _

Eilt Rundbau nimmt in vier geteilten Feldern die, Reliefs auf. Bier Figuren teilen die Abschnitte. In der Mitte steht der Säemaun, der den Samen über die Erde streut. .. .

In diesen vier Figuren hat Meunier je entern stypus eine prägnante Form gegeben. Es ift ein Bergarbeiter, cm Alter, ein Schmied, eine Mutter mit Kindern, «te lind in fick abge­schlossen und geben in ihrer prachtvoll isolierten Ävuzenrrrertycit Sammelpunkte der Betrachtung. Sie sind in Bronze ausgefuhrt. Dadurch betonen sie düster und machtvoll die Abgrenzung^ gtgen die dazwischen liegenden Reliefs, die hinter ihnen erickemen.

Diese Reliefs' stellen den Handel und den Ackerbau, den Berg­bau und die Industrie dar.

Arbeiter schleppen und schleifen die Waren vom .Achisch Säcke, Kisten werden getragen,, einer führt ein Pferd, cm Faß wird aerollt. Der Eindruck ist ruhig, ausgeglichen. ernt hat die Vorstellung eines offenen Hafens durch den ruhigen, wett- flächiqeii Hintergrund. Groß und gerade recken sich die Gestalten ohne Anstrengung in die Luft inib heben 1>ch leicht und ohiu Brechung der Linien ab. Dies ist derHandel . .

In derErnte" befinden ivir uns' auf dem Felde. Wir fpuren die Freiheit des unendlickeii Horizonts, des freien Himmels. Die Halme biegen sich. Wir stehen mitten int Aehrcnfeld. Ge­stalten kommen heraus, bücken sich, schneiden die,Halme. Es ist eine harmonische, gesegnete Arbeit, getan in freier -Natur. Die Gestalten sind in jeder Beziehung duyckgebildet und gesund. Die ruhig dastehende Figur der Aehrrasammlerin verstärkt diefen Eindruck. Es ist, als schwingt die volle, schöne Lust des Sommers über dem Felde, in dem die Jünglinge sich bewegen.

Dagegen betont der Bergbau den unheimlich düsteren Cha­rakter der unterirdischen Arbeit. Der scharf über brat Ganzen abschneidende Fels gibt die Suggestion; wir befiuden uns tief im Schoß der Erde. Die Körper steminen inib zwangen sich nt die Gänge. Mit voller Wucht arbeiten die Muskeln, die stark aus­geprägt sind. Schöne, ausdrucksvdlle Stummheit und Enge

* Die Fran als T i crschii v cr> ».. x»c Bestrebungen, bi" dahin zielen, den vom Menschen abhängigen Geschöpfen, den stieren, Sicherheit und Schuß vor Mißhandlungen zu gewahren, ziehen immer weitere Kreise überall da, wo die Kultur soir- schreitct. Einflußreiche Persönlichkeiten haben sich bereits zu den Dienst dieser guten Sache gestellt, da kann es nicht Wimder nehmen, Wenn auch ein Appell an die Frauen, snbraem ^ur- schutz zu widmen, nickt ungehört verhallen Wird. HN ivelcher Weise die Frauen sich 'nm den Tierschutz verdient mache» tonnen, erörterte am Dienstag in einer Versammlung des Bercins Frauenerwerb" General Alafor Zobel. In erster Linie find i,Ä so führte er aus, die Mütter, die auf ihre Kinder erzieherisch, eiuwirkcu können. Den Kindern die Liebe zu den .Ereren e,nzu- pslauzen, dem iiatürlicheu Hange des kindlichen ZciUchtmgs- triebes und der oft vorhandeneii Grau,mntett wOrlofen Ge­schöpfen gegenüber zu steuern, ist die Aufgabe der Muttn. -sie mache den Knaben und Mädchen klar, daß die Eaere ntcot t art Menschen als Spielzeuge dienen sollen (Käfer, «zroscke, Würmer, Fliegen und auch Schmetterlinge haben am meisten unter der kindlichen Spielwut zu leiden), sondern zur Freude oder »m.t Nutzen geschaffen sind. Besonders soll das Plündern der Bogel- nester den Kindern streng verboten werden. Versteht mw Mut er ca ihren Kindern verständlich zu machen, daß btc strere ebenso wie die Menschen Schmerz empfinden, können, 1? weckt sie da­durch das Mitleid und die Liebe zum Tier und erzieht die Kleinen selbst zu Tierschützern. Ebenso wie als! Mutter kann k,e auch als Hausfrau für den Tierschutz wirken. HU der Pflege der

drangt die Leute zusammen, die wir in ihrem Treiben und Tun beianschen. Hier ist alles gesammelt, während in derErnte", imHasen" alles mehr ausschreitcud, frei gehalten ist.

Den gleichen Eindruck konzentrierter Arbeit mit vereinten Kräften behält dieIndustrie" bei. Hier befinden wir uns in einer Glasfabrik. Das Feuer loht in prachtvoller Majestät. Hitze schwingt in dem Raum. Ein gewaltiger Moment ist hier gebannt, wie bte Männer mit Anstrengung aller Kraft brat Feuer trotzen und das Glühende zwingen.

Allen vier Reliefs ist das eilte eigen: die Konzentnerthcit des Eindrucks. Bewegung in Ruhe, Ruhe in Bewegung. Dir Männer sind halbnackt, wodurch Meunier die Gelegenheit erhielt, die Ausbildung des Körperlichen voll durckzuführen und je nach der Arbeit die Wirkung auf Muskeln und Gelenke zu modift- zicren Unter der ruhigen Oberfläche der Gleichheit ergibt sich hier ein kontrastreiches Widerspiel von Bewegungen und Nüancen. Immer hat Meunier darauf geachtet, ein allzuviel an Personen zu vermeiden. Maßvoll behält er nur das not­wendigste. Und dieses Notwendige fügt sich zu einem großen Rhythmus zusammen, der in den Linien des vorschreitenden Säcmaunes gehalten auskliiigt._ . .

Wie kein anderer sonst, schloß sich Meunier seiner Zeit, der Gegenwart an. Er konnte nichts anderes sein, als ent M rasch seiner Zeit. Er wollte nichts als nur den Typus der Gegenwart schaffen Kein fremder Ballast beschwert ihn. Er hat sich von alten Stilen befreit. Als Külturerscheinung, als.Mensch,, der aller Fesseln der Vergangenheit bar, steht er groß da.. Er ist ein Wahrheitsucher, der in dem Menschen der Gegenwart die eherne Erfüllung findet. Es kommt aber nicht nur daraus an, dieses Menschliche, Persönliche ausschließlich zu betonen. Wn, müssen das Künstlerische herauserkennen. In allen diesenArbeiten be­reitet sich'energisch ein Stil vor. Das.ist das-schone. Meunier macht resolut einen Anfang. Er stellt sick nickst rücksichtslos als alleinigen Prätendenten hin. Er läßt anderen den Weg tret und. zeigt, wie seine Küust als ein energischer Anfang.einer natur- wahren und gegenwartsstarken Kunst anszufnifeu. sei. aas ist ein Beweis seiner sozialen Auffassung. Er stellt ,ist «k Künstler nicht abseits. Er konzentriert den Mick nicht auf int, seine nerson, sondern auf sein Werk. Und mit diesem diente er der Al!ge>nem- heit Seit 1887 war Meunier Professor an der Aradenne zu Löwen. Er war ein stiller, einsamer Mensch, dem nur daran lag, Zeit und Muße zu seiner Arbeit zn haben. LoWen ist eme Stadt, die ihm diese Ruhe geben konnte. Hier lebte er acht kaahre in fast völliger Einsamkeit. Nur seine Familie war um ihn. Als sein Ansehen stieg, siedelte er nach Brüssel über.

Seit 1886 datiert eigentlich sein Ruhm. Er ging von Pans aus wo er intSalon" 1886 eine lobende Erwähnung, 1889 auf'der Weltausstellung dengroßen Preis", erhielt. Dann ver­lieh ihm München 1892 bte golbcne Medaille, 1896 gab Bing in Paris eine reichhaltige Zusammenstellung seiner, Werke in dem neuen KunstgewerbehausFort nouveau', die feinen Ruf, noch weiter ausdehnte,, 1897 erschien er in Dresden aus rer ersten großen Kunstausstellung, 1898 in Berlin bei Keller und Reiner. Danach beeilten sich die Museen,, Arbeiten vmi ..leunier zu erwerben. Dresden sicht da in erster Linie. \ 90J ei hielt Meunier noch einmal in Paris dengroßen Preis). Zur ;>(it sind einige der hervorragendsten Werke Meuniers nn v ranl- surter Rja t h au s's a a l e ausgestellt. , .

Bis' zum letzten Tag war er tätig gewesen, nt seinem großen, einfachen,' nur Arbeits'zwccken dienenden Atelier, das keinen Schmuck aufwies. Er starb am 3. April 1905. -